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Genau genommen ist dieses Album eigentlich ein Soundtrack, denn die Musikstücke dienen als Untermalung der neuesten Bühnenshow von „The Violet Tribe“,  welche man als Tanztheater bezeichnen könnte. Das Bühnenstück spielt in einem alten Grand Hotel, und das Publikum wird Zeuge der manchmal etwas seltsamen und skurrilen Ereignisse, die sich dort abspielen. So gibt es ein Hotel-Gespenst, einen Mord und auch ein betrunkener Pirat mit seiner Schatzkiste ist dabei. „The Violet Tribe“ entführen uns in eine längst vergangene Ära, die vom Anfang des letzten Jahrhunderts.

Alle Lieder dieses Soundtracks sind komponiert und/oder getextet von Bianca Stücker, der Frontfrau und Leadsängerin von „The Violet Tribe“. Während der Bühnenshow tanzt Bianca natürlich auch. Und wer die Gruppe kennt, weiß, daß sich alle Mitglieder musikalisch, sowie tänzerisch einbringen, als da sind: Henneth Annun, Svahara Aicanar, Miss Lily, Mariam Ala Rashi, Arzo Renz, die bereits eben genannte Bianca alias „Cinnamon Star“ und Oliver Pietsch, der Musiker, der sich lieber im Hintergrund hält und sich mit seiner dunklen Bekleidung kaum vom Bühnenhintergrund abhebt. Man muß schon genau hinsehen, um ihn zu entdecken. Aber hier geht es ja gar nicht um die Bühnenshow, sondern um das neue Album. Hier der Versuch, sich der Musik vom „Grand Hotel“ anzunähern und sie zu beschreiben, was bei diesen außergewöhnlichen Liedern wirklich nicht einfach ist.

1. Act II, Scene II (The Hotel Theatre):  Melodiös, gewaltig und dramatisch. The Violet Tribe singen uns etwas aus Shakespeares Tragödie MacBeth. Passend dazu die üppige Instrumentierung mit Bläsern, Paukenschlägen, Synthesizer, Dulcimer und e-Gitarre.

2. Starry Night (The Ballroom): Ein klaviergeprägtes Vintage-Gothic Stück mit Synthi-Hauchern, düster und elegisch. Voller Melancholie, Tragik und Open End…

3. Herr Biedermeier: Akkordeonklänge zu Tangorhythmen, aufgemotzt mit Synthesizer und Darbuka-Perkussion, den skurrilen Text entliehen den Worten von Ludwig Pfau, Schriftsteller und Revolutionär, der im vorletzten Jahrhundert mit seinen politischen Lyrik Bedeutung erlangte. Eine schöne, schräge Nummer.

4. Schleifchen aus Stahl (The Girls‘ Club): Zarte Spieluhrenklänge gemischt mit rockigem Hip-Hop und orientalischem Schlagwerkzeug. Passend dazu der Text, eine hoffentlich nicht ganz ernstzunehmende Warnung: „We are demons with a halo, we are candy made of poison … “

5. Zarani (The oriental Salon): Hier hört man die Schwüle des Orients mit Tabla und Darbuka, Zimbeln, Streichinstrumenten und traditionellem Text. Bianca Stimme klingt betörend und vernebelt einem die Sinne wie im Opiumrausch.

6. I Think No (The Hotel Bar): Ein heißer Blues-Rock mit Dulcimer-, Bläser- und Gitarren-Instrumentierung. Laszive Klänge und Gesänge zu eindeutig zweideutigem Liedtext.

7. Canción Del Pirata (An Uninvited Guest Appears): Auf ein melancholisches Hackbrett-Intro folgt ein sentimentaler, langsamer Rock-Walzer mit Dulcimer und Tabla, tiefen Celloklängen, vielen Tonartwechseln und spanischem Text, der im Original von José De Espronceda, einem spanischen Dichter der Romantik, stammt.

8. Spooky, Spooky (The Hotel Swamp): Ein gruseliges Liedchen mit schrägen Synthesizermelodien und coolen, versetzten 2-step Rhythmen (wie beim Hip-Hop), melodische „Twang“-Gitarrenklänge wie einst von Duane Eddy, Quietschen, Schreie, Kreischen, Kichern, unverständliche Wortfetzen und Geräusche wie aus Stummfilmzeiten. Eines meiner Lieblingslieder auf dieser CD.

9. Qual Guerriero In Campo Armato (The Opera): Barocke italienische Opernklänge, Streicher, Cello, e-Spinett, untermalt mit Kontratenor-Gesang. Dieser stammt von Frontfrau und Leadsängerin Bianca, die ihrer Stimme den Anstrich eines Falsett-Sängers verleiht. Begleitet wird sie von der nicht minder hübschen Altstimme Svahara Aicanars (Svenja Niedergriese).

10. The Gypsy Suite: Jetzt wird es zigan-orientalisch. Die Musik mit Bläsern, Flöten und Trommeln ist neu, den Text werden einige von Euch vielleicht erkennen, es ist der Anfang von „Opa Cupa“, einem traditionellen Roma-Zigeunerlied.

11. Vive Le Noble Roy De France (The King’s Chamber): Eine herrliche mehrstimmige Motette aus Zeiten der Renaissance, vom Komponisten Loyset Compère. Wunderschöne Flöten- und Gesangs-Kanons mit Harfen-Untermalung. Toll!

12. The Baroque Suite: Ein instrumentaler Barock-Walzer mit Streichern, Cello und Spinett. Unwirklich, zwischenweltlich, behäbig und doch luftig, wie ein Traum in dem Bilder entstehen, sich drehen und wieder vergehen…

13. High Ideals (The Hotel Disco) eine fetzige Synthesizer Disco-Nummer, im gespenstischen Violet Tribe Style.

14. TVT Has Left The Building: Die Rausschmeißer-Nummer: Drehorgelmusik und Jahrmarkt-Stimmung wie vom alten Grammophon, dann springt die Platte und verstummt. Ein Ansager teilt mit, dass The Violet Tribe das Gebäude verlassen haben.

Fazit: Ich habe die neue Show von The Violet Tribe schon auf der Premiere gesehen, und weiß deshalb, daß die Musik, so schön wie sie auch sei, nur die „halbe Miete“ ist. Kauft Euch das Album auf jeden Fall, es lohnt sich. Aber schaut Euch auch unbedingt die Bühnenshow dazu an, das lohnt sich erst recht!

Das Album ist u.a. erhältlich bei Balaha-Records
www.balaha-records.com

Ins Album reinhören kann man z.B. bei Amazon.de
http://www.amazon.de/Grand-hotel-Violet-Tribe
Eine CD-Rezension von Konstanze Winkler
Gespenster, Mord, und ein betrunkener Pirat...
The Violet Tribe - Grand Hotel
Album-Veröffentlichung:
Freitag, 22. Juli 2011