


Interview mit Aisa Lafour
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Ich bin ein richtig buntes Völkergemisch. Mein Vater stammt aus Surinam (ehemals: Niederländisch-Guayana) in Südamerika, und meine Mutter ist Holländerin, aber ebenfalls mit vielfältiger Herkunft. Somit findet sich in mir französisches, spanisches, niederländisches, surinamesisches und sogar etwas Zigeunerblut. Ich habe auch eine zeitlang in Brasilien gelebt, was sicher auch nicht ohne Einfluß auf mich gewesen ist. Seit meinem 16. Lebensjahr tanze ich lateinamerikanisch, angefangen mit Salsa, später Samba, Zouk und Axe. Das alles hat natürlich auf meinen Tanzstil abgefärbt. Aber der Bauchtanz war mein erster Tanz, den betreibe ich schon seit meiner Kindheit.



Alles trifft zu, was du aufgezählt hast. Meine beiden Eltern waren Schauspieler, und so fließt Theaterblut in meinen Adern; ich bin praktisch auf der Bühne großgeworden. Bevor ich einen Tanz choreographiere und strukturiere, höre ich mir das in Frage kommende Musikstück mindestens 1001-mal an, um die Geschichte zu erfassen, die dahintersteckt. Handelt es sich zum Beispiel um einen Tarab, übersetze ich zunächst den Text aus dem Arabischen ins Englische oder Niederländische. Danach rede ich mit meinen ägyptischen Freunden darüber, denn sie können mir erklären, welche tiefere Bedeutung in diesen Zeilen steckt. Ich schaue mir auch ältere Videos, beispielsweise von Oum Kalthoum an und präge mir ein, welche Gefühle die Sängerin zeigt und wie sie die ans Publikum bringt. Die Geschichte hinter dem Liedtext ist mir schon sehr wichtig. Wenn ich den tieferen Sinn eines Lieds dann begriffen habe, suche ich nach Schritten und Bewegungen, die dazu passen, und probiere sie aus. Ich filme mich beim Proben auch gern selbst, um besser überprüfen zu können, ob alles so läuft, wie ich es mir wünsche. Wenn ich dann auf der Bühne stehe, lasse ich alles heraus, und das, was ich an Vorarbeit geleistet habe, und die Musik helfen mir, die Geschichte in Tanz zu übertragen.
Dazu ist es im Jahr 2009 gekommen. Jillina und ich sind uns auf dem Ahlan wa Sahlan (bedeutendes OT-Festival in Ägypten) begegnet und kamen ins Gespräch. Unter anderem darüber, daß wir beide von einer großen Show wie einem Ballett oder einer Tanzgeschichte träumten, in der klassischer Bauchtanz getanzt wird. Um den Bauchtanz auf eine höhere Spielebene zu stellen. Jillina zeigte sich ziemlich beeindruckt von all den tollen Tänzern bei diesem Festival und beschloß, ein Vortanzen für ihren Traum zu organisieren. Und dazu bin ich auch eingeladen worden. Ich war ziemlich nervös, denn unter uns Teilnehmern wußte niemand, worum es hier genau ging. Und das Komische daran ist, daß Jillina zu dem Zeitpunkt selbst noch keine allzu genauen Vorstellungen davon hatte, wo die Reise hingehen sollte. Ich glaube, nach ihrer Rückkehr aus Ägypten hat sie sich um dieses Projekt Gedanken gemacht. Als wir uns dann wieder bei Ahlan wa Sahlan getroffen haben, erklärte sie mir, daß sie ein großes OT-Tanzspiel plane und bereits einen Autor für das Drehbuch gefunden habe. Und sie wolle ein Vortanzen abhalten.
Ja, Leyla hat mich als Punktrichterin eingeladen. Ich habe 2008 beim allerersten Wettbewerb in meiner Kategorie den ersten Platz gemacht, und jetzt sitze ich schon in der Jury von „Bellydancer of the World“! Man kann sich gar nicht vorstellen, was das für eine Ehre ist. Ich sehe das als neue Stufe auf meiner Karriereleiter nach oben! Ich freue mich auch riesig darauf, so viele neue Talente auf der Bühne zu sehen.
Ich selbst werde auch etwas auf der Bühne darbieten, ein modernes orientalisches Stück mit einer ganz neuen Choreographie. Und in meinem Workshop unterrichte ich modernen Schleiertanz. Wir wollen dort gemeinsam erkunden, wie man einen fesselnden Schleiertanz vorführt. Es gibt ein neues Intro, neue Schritte und Kombinationen mit flotten Drehungen und hohem Bein zu lernen. Das eröffnet der Tänzerin ganz neue Horizonte und verhilft ihr zu eigenen Möglichkeiten, ihre Tänze zu entwickeln. – In einem weiteren Kurs zeige ich die Möglichkeiten der Bühnenpräsenz und der Star-Ausstrahlung auf. Ich habe die Eckpunkte der Bühnenpräsenz analysiert und mich dabei von der Frage leiten lassen: Was macht das Charisma eines Tänzers auf der Bühne aus, und wann wird er zum Star? Ich habe Antworten darauf gefunden, und die vermitteln dem Studenten neue Möglichkeiten, einen eigenen Tanz zu entwickeln und sich möglichst vorteilhaft auf der Bühne zu präsentieren. Die Kurs-Teilnehmer erhalten zusätzlich ein neues Raumverständnis der Bühne und ein eigenes Takt- und Rhythmusgefühl.