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"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Dillenburg

Die Interviews zur Show

"Das Tribal-Festival des Tribal D.A.CH.-Vereins Ende Juli wirft seine Schatten voraus, und immer mehr Tänzerinnen sind schon gespannt, was dort zum ATS geboten und als Richtschnur für Deutschland gezeigt wird. "Hagalla" unterstützt diese Veranstaltung und wird in lockerer Folge die Künstler, die in der ersten Show dieser Art auftreten, zum Interview bitten. Daß "Colors of Tribal", wie es programmatisch heißt, fortgesetzt wird, steht außer Frage, und eines fernen Tages werden diejenigen, die beim ersten Mal dabei gewesen sind, mit Stolz darauf zurückblicken. Den Anfang machen "Aakasha al Kharma". Weil sie zur jungen Tänzerinnen-Generation gehören, weil sie im letzten Jahr mit ihrem "Marionetten-Tanz" neue Wege gezeigt haben und, ganz einfach, weil sie "Aakasha al Kharma" sind."
"ALLE IDEEN IN SAMENFORM "

Im Gespräch: Aakasha al Kharma
von Marcel Bieger


Ihr seid quasi über Nacht ins Rampenlicht getreten und schlagartig bekannt geworden. Was aber habt Ihr bis dahin gemacht?

Wir tanzen seit sieben beziehungsweise zehn Jahren und haben uns bei „Luma Fortuna“, einer Tribalformation unter der Leitung von Suheila aus Dormagen, kennengelernt. Mit Luma Fortuna waren wir viel auf MittelaItermärkten unterwegs, z.B. auf Schloß Hülchrath (Neuss) und in Monheim, oder aber auch auf der Show "The Magic of Bellydance" 2009. Kurz danach haben wir die Gruppe verlassen, um eigene Wege zu gehen.

Angefangen haben wir mit dem klassichen Orientalischen Tanz, später kam dann der Tribal dazu, der uns mittlerweile immer mehr am Herzen liegt. Der Tribal Style ist für uns etwas Unentbehrliches geworden. Man kann so viel miteinander kombinieren, schier unerschöpflich, vor allem beim Fusion.

Zayah und Nurija sind "Aakasha al Kharma"
Auf der Fahrt zu einem ersten gemeinsamen Auftritt im September 2007, haben wir unsere Interessen, Ideen und Vorstellungen ausgetauscht und festgestellt, daß wir auf der gleichen Welle schwimmen. Nach dem Auftritt und auf dem Weg nach Hause stand dann fest, daß wir beide unsere eigenen Ideen verwirklichen wollen, und die Geburtsstunde unseres Duos war gekommen. Angefangen haben wir unter dem Namen Duo Zaafinah, aber den Namen haben wir bald abgelegt, denn mal ehrlich: Tanzende Mädchen - aus diesem Alter sind wir dann doch schon was raus. Also musste ein neuer Name her - Aakasha al Kharma.
Aakasha stammt aus der Sprache Pali, in welcher die buddhistischen Urtexte verfaßst sind und bedeutet ursprünglich "Raum". Auch bezeichnet es die Sphäre der 5 Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde, Äther), die Wesensfülle, oder der Grund des Daseins. Im Internet habe ich eine für uns sehr treffende Bezeichnung gefunden: Im Aakasha ist alles als Idee in Samenform enthalten. Es verbindet alles Seiende miteinander, denn es befindet sich jenseits der von uns wahrgenommenen Raum-Zeit-Realität. Es ist ewig, vollkommen, unendlich, ohne Ausdehnung, ohne Raum, ohne Zeit, es enthält das Potential für alles, was sein kann, was war und was sein wird.

„al“ - da sind wir sehr ehrlich, bedeutet für uns nix und ist nur optische und klangliche Verschönerung.

Kharma - abgeleitet von Karma, kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Rad". Das Karma zwingt uns immer und immer wieder zu inkarnieren (uns neu zu verkörpern). Jede neue Verkörperung ist eine neue Möglichkeit des Lernens. Wichtig für uns ist hier die neue Verkörperung, die jedem unserer Tänze eine neue Gestalt, einen neuen Hintergrund und nicht zuletzt eine neue Geschichte gibt. Denn unsere Tänze (hauptsächlich die Bühnen-Choreos) sind meist die eigene Bewältigung unserer Gefühlswelt.

Hauptsächlich tanzen wir ITS - Improvisational Tribal Style - mit Einflüssen von FCBD und GC. Der Tribal-Fusion geht auch an uns nicht so ganz vorbei, und wir nehmen auch diese Stilrichtung allmählich mit in unser Repertoire auf. Wobei wir das Improvisieren nie aus dem Auge verlieren werden.
Wir hatten schon viele gemeinsame Auftritte auf privaten und öffentlichen Veranstaltungen, z.B. auf der arabischen Nacht 2010 in Dormagen mit unserem Amazonas Fantasy Stück (afro-orientalisch), Auftritte auf der Veranstaltung "The Magic of Bellydance 2009", auf Schloß Hülchrath in Neuss, ITS in Verbindung mit Feuer und einer Tribal-Drum Performance, auf dem Benefizfestival Rocking Hood in Solingen 2009 und bei Charocky 2010 in Neuss.

Unser Auftritt bei Alles Tribal VI, mit unserem Marionettentanz, war für uns ein großer Erfolg, und wir erfreuen uns immer noch an der vielen positiven Resonanz für unsere bisherigen Auftritte. So treten wir auch in diesem Jahr wieder mit diesem Stück auf.  

"Arabische Nacht" in Dormagen 2010
Wie ist dieses Stück von der Marionette, die zum Leben erweckt wird, entstanden, wer hat sich die Geschichte ausgedacht, wer die Kostüme entworfen und geschneidert, wer hat die Musik ausgesucht?

Hm, angefangen hat es eigentlich mit einem Video von Kendra Searls auf You Tube, sie tanzt dort auf das Stück *Ruler of One* von Dax Johnson. Die Musik gefiel und inspirierte uns, und ich machte mich auf die Suche nach mehr Material von Dax Johnson, bis ich *Still Small Voice* entdeckt habe. Dieses Stück habe ich meiner Partnerin Zayah vorgespielt, und sie fand es, genauso wie ich, einfach toll. Nun hatten wir die Musik, die tief in uns etwas berührte. Diese Gefühle von Hoffnung, Stille, Freude und auch Leid, die das Stück in uns auslöste, wollten nun in einem Tanz umgesetzt werden. Ich weiß nicht mehr, wer von uns beiden die Idee für die zum Leben erwachte Marionette hatte, sie war auf einmal einfach da.
Diese Interpretation erschien uns als unumgänglich, denn sie verkörperte alle Gefühle, die wir empfanden.

Generell ist es uns besonders wichtig, die Musik zu interpretieren und nicht die Musik als Untermalung unseres Tanzes zu sehen. So haben wir uns auch von diesem Stück leiten lassen. Von den Stimmungen des Liedes und den in uns ausgelösten Gefühlen. Daraus entstand unser Tribal-Fusion „Marionettentanz“.

Zudem haben wir uns mit Anke Blum, Lehrerin für klassisches Ballett, in Verbindung gesetzt, um uns dort noch zusätzliche Inspirationen für unseren Tanz zu holen. Balletterfahrung hatte bis dato keiner von uns beiden, aber wir wollten gern ein paar Kleinigkeiten einbauen.

Die Kostüme sind von uns selbst entworfen, dazu haben wir uns teils von anderen Tänzerinnen inspirieren lassen. Es mußte auf jeden Fall etwas Helles sein und nicht schwarz oder rot, die klassischen Tribal Farben. Es sollte ja schließlich auch zum Thema passen, und mit hellen Farben verbindet man meistens direkt einen Vintage-Einfluß. Also starteten wir die Suche nach geeignetem Stoff für Hose, Top und Gürtel bis hin zu den kleinen Details, wie Blumen, etc. Stoffmärkte, Trödelmärkte und normale Bekleidungs- geschäfte sind dazu ja bestens geeignet. Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach Accessoires und glauben, das geht fast jeder Tänzerin so. Man sieht etwas und denkt "Wozu könnte das passen, was kann man daraus kreieren?" Manchmal ist es auch so, daß so ein Teil schon die Idee für einen neuen Tanz auslöst.

Die Kostüme sind komplett selbstgenäht (und das war ganz schön schweiß- treibend). Ich habe viel genäht, und Zayah hat zugeschnitten, zusammen-

gesteckt und die Kleiderpuppe gespielt (und mußte einige Piekser über sich ergehen lassen). Wir sind ja keine Schneiderinnen und sicher sind unsere Kostüme alles andere als perfekt genäht, aber man freut sich umso mehr, wenn die eigene Kreation dann fertig ist und dazu noch gut aussieht.
Ihr wart vorher keine ausgemachten "Steampunkerinnen", habt aber mit diesem einen Stück dem Steampunk in Deutschland den Boden bereitet. Was habt Ihr darauf für Resonanz bekommen, wie nehmen die Leute das Stück auf.

Wir waren vorher keine ausgemachten Steampunkerinnen und sind auch jetzt noch keine. Es war nicht unser Anliegen, ein Steampunk-Stück zu erschaffen. Wenn für einige Menschen vielleicht doch eines daraus geworden ist, gut, dann ist das eben so. Damit können wir leben, und es freut uns auch, wenn einige unser Stück so interpretieren.

Bis vor wenigen Monaten wußten wir gar nicht, was Steampunk ist. Klar, die Stilrichtung ist nicht uninteressant, allein schon wegen der Kostüme und der Musik, aber wir werden uns sicher nicht darauf spezialisieren, dafür gibt es viel zu viele gute Ideen in unseren Köpfen, die darauf warten umgesetzt zu werden.

Wir haben allerdings die Bewegung des Steampunks wahrgenommen und werden noch bis Ende des Jahres ein richtiges Steampunkstück parat haben. Die Musik, Ideen zum Tanz und für die Kostüme haben wir schon, allerdings haben jetzt erst mal andere Projekte Vorrang.

Natürlich war die Resonanz, die wir zu unserem „Marionettentanz“ bekommen haben, für uns überwältigend. Wir haben bisher viele positive, aber auch kritische Stimmen und Meinungen gehört. Ich glaube, es ist bei unserem Stück wie mit der Oper, entweder man liebt es oder man haßt es, ein Mittelding gibt es nicht. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn uns gefällt ja auch nicht alles, was andere Tänzerinnen zeigen. Es muß einen eben berühren und ansprechen.

Viele denken ja auch, wenn sie Fusion lesen, sie sehen jetzt viele Pops und Locks

und hören irgendwelche Elektro-Sounds dazu. Na ja, das wird man bei diesem Tanz vergeblich suchen. Er ist ein sehr sinnlicher Tanz, mit vielen klassischen Tribalbewegungen, der völlig ohne Muskelzucken auskommt. Wir verstehen unter Tribal-Fusion eben die Verschmelzung von Tribal Style im ursprünglichen Sinne, gepaart mit Fusionen aus anderen Tanzrichtungen (dabei hat der Tribal Style den größten Anteil). Es ist uns wichtig, unseren Tanz in eine Geschichte zu verpacken, die den Zuschauer berührt. Dabei soll ihm der Freiraum gegeben werden, seine ganz eigenen Erfahrungen und Gefühle damit zu verbinden.
Ihr tretet beim ersten Festival des Tribal DACH Vereins „Colors of Tribal“ auf, eine ziemliche Ehre. Wie seid Ihr daran geraten und was bedeutet Euch das?

Oh ja, und darauf freuen wir uns schon sehr! Wir haben auf der Tribal Passion Party bei Eliana (s. Bericht in dieser Zeitung) unseren Marionettentanz vorgetragen, und in der Folge ist das Organisations-Team von „Colors of Tribal“ an uns herangetreten und hat uns zu der Veranstaltung eingeladen,  weil wir einen besonders zum Show-Konzept passenden Auftritt im Programm haben! Wir haben natürlich zugesagt! Für uns ist der Auftritt bei "Colors of Tribal" eine große Anerkennung unseres Tanzes und macht uns sehr stolz.

Ganz besonders freuen wir uns auf Carolena Nericcio, Wendy Allen und Megha Gavin (da müssen wir doch glatt mal unser eher bescheidenes Englisch wieder auffrischen). Aber auch auf Shir o Shakar, mit denen haben wir bei "Magic of Bellydance 2010" die Umkleide geteilt und sehr viel Spaß gehabt.

Dadurch daß Zayah bald ihre Doktorarbeit schreiben wird (sie studiert Medizin), sind wir zeitlich etwas eingeschränkt. Das Berufliche geht eben noch vor, da muß die Kunst etwas warten...

Im Juni 2010 haben wir einen neuen Tribal Stamm, „MaidendanZ“ mitge- gründet. Hier stehen natürlich auch Training und neue Tänze an, wobei hier der Improvisation ein großer Raum gegeben wird. D.h. die Planung und Organisation ist natürlich eine völlig andere. Zayah und ich arbeiten ja verstärkt mit Choreografien, das dauert dann schon mal was länger.

Zudem erweitern wir stetig unsere Feuertechnik, also Tanz mit Feuer-Pois, Feuerfächern und Fackeln. Dies hauptsächlich in Verbindung mit ITS und somit improvisiert. Wir tanzen auch klassisch-orientalischen Tanz in der Auftrittsgruppe Afsana, bei Humayra in Viersen. Wobei wir den klassichen OT nur noch für uns und für die Auftritte der Gruppe Afsana tanzen.

Ich will Euch nicht auf ein Stück reduzieren, was macht Ihr sonst noch, und wie sehen Eure weiteren Pläne aus?

Na das ist auch gut so, denn wir haben noch mehr zu bieten! Nun ja, Pläne haben wir viel zu viele, um sie alle auf einmal umzusetzen. Zur Zeit arbeiten wir an 3 weiteren Tänzen, um eben auch etwas Auswahl zu haben. Das erste davon wird wohl im Mai uraufgeführt. Danach kommt das Steampunk-Stück, und mal sehen, wohin uns die Reise dann führt. Wir sind allem gegenüber offen und verfolgen natürlich auch die Szene und ihre Entwicklung. Wobei wir uns davon nicht lenken lassen wollen. Wir möchten unsere eigenen Kreationen schaffen, der besondere Reiz liegt ja darin etwas zu erschaffen, was noch nicht so verbreitet ist oder eben völlig neu. Obwohl Letzteres wohl mittlerweile schon schwierig wird.

Ab November 2011 habe ich Gabriella nach Viersen eingeladen, um uns und anderen dort ihre Workshop-Reihe „Nea´s Fundamentals“ zu vermitteln. Wer möchte, kann sich dazu gerne mit mir in Verbindung setzen, es sind noch Plätze frei!

Ihr seht Euch als Bestandteil der deutschen Tribal- und Bauchtanz-Szene. Wie seht Ihr die Szene, und was könnte besser gemacht werden.

Sicher sehen wir uns als Bestandteil der deutschen Tribal- und Bauchtanz-Szene, wie alle anderen auch. Jeder der tanzt, gehört auf seine Weise mit dazu, oder etwa nicht?

Natürlich gibt es auch hierzulande die Stars und Sternchen, und das ist auch gut so. Dies allein nimmt den anderen aber nicht ihre Daseinsberechtigung. Wir sind alle durch das Tribaln miteinander verbunden, haben ein gemeinsames Interesse und somit auch ähnliche Ziele.

Die Szene in Deutschland steckt in einer großen Entwicklung, und ich glaube, wenn man es mal von der Größen-Relation der Länder (USA und Deutschland) her sieht, stehen wir Deutschen den Amerikanern in nichts nach. Deutschland ist halt relativ klein aber mittlerweile erkennen auch die Amerikaner unsere Entwicklung hier. Nicht umsonst waren Perlatentia Ende letzten Jahres in Amerika.

Tja, aber was könnte besser gemacht werden? Uns fehlt es ein wenig an gegenseitiger Unterstützung. Die Deutschen sind da wohl eher etwas egoistisch veranlagt. Nein, man kann es nicht verallgemeinern, denn es gibt durchaus Tänzerinnen und Stämme, bei denen das nicht der Fall ist. Aber mal ehrlich, wenn man neu und noch unbekannt ist, hat man es in dieser Szene oft sehr schwer, Fuß zu fassen. Da ist es schon toll, das einige Tänzerinnen Open-Stage Veranstaltungen organisieren, wo sich auch die „Unbekannten“ präsentieren können.

Die Homepage von Aakasha al Kharma: www.aakasha-al-kharma.de

Zayah
Nurija
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de