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"Colors of Tribal"


Show des Tribal D.A.CH. Vereins
29. Juli 2011 in Elsoff/Westerwald
Photos ©: "Carolena Nericcio" und "FCBD" Kristina Adams, alle anderen © Konstanze Winkler
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Carolena Nericcio
Carolena mit ihrer Gruppe "FatChanceBellyDance"
TRIBAL DACH PROGRAMM-PARTY
Verein feierte mit Carolena Nericcio

von Marcel Bieger

Tribal ist in Deutschland und überhaupt auf der ganzen Tanzwelt ungemein populär. Doch Tribal ist nicht Tribal, und was die eine darunter versteht, erschließt sich der anderen noch lange nicht. Dabei hatte alles so schön angefangen. Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts entstand das erste Tribal Regelwerk, der American Tribal Style, zusammengetragen von Carolina Nericcio, der Gründerin von FatChanceBellyDance. Eine hübsch anzuschauende Tanzform war entstanden, bei der man mit mehreren Tänzerinnen gemeinsam improvisiert, trotzdem synchron dabei tanzen kann, und darüber hinaus ein ganz außergewöhnliches Gruppenerlebnis erfährt.

Später tauchten weitere beliebte Tribal-Formate auf, wie z.B. der Gypsy Tribal Style (von Gypsy Caravan) und das BlackSheepBellyDance Tribal Format von Khajira Djoumahna, der Veranstalterin des Tribal Fests in Kalifornien. Aber zurück zum American Tribal Style von FatChanceBellyDance.

Der ATS setzte darüber hinaus körperliche Einschränkungen wie auch Ländergrenzen außer Kraft. Gewinnt man beim Raks Sharki mitunter den Eindruck, nur junge Frauen mit Idealmaßen dürften ihn auf der Bühne tanzen, so schaut der Tribal weder auf Altersunterschiede noch auf verschiedene Maße. Und wer die Grundschritte beherrscht (die Grundlagen, die sogenannten „General Skills“) kann sich mit jeder anderen Tänzerin auf der Welt tänzerisch verständigen, auch wenn die eine nicht die Sprache der anderen spricht. Eine ideale Form der tänzerischen Kommunikation war geboren. Und diese Form blieb nicht starr, denn Carolenas Regelwerk sah durchaus die Möglichkeit vor, zu den Grundlagen eigene Schritte und Bewegungen hinzuzufügen. Voraussetzung war, dass diese neuen, individuellen Formate an sie geschickt wurden, um gegebenenfalls in die „General Skills“ aufgenommen und somit ebenfalls weltweite Grundlage zu werden. Irgendwann aber ist dieser Kurs aus dem Ruder gelaufen. Erst ein wenig und dann immer mehr, bis Carolena die Reißleine gezogen und zu einer Neubesinnung aufgerufen hat.

Was war geschehen? Während sich auf der einen Seite Formate rund um den ATS bildeten, die eine gewisse Ähnlichkeit mit demselben aufwiesen, aber eben doch zu anders waren (und deshalb auch vergeblich auf Anerkennung durch die ATS-Gemeinde drängten), unterließen es andere zunehmend oder ganz, ihre Eigenent- wicklungen zur kritischen Begutachtung an Carolena zu schicken.
Wieder andere, und hier sei als Beispiel vor allem an die eigene deutsche Nase gefaßt, legten die Anweisungen so aus, daß man nicht das gesamte Grundlagenwerk übernehmen müsse und es bei einer Art „Best of ATS“ belassen dürfe, auf welches man dann als „Sahnehäubchen“ die Eigenschöpfungen setzte. Für die Schülerinnen solcher ATS-„Lehrerinnen“ war irgendwann nicht mehr klar unterscheidbar, was vom Vorgeführten ATS-Grundregel und was Kreation ihrer Lehrerin war. Kurzum, die angestrebte weltweite Verstehbarkeit, die internationale tänzerische Kommunikation wurde in ihr Gegenteil verkehrt.
Es ist eigentlich nichts Verwerfliches daran, den ATS mit eigenen Ideen zu würzen und sich tribe-intern neue Kreationen auszudenken, da hat auch Carolena keine Einwände, sie sträubt sich nur zurecht dagegen, dass dies dann weiterhin ATS genannt und auch als solcher gelehrt wird.

Doch gemach, so etwas ist ja nicht allen ATS-Lehrerinnen und –Tänzerinnen gleichgültig. Vom ATS (im Speziellen) und Tribal (im Allgemeinen) überzeugte Frauen haben sich zu einem Verband zusammengeschlossen, dem Tribal D.A.CH. (ein Wortspiel, indem man die Autokennzeichen der drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und Schweiz genommen und daraus den Begriff Dach gebildet hat, um gleichsam Einflussgebiet und Sinn und Zweck des Unternehmens unter einen sprachlichen Hut zu bringen). Wie bei allen neuen Einrichtungen galt es auch bei D.A.CH. einige Kinderkrankheiten zu überwinden. Doch inzwischen zählt man 60 Mitglieder, hat sogar eine eigene Österreich-Regionalleiterin und hat ganz besonders und vor allem anderen ein Festival hingelegt, das neue Maßstäbe setzt.

Colors of Tribal - Die Show
Stargast auf diesem „Colors of Tribal“ genannten Spektakel war, natürlich, Carolena Nericcio- Zum Katholikentag reist ja auch der Papst an. Dazu Wendy Allen von Fat Chance Bellydance und Megha Gavin, ihres Zeichens erste „Sister School“, im US-Bundesstaat Alabama. Für Carolena, die bis vor einiger Zeit überhaupt nicht ins Ausland verreist ist, war dies die erste Reise nach Deutschland. Und als wäre das nicht genug, meldete sich auch der weltweit bewunderte Tribal-Komponist Phil Thornton spontan dort an. Unnötig zu erwähnen, daß die deutschen Tribal-Damen in bunten Scharen erschienen, es wurden dreihundert Besucher gezählt. Und auch auf der Bühne tummelte sich zum Großteil das, was im deutschsprachigen Tribal Rang und Namen hat, aber auch jüngere Truppen erhielten Zugang zur Bühne.

Die Veranstaltung (mit großem Basar, versteht sich) geriet zur Party, und das, was andernorts fast nie so recht klappen will, funktionierte hier ganz spontan. Nach dem letzten Auftritt räumten Gäste wie Helfer die Stühle beiseite, um ausgelassen zur Musik von Phil Thornton zu tanzen, der sich gern an die Plattenteller stellte.
Zum Programm. Die beiden wichtigsten deutschen Tribal-Fusion-Stämme,
Shir o Shakar und Perlatentia, boten wie gewohnt herausragendes Programm, beide experimentieren viel mit anderen Stilen, vergessen dabei aber nicht, daß sie aus dem ATS dorthin reisen, und so entsteht bei ihnen zuverlässig Tribal Fusion im besten Sinn des Wortes. Aber sie haben auch den traditionellen Tribal im Programm, und man freut sich, ihn auch von ihnen dargeboten zu bekommen.

Neas Tribal, der dienstälteste deutsche Tribe stellte wieder einmal unter Beweis, daß sie den ATS von der Pike auf gelernt haben. Nirgendwo sonst kann man in Deutschland ATS in so gewachsener und überzeugender Weise erleben, auch wenn dieser gern auf der Bühne mit dem GC Format und dem eigenen „Neas Tribal Style“ gemixt wird. – Ein Ableger dieser Truppe ist Fusionea, wie der Name schon vermuten lässt ein Tribal-Fusion-Projekte. Das Besondere bei dieser Formation: Wie es sich gehört, wird hier der Tribal in den Mittelpunkt stellt und alle anderen gewünschten Stile darum herum gruppiert.
Das große "Colors of Tribal" Finale
Daß Tribal sich auch ungewöhnlichen Musikstilen annähern kann, führte Maranea vor, die in höfische Tänze aus dem Barock Tribal-Elemente einführten und so für einen nicht alltäglichen Tribal Fusion sorgten. - Ermunternd und lustig führte Nadine Gabriel durch den Abend.
Ganz modern, Tribal mit Steampunk vermengt, das hat sich das Duo Aakasha al Kharma erarbeitet. Eine interessante Idee, Trends der Pop-Kultur in den Tanz einzuführen. Und die beiden machen das mit Inbrunst und Verve. – Ein ähnliches Projekt leistet sich Alhazar, ein Tribe im Cowgirl-Kostüm, der ein Stück von Phil Thornton (der das sichtlich amüsant fand) mit Country & Western-Pop fusioniert. Übrigens werden Tänzerinnen, die sich zu weit vom Zentrum entfernen, mit dem Lasso wieder eingefangen.
Das Duo Majallah zeigte, wie Tribal ausschaut, wenn er mit Tango gepaart wird. Einhellige Meinung, das eleganteste Stück des ganzen Abends. – Sophia Chariarse führte einige indische Stile auf und bewies damit wieder einmal, wie viel der Tribal dieser Kultur zu verdanken hat. Und schließlich kommt Tribal ja aus dem Volkstanz oder Folklore oder Ethno (der Name ändert sich ja in jedem Jahrzehnt).
So auch Sylvia Sophia Assmann aus Österreich, die einen Derwisch-Drehtanz vorführte. Sie gehört zu den ganz wenigen Frauen in unseren Breitengraden, die so etwas erfolgreich beherrschen. Und nicht mehr lange, dann wagt sie sich auch an den Tanura heran. Noch eine Besonderheit bei dieser Darbietung, Sylvia ließ sich stimmlich von der Opernsägnerin Angela begleiten.
Carolena, Megha und Wendy traten am Ende der Show auf, und ihnen wurde schon im ersten Moment die volle Aufmerksamkeit des Publikums zuteil. Ihre vorbildliche und makellose ATS-Darbietung versetzte jederfrau in Erstaunen, und man hätte im Raum eine Stecknadel fallen hören können. Und ganz ehrlich, wann hat man das heutzutage schon einmal auf einer Tanzveranstaltung, daß wirklich sämtliche Anwesenden im selben Moment die Klappe halten.

Für die erfolgreiche ATS-Erweckung in Deutschland hätte man sich keinen besseren Abschluß wünschen können.
Eine Veranstaltung wie diese kann einer Bewegung gehörigen Auftrieb geben, und der ATS in Deutschland ist seitdem auch wieder im Aufwind und im Gespräch. Eine Veranstaltung wie diese kann aber auch Brücken bauen, zum Beispiel zwischen Carolena und ihrer deutschen Gefolgschaft, oder DACH könnte sich als Radnabe zwischen den Tribal-Ländern verstehen und sich zu einem Zentrum der Begegnung entwickeln, der Kommunikation und des nonverbalen Tanzes, Verständigung garantiert.
Nur Mut!
Neue „Sister Studios"

Carolena zeigte sich großzügig, und ab sofort gibt es in Europa einige offizielle FCBD-Sisters-Studios, in denen waschechtes FatChanceBellyDance-ATS erlernt werden kann! Während Ihres Deutschlandaufenthalts anläßlich „Colors of Tribal“ hatte FCBD-Gründerin Carolena Nericcio nämlich Ihr heißersehntes „Teacher-Training Certificate“, die Erlaubnis, das FCBD-Format - Level 1 nach bestandener Prüfung zu unterrichten, mit im Gepäck. Wir gratulieren den stolzen Absolventinnen: Gabriele Keiner, Kerstin Kohlhöfer, Nina Raffelt, Jane Hecht, Petra Kaiser, Diana Ruhland, Nicole Urbantat, Mareike Beiersdorf, Virginia Stächele, Andrea Bender, Gudrun Herold, Sonja Reichling, Anika Rust, Inga Woolston, Hannele Aaltonen (Finnland) und Beata „Herbi“ Moryl (Polen), zum frisch erworbenen Trainerschein und wünschen allen viel Erfolg.“ Und darauf dürfen wir eigentlich alle etwas stolz sein.

weiter zur Stellungnahme des Vereins....
Carolena und Phil Thornton
der Basar
Partystimmung und gemeinsames Tribaln nach der Show
perlatentia
Shir O Shakar
Neas Tribal
Fusionea
Maranea
Moderatorin Nadine Gabriel
Aakasha al Kharma
Duo Majallah
Sophia Chariarse
Alhazar
Sylvia Sophia Assmann
Angela
FatChanceBellyDance
Hier geht es zur Vereinsseite:
www.tribal-dach.de