Startseite/Aktuelles
zurück zu DACH e.V.
"Colors of Tribal"
Show des Tribal D.A.CH. Vereins
am 29. Juli 2011 in Elsoff

Die Interviews zur Show

„ALSO, WENN DAS KEIN ZEICHEN IST...!“

Interview mit Wendy Allen

von Marcel Bieger

Wie ist dein Leben vor FCBD verlaufen?

Ich war sehr schüchtern, hatte überhaupt kein Selbstvertrauen und hätte nie im Traum geglaubt, einmal zu tanzen. Aber ich wollte immer auf der Bühne stehen. Also habe ich mal dies und mal jenes ausprobiert, hauptsächlich Schauspielerei. Und Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts habe ich auch in einer Band ganz vorne gestanden und gesungen. Aber ich war zu befangen, als daß aus mir jemals eine gute Schauspielerin geworden wäre, und wegen meines Lampenfiebers hat es auch nicht zur Rock-Sängerin gelangt. Erst als ich bei FCBD Tanzunterricht genommen habe, habe ich mich endlich geistig und seelisch zuhause gefühlt.

Wendy Allen
Homepage FatChanceBellyDance: www.fcbd.com
Photos ©: 1 und 2 Kristina Adams, alle anderen © Wendy Allen
1
Wie bist du denn überhaupt auf Tribal und ATS gestoßen?

Eingangs der 90er Jahre habe ich einer Freundin gesagt, ich würde gern Bauchtanz lernen. Sie riet mir: „Geh zu FCBD, und trag dich dort in einen Kurs ein. Ich wette, das ist genau das, was du suchst.“ Damals hatte ich noch keine Ahnung, was sie mir damit sagen wollte, aber in meinem Hinterkopf nistete sich der Gedanke ein: Unterricht bei FCBD. Dann hat es allerdings noch ein paar Jahre gedauert, ehe ich tatsächlich dort angeklopft habe.
Nach der ersten Stunde bin ich aber nicht mehr hingegangen. Das war mir alles zu anstrengend, und außerdem befand ich mich gerade in einer Phase, in der ich mit mir gar nichts anfangen konnte. Im Unterricht war ich mir unbeholfen vorgekommen, und das hatte mir den letzten Mut genommen.
Damals wußte ich noch nicht, daß es im Bauchtanz verschiedene Stile gibt, bis ich auf mein erstes Rakkasah-Festival gegangen bin (früher einmal im Jahr stattfindendes Festival an der Westküste, auf dem hauptsächlich klassischer OT geboten wurde; heute viermal im Jahr und für alle Stile offen). Danach war ich richtig froh, bei Fat Chance gelandet zu sein. Bei ihnen habe ich mich wiedergefunden und am besten künstlerisch entfalten können.
Hattest du denn den Traum, einmal bei FCBD zu tanzen?

Natürlich, aber dieses Ziel schien unerreichbar zu sein. Beim Theater bin ich so oft rausgeflogen oder gar nicht erst genommen worden, daß ich mir in puncto FCBD überhaupt keine Illusionen mehr gemacht habe. Ich habe mir gesagt, ich will den Tanz nur für mich selbst erlernen, aber nie öffentlich vorführen. Na gut, ich habe dann doch bei ein paar Schülerinnen-Shows mitgemacht, aber mit der Zeit hat die Truppe so viele Angebote und Anfragen bekommen, daß ein Stamm aus fortgeschrittenen Schülerinnen gegründet wurde, um einen Teil der Nachfrage zu befriedigen. Die erhielt den Namen „Second Skin“, ich war dabei, und mit ihr bin ich oft auf der Bühne gestanden. Ich muß aber zugeben, daß es mich völlig überraschend traf, als man mich aufforderte, dort mitzumachen.

Welche Position oder Aufgabe hast du bei FCBD inne?

Ich buche Auftritte für die Gruppe und ich leite sie, wenn Carolena auf Reisen ist.

FCBD hat weltweit Riesenerfolg, und du steckst mittendrin. Hat es da je einen Moment gegeben, in dem dir das alles zuviel geworden ist. Wie bist du damit umgegangen, vielleicht hast du einen Rat für unsere Leserinnen.

Wenn ich heute daran zurückdenke, muß ich lachen, aber bei meiner ersten Reise nach Deutschland bekam ich im Flugzeug einen Panikanfall. „Was machst du hier eigentlich? Du kannst doch gar nicht richtig tanzen, bist nur eine Schwindlerin, und sie kommen dir bestimmt auf die Schliche!“ Aber aus der Geschichte kam ich nicht mehr heraus und mußte da durch. Und sobald ich meine ersten Workshops abgehalten hatte, wußte ich, daß ich dazu in der Lage war. Und mir war auch klar geworden, daß ich richtig tanzen konnte und sehr wohl in der Lage war, anderen etwas zu vermitteln. Deswegen möchte ich allen raten, es wenigstens zu versuchen. Laßt euch nicht durch Furcht oder Angst davon abhalten, das zu tun, was ihr wollt und woran ihr Spaß habt.

Und was waren deine fröhlichsten, glücklichsten und zufriedensten Momente bei FCBD?

Als ich bei Amira zum ersten Mal auf die Bühne gekommen bin und im Publikum Carolena entdeckt habe, die mir zugelächelt hat. – Als ich im ausverkauften The Fillmore aufgetreten bin (das wiedereröffnete Fillmore West in San Francisco, einem der Rock-Tempel schlechthin). – Daß ich reisen und meine Liebe zum Tanz mit anderen teilen kann.
Musik ist einer der wichtigsten Bestandteile des Tanzes. Wonach suchst du die richtige Musikauswahl für einen Auftritt oder eine andere Veranstaltung aus – zum Beispiel demnächst in Deutschland?

Das ist kein Geheimnis. Ich schaue mir an, wer bei der betreffenden Veranstaltung auftritt, wie viel Tanzerfahrung sie haben, was das für eine Veranstaltung ist und wie die Räumlichkeiten beschaffen sind.  Selbstredend erzählen mir die Tänzerinnen auch, auf welche Stücke sie tanzen möchten. Kurz zusammengefaßt, für eine Schülerinnen-Show suche ich nicht ganz so schwierige Musikstücke aus, mit denen sie besser zurechtkommen. Wenn wir in einem Club auftreten, suche ich eher etwas Modernes aus. Bei einer größeren Bauchtanz-Geschichte mit viel Fusion entscheide ich mich für eine eher folkloristische Auswahl. Ebenso bei größeren Festivals im Freien.

Bist du je zu Live-Musik oder zusammen mit einer Live-Kapelle aufgetreten? Wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht und welche Ratschläge könntest du jungen Tänzerinnen geben?

Ja, wir tanzen mit der Gruppe Helm, wann immer wir Gelegenheit dazu haben. Aber bei der Art von Tanz, den wir nun einmal pflegen, passiert es einem immer wieder, daß die Kapelle etwas schneller oder etwas langsamer spielt, daß sie hier etwas wegläßt und dafür dort etwas wiederholt. Man muß wirklich lernen, sich der jeweiligen Interpretation anzupassen und sich mit Improvisation weiterzuhelfen, um auf alle Fälle vorbereitet zu sein und sich mit Würde durchzulavieren. Deswegen ist es enorm wichtig, sich vorher mit den Musikern zusammenzusetzen. Die erste Frage an sie sollte immer lauten: Spielt ihr das Stück genau so wie auf der CD oder anders? Dann weiß man schon einmal, worauf man sich einstellen muß.
2
3
4
5
6
1996 bin ich dann zum sogenannten „Burning Man“ Festival in Nevada gefahren, wo jeder das vorführen darf, was er will. Und plötzlich kam mir die Eingebung: „Hier fehlt Bauchtanz!“ Ich schwor mir, wenn ich wieder zuhause wäre, würde ich mich endgültig und unwiderruflich um eine Tanz-Ausbildung kümmern. Kurz darauf hatte ich Geburtstag, und eine Freundin schenkte mit ein Paar Zimbeln. Ich sagte mir: „Also, wenn das kein Zeichen ist. Jetzt wirst du es tun.“ Und ich habe mich angemeldet, und diesmal habe ich auch durchgehalten. Mehr noch, der Tribal hat mich richtig gepackt.
Fat Chance Belly Dance
Wendy Allen war im vergangenen Oktober zu Gast in Gabriellas Tanz-Oase in Dillenburg, hier eine Nachlese der Workshops von Tänzerin Ursel "Naja-Haje" Meyer: weiter...
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de