Startseite/Aktuelles
zurück zu DACH e.V.
"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Elsoff

Die Interviews zur Show

Photos 1, 2 und 5 © André Elbing, 3 und 4 © Thomas Hiber, 6 © Gregor Hartl, 7 © Marcel Bieger
„WIE ES SICH GETANZT GEHÖRT!“

Interview mit Sylvia „Sophia“ Assmann

von Marcel Bieger

Wie bist Du zum Tribal gekommen, und hast Du vorher schon eine andere Tanzausbildung genossen? 

Ohne je irgendeine Art von Tanzkurs absolviert zu haben, habe ich vor 16 Jahren mit klassisch orientalischem Tanz begonnen und unterrichte diesen seit 1998. Wie genau ich beim Tribal gelandet bin weiß ich nicht mehr so genau, vielleicht hat der Tribal auch mich gefunden ... Ich hatte vom Tribal gehört und die ersten Schritte habe ich von einem kurzen WS-Video gelernt, das irgendwie in meine Hände gelangt war- Ich habe die Schritte einfach im Unterricht eingebaut. Meine Begeisterung für die Tribal-Idee war dann so ansteckend, daß eine Gruppe von ungefähr neun Frauen sofort bei der nächsten "Werkschau" der Volkshochschule getribalt hat. Und zwar improvisiert!! Das war auch wohl die Zeugungsstunde des Gedankens, einen eigenen Stamm zu gründen. Die Geburtsstunde der Stammgründung der "Baubo Vibes", war dann im Jahr 2002. Danach habe ich versucht, alles an Tribalfortbildung zu machen was mir möglich war, und das ist in Österreich schwierig gewesen.  

Ein Leben ohne zu tanzen und zu tribaln kann ich mir nicht mehr vorstellen! Eine Woche ohne tanzen und ich leide unter Entzugserscheinungen ...

Du bist eine der bekanntesten österreichischen Tribal-Tänzerinnen, wie gestaltet sich die Szene in Deiner Heimat.

Oh, danke für das Kompliment!

Tja, es tut sich immer mehr in Tribal-Dingen innerhalb der österreichischen Grenzen. Es gibt mittlerweile an die 10 Stämme, die aber leider kaum vernetzt sind, und ich glaube nicht, daß es an den hohen  Bergen liegt, die zwischen den Lagern der Stämme liegen ...

Sehr rege sind die Nakaris in Wien, die im Winter die Caranvanseray Vienna initiiert haben und die qualitativ sehr gut war. Im Osten Österreichs, vor allem in Wien, passiert ein wenig mehr als hier bei

uns in Linz, in der „Provinz“, da es dort die räumliche Nähe zum "Osten" gibt, wo auch einiges an Tribal und Fusion los ist.Aber zur Vernetzung gibt es gute Nachrichten: Die erste Vernetzung und Zusammenarbeit zweier  Stämmen findet im Rahmen der "oriental dancing days austria" statt: Die Wüstenrosen aus Wien und die Baubo Vibes aus Linz improvisieren gemeinsam bei der Gala!! Wieder mal zeichne ich verantwortlich für ein "das hat es vorher noch nicht gegeben" in Österreich, und so wie es vorher noch keine odda gab, die Künstler aus ganz Österreich auf eine gemeinsame Bühne holt, gab es keine Vernetzung der Stämme... bis jetzt ...  Im Zuge dieses erstmaligen Tribal-Miteinanders gab es im Vorfeld gemeinsame Trainingsstunden der beiden Stämme, um uns anzugleichen, da wir feststellen mußten daß Schritte und Cues manches Mal sehr verschieden sind.  Sonst ist von den Stämmen sehr wenig zu hören, was sich hoffentlich bald mal ändert.
Als Österreicherin bist Du dem Tribal Verein D.A.CH. beigetreten und beweist damit, daß diese Institution nicht umsonst einen internationalen Anspruch hat. Was hat Dich zu dem Schritt bewogen, und was erhoffst Du Dir vom weiteren Wirken des Vereins?

Da ich ein Fan von Vernetzung und Miteinander bin, war ich, als ich von der Idee hörte, sofort begeistert und wurde dann das erste österreichische D.A.CH.-Mitglied!!  

 D.A.CH. sehe ich als "Nachschlagewerk, Lexikon, Archiv, Wörterbuch, Bewahrer des Ursprünglichen und Urtümlichen und gleichzeitig Förderer und Entwickler neuer Stile". Denn Neues kann nur der/die entwickeln, die den Ursprung kennen, die wissen, was es gibt ... Den Ursprung zu kennen und zu wissen, wie es "eigentlich getanzt gehört", ist unendlich wichtig, um dann

eigene Schritte und Dialekte zu entwickeln!! Und diese "Old School" ist so unendlich wichtig, um mit anderen gemeinsam zu tanzen!

Tribal D.A.CH. als Tribal-"Polizei" zu bezeichnen, finde ich einfach unsinnig, denn eine "Polizei" überwacht und sanktioniert, und das ist sicher nicht die Absicht von Tribal D.A.CH.!!!  Ich sehe D.A.CH. auch in der Funktion einer Infoplattform, wo nachzulesen ist, wo sich gerade was tut, wer welchen Workshop organisiert usw.

Denn ein Netzwerk ist immer stärker als die Summe seiner Einzelteile und so kann ein reger Austausch und ein reges Miteinander zwischen den Stämmen geschehen, was wiederum der Garant ist für "lebendige" Stämme und "lebendiges" Tribaln.

Du und eine Reihe weiterer Mitglieder Deines Stammes "Baubo Vibes" nehmen bei Gabriella Unterricht in Neas Fundamentals. Was wird am Ende dabei herauskommen?

Also, das erste, was am Anfang herauskam, war die totale Verwirrung! Das, was wir für ATS-Tribal hielten (von den Schritten und Cues) war es nämlich zum Großteil gar nicht, sondern eher "Dialekt" oder ITS. Aber wie das halt so ist, entsteht aus dem Chaos schön langsam Ordnung.  

Die Struktur und die Herkunft der Schritte (FCBD, Gypsy, usw.) zu kennen läßt uns einen Einblick und manchmal auch schon Durchblick kriegen wer, was, wo, wie tanzt ... Jetzt durchschaue ich schön langsam, woher "unsere" Tribalschritte stammen und kann auch zurückverfolgen wie sie sich verändert haben. Und das finde ich für mich persönlich sehr bereichend. Vielen, vielen Dank an Gabriella, die eine wunderbare Art hat und sich hervorragend auf die "Gemütlichkeit" ihrer "Neas-Österreicher" einstellt.

Und um auf deine Frage "was wird am Ende dabei rauskommt" zu antworten: Baubos "die wissen, was sie tanzen", die Spaß haben und achtsam und aufmerksam sind , mit Frauen überall auf der Erde tanzen können und, noch mehr als jetzt, die Zuschauer zu beeindrucken, wenn sie zu tanzen beginnen!
Trotz der gemeinsamen Sprache und geographischen Nähe kann sich der Austausch zwischen österreichischen und deutschen Tänzerinnen noch nicht sehen lassen. Wie könnte man das Deiner Meinung nach ändern?

Gute Frage. Wenn wir jetzt Vorurteile bedienen, mag es daran liegen,  das "der Österreicher" eher ein gemütliches Wesen ist und "die Deutschen"  sich selber so wichtig nehmen und die  Tribal-Szene im kleinen Österreich nicht so ernst nehmen oder gar nicht wissen oder auf die Idee kommen, daß es eine gibt ...  Aber das sind Vorurteile und Stereotypen, die ja bekanntermaßen so nicht stimmen.

Ich denke, ein Schritt ist die Information, die über die virtuellen Medien, wie auch „Hagalla“, laufen kann: Erst einmal zu wissen, da gibt es auch Stämme in Österreich, mit denen man sich befreunden kann.

Vielleicht ist es ähnlich wie beim orientalischen Tanz und "odda": erst nachdem wir unsere Tänzer im Rahmen der odda gefördert haben, drang der Ruf der österreichischen Tänzerinnen und Tänzer von odda nach Deutschland, und wir bekommen seitdem viele Anfragen von deutschen Tänzerinnen für die odda ...Für die österreichischen Stämme geht es vielleicht erst darum, sich mit den österreichischen und dann auch mit den deutschen Stämmen zu vernetzen.  Kleinere Kontakte zwischen den Baubo Vibes und deutschen Tribal-Tänzerinnen konnten wir am Stämmelager 2010 in Köln knüpfen. Wir haben damals auch auf dem großen Festplatz des Lagers zur Eröffnung getanzt. Was übrigens wundervoll war! Ganz wichtig ist immer auch der persönliche Kontakt. Und da werden die Baubo Vibes im Oktober den Anfang machen: Wir werden als erster österreichischer Stamm beim 2. Oberrheinischen Tribalfestival in Offenburg tanzen!! Also der erste österreichische Stamm sein, der auf einem deutschen Tribal-Festival tanzt! Auf dieses "so was hat es noch nicht gegeben, wir sind die ersten" bin ich als Stammesmutter der Baubo Vibes besonders stolz.
Wie sehen Deine weiteren Pläne aus? 

Oh, Pläne, Ziele und Visionen gibt es viele ...hier ein paar Gedankenfetzen dazu:  

Also einmal gehen die "odda" ins 5. Jahr, worauf wir stolz sind, denn ein Festival über mehrere Jahre erfolgreich zu organisieren, ist schon eine Leistung.

Dann will ich meinen Tanz und mein Wissen darum erweitern und verbessern.

Das Ensemble Syba weiterhin als Feldwebel bzw. Drill-Instructa führen und begleiten.

Die Tribalszene in Österreich vernetzen.

Eine ganz tolle Tänzerin hat mich als ihre "Tribal-Mama" bezeichnet. Und dieser Position fühle ich mich verpflichtet und werde sie würdevoll vertreten.

Eines meiner Ziele ist es auch, die ursprüngliche, weibliche, heilende, leichte und gleichzeitig kraftvolle Form des Drehtanzes weiter mit neuem Leben zu erfüllen und viele daran teilhaben zu lassen.

Wahrhaftig und allmächtig zu sein.  

Vor einiger Zeit sagte ich " ... mit meinem Tanz Seelen zu berühren ... " Heute sage ich " ... mit meinem Sein und meinem Tanz Seelen zu berühren ... „

Und ich sehe es als Privileg und schätze die große Ehre, Teil von Colors of Tribal sein zu dürfen! 

Homepage: www.odda.at

1
2
3
4
5
6
Die "Baubo Vibes"
Die "Baubo Vibes" beim Stämmelager in Köln 2010
7
Sylvia "Sophia" Assmann
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de