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"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Elsoff

Die Interviews zur Show

Photos ©: 1 Gabriele Keiner, alle anderen © Konstanze Winkler
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"ALLE FÜR EINEN, EINER FÜR ALLE"

Interview mit Gabriella

von Marcel Bieger


Wie bist du zum Tribal gekommen, und weiter, was hat dich bei ihm gehalten?

Dafür sind mehrere Dinge verantwortlich: Hans Schreiber, der damals orientalische Musik vertrieb, pries eine MC (!!) an und meinte, das wäre jetzt ganz neu, und es wäre Tribal. Nie gehört bis dahin, sagte mir gar nichts. Dann tauchte das Video „ tattoed one“ von FCBD auf, und als ich das gesehen habe, wußte ich, das ist das, was ich machen will. Dann gab es 1999 vom BVOT (Bundesverband für Orientalischen Tanz) einen Kongreß, der auf Gruppen ausgerichtet war, und dort gaben Tanja Prunk und Marion Schrank einen WS über ATS. Ich habe meine damaligen Ensemble-Frauen (Orientalischer Tanz) ziemlich „genötigt“, mit mir dorthin zu fahren. Tja, das war’s dann, gleich danach haben wir mit Tribal begonnen … der Rest ist ja hinlänglich bekannt.

Der Tribal sprach mich immer mehr an, wurde immer wichtigerer Bestandteil meines Bauchtanz -Repertoires. Er ist für mich nicht nur ein Tanzstil, sondern mittlerweile eine Lebenseinstellung. Er hat mein Leben verändert und bereichert, ich habe meine Tanzheimat gefunden.

Gabriella
Gabriella: www.tanz-oase.de
Du unterrichtest nicht nur irgendwelchen Tribal, sondern ATS, giltst sogar als die deutsche ATS-Lehrerin schlechthin. Wie hast du dir diesen Ruf erarbeitet?

Das war ein sehr langer Weg, und es ist richtig, ich habe ihn mir erarbeitet. Er fiel mir nicht in den Schoß. Zunächst haben wir ja mit den FCBD Videos (damals gab es noch keine DVDs) gearbeitet, doch ohne das wir es wußten, schlichen sich viele, manchmal kleine, aber sehr relevante Fehler ein. Wir wollten gerne bei FCBD direkt lernen, doch für eine ganze Gruppe mal eben nach San Francisco zu fliegen war utopisch. Also hatten wir die Idee, bei ihnen anzufragen, ob sie nicht hierher kommen wollten. Und womit wir kaum gerechnet hatten, es kam tatsächlich jemand. Damals wollte Carolena noch nicht selbst reisen, sie schickte Karen German, ihre damalige rechte Hand.

Tja, da haben wir noch mal von vorne begonnen und seitdem immer wieder eng mit FCBD zusammengearbeitet. Ich habe mich immer bemüht, dicht dran am Original zu bleiben, aber eben keine bloße Kopie zu sein.
Zu Beginn mußten wir uns für alles, was wir taten, rechtfertigen, da Tribal sehr argwöhnisch beäugt wurde. Ich habe mich von Anfang an informiert, nicht nur bei FCBD, sondern auch bei Gypsy Caravan. Ich habe erkennen können, wie die einzelnen Bewegungen verändert wurden, auch später beim Tribal Fusion, der sich ja daraus entwickelte. Und dieses Wissen habe ich immer gerne weitergegeben. Ich glaube, meine eigene Art, mein Bemühen um Technik, aber auch eigene Kreativität haben meine Schülerinnen, egal ob fortlaufende Klassen oder Workshops als authentisch erkannt und die dann respektiert.
Bleiben wir beim Thema, du reist durch die Lande - sogar ins Ausland -,
um deinen Tanzstil, Neas Fundamentals, zu unterrichten. Wie bist du dazu gekommen, und was beabsichtigst du damit?

Ich bin mehr oder weniger mit der Nase drauf gestoßen worden. Helena Lehmann sagte schon vor Jahren zu mir, daß ich so etwas doch machen sollte. Aber ich fühlte mich damals noch nicht bereit und auch nicht befähigt. Dann wurde ich immer wieder nach so etwas gefragt, und was ich dann bei anderen gesehen habe, an Bemühungen auch so tanzen zu können, ohne darin Unterricht genommen zu haben, hat mich dann letztlich auch überzeugt.
Ich habe das Konzept erstellt nach welchem ich die ganzen Jahre gearbeitet habe, mit Neas Tribal und auch mit meinen Kursen, um es als kompaktes Projekt anbieten zu können. Dabei war mir wichtig, soviel wie möglich an Wissen zu vermitteln, und so wurden die einzelnen Termine wirklich sehr voll gepackt. Die Teilnehmerinnen kriegen kein vorgefertigtes Script (das habe nur ich), sie müssen von Beginn an mitarbeiten, jede muß ihren Teil dazutun, um es sich zu erarbeiten. Mein Ziel ist es ein qualitativ hochwertiges Format erstmal deutschlandweit und dann vielleicht auch international auf den Weg zu bringen. Es beinhaltet meine Tribalwurzeln, den ATS, aber eben auch andere Dinge. Die Teilnehmer lernen eine Bewegung komplexer wahrzunehmen und natürlich auch weiterzugeben.
Wo liegen die Unterschiede zwischen ATS und Neas Fundamentals, und wichtiger noch, wo liegt ihre Verbindung.

ATS ist reines FCBD Format. Neas Fundamentals hat ATS als Basis, was bedeutet, wenn ich weiß, daß eine Gruppe/Einzeltänzerin nur ATS kann, bin ich in der Lage, mein Bewegungsrepertoire darauf zu beschränken. Aber Neas Fundamentals hat eben noch anderes, Bewegungen auf der linken Seite, andere Formationen und, wie ich finde, mehr Miteinandertanzen, mehr Lebensfreude.

Du bist Gründungsmitglied von D.A.CH. Was hat dich zur Bildung einer solchen Vereinigung bewogen, und was bedeutet es für dich, mit diesem Verein zum ersten Mal ein Festival durchzuführen?

Der Tribalgedanke war es, der mich dazu bewog. Alle für einen, Einer für alle. Es gibt einen Chorus, das sind alle Mitglieder, und es gibt Frontfrauen, das ist der Vorstand. Es gibt auch im Chorus eine wichtige Position. Die Positionen wechseln, der Verantwortlichkeit wechselt, es ist alles im Fluß. Daß es so wird, würde ich mir für den Verein wünschen. Im Moment läuft es noch so wie bei Tribal-Anfängerinnen: Es hakt noch hier und da und läuft noch nicht flüssig, aber das wird schon noch.

Mir war wichtig, eine Möglichkeit des Miteinanders, des Vernetzens zu schaffen, auch Stammübergreifend, Information zu liefern, Austausch zu ermöglichen, auch im Tanz.

Der Gedanke für die Show entstand, weil sich eine günstige Gelegenheit ergeben hat: Carolena Nericcio kommt zum ersten Mal nach Deutschland. Um auch bei uns zu zeigen, wie Gemeinsamkeit aussehen kann.

Neas Tribal ist mittlerweile die älteste und wohl auch bekannteste Tribal Gruppe Deutschlands. Erzähle uns bitte etwas über Entstehung und Werdegang dieses Tribes

Nun, darüber habe ich ja schon häufiger erzählt. Nach diesem Kongreß 1999, wo ja erstmal nur die Ensemblemitglieder vom OT dabei waren, hat sich einiges getan. Andere Tänzerinnen meiner Klassen wurden aufmerksam, kamen hinzu, andere verließen uns. Wie im richtigen Leben, einige gehen, einige kommen, ein steter lebendiger Wandel. Mittlerweile ist nur noch Rahima mit mir dabei, vom Beginn an. Wir haben viele WS und Einzeltrainings mit FCBD Dozenten, aber ebenso haben wir auch mit Paulette Rees Denis von GC (Gypsy Caravan) gearbeitet, und auch mit vielen Fusion Tänzerinnen. So entstanden
immer neue Einflüsse.
Wir waren selbst immer kreativ, und wir sind ein echt toller Haufen. Bei uns stimmt einfach die Chemie. Wir sind absolut verschiedene Frauen mit völlig verschiedenen Alltagsleben, unterschiedlichen Alters aber wir alle haben eine gemeinsame Schnittstelle die uns wichtig ist und die unser aller Leben bereichert, Neas Tribal.  Ich bin sehr stolz auf diese Frauen und auch sehr dankbar, denn sie haben mich auch viel gelehrt. Daß wir gerne miteinander tanzen, kann man sicher auch immer auf der Bühne spüren.
Fusionea ist dein jüngstes Projekt, über das du uns bitte etwas erzählst - und wo wir dich schonmal dran haben, erkläre uns kurz und knackig den Unterschied zwischen Tribal und Tribal Fusion.

Ganz so jung ist Fusionea nicht mehr, die Gruppe existiert,  in unterschiedlicher Besetzung, seit 2006. Ich wollte auch den Frauen, die nicht oder nicht nur den klassischen Tribal tanzen, sondern auch mehr fusionieren wollen, eine Möglichkeit bieten. Auch das ist eine besondere Fusion Gruppe, denn mir war wichtig, daß sie auch lernen zu improvisieren. Sie können also sowohl Impro tanzen wie auch Choreos. Wobei wir für die Bühne meist die Choreographie wählen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, daß hier wirklich noch Tribal drin ist und eben einiges von Neas Tribal. Deshalb diese Namensgebung.

Kurz und knackig läßt es sich kaum erklären, was den Unterschied ausmacht. Denn für mich sollte in einem Tribal Fusion immer noch erkennbar Tribal drin sein, was leider immer weniger zu sehen ist.
Um so mehr freut mich, daß eine Gruppe wie Unmata beim diesjährigen TF in Sebastopol genau das wieder gezeigt hat. Für mich bedient Tribal im klassischen Sinn, gleich welches Format, eine andere Zielgruppe als Tribal Fusion. Im Fusion ist oft die Selbstdarstellung groß, beim Tribal geht es um die Gruppe, ein anderes Erlebnis. Das eine ist mehr Solo, das andere mehr Gruppe. Tribal ist im Idealfall Impro, das ist beim Tribal Fusion schwierig, besonders wenn ihn eine Gruppe tanzt. Die Musik, das Kostüm sind verschieden, die Bewegungen verschieden, ja sogar die Grundspannung würde ich als unterschiedlich bezeichnen. Jedes ist auf seine Art faszinierend, spricht aber unterschiedliche Personen an.
Neas Tribal: www.neastribal.com
HOMEPAGES:
Neas Tribal
Fusionea
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de