
Die Interviews zur Show



Interview mit Sylvia „Sophia“ Assmann
von Marcel Bieger
Wie bist Du zum Tribal gekommen, und hast Du vorher schon eine andere Tanzausbildung genossen?
Ohne je irgendeine Art von Tanzkurs absolviert zu haben, habe ich vor 16 Jahren mit klassisch orientalischem Tanz begonnen und unterrichte diesen seit 1998. Wie genau ich beim Tribal gelandet bin weiß ich nicht mehr so genau, vielleicht hat der Tribal auch mich gefunden ... Ich hatte vom Tribal gehört und die ersten Schritte habe ich von einem kurzen WS-Video gelernt, das irgendwie in meine Hände gelangt war- Ich habe die Schritte einfach im Unterricht eingebaut. Meine Begeisterung für die Tribal-Idee war dann so ansteckend, daß eine Gruppe von ungefähr neun Frauen sofort bei der nächsten "Werkschau" der Volkshochschule getribalt hat. Und zwar improvisiert!! Das war auch wohl die Zeugungsstunde des Gedankens, einen eigenen Stamm zu gründen. Die Geburtsstunde der Stammgründung der "Baubo Vibes", war dann im Jahr 2002. Danach habe ich versucht, alles an Tribalfortbildung zu machen was mir möglich war, und das ist in Österreich schwierig gewesen.
Ein Leben ohne zu tanzen und zu tribaln kann ich mir nicht mehr vorstellen! Eine Woche ohne tanzen und ich leide unter Entzugserscheinungen ...

Oh, danke für das Kompliment!
Tja, es tut sich immer mehr in Tribal-Dingen innerhalb der österreichischen Grenzen. Es gibt mittlerweile an die 10 Stämme, die aber leider kaum vernetzt sind, und ich glaube nicht, daß es an den hohen Bergen liegt, die zwischen den Lagern der Stämme liegen ...
Sehr rege sind die Nakaris in Wien, die im Winter die Caranvanseray Vienna initiiert haben und die qualitativ sehr gut war. Im Osten Österreichs, vor allem in Wien, passiert ein wenig mehr als hier bei

Da ich ein Fan von Vernetzung und Miteinander bin, war ich, als ich von der Idee hörte, sofort begeistert und wurde dann das erste österreichische D.A.CH.-Mitglied!!
D.A.CH. sehe ich als "Nachschlagewerk, Lexikon, Archiv, Wörterbuch, Bewahrer des Ursprünglichen und Urtümlichen und gleichzeitig Förderer und Entwickler neuer Stile". Denn Neues kann nur der/die entwickeln, die den Ursprung kennen, die wissen, was es gibt ... Den Ursprung zu kennen und zu wissen, wie es "eigentlich getanzt gehört", ist unendlich wichtig, um dann
Tribal D.A.CH. als Tribal-"Polizei" zu bezeichnen, finde ich einfach unsinnig, denn eine "Polizei" überwacht und sanktioniert, und das ist sicher nicht die Absicht von Tribal D.A.CH.!!! Ich sehe D.A.CH. auch in der Funktion einer Infoplattform, wo nachzulesen ist, wo sich gerade was tut, wer welchen Workshop organisiert usw.
Denn ein Netzwerk ist immer stärker als die Summe seiner Einzelteile und so kann ein reger Austausch und ein reges Miteinander zwischen den Stämmen geschehen, was wiederum der Garant ist für "lebendige" Stämme und "lebendiges" Tribaln.

Also, das erste, was am Anfang herauskam, war die totale Verwirrung! Das, was wir für ATS-Tribal hielten (von den Schritten und Cues) war es nämlich zum Großteil gar nicht, sondern eher "Dialekt" oder ITS. Aber wie das halt so ist, entsteht aus dem Chaos schön langsam Ordnung.
Die Struktur und die Herkunft der Schritte (FCBD, Gypsy, usw.) zu kennen läßt uns einen Einblick und manchmal auch schon Durchblick kriegen wer, was, wo, wie tanzt ... Jetzt durchschaue ich schön langsam, woher "unsere" Tribalschritte stammen und kann auch zurückverfolgen wie sie sich verändert haben. Und das finde ich für mich persönlich sehr bereichend. Vielen, vielen Dank an Gabriella, die eine wunderbare Art hat und sich hervorragend auf die "Gemütlichkeit" ihrer "Neas-Österreicher" einstellt.
Und um auf deine Frage "was wird am Ende dabei rauskommt" zu antworten: Baubos "die wissen, was sie tanzen", die Spaß haben und achtsam und aufmerksam sind , mit Frauen überall auf der Erde tanzen können und, noch mehr als jetzt, die Zuschauer zu beeindrucken, wenn sie zu tanzen beginnen!
Gute Frage. Wenn wir jetzt Vorurteile bedienen, mag es daran liegen, das "der Österreicher" eher ein gemütliches Wesen ist und "die Deutschen" sich selber so wichtig nehmen und die Tribal-Szene im kleinen Österreich nicht so ernst nehmen oder gar nicht wissen oder auf die Idee kommen, daß es eine gibt ... Aber das sind Vorurteile und Stereotypen, die ja bekanntermaßen so nicht stimmen.
Ich denke, ein Schritt ist die Information, die über die virtuellen Medien, wie auch „Hagalla“, laufen kann: Erst einmal zu wissen, da gibt es auch Stämme in Österreich, mit denen man sich befreunden kann.


Oh, Pläne, Ziele und Visionen gibt es viele ...hier ein paar Gedankenfetzen dazu:
Also einmal gehen die "odda" ins 5. Jahr, worauf wir stolz sind, denn ein Festival über mehrere Jahre erfolgreich zu organisieren, ist schon eine Leistung.
Dann will ich meinen Tanz und mein Wissen darum erweitern und verbessern.
Das Ensemble Syba weiterhin als Feldwebel bzw. Drill-Instructa führen und begleiten.
Die Tribalszene in Österreich vernetzen.
Eines meiner Ziele ist es auch, die ursprüngliche, weibliche, heilende, leichte und gleichzeitig kraftvolle Form des Drehtanzes weiter mit neuem Leben zu erfüllen und viele daran teilhaben zu lassen.
Wahrhaftig und allmächtig zu sein.
Vor einiger Zeit sagte ich " ... mit meinem Tanz Seelen zu berühren ... " Heute sage ich " ... mit meinem Sein und meinem Tanz Seelen zu berühren ... „
Und ich sehe es als Privileg und schätze die große Ehre, Teil von Colors of Tribal sein zu dürfen!
Homepage: www.odda.at
