
Die Interviews zur Show



Im Gespräch: Aakasha al Kharma
von Marcel Bieger
Ihr seid quasi über Nacht ins Rampenlicht getreten und schlagartig bekannt geworden. Was aber habt Ihr bis dahin gemacht?
Wir tanzen seit sieben beziehungsweise zehn Jahren und haben uns bei „Luma Fortuna“, einer Tribalformation unter der Leitung von Suheila aus Dormagen, kennengelernt. Mit Luma Fortuna waren wir viel auf MittelaItermärkten unterwegs, z.B. auf Schloß Hülchrath (Neuss) und in Monheim, oder aber auch auf der Show "The Magic of Bellydance" 2009. Kurz danach haben wir die Gruppe verlassen, um eigene Wege zu gehen.
Angefangen haben wir mit dem klassichen Orientalischen Tanz, später kam dann der Tribal dazu, der uns mittlerweile immer mehr am Herzen liegt. Der Tribal Style ist für uns etwas Unentbehrliches geworden. Man kann so viel miteinander kombinieren, schier unerschöpflich, vor allem beim Fusion.

„al“ - da sind wir sehr ehrlich, bedeutet für uns nix und ist nur optische und klangliche Verschönerung.
Kharma - abgeleitet von Karma, kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Rad". Das Karma zwingt uns immer und immer wieder zu inkarnieren (uns neu zu verkörpern). Jede neue Verkörperung ist eine neue Möglichkeit des Lernens. Wichtig für uns ist hier die neue Verkörperung, die jedem unserer Tänze eine neue Gestalt, einen neuen Hintergrund und nicht zuletzt eine neue Geschichte gibt. Denn unsere Tänze (hauptsächlich die Bühnen-Choreos) sind meist die eigene Bewältigung unserer Gefühlswelt.
Unser Auftritt bei Alles Tribal VI, mit unserem Marionettentanz, war für uns ein großer Erfolg, und wir erfreuen uns immer noch an der vielen positiven Resonanz für unsere bisherigen Auftritte. So treten wir auch in diesem Jahr wieder mit diesem Stück auf.
Generell ist es uns besonders wichtig, die Musik zu interpretieren und nicht die Musik als Untermalung unseres Tanzes zu sehen. So haben wir uns auch von diesem Stück leiten lassen. Von den Stimmungen des Liedes und den in uns ausgelösten Gefühlen. Daraus entstand unser Tribal-Fusion „Marionettentanz“.
Zudem haben wir uns mit Anke Blum, Lehrerin für klassisches Ballett, in Verbindung gesetzt, um uns dort noch zusätzliche Inspirationen für unseren Tanz zu holen. Balletterfahrung hatte bis dato keiner von uns beiden, aber wir wollten gern ein paar Kleinigkeiten einbauen.
Die Kostüme sind von uns selbst entworfen, dazu haben wir uns teils von anderen Tänzerinnen inspirieren lassen. Es mußte auf jeden Fall etwas Helles sein und nicht schwarz oder rot, die klassischen Tribal Farben. Es sollte ja schließlich auch zum Thema passen, und mit hellen Farben verbindet man meistens direkt einen Vintage-Einfluß. Also starteten wir die Suche nach geeignetem Stoff für Hose, Top und Gürtel bis hin zu den kleinen Details, wie Blumen, etc. Stoffmärkte, Trödelmärkte und normale Bekleidungs- geschäfte sind dazu ja bestens geeignet. Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach Accessoires und glauben, das geht fast jeder Tänzerin so. Man sieht etwas und denkt "Wozu könnte das passen, was kann man daraus kreieren?" Manchmal ist es auch so, daß so ein Teil schon die Idee für einen neuen Tanz auslöst.
Die Kostüme sind komplett selbstgenäht (und das war ganz schön schweiß- treibend). Ich habe viel genäht, und Zayah hat zugeschnitten, zusammen-


Wir waren vorher keine ausgemachten Steampunkerinnen und sind auch jetzt noch keine. Es war nicht unser Anliegen, ein Steampunk-Stück zu erschaffen. Wenn für einige Menschen vielleicht doch eines daraus geworden ist, gut, dann ist das eben so. Damit können wir leben, und es freut uns auch, wenn einige unser Stück so interpretieren.
Bis vor wenigen Monaten wußten wir gar nicht, was Steampunk ist. Klar, die Stilrichtung ist nicht uninteressant, allein schon wegen der Kostüme und der Musik, aber wir werden uns sicher nicht darauf spezialisieren, dafür gibt es viel zu viele gute Ideen in unseren Köpfen, die darauf warten umgesetzt zu werden.
Wir haben allerdings die Bewegung des Steampunks wahrgenommen und werden noch bis Ende des Jahres ein richtiges Steampunkstück parat haben. Die Musik, Ideen zum Tanz und für die Kostüme haben wir schon, allerdings haben jetzt erst mal andere Projekte Vorrang.
Natürlich war die Resonanz, die wir zu unserem „Marionettentanz“ bekommen haben, für uns überwältigend. Wir haben bisher viele positive, aber auch kritische Stimmen und Meinungen gehört. Ich glaube, es ist bei unserem Stück wie mit der Oper, entweder man liebt es oder man haßt es, ein Mittelding gibt es nicht. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn uns gefällt ja auch nicht alles, was andere Tänzerinnen zeigen. Es muß einen eben berühren und ansprechen.
Viele denken ja auch, wenn sie Fusion lesen, sie sehen jetzt viele Pops und Locks

Oh ja, und darauf freuen wir uns schon sehr! Wir haben auf der Tribal Passion Party bei Eliana (s. Bericht in dieser Zeitung) unseren Marionettentanz vorgetragen, und in der Folge ist das Organisations-Team von „Colors of Tribal“ an uns herangetreten und hat uns zu der Veranstaltung eingeladen, weil wir einen besonders zum Show-Konzept passenden Auftritt im Programm haben! Wir haben natürlich zugesagt! Für uns ist der Auftritt bei "Colors of Tribal" eine große Anerkennung unseres Tanzes und macht uns sehr stolz.
Ganz besonders freuen wir uns auf Carolena Nericcio, Wendy Allen und Megha Gavin (da müssen wir doch glatt mal unser eher bescheidenes Englisch wieder auffrischen). Aber auch auf Shir o Shakar, mit denen haben wir bei "Magic of Bellydance 2010" die Umkleide geteilt und sehr viel Spaß gehabt.

Im Juni 2010 haben wir einen neuen Tribal Stamm, „MaidendanZ“ mitge- gründet. Hier stehen natürlich auch Training und neue Tänze an, wobei hier der Improvisation ein großer Raum gegeben wird. D.h. die Planung und Organisation ist natürlich eine völlig andere. Zayah und ich arbeiten ja verstärkt mit Choreografien, das dauert dann schon mal was länger.
Zudem erweitern wir stetig unsere Feuertechnik, also Tanz mit Feuer-Pois, Feuerfächern und Fackeln. Dies hauptsächlich in Verbindung mit ITS und somit improvisiert. Wir tanzen auch klassisch-orientalischen Tanz in der Auftrittsgruppe Afsana, bei Humayra in Viersen. Wobei wir den klassichen OT nur noch für uns und für die Auftritte der Gruppe Afsana tanzen.
Na das ist auch gut so, denn wir haben noch mehr zu bieten! Nun ja, Pläne haben wir viel zu viele, um sie alle auf einmal umzusetzen. Zur Zeit arbeiten wir an 3 weiteren Tänzen, um eben auch etwas Auswahl zu haben. Das erste davon wird wohl im Mai uraufgeführt. Danach kommt das Steampunk-Stück, und mal sehen, wohin uns die Reise dann führt. Wir sind allem gegenüber offen und verfolgen natürlich auch die Szene und ihre Entwicklung. Wobei wir uns davon nicht lenken lassen wollen. Wir möchten unsere eigenen Kreationen schaffen, der besondere Reiz liegt ja darin etwas zu erschaffen, was noch nicht so verbreitet ist oder eben völlig neu. Obwohl Letzteres wohl mittlerweile schon schwierig wird.
Ihr seht Euch als Bestandteil der deutschen Tribal- und Bauchtanz-Szene. Wie seht Ihr die Szene, und was könnte besser gemacht werden.
Sicher sehen wir uns als Bestandteil der deutschen Tribal- und Bauchtanz-Szene, wie alle anderen auch. Jeder der tanzt, gehört auf seine Weise mit dazu, oder etwa nicht?
Natürlich gibt es auch hierzulande die Stars und Sternchen, und das ist auch gut so. Dies allein nimmt den anderen aber nicht ihre Daseinsberechtigung. Wir sind alle durch das Tribaln miteinander verbunden, haben ein gemeinsames Interesse und somit auch ähnliche Ziele.

Tja, aber was könnte besser gemacht werden? Uns fehlt es ein wenig an gegenseitiger Unterstützung. Die Deutschen sind da wohl eher etwas egoistisch veranlagt. Nein, man kann es nicht verallgemeinern, denn es gibt durchaus Tänzerinnen und Stämme, bei denen das nicht der Fall ist. Aber mal ehrlich, wenn man neu und noch unbekannt ist, hat man es in dieser Szene oft sehr schwer, Fuß zu fassen. Da ist es schon toll, das einige Tänzerinnen Open-Stage Veranstaltungen organisieren, wo sich auch die „Unbekannten“ präsentieren können.
Die Homepage von Aakasha al Kharma: www.aakasha-al-kharma.de
