
Die Interviews zur Show


Interview mit Megha Gavin
von Marcel Bieger
Erzähl uns bitte etwas über dein Leben vor FCBD.
Bevor es mit dem Tanz losging, bestand mein Leben nur aus Chor und Theater. So habe ich von früher Kindheit an auf der Bühne gestanden, mich dort wohl gefühlt und zurechtgefunden. Mit vier Jahren habe ich Tanzunterricht genommen. In der Middle School habe ich dann Chor und Musiktheater belegt, und auf der High School bin ich endgültig in die Theaterwelt abgetaucht. So habe ich mich dann mit einem Theater-Stipendium auf dem College einschreiben dürfen, aber es leider nicht geschafft, dort meinen Abschluß zu schaffen. Das Leben kam mir in die Quere, und ehe ich mich versah, fand ich mich in einem richtigen Beruf wieder, der mir keine Zeit fürs Theater und anderes ließ.
Mitte Zwanzig bin ich von Alabama nach San Francisco gezogen. Kaum hatte ich mich dort halbwegs eingelebt, habe ich mich auf die Suche nach all den Dingen gemacht, die ich immer schon mal ausprobieren wollte – was aber in Alabama unmöglich gewesen war. Aus irgendeinem Grund stand Bauchtanz auch auf dieser Liste.

Ich habe zweieinhalb Jahre bei FCBD gelernt, bevor ich in den Südosten der USA zurückgekehrt bin. Ich habe Carolena aber gesagt, daß ich keineswegs in Alabama den Tanz an den Nagel hängen wolle, und da hat sie mir die Nummern von ein paar Frauen in Birmingham (Hauptstadt von Alabama) gegeben, die vor Zeiten bei ihr einen Kurs besucht hatten. Mit denen habe ich dann eine Weile getanzt, bis ich nach New Orleans in Louisiana gezogen bin. Und da war dann erstmal niemand, mit dem ich tanzen konnte. Eines Tages erhielt ich in einem Fitneß-Center für Frauen eine Stelle als Tanzlehrerin. Ich habe wieder Carolena angerufen und ihr davon erzählt. Sie wünschte mir alles Gute und versprach, mich in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen. Also habe ich meinen Unterricht angefangen und hatte bald eine Gruppe zusammen, mit der ich tanzen konnte. Daraus ist dann die „Devyani“ Dance Company“ entstanden. Später erfuhr ich, daß ich der einzige Mensch war, der bei Carolena Unterricht genommen und dann weggegangen war, um woanders ATS genau so zu unterrichten, wie sie es mir beigebracht hat.


Mir lastet nur ein Gewicht schwer auf den Schultern: Wie bekomme ich die Familie und das ständige Reisen unter einen Hut. Darüber hinaus war es mir immer das größte Glück, zu der Bewegung dazuzugehören und den ATS über den ganzen Globus zu verbreiten; dabei ganz vorn in der ersten Reihe zu stehen und daran mitzuhelfen, die Reinheit und Unversehrtheit eines so schönen Tanzes wie dem ATS zu bewahren.

Als Carolena mich gefragt hat, ob ich nicht ihre Geschäftspartnerin werden wolle, das war schon einer der tollsten Momente in meinem Leben. Und ich werde auch nie meinen ersten offiziellen Auftritt mit FCBD beim Rakkasah 2003 vergessen (ursprünglich reines OT-Festival in Kalifornien, mittlerweile viermal im Jahr in den ganzen USA stattfindend, und offen für alle Stile). Mir blieb eine Nacht, um zwei Choreographien zu lernen und dann zusammen mit meinen Idolen zu tanzen. Ich war wahnsinnig nervös, habe mir aber die ganze Zeit gesagt: „Ich tanze mit FCBD! Ich tanze mit FCBD!“ Auch als ich mit Carolena zusammen meine ersten internationalen Workshops abhielt ist alles wie im Rausch an mir vorübergegangen. Und natürlich, als wir Nummer 7 aufgenommen haben (Tribal Basics Vol. 7 Creative Steps and Combinations), denn da sind die neuen Bewegungen von „Devyani“ drauf, die damals offiziell ins FCBD-Format aufgenommen worden sind.
Wir versuchen, die einzelnen Zusammenstellungen als Ganzes zu entwickeln, indem wir ausschließlich oder überwiegend traditionellere Musik verwenden,

Tänzerinnen, die auch mit einer Band zusammenarbeiten wollen, möchte ich den Rat geben, mit den Musikern ein langes und offenes Gespräch über das zu führen, was ihr von einer Band erwartet und an Begleitung und Unterstützung braucht – auf der anderen Seite aber niemals der Band jede Viertelnote vorzuschreiben. Man sollte sich stets vor Augen halten, daß es „Zusammenarbeit“ heißt, und für jeden Künstler sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, einen anderen Künstler zu respektieren. Und nie vergessen, daß eine Tänzerin ohne Musik nichts ist. Deswegen wollen wir die Musiker bei Laune halten, damit sie gern für und mit uns spielen.