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"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Dillenburg

Die Interviews zur Show

Petra „Esmea“ Kaiser ist schon lange in der Tribal-Szene dabei und kann einiges erzählen. Sie tanzt in Gabriellas „Neas Tribal“ mit, hat aber auch ihren eigenen Stamm – „Alhazar“. Und mit dem tritt sie bei „Tribal Colors“, dem Festival des Tribal D.A.CH.-Vereins im Juli des Jahres in Elsoff bei Dillenburg. Alhazar unterscheidet sich von anderen Tribal-Gruppen insoweit, daß man sich auch mit anderen Tänzen und Musikstilen auseinandersetzt und diese in den eigenen Tribal einfließen läßt – insbesondere lateinamerikanische Angelegenheiten. Lest hier, was es über „Alhazar“  zu erfahren gibt.
AUF DER BÜHNE WISSEN WIR NICHT,
WAS NOCH PASSIEREN WIRD

Interview mit Esmea von „Alhazar“

von Marcel Bieger

Wie lange gibt es Alhazar, wie ist es zur Gründung gekommen, welche Stile tanzt ihr?

Alhazar hat als orientalische Tanzgruppe begonnen unter der Leitung von Sabine Cermann-Hanewinkel und später von Sophia Chariarse. 1997 wurde der Verein „Freundeskreis von orientalischen Tänzen in Westerburg und Umgebung“ gegründet, und wir haben klassischen Bauchtanz  getanzt – das waren auch meine persönlichen Anfänge im Orientalischen Tanz.

Unter der Leitung von Sophia Chariarse gaben wir uns einen Namen: „Alhazar“ … das war im Jahr 2000, ja, weil am 12.8.2000 unser erster offizieller Auftritt bei einem Burgfest im Westerwald ins Haus stand, und Sophia tanzte mit uns zusammen … ich schaue gerade die Fotos von damals an: Wir trugen schwarze Bodies, Bauchtanzröcke und Münzgürtel. Ich habe nur noch wenig Erinnerung an die Namensfindung – er entstand aus der Phantasie, und die Schreibweise haben wir zunächst mehrfach angepaßt.

Als Sophia uns aus persönlichen Gründen verließ, standen wir zunächst ohne Leitung da … und wie das manchmal im Leben so ist, bekam ich im Laufe der Zeit die Gruppenleitung, da ich einfach immer „irgend etwas“ für unsere Trainingsstunden vorbereitet hatte und die anderen Tänzerinnen sich auf mich verließen.

Tribal Style haben wir (Alhazar bestand zu diesem Zeitpunkt aus 4 Tänzerinnen und Sophia Chariarse als Leitung) zum ersten Mal Ende 2000 bei einem Besuch des Tanzstudios Tanz-Oase in Dillenburg beim Training von Nea’s Tribal gesehen und später dann bei einem Bühnenauftritt von Nea’s Tribal im Rahmen des Orient Magazin Festivals im Westerwald. Das hat mich sofort begeistert. Das war das, was ich wollte, aber es erforderte einiges an Überzeugungsarbeit, bis meine damaligen Alhazar-Mädels dies auch wollten.

In 2001 tanzten 3 Alhazar-Tänzerinnen zum ersten Mal Tribal Style Dance – und zwar in der Workshopgruppe von Nea’s Tribal zusammen mit Nea’s Tribal beim Freundschaftstanzen in Limburg-Offheim (veranstaltet von Inta Omri), und der Tribal-Virus nahm uns alle gefangen.

Alhazar ist eine Tanzgruppe sozusagen im Fluß der Veränderung, denn unsere Zusammensetzung ändert sich alle zwei bis drei Jahre, was der Verbundenheit aber keinen Abbruch tut.
Neue Frauen, die hinzukommen und auch bleiben, sind dann voll engagiert und willens, ihre Energie in den Tanz und die Gruppe zu tragen.

Welche Stile tanzen wir? In erster Linie Tribal Style Dance (was ich persönlich nach wie vor so nennen möchte) … eine Mixtur aus ATS (FCBD), Bewegungen von Gypsy Caravan, Nea’s Fundamentals und eigenen Moves. Wir haben uns relativ früh auf die spanischen Anteile im ATS konzentriert (Turns, Handfloreos etc.) und diese bewußt in unseren Stil integriert, sei es mittels spanisch angehauchter Musik, integrierten Sevillanas (spanischer Volkstanz), Schrittfolgen aus dem Flamenco, Rockschwünge und –würfe oder Kostümdetails … und nennen dies mittlerweile Tribal Dance Spanish Style. Hier kann ich nur wiederholen, was Aakasha Al Kharma im Interview gesagt haben: Wir tanzen in erster Linie Tribal Style Dance.

Als Projekt hatten wir eine Tribal-Fusion-Choreographie entworfen und uns für das ausführende Trio einen Namen gegeben „Shivasa“, was mit der damaligen Choreographie zusammenhing. Auch haben wir Ausflüge in Richtung Latin Tribal Fusion unternommen, heißt: Tribal Style Dance mit Elementen aus Salsa, Samba, Flamenco und Reggaeton … aber dies sind eher Experimente geblieben. Auch hier ist für uns wichtig: In erster Linie tanzen wir Tribal Style Dance.Unsere Vorliebe zum Latein-Stil kommt daher, daß wir schon immer mindestens eine Tänzerin in der Gruppe hatten, die Flamenco, Salsa oder Samba in ihrer Freizeit getanzt hat. Als gesamte Gruppe haben wir Work- shops für Flamenco und Sevillanas besucht, um uns in diesem Bereich entsprechend weiterzubilden. Nach wie vor tanzen wir orientalischen Tanz, aber in recht kleinem Rahmen.
Alhazar als Trio "Shivasa"
Was unterscheidet euren Tribal vom ATS?

Bei ATS von Fat Chance Belly Dance wird improvisiert (das wissen wir ja alle), aber FCBD spricht vor einer Performance ab, wer mit wem tanzt oder wer wann aus dem Chorus nach vorne geht und/oder auch, welche Bewegungen die miteinander tanzenden Frauen vorführen.

Bei unserem eigenen Alhazar-Tribal-Mix tanzen wir meist wirklich improvisiert (was wir, nebenbei gesagt, von Nea’s Tribal gelernt haben) will sagen, wenn wir auf die Bühne oder unter die Zuschauer gehen, wissen wir nicht so genau, was dann passieren wird  Da wir dann oft selbst überrascht sind, und auch schon die Führende (die Vortänzerin) Bewegungen getanzt hat, die sooo eigentlich nie unterrichtet oder praktiziert wurden, gibt es viele lächelnde, lachende, überraschte und spontane Gesichter innerhalb der Gruppe, und es entsteht eine wirklich einzigartige Dynamik in der Gruppe, welche auch jede Aufregung und Nervosität vergessen läßt und sich auf die Zuschauer überträgt.

Wie seht ihr euch inmitten der deutschen Tribal Szene, und was gibt es überhaupt über die zu sagen?

Gute Frage! Alhazar tanzt überwiegend zu regionalen Events, sei es Messen, Orientalshows, Geschäftseröffnungen oder –jubiläen, Ausstellungen, Begegnungsfeste, Internationaler Frauentag u. ä. Natürlich waren wir auch schon bei „Alles Tribal“ in Viersen dabei und haben im Orienta-Rahmenprogramm getanzt, aber wir sind nicht unbedingt quer durch Deutschland unterwegs, und dies ist auch nicht unsere Absicht. Ich denke, daß wir uns tänzerisch auf einem guten Niveau bewegen, was Tribal Style Dance in Deutschland betrifft, auch wenn wir weder zu den Newcomern noch zu den Stars der Tribal-Szene gehören  Dieses Jahr werden wir außer bei „Colors of Tribal“ noch beim Oberrheinischen Tribalfestival mitwirken und haben uns direkt für das ganze Wochenende auf einer Schloß-Jugendherberge in Ortenberg eingebucht.

Das ist ein wichtiger Punkt in unserer Gruppe seit Jahren, daß wir 1x im Jahr zusammen ein Wochenende miteinander verbringen, meist in einer Jugendherberge, zusammen tanzen, reden, wandern, spielen und Spaß haben, und oft verbunden mit einem Showauftritt. Dies stärkt unsere Gemeinschaft und verbindet uns.
Alhazar im Bioladen
Zur Tribal-Szene in Deutschland gäbe es zu sagen, daß sie sehr bunt und vielfältig geworden ist. Ich würde mir wünschen, daß nach dem Boom beim Tribal Fusion wieder einige Tänzerinnen zum bodenständigeren „klassischen“ Tribal Style oder ATS finden würden. Überhaupt heißt für mich Tribal Fusion, daß eine gehörige Portion „klassischer“ Tribal Style Dance oder ATS dazugehört. Das findet man nicht unbedingt bei allen deutschen Tribal-Fusion-Gruppen und Solistinnen. Tribal wird von vielen (leider) so interpretiert, daß man alles tanzen und fusionieren kann und darf, mit der Begründung, daß Tribal an sich schon ein Phantasietanz wäre.
So sehe ich das nicht … es gibt auch hier gewisse Regeln und einen Rahmen für diesen Tanzstil. Wir brauchen uns nur Showgrößen wie Rachel Brice oder Sharon Kihara anzusehen … auch diese beherrschen die Bewegungen des Tribal Style Dance oder ATS. Deutsche Tribal-Gruppen, die wirklich ATS (FCBD) tanzen, gibt es meiner Meinung nach sehr wenige, und hier würde ich mir mehr Interesse und Training bei den Gruppen wünschen.
Was bedeutet euch der Auftritt bei „Colors of Tribal“, und wie schätzt ihr die Bedeutung der Veranstaltung überhaupt ein?

Es ist für uns eine Ehre, bei der Show „Colors of Tribal“ mitwirken zu können. Dieser Auftritt wird der Höhepunkt in unserer Auftrittshistorie bisher werden, denke ich. Man stelle sich einmal vor … wir stehen auf der gleichen Bühne wie Carolena Nericcio, Wendy Allen und Megha Gavin … unglaublich!

Wir freuen uns sehr auf die Mittänzerinnen und das Showprogramm. Wir werden versuchen, die Showabfolge mit unserer Performance etwas aufzulockern und mit Humor zu spicken … mehr wird noch nicht verraten. Denn für Spaß sind wir immer zu haben!

Ich persönlich freue mich sehr, daß die Show im urigen Westerwald im kulturgeprägten Örtchen Elsoff stattfindet, da der Westerwald seit langen Jahren meine Wahlheimat ist.

"Western-Tribal"
Die Veranstaltung ist für viele Personen von Bedeutung. Zunächst einmal besonders für den noch relativ jungen Tribal D.A.CH. e. V., ist es doch dessen erste Veranstaltung. Und dann auch noch gleich mit dem Höhepunkt der Jahrzehnte sozusagen: Carolena Nericcio von Fat Chance Belly Dance. Da muß doch jedes Tribal-Herz höher schlagen, oder!!??
… dann natürlich für die ganzen Tribal- und besonders ATS-Fanatikerinnen unter uns. Die „Mama“ kommt nach Deutschland, wie toll!

… ebenso aber auch für viele Frauen, denn die Veranstaltung ist eine Benefiz-Veranstaltung mit Unterstützung der Gleichstellungsstelle des Westerwaldkreises, deren Erlös dem Frauenhaus Westerwald gespendet wird.

Wie sehen eure weiteren Pläne aus, wo soll die Reise hingehen?

Wir wünschen uns noch nette und engagierte Mittänzerinnen und haben unseren Wunsch für 2011 schon zum Himmel geschickt. Wir wollen uns mehr auf ATS konzentrieren, aber auch weiterhin eigene Bewegungen aus dem Bereich Tribal Spanish Style kreieren. Ansonsten sind wir ganz zufrieden, denke ich, und machen weiter so wie bisher. Viel Training, ab und zu Muskelkater, hin und wieder klassischer orientalischer Tanz, neuer Input, zusammen tanzen und Spaß dabei haben. Im Jahr 2008 hatten wir unsere erste Show (auch Benefiz) mit hochkarätiger Besetzung organisiert und wollen gerne in den nächsten Jahren nochmals eine eigene Show starten.

Homepage: www.alhazar.de

Apropos: Es werden ab sofort Spenden angenommen … und bei dieser Gelegenheit möchte ich zu einer regen Beteiligung aufrufen. Eine Spendenquittung kann ausgestellt werden, da der Tribal D.A.CH. e. V. als gemeinnützig anerkannt ist.
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de