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"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Elsoff

Die Interviews zur Show

„ICH TANZE MIT FCBD! ICH TANZE MIT FCBD!“

Interview mit Megha Gavin

von Marcel Bieger

Erzähl uns bitte etwas über dein Leben vor FCBD.

Bevor es mit dem Tanz losging, bestand mein Leben nur aus Chor und Theater. So habe ich von früher Kindheit an auf der Bühne gestanden, mich dort wohl gefühlt und zurechtgefunden. Mit vier Jahren habe ich Tanzunterricht genommen. In der Middle School habe ich dann Chor und Musiktheater belegt, und auf der High School bin ich endgültig in die Theaterwelt abgetaucht. So habe ich mich dann mit einem Theater-Stipendium auf dem College einschreiben dürfen, aber es leider nicht geschafft, dort meinen Abschluß zu schaffen. Das Leben kam mir in die Quere, und ehe ich mich versah, fand ich mich in einem richtigen Beruf wieder, der mir keine Zeit fürs Theater und anderes ließ.
Megha Gavin
Wie hast du denn dann den Weg zum Tribal und zum ATS gefunden. Oder hast du schon immer davon geträumt, eines Tages Mitglied bei FCBD zu werden?

Mitte Zwanzig bin ich von Alabama nach San Francisco gezogen. Kaum hatte ich mich dort halbwegs eingelebt, habe ich mich auf die Suche nach all den Dingen gemacht, die ich immer schon mal ausprobieren wollte – was aber in Alabama unmöglich gewesen war. Aus irgendeinem Grund stand Bauchtanz auch auf dieser Liste.

Eines Tages kam ich an einem orientalischen Restaurant vorbei, vor dem eine Bauchtänzerin plakatiert war. Ich habe mir gleich gesagt, das wolltest du doch auch immer mal machen, und bin auf die Suche nach Tanzkursen gegangen. Und dabei immer wieder auf etwas gestoßen, das „FatChanceBellyDance“ hieß. Also rief ich bei der angegebenen Nummer an und fragte, ob ich mal vorbeikommen und mir alles anschauen könne, um danach zu entscheiden, ob das etwas für mich wäre oder nicht. Die Frau am anderen Ende gewährte mir großzügig die Bitte. Also bin ich dorthin und habe mir den Unterricht angesehen.
Noch ehe die Stunde vorüber war, hatte ich mich schon unrettbar in den Bauchtanz verliebt und wusste, was ich wollte. Ich habe mich sofort angemeldet und bin seitdem dabei geblieben. Damals hatte ich noch keine Ahnung, daß ich mit Carolena persönlich telephoniert hatte oder daß sie die Visionärin war, die einen eigenen Tanzstil entwickelt hatte, der sich über die ganze Welt verbreiten sollte.  Woher auch, ich konnte ja im Bauchtanz das eine nicht vom anderen unterscheiden. Ich glaube, ich habe einfach großes Glück gehabt und bin zur rechten Zeit am richtigen Ort gewesen.
Erzähle uns von deiner besonderen Rolle und deine Stellung bei FCBD.

Ich habe zweieinhalb Jahre bei FCBD gelernt, bevor ich in den Südosten der USA zurückgekehrt bin. Ich habe Carolena aber gesagt, daß ich keineswegs in Alabama den Tanz an den Nagel hängen wolle, und da hat sie mir die Nummern von ein paar Frauen in Birmingham (Hauptstadt von Alabama) gegeben, die vor Zeiten bei ihr einen Kurs besucht hatten. Mit denen habe ich dann eine Weile getanzt, bis ich nach New Orleans in Louisiana gezogen bin. Und da war dann erstmal niemand, mit dem ich tanzen konnte. Eines Tages erhielt ich in einem Fitneß-Center für Frauen eine Stelle als Tanzlehrerin. Ich habe wieder Carolena angerufen und ihr davon erzählt. Sie wünschte mir alles Gute und versprach, mich in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen. Also habe ich meinen Unterricht angefangen und hatte bald eine Gruppe zusammen, mit der ich tanzen konnte. Daraus ist dann die „Devyani“ Dance Company“ entstanden. Später erfuhr ich, daß ich der einzige Mensch war, der bei Carolena Unterricht genommen und dann weggegangen war, um woanders ATS genau so zu unterrichten, wie sie es mir beigebracht hat.

Anscheinend hat das Carolena ziemlich imponiert, aber mir war das gar nicht als etwas Außergewöhnliches vorgekommen, sondern als richtiger und logischer Schritt. Eines Tages hat sie mich dann angerufen und mir gesagt, sie hätte sich überlegt, wir sollten als Partner zusammenarbeiten. So ist aus mir dann das erste FCBD-Mitglied geworden, daß nicht in San Francisco zuhause war. Das geschah im Jahre 2003, und seitdem ziehe ich um die Welt, entweder, um mit Carolena aufzutreten und zu unterrichten, oder um mit der Devyani Dance Company aufzutreten. Letztere sind übrigens zwischenzeitlich nach Birmingham, Alabama umgezogen.
Wie hast du dieses Gefühl abgeschüttelt und welchen Rat würdest du in solchen Fällen geben?

Mir lastet nur ein Gewicht schwer auf den Schultern: Wie bekomme ich die Familie und das ständige Reisen unter einen Hut. Darüber hinaus war es mir immer das größte Glück, zu der Bewegung dazuzugehören und den ATS über den ganzen Globus zu verbreiten; dabei ganz vorn in der ersten Reihe zu stehen und daran mitzuhelfen, die Reinheit und Unversehrtheit eines so schönen Tanzes wie dem ATS zu bewahren.

Wenn man den weltweiten Erfolg von FCBD bedenkt, und da stehst du ja mittendrin, hat es je für dich einen Augenblick gegeben, in dem dir das Gewicht, das auf deinen Schultern lastet, zu groß erschienen ist?
Und auf der anderen Seite, was waren deine freudigsten, glücklichsten und erhebendsten Augenblicke bei FCBD?

Als Carolena mich gefragt hat, ob ich nicht ihre Geschäftspartnerin werden wolle, das war schon einer der tollsten Momente in meinem Leben. Und ich werde auch nie meinen ersten offiziellen Auftritt mit FCBD beim Rakkasah 2003 vergessen (ursprünglich reines OT-Festival in Kalifornien, mittlerweile viermal im Jahr in den ganzen USA stattfindend, und offen für alle Stile). Mir blieb eine Nacht, um zwei Choreographien zu lernen und dann zusammen mit meinen Idolen zu tanzen. Ich war wahnsinnig nervös, habe mir aber die ganze Zeit gesagt: „Ich tanze mit FCBD! Ich tanze mit FCBD!“ Auch als ich mit Carolena zusammen meine ersten internationalen Workshops abhielt ist alles wie im Rausch an mir vorübergegangen. Und natürlich, als  wir Nummer 7 aufgenommen haben (Tribal Basics Vol. 7 Creative Steps and Combinations), denn da sind die neuen Bewegungen von „Devyani“ drauf, die damals offiziell ins FCBD-Format aufgenommen worden sind.

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Tanzes, wie suchst du die richtige Auswahl für Auftritte und andere Veranstaltungen aus?

Wir versuchen, die einzelnen Zusammenstellungen als Ganzes zu entwickeln, indem wir ausschließlich oder überwiegend traditionellere Musik verwenden,

oder aber in der Mehrzahl modernere Stücke, damit es beim Auftritt immer hübsch ausgewogen zugeht. Ich bin in so mancher Beziehung etwas konservativ, und so gefällt es mir, über einen längeren Zeitraum immer zu den gleichen Zusammenstellungen zu tanzen. Aber meine Stammesschwestern wollen immer wieder etwas Neues ausprobieren, und so bleibt die Musik-Auswahl immer frisch. Natürlich folgen wir bei der Musik-Auswahl meist dem, was FCBD vorgibt. Aber sobald etwas Spielraum bleibt, fülle ich den gern mit einer tüchtigen Prise indischer Musik, denn die entspricht meinem persönlichen Geschmack und dem Herkunftsland meiner Familie.
Hast du je zu Live-Musik getanzt oder von einer Band begleiten lassen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht, und welche Tipps würdest du einer jungen Tänzerin oder Gruppe geben?

Wir hatten das große Vergnügen, etliche Male mit „Helm“ auftreten zu können, und hier in Birmingham begleitet uns gern eine örtliche Band, „Out of the Darj“. Es ist ganz und gar toll, zu Live-Musik aufzutreten, weil man dabei das Gefühl bekommt, zusammen mit den Musikern etwas zu erschaffen. Es ist allerdings nicht ganz einfach, eine Gruppe zu finden, die sich damit arrangieren kann, einen ganzen Abend lang nur Stücke zu spielen, die ATS-tauglich sind, und damit meine ich vor allem in Bezug auf Takt und Tempo. Deswegen proben wir lieber mit den Musikern ausgiebig, bevor wir uns dann mit ihnen vor Publikum begeben.

Tänzerinnen, die auch mit einer Band zusammenarbeiten wollen, möchte ich den Rat geben, mit den Musikern ein langes und offenes Gespräch über das zu führen, was ihr von einer Band erwartet und an Begleitung und Unterstützung braucht – auf der anderen Seite aber niemals der Band jede Viertelnote vorzuschreiben. Man sollte sich stets vor Augen halten, daß es „Zusammenarbeit“ heißt, und für jeden Künstler sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, einen anderen Künstler zu respektieren. Und nie vergessen, daß eine Tänzerin ohne Musik nichts ist. Deswegen wollen wir die Musiker bei Laune halten, damit sie gern für und mit uns spielen.

Homepage Megha Gavin und Devyani: www.devyani.net
Photos ©: 1 Kristina Adams, 2 Jaki Hawthorne, 4 Debbie Rowan, 5 Herman Leonard, 6 Leena Vaswani
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Devyani
Devyani
Megha und DeAnna in Pushkar
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de