Startseite/Aktuelles
zurück zu DACH e.V.
DIENSTLEISTUNG, AUSTAUSCH, CHARMEOFFENSIVE
von Marcel Bieger
Ihr habt Tribal D.A.CH. gegründet, eine Wortschöpfung aus den Autokennzeichen für Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH), sind Zusätze geplant?

Das sind deutschsprachige Länder, auch wenn man in der Schweiz auch noch andere Sprachen spricht, aber es gibt ja in Europa noch ein paar deutschsprachige Ecken mehr. Es ging uns aber mehr um das Wortspiel, eben einen DACH-Verband zu gründen. Wir haben ja auch schon ein nicht-deutschsprachiges Mitglied, denn niemandem soll die Mitgliedschaft grundsätzlich verwehrt werden. Deswegen wird es keine weiteren Buchstaben-Zusätze geben, denn dann ginge ja der Doppelsinn verloren. „Alle unter einem Dach“ lautet die Devise.

Der Name ist ja auch toll, ein richtiger Geniestreich.

Wir haben ihn uns auch für viel Geld schützen lassen. Die Vorsitzende mußte erst einmal viel bezahlen, ehe alles unter Dach und Fach war. Man muß solvent sein, wenn man einen Verein gründet.

Ich sitze hier mehreren Damen aus dem D.A.CH. Vorstand gegenüber, stellt euch bitte selbst vor.
"Maggi" Margarete Keulen
Ich bin Maggi, die 1. Vorsitzende und als solche ordentlich gewählt. Auf der Gründungsversammlung im November 2009 bin ich in dieses Amt gewählt worden. Ich kümmere mich um die Formalien. Da ich in Bielefeld wohne, wurde der Verein auch in Bielefeld angemeldet. Ich habe den Verein bei einem Notar angemeldet – dem muß man die Vereinssatzung vorlegen, und der prüft sie dann -, ich habe D.A.CH. ins Vereinsregister eintragen lassen, beim Finanzamt angemeldet, für ihn die Gemein-nützigkeit beantragt. Des weiteren obliegt mir die Mitgliederverwaltung, die Web-Seite aufzusetzen und natürlich den Überblick zu bewahren, was die anderen Vorstandsmitglieder im einzelnen so treiben, und ich achte darauf, daß alles ordnungsgemäß an unsere Schatzmeisterin weitergeben wird,. Ich bin dem Tanz nicht so verhaftet wie Gabi, die das ja auch hauptberuflich macht, ich arbeite nämlich als Pressesprecherin eines IT Unternehmens. Am Anfang war ich auch für die Öffentlichkeitsarbeit des D.A.CH. Vereins zuständig, denn da war Anika noch nicht gewählt. Da geht es um Fragen wie, was ist Tribal überhaupt, viele wissen das ja noch nicht. Und das zu klären, war auch einer der Gründe für uns, den Verein ins Leben zu rufen. Und auch selbst Artikel zu schreiben. Nicht zu vergessen die „Social Media“ wie Facebook und My Space, bei denen wir auch präsent sind. Es war sehr viel Arbeit, alles erst einmal in Gang zu bringen, doch teile ich mir das mit Gabi, unserer 2. Vorsitzenden. Ich tanze bei „Ma’Ansari“, wir sind vier Frauen aus Bielefeld.
Ich heiße Gabi und bin die 2. Vorsitzende. Wenn die 1. alles richtig macht, habe ich keine Arbeit (alle lachen). Aber wir sprechen uns schon über alles Mögliche ab. Wir stehen viel in Kontakt miteinander, aber die Hauptarbeit lastet schon auf Maggi. Ich kümmere mich um die Veranstaltungen, wir planen ja für Ende Juli ein Festival. Durch meine Tribal-Workshops bin ich ziemlich dicht an den Frauen dran. Ich bin professionelle Tänzerin, habe mein eigenes Studio und tanze seit mittlerweile elf Jahren Tribal. Im Studio unterrichte ich auch noch klassisch orientalisch, aber inzwischen bin ich hauptsächlich in Sachen Tribal unterwegs. Vom Tribal allein könnte ich mein Studio allerdings nicht halten. Und nicht zu vergessen, ich leite den ältesten Tribal-Stamm Deutschlands, „Neas Tribal“.
Die Aufklärungsarbeit in Sachen Tribal erledige ich ja schon seit Jahren, nur jetzt verstärkt durch den Hinweis, daß es da seit neuestem einen Verein gibt, der sich um Tribal kümmert. Ihr könnt euch da mit einbringen, denn es wäre schön, wenn wir in Deutschland das Niveau ein bißchen anheben könnten, und zwar einheitlich und unter dem Motto „Miteinander – nicht gegeneinander“. Wir wollen die einzelnen Stile ganz eindeutig benennen. Aber auch Anfragen beantworten wie „Ich sitze in der und der Ecke, wer macht hier Fat Chance oder Black Sheep?“
Das müssen wir aber alles noch aufbauen, bis es eines Tages dann so weit ist, daß die Leute sagen, da gibt es im Internet einen Verein, bei dem kann man alles über Tribal erfahren. Den Tribal-Gedanken zu verbreiten und zu vereinheitlichen, das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Wir sind alle sehr enthusiastisch gestartet, heißt, wir hatten alle keinen Plan für einen Verein (alle lachen), und es hat jetzt wirklich ein Jahr gedauert, bis sämtliche Formalitäten erledigt waren. So hatten wir uns das natürlich nicht vorgestellt, aber wir hatten ja auch, wie gesagt, alle keine Ahnung, wie man einen Verein ins Leben ruft. So ziemlich genau nach einem Jahr haben wir unsere erste Mitgliederversammlung einberufen und konnten dort unser 40. Mitglied begrüßen.

Bei 40 Mitgliedern darf man schon fragen, welche Gebiete bei euch stärker vertreten sind und wo noch weiße Flecken auftauchen.

In Berlin haben wir eine ganze Menge, aber auch in München einige, wobei die im Süden immer sagen, bei uns gibt’s doch gar keinen Tribal. Dann noch der Norden, von Oldenburg bis rauf nach Hamburg. Danach sind die Mitglieder verstreut, hier mal eine und da mal eine. – Viele sehen in uns noch die ATS-Polizei (alle lachen), die wir in Wahrheit natürlich nicht sind und auch nicht sein wollen. Wir wollen nur ganz klar aufzeigen, das ist ATS und das ist was anderes. Ein legitimes Vorhaben.

"Gabi" Gabriele Keiner
Mein Name ist Anika, und ich wurde auf der MV zur Pressesprecherin und Schriftführerin des Tribal D.A.CH. Vereins gewählt. Ich schreibe die Protokolle, gebe die Pressemitteilungen heraus, schreibe auch Artikel, trete mit den Medien in Kontakt. Ich koordiniere also zwischen außen und innen. Öffentlichkeitsarbeit ist ein weites Feld. Dieses Interview hier gehört dazu, aber auch auf dem laufenden zu bleiben, was in den einzelnen Medien zum Tribal verbreitet wird. Hauptberuflich bin ich Studentin in Bielefeld, ich studiere Mathematik und evangelische Theologie auf Lehramt.
Ich heiße Mareike und bin Kassenprüferin. Das heißt, ich prüfe vor der Wahl eines neuen Vorstands das Kassenbuch, ob der alte Vorstand ordentlich mit den Vereinsgeldern gewirtschaftet hat. Ist das der Fall, empfehle ich, den alten Vorstand zu entlasten. Das hört sich jetzt vielleicht nicht nach einer Lebensstellung an (alle lachen), aber ich halte den D.A.CH. Verein für so wichtig, daß ich mich da auch irgendwie einbringen wollte. Deswegen habe ich mich auf der Mitgliederversammlung für dieses Amt beworben.
Anika Rust
Mareike Beiersdorf
Wie bist du auf den Verein aufmerksam geworden?

Ich habe Maggi auf einer Veranstaltung kennengelernt, da wurde schon Werbung für den Verein gemacht. Von der Mitgliederversammlung habe ich dann auf einem Forum erfahren, und weil die Sache mir gefiel, bin ich auch hingefahren. Ich bin aus Offenburg und tanze
im Studio „Tanz Academy“.

Wir befinden uns hier auf dem 1. Oberrheinischen Tribal Festival, für euch ein Pflichttermin, zu dem der Vorstand immerhin vier Frauen hoch angereist ist. Wie verbreitet ihr hier eure Botschaft?

Wir haben auf dem Informationstisch am Eingang unsere Karten und Mitgliedsanträge ausgelegt. Bei anderen Veranstaltungen treten wir auch im T-Shirt mit dem D.A.CH.-Emblem drauf auf. Das ziehe ich auch bei normalen Workshops an, um die Teilnehmerinnen sozusagen mit der Nase draufzustoßen. Zurzeit sind die Hemden aber in der Wäsche (alle lachen). Wir waren in der letzten Zeit an fast allen Wochenenden unterwegs. Wir sind hier auch schon von Frauen auf D.A.CH. angesprochen worden.

Ihr fahrt also zu Veranstaltungen, warum um Beispiel hierher nach Offenburg?

Wir sind hier erstmal individuell angereist, daß es eine D.A.CH.-Reise wurde, hat sich erst viel später ergeben. Deswegen sind wir hier auch nicht mit einem offiziellen Stand vertreten. Normalerweise machen wir das aber schon, zum Beispiel in Hannover auf dem Tribal Festival. – Das spielt sich gerade ein. Als wir angefangen haben, waren wir gerade mal sieben, auf deren Schultern sich dann auch die ganze Arbeit abgeladen hat. Wir sind aber bereits vierzig, das heißt, wir können breiter delegieren. Wenn wir immer noch nur sieben wären, hätten wir das alles gar nicht schaffen können. Trotzdem hoffen wir natürlich auch darauf, über unsere Tische neue Mitglieder zu gewinnen. Der Tribal ist ja schon etwas Besonderes, und wir sind der erste und einzige Tribal-Verein in Deutschland. Es gibt Frauen, die gehen in ein Tanzstudio, um dort Tribal zu lernen und nicht Bauchtanz mit Stocktanz, Raks Sharki und Tribal, sondern nur für Tribal. Deswegen ist ein Verein wie der unsere auch so wichtig, um dem gerecht zu werden. Ich habe jahrelang OT getanzt, bevor ich Tribal gelernt habe. Aber hier in der Tribal-Szene habe ich entdeckt, daß man auch ohne OT-Vorbildung Tribal machen kann. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Der BVOT, der Bundesverband Orientalischer Tanz kümmert sich zwar auch um Tribal, aber da ist der Tribal nur einer unter vielen. Bei uns aber steht der Tribal absolut im Vordergrund, und wir wollen unsere ganze Energie nur in den Tribal stecken.

Bleiben wir noch etwas bei dieser Veranstaltung hier. Der Südwesten war auf dem Gebiet Tribal immer etwas schwach auf der Brust. Indem ihr hier anreist und euch als D.A.CH. präsentiert, verleiht ihr der Bewegung doch auch einen Schub.

Wir reisen dorthin, wo es Not tut (alles lacht). Wir machen das zum ersten Mal, und der Südwesten macht das hier zum ersten Mal. Wir hoffen, daß wir nächstes Jahr so weit sind, jedem, der eine solche Veranstaltung durchführen will, eine gewisse Unterstützung zu gewähren. Da wird gewiß noch kein finanzieller Anschub sein, aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Veranstaltung bekannter zu machen. Oder man kann sich dann sicher schon an uns wenden, daß für den Termin noch Dozenten, bzw. Künstler gesucht werden. Zum Beispiel ATS-Gruppen, die man ja nicht allzu oft bei uns sieht. Fusion schön und gut, aber man möchte ja auch gern mal richtig improvisierten Tribal dazwischenhaben.

Oder ein Stamm möchte gern mal mit diesem oder jenem zusammenkommen. Oder eine Einzeltänzerin, die mal bei einer größeren Formation mittanzen möchte. Je nachdem, wo man wohnt, bekommt man ja unter Umständen kaum eine Möglichkeit dazu.
Also steuert der Verein in Richtung Dienstleistung.

Ganz viel von dem, was wir anbieten wollen, geht in Richtung Dienstleistung. Dazu müssen wir erst einmal ganz viel sammeln, was es gibt, was gewünscht wird und so weiter. Zum Beispiel eine Dozentinnenliste. Wir dürfen ja auch nicht vergessen, daß es einige Lehrerinnen gibt, die noch nichts von uns wissen. – Es gibt sogar sicher sehr viele, die noch nichts von uns wissen. Das erfordert eine eigene Arbeitskraft, jemand, der sich nur darum kümmert. Wir denken an ein oder zwei Mitglieder, die nur das betreuen. Wenn eine von denen keine Zeit oder keine Lust mehr hat, kann die andere sich eine Mitarbeiterin suchen, ohne daß von neuen Leuten wieder ganz von vorn angefangen werden muß. – Eine andere Sache wäre die Erfassung von GEMA-freier Musik. Da haben wir jetzt auch eine, die gesagt hat, ich mache das. Das ist ein großes Gebiert, das sich ständig verändert. Selbst wenn man schon einen gewissen Grundstamm zusammen hat, muß man immer wieder von Zeit zu Zeit abgleichen, ob das noch so stimmt. Über dieses Thema bestehen leider viele Halbwahrheiten, auf die sich einige leider allzu blauäugig verlassen, so a la „Aber das hat doch da und da auf der Homepage gestanden.“ Auch da gilt der Rechtsgrundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

Habt Ihr eine Juristin im Verein?

Noch nicht, aber das kann ja noch kommen. Wir haben aber eine, die sich ständig drum kümmert, die im Austausch steht und die bereits von einer ganzen Reihe Künstler die schriftliche Bestätigung eingeholt hat, daß dieses und jenes GEMA-frei ist. Man muß ja zweimal fragen, zum ersten, ob ein bestimmtes Stück GEMA-frei ist, und zum zweiten, ob man es zu diesem oder jenem Zweck aufführen darf. Da haben wir jetzt schon einiges beisammen, aber das stellen wir natürlich nur unseren Mitgliedern zur Verfügung. Wir sind zwar gemeinnützig und haben auch eine ganze Menge für die Allgemeinheit im Angebot, aber einiges bleibt eben nur den Mitgliedern vorbehalten. Dafür bezahlen sie ja schließlich Beitrag.

Habt ihr auch vor, Musterverträge zu entwerfen?

Da werden wir wohl nicht drum herumkommen. Wir brauchen also jemanden, der sich mit Vereinsrecht und Vertragsrecht auskennt. Es herrscht ja auch so viel Unsicherheit, wann man Gage verlangen kann und wieviel angemessen ist. – Ja, wir hören oft die Frage, wie viel nimmt man denn so auf einem Mittelaltermarkt? – Nimm das, was du kriegen kannst! (Alle lachen). – Die Dienstleistungen sind ein weites Feld, und da kommt sicher im Lauf der Zeit noch einiges dazu, an das wir vielleicht heute noch gar nicht denken. Merchandising wäre zum Beispiel noch so eine Geschichte, einige finden unsere T-Shirts so toll. – Unser Tribal-Lexikon, da ist zwar schon eines da, aber das soll nochmal überarbeitet werden. Zu den einzelnen Stilen steht da etwas drin. Wir wollen da Aufklärungsarbeit betreiben und zwar so, daß jeder, der nach Antwort sucht, bei uns auf der Homepage nachschauen kann. Oder es sich ausdrucken. – Eine weitere Maßnahme wäre, Veranstaltungen für Mitglieder vergünstigt anzubieten. Oder vom Verein aus selbst Veranstaltungen zu organisieren. Seien es Workshops oder eigene Shows. Wir haben ja auch für Ende Juli eine eigene Show vor, unsere erste, die „Colors of Tribal“, zu dem als Star-Gast Carolena Nericcio, Wendy Allen und Megha Gavin eingeladen sind. Für den Verein ist das sicher noch Neuland, aber einige unserer Mitglieder haben ja durchaus schon Erfahrung damit, eine Show zu organisieren, und warum soll man das nicht nutzen? Und was die Finanzierung angeht, so werden wir Spenden sammeln, wir sind ja schließlich gemeinnützig und können deswegen Spendenquittungen ausstellen.

weiter...
- 1 -
v.l.n.r. Gabriele Keiner, Marcel Bieger, Margarete Keulen, Anika Rust, Mareike Beiersdorf
Interview mit dem Tribal D.A.CH. e.V.