
Die Interviews zur Show



Interview mit Sophia Chariarse
von Marcel Bieger
Wie bist Du zum Tribal gekommen, und wie lange tanzt Du ihn schon?
Zum erstenmal habe ich Tribal Style beim Freundschaftstreffen des Orientalischen Tanzes kennengelernt, organisiert von Conny Wilhelm, die auch Regie beim Orient Magazin Festival in Augsburg/ Fischach führt. Damals stand unter anderem der Tribe von Gabriella, Neas Tribal, auf der Bühne.
Wir waren alle sprachlos, so etwas hatte es bis dahin auf deutschen Bühnen noch nicht gegeben. Das muß etwa zwischen 1998 oder 1999 gewesen sein. Ich saß mit meiner damaligen Schülerin Petra Kaiser, Esmea (heute Mitglied von Neas Tribal und eines der Gründungsmitglieder des Tribal D.A.CH. sowie Leiterin des Tribes Alhazar aus Westerburg) im Publikum, und wir waren beide danach fix und fertig (vor Begeisterung!). Petra/Esmea war, soweit ich weiß, zuvor schon mal bei Gabriella im Unterricht gewesen und hatte mir von Tribal Style erzählt. Sie sagte zu mir: „Du mußt das unbedingt mal ausprobieren, das wird dir unglaublich liegen!“ (Liebe Petra, Du hattest Recht!)

Anfang 2003 gründete ich endlich mit Alea und Mirimah den Tribe „Mayawati“. Wie es so oft in Deutschland schon mit den Tribalgruppen geschehen ist, haben wir zwar Fat Chance als Vorbild genommen, aber sehr viel eigenes mit hineingebracht.
Als eine der ersten deutschen Gruppen in Deutschland haben wir Indian (Tribal) Fusion Style auf der Bühne gezeigt. - Neben Shahrazads Tribalgruppen und Shir O Shakar natürlich - (ich will nicht sagen, daß wir die ersten waren, abgesehen davon hat Shahrazad vor vielen vielen Jahren wahrscheinlich als erste Tänzerin in Deutschland die Fusion Indisch-orientalischen Tanzes auf die Bühne gebracht, aber wir gehörten mit zu den ersten. Ich bilde mich seitdem ständig wo immer es mir möglich ist, sowohl in Sachen Tribal Fusion als auch Tribal Style/ATS durch Workshops bei amerikanischen ATS (z.B. Wendy Allen und Martha von Fat Chance Bellydance) und Fusion Tänzerinnen weiter.
Deshalb finde ich es gut, daß jetzt viele sich auf den „guten alten ATS“ zurückbesinnen und zurück zu den (alten und neueren) Basics gehen. Ich freue mich sehr darüber. ATS (und damit meine ich auch seine Gründerin Carolena Nericchio, die uns soviel Inspiration gegeben hat) hat einen wahrhaft guten „Spirit“ und eine unglaublich klassische Eleganz.
Esmea hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich finde es gut, wenn wir Tribal Tänzerinnen uns zusammenschliessen. Dies unter einem gemeinsamen „Dach“ zu tun, finde ich sehr erwärmend; und das paßt gut zum Tribal-Geist der Gemeinschaft und des Erarbeitens eines gemeinsamen „morphogenetischen“ Feldes (nach Rupert Sheldrake, mal googeln, interessanter Schriftsteller) der „Energie“ des Tribals.
Was bedeutet es Dir, beim ersten Festival dieses Vereins aufzutreten?
Das ist der „Wahnsinn in Tüten“ Ich bin ziemlich euphorisch und kann es kaum erwarten.

Wie stellt sich Dir die deutsche Tribal-Szene dar?
Als sehr vielfältig und experimentierfreudig, manchmal etwas schnellebig. Manchmal gibt’s mir vor lauter Fusion ein bißchen zuwenig Tribal, aber das wird sich auch wieder ändern, habe ich so den Eindruck.
Der Tribal D.A.CH. Verein sowie viele gute Lehrerinnen innerhalb und außerhalb des Vereins arbeiten nach Kräften daran, daß die Qualität des ATS in Deutschland immer höher wird und neben der Tanztechnik auch der Geist des Tribal erhalten und weitergegeben wird: Keiner tanzt allein, sondern ist stets Bestandteil eines größeren Ganzen. Das ist nicht bloß philosophisches Geschwafel, sondern wir alle beeinflussen einander oder wirken aufeinander ein. Dafür muß man einfach nur mal ein bisschen schärfer beobachten.
Wie sehen Deine weiteren Pläne aus?
Im Moment arbeite ich speziell für das Tribal D.A.CH. Festival an einer neuen Choreographie, die ich vielleicht als neue „Asia Fusion Choreo“ bezeichnen würde. Dabei erforsche ich gerade die Gemeinsamkeiten asiatischer Kampfsport-Formen wie z.B. Taek won do, was mein Partner sehr lange praktiziert hat, (wobei er mir mit Rat und Tat beiseite steht) mit indischen Tanzformen wie z.B. Bharata Natyam. Es gibt einige bemerkenswerte Schnittpunkte, die ich in meiner Choreo verarbeite und miteinander nochmals mit Tribal und Fusion „verschmelzen lasse“.
