Startseite/Aktuelles
zurück zu Interviews
Mittlerweile ist sie schon ein paarmal bei uns aufgetreten, die mystische und dunkle Tänzerin Aepril Schaile (beim Oberrheinischen Tribal-Festival nun schon zum dritten Mal, und in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Orientalischen Tanz-Festival in Stuttgart) Im letzten Interview haben wir uns vornehmlich mit der Tänzerin Aepril befaßt, heute erfahren wir von ihr etwas mehr über ihre Denkart, ihre Hexen-Rituale und die Dinge, die bei ihr hinter den Dingen stehen. Lest selbst, und macht euch auf eine Reise in die tiefsten Gefilde der Seele gefaßt ...
Photos ©: 2 und 4 Konstanze Winkler, 1, 3 und 5 www.cherylfair.com
Grafik und WebDesign: Konstanze Winkler
Als du das erste Mal im Schwarzwald warst (2011), hast du angekündigt, Samhain in Deutschland zu verbringen, und du hast damals diesen keltischen Feiertag tatsächlich im Wald begangen. Was wirst du dieses Mal „anstallen“, außer auf der Bühne zu tanzen und zu unterrichten?

Oh ja, das war ganz toll, diesen so wichtigen Tag im Jahr, an dem sich das Rad weiterdreht (Samhain heißt bei uns auch „Halloween“ und gilt im Keltischen als Winteranfang) im Land meiner Vorfahren zu feiern. Ich habe tatsächlich im Schwarzwald an einem Feuer gestanden und Hexen-Riten vollzogen. Dabei konnte ich auch den Tod meiner kurz zuvor verstorbenen Schwester beweinen, und überhaupt, so eine Nacht behält man ewig im Gedächtnis. Eine geweihte Nacht, in der wir unseren Vorfahren, den Menschen, die vor uns gewesen sind, Ehre erweisen konnten.

Jede neue Reise trete ich in dem Gefühl an, ein weiteres Abenteuer zu erleben. Mal sehen, was mich dieses Mal erwartet.

"ES IST TOLL,
ZU WACHSEN UND SICH ZU WANDELN"

Interview mit Aepril Schaile

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

..Homepages Aepril:
..www.aeprilschaile.com 
..www.aeprilsastrology.com
..www.occultartssalem.com

..Aepril "poems and photos": www.selectsherownsociety.tumblr.com
Erzähle uns bitte etwas über deine Workshops.

Ich beschäftige mich mit der Welt der Archetypen und wie sie zum Bauchtanz in Beziehung stehen. Die Vorstellung von Archetypen findet sich auf allen Gebieten, die mit dem menschlichen Verhalten, der Psychologie und der Kunst zu tun haben. Bei einem Archetyp kann es sich um eine Stellungnahme, um ein Verhaltensmuster, um einen Prototyp, um eine kollektiv erworbene, unterbewußte Vorstellung,
1
5
4
3
2
Du tanzt nicht nur und gibst Tanzunterricht, du lehrst auch Astrologie, du bist Tierschützerin und praktizierende Hexe. Was treibst du eigentlich in deiner Freizeit, wenn du überhaupt welche hast?

Die verbringe ich zu einem Großteil mit meinem Hund „Gwyddion“, dann durchstreifen wir hier in Neu-England (Nordosten der USA) die Wälder. Ich schieße auch gern Photos, und zwar von all den Orten, an die ich gelange. Irgendwann möchte ich daraus ein Buch machen, zusammen mit den Gedichten, die ich verfasse. Daneben bilde ich mich in „Magik“ fort (der von Aleister Crowley erfundenen Verbindung von Wissenschaft und Religion), ich schaue mir gerne die alten Filme der „Schwarzen Serie“ an, genauso Stummfilme und Werke der Avantgarde.

Ich bin Eingeweihte des „Ordo Templi Orientis” (Orden des Östlichen Tempels), und ich bin bei uns in der Gemeinde sehr aktiv. Außerdem praktiziere ich für mich „Präsenz“, auf die ich mich bei allem, was ich tue, konzentriere.
Sobald ich Deutschland wieder verlassen habe und zurück in den USA bin, geht es gleich weiter mit den Vorbereitungen für „Occult II“ (ich bin eine der Leiterinnen). Bei dieser Wochenend-Konferenz dreht es sich darum, den esoterischen Künsten die nötige Aner- kennung zu verschaffen und die verschlungenen Ranken zu erforschen und zu ehren, welche den Nährboden sowohl für die Magik wie auch für die kreativen Künste darstellen. Auf der Konferenz gibt es Kurse, Vorträge, Kunstausstellungen, Podiums-Diskussionen, Vorführungen, Rituale und ein Maskenspiel.
Weil ich Deutschland liebe! Die Menschen, denen ich in Deutschland begegne, haben Tiefe, geben Wärme und heißen mich willkommen. Ich erkenne, daß die Zuschauer hier sich mit meiner Arbeit auseinandersetzen und den Sinn dahinter erkennen; sie wollen sich nicht einfach nur von mir „berieseln“ lassen. Das mag ich sehr. Außerdem hatte ich bei euch immer sehr viel Spaß, und erst euer leckeres Essen ...
Du bist in Deutschland ziemlich populär, mehrere deutsche Festivals rühmen sich, dich zum Stargast zu haben. Warum bist du so gerne bei uns?
Was wirst du uns beim Schwarzwald-Festival auf der Bühne zeigen?
 
Zur Zeit arbeite ich gerade an einigen Nummern, die meinen inneren tiefen Verwandlungsprozeß widerspiegeln sollen. In den letzten ein bis zwei Jahren hat sich einiges bei mir getan. Ich bin mir vorgekommen wie eine Schlange in einer viel zu engen Haut oder wie eine Raupe in ihrem Kokon. Bei mir hat sich sehr viel tiefgreifend gewandelt, und mein Leben war an einem Ort der Unsicherheit und der Rätsel angelangt. Ich habe eine lange Reise durch meine innere Welt zurückgelegt, in welcher sich seitdem viel aufgeweicht und geöffnet hat. Dabei habe ich Freude, Befreiung und Freiheit bis hin zur Extase empfunden, aber auch Trauer und Schmerz. Das alles will ich in den Bühnen-Vorführungen zum Ausdruck bringen
um ein Gedankenmuster, um ein Bild und so weiter handeln. Jede Generation hat dazu ihre eigenen Muster. Ein Archetyp tritt aber auch als wiederkehrendes Symbol oder Motiv in der Kunst oder der Mythologie auf. Beim Tanz verwenden wir andauernd Archetypen. Ich gebe diese Kurse, damit die Teilnehmer sich weiter damit beschäftigen und sich dieses Phänomens noch mehr bewußt werden. Ganz besonders interessiert mich dabei die Art und Weise, wie diese Archetypen ihre weibliche Form zum Ausdruck bringen. Gleich welchem Geschlecht ein Tänzer angehört, der Bauchtanz ist am ehesten eine weibliche Kunstform.

Den Workshop „Heilige Hure“ biete ich an, um darin sowohl der Mischung von erotischen und spirituellen Elementen im Bauchtanz auf den Grund zu gehen, wie auch die esoterische Kraft und die Bedeutung des Archetyps zu erforschen.

Wie sehen deine weiteren Pläne aus, wann führt dich dein Weg wieder zu uns?

Meine zukünftigen Pläne drehen sich alle darum, an meiner künstlerischen Praxis und meiner Selbstbeschreibung als Künstlerin zu arbeiten. Ich arbeite aber auch in anderen Medien, und die erwarten ebenfalls, daß ich sie voranbringe und mich ihnen widme. Ein ganz dringender Wunsch von mir lautet, die Verbindung zu meinen Tanz-Freunden und zu meinen Fans aufrechtzuerhalten und gleichzeitig weitere Bestandteile meiner Arbeit in das große Ganze zu verweben. In den USA habe ich Wege gefunden, auf denen ich meine Arbeit multimedial präsentieren kann. Ich wachse langsam aus der Existenz-Ebene hinaus, in der ich nur als darstellende Künstlerin gewirkt habe. Ach, es ist toll, zu wachsen und sich zu wandeln. Ich hoffe sehr, daß dieser Prozeß sich in Deutschland fortsetzt.
Ich freue mich schon sehr darauf, euch alle wiederzusehen,
Aepril
Aepril Schaile ist zu Gast beim
5. Black Forest Tribal Festival
11. - 14. September 2014