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Konstanze Winkler
Aisa Lafour ist noch jung an Jahren, gilt aber schon als eine der wichtigsten neuen OT-Tänzerinnen. Auf der ganzen Welt ist sie ein gefragter Star, und auch unter den Veranstaltern in den Niederlanden nimmt sie eine Spitzenstellung ein. Gar nicht erst zu reden von ihrem größten artistischen Erfolg, der Mitwirkung bei Jillinas „Bellydance Evolution – Immortal Desires“. Sie wird in diesem Jahr beim Orientalischen Festival von Leyla Jouvana und Roland auftreten und auch in der Jury des Wettbewerbs „Bellydancer of the World“ sitzen. Wir freuen uns auf sie.
RAKS SHARKI IM SAMBA-RHYTHMUS

Interview mit Aisa Lafour

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Du kommst ganz schön herum in der Welt, aber wo liegen eigentlich deine Ursprünge und haben die deinen Tanz beeinflußt?

Ich bin ein richtig buntes Völkergemisch. Mein Vater stammt aus Surinam (ehemals: Niederländisch-Guayana) in Südamerika, und meine Mutter ist Holländerin, aber ebenfalls mit vielfältiger Herkunft. Somit findet sich in mir französisches, spanisches, niederländisches, surinamesisches und sogar etwas Zigeunerblut. Ich habe auch eine zeitlang in Brasilien gelebt, was sicher auch nicht ohne Einfluß auf mich gewesen ist. Seit meinem 16. Lebensjahr tanze ich lateinamerikanisch, angefangen mit Salsa, später Samba, Zouk und Axe. Das alles hat natürlich auf meinen Tanzstil abgefärbt. Aber der Bauchtanz war mein erster Tanz, den betreibe ich schon seit meiner Kindheit.

Es fällt auf, daß dein Raks Sharki lateinamerikanisch beeinflußt ist, was deinem Tanz einiges an Frische verleiht. Wie arbeitest du mit diesen beiden Formen, wie vermischst du sie, und was kommt dabei nicht in Frage?
Stimmt, ich gebe meinem Raks Sharki gern eine Prise Lateinamerikanisch bei, das verleiht ihm eine besondere Note. Manchmal stelle ich aber auch richtige Kreuzungen zwischen zum Beispiel Salsa und Bauchtanz her. Es gefällt mir eben, meinen orientalischen Tänzen eine besondere Richtung zu geben. Denn ich beherrsche beides und kann sowohl reinen Raks Sharki als auch eine verfeinerte Mischform tanzen. Das kommt immer auf die Musik an. Viele orientalische Rhythmen beinhalten ja ohnehin Lateinamerikanisches wie Bolero oder Samba. Was bei mir aber ausgeschlossen ist, wäre auf ein orientalisches Lied nur oder übermäßig lateinamerikanisch zu tanzen.
Wenn du an einer neuen Choreographie oder an einem neuen Stück arbeitest, wie gehst du dann vor? Oder wenn du in einem Tanz eine bestimmte Emotion transportieren willst, übst du das vorher ein, oder nimmst du Schauspielunterricht, oder improvisierst du alles auf der Bühne?

Alles trifft zu, was du aufgezählt hast. Meine beiden Eltern waren Schauspieler, und so fließt Theaterblut in meinen Adern; ich bin praktisch auf der Bühne großgeworden. Bevor ich einen Tanz choreographiere und strukturiere, höre ich mir das in Frage kommende Musikstück mindestens 1001-mal an, um die Geschichte zu erfassen, die dahintersteckt. Handelt es sich zum Beispiel um einen Tarab, übersetze ich zunächst den Text aus dem Arabischen ins Englische oder Niederländische. Danach rede ich mit meinen ägyptischen Freunden darüber, denn sie können mir erklären, welche tiefere Bedeutung in diesen Zeilen steckt. Ich schaue mir auch ältere Videos, beispielsweise von Oum Kalthoum an und präge mir ein, welche Gefühle die Sängerin zeigt und wie sie die ans Publikum bringt. Die Geschichte hinter dem Liedtext ist mir schon sehr wichtig. Wenn ich den tieferen Sinn eines Lieds dann begriffen habe, suche ich nach Schritten und Bewegungen, die dazu passen, und probiere sie aus. Ich filme mich beim Proben auch gern selbst, um besser überprüfen zu können, ob alles so läuft, wie ich es mir wünsche. Wenn ich dann auf der Bühne stehe, lasse ich alles heraus, und das, was ich an Vorarbeit geleistet habe, und die Musik helfen mir, die Geschichte in Tanz zu übertragen.

Deine „Orientalicious“ Show war ein Riesenerfolg, den du mit der Fortsetzung, „Orientalicious 2“, noch übertroffen hast.

Stimmt, die Orientalicious-Festivals waren beide ein Erfolg. Was mich besonders freut, das zweite ist noch besser eingeschlagen als das erste. Ich glaube, die jeweilige Auswahl an Tänzern und Dozentinnen hat sich als richtig erwiesen, vom künstlerischen Image und der Organisation der Festivals ganz zu schweigen. Ebenso haben die Örtlichkeiten eine Rolle gespielt. Ich reise ja sehr viel und habe in den vergangenen Jahren auf der ganzen Welt bei Festivals getanzt und unterrichtet. Dabei lernt man sehr viele hervorragende und talentierte Tänzer kennen und bekommt auch mit, wie andere die Organisation handhaben. Beides, die guten Tänzer, wie auch die besten organisatorischen Lösungen wollte ich nach Holland bringen, um den Menschen zu zeigen, wie der Bauchtanz sich auf der ganzen Welt ständig weiterentwickelt.
Bei „Orientalicious 2“ kam hinzu, daß uns ein ausgezeichnetes Team zur Verfügung gestanden hat. Zu den weiteren Besonderheiten in diesem Jahr gehörten der wunderschöne Palast aus der Gründerzeit, den wir für die Gala mieten konnten, und die zweite Hälfte der Show, die fast ganz dem Tarab gehört hat. Die Tarab-Stücke wurden vom besten arabischen Orchester in den Niederlanden gespielt, dem “Ensemble Arabesque”. Eine zusätzliche besondere Note erhielt diese Veranstaltung dadurch, daß alle Gäste in Abendgarderobe gekommen sind. Das hat dem Abend eine ganz eigene festliche Atmosphäre verschafft.
Wie sind Bellydance Evolution und du zusammengekommen?

Dazu ist es im Jahr 2009 gekommen. Jillina und ich sind uns auf dem Ahlan wa Sahlan (bedeutendes OT-Festival in Ägypten) begegnet und kamen ins Gespräch. Unter anderem darüber, daß wir beide von einer großen Show wie einem Ballett oder einer Tanzgeschichte träumten, in der klassischer Bauchtanz getanzt wird. Um den Bauchtanz auf eine höhere Spielebene zu stellen. Jillina zeigte sich ziemlich beeindruckt von all den tollen Tänzern bei diesem Festival und beschloß, ein Vortanzen für ihren Traum zu organisieren. Und dazu bin ich auch eingeladen worden. Ich war ziemlich nervös, denn unter uns Teilnehmern wußte niemand, worum es hier genau ging. Und das Komische daran ist, daß Jillina zu dem Zeitpunkt selbst noch keine allzu genauen Vorstellungen davon hatte, wo die Reise hingehen sollte. Ich glaube, nach ihrer Rückkehr aus Ägypten hat sie sich um dieses Projekt Gedanken gemacht. Als wir uns dann wieder bei Ahlan wa Sahlan getroffen haben, erklärte sie mir, daß sie ein großes OT-Tanzspiel plane und bereits einen Autor für das Drehbuch gefunden habe. Und sie wolle ein Vortanzen abhalten.
Als ich wieder in Amsterdam war, habe ich in einem OT-Magazin eine entsprechende Ankündigung gelesen: Jillina plane ein neues Projekt – „Bellydance Evolution“ – und lade dafür zum Vortanzen ein. Das kam mir wie ein Zeichen des Himmels vor. Ich habe ein entsprechendes Video eingesandt und wenig später die Zusage erhalten. Jillina hat mich tatsächlich für ihr Tanz-Ensemble ausgesucht. Ich bekam eine eigene Rolle, die der Peitho, der Verführerin, und ich habe mal im europäischen und mal im Star-Ensemble getanzt. Mit Jillina und ihrer Show bin ich im kalifornischen Los Angeles, in Deutschland, in Ungarn und in Marokko aufgetreten, ein Riesenschritt für meine Karriere.
Und in diesem Jahr sitzt du beim Orientalischen Festival von Leyla Jouvana und Roland in der Jury des Wettbewerbs „Bellydancer of the World“.

Ja, Leyla hat mich als Punktrichterin eingeladen. Ich habe 2008 beim allerersten Wettbewerb in meiner Kategorie den ersten Platz gemacht, und jetzt sitze ich schon in der Jury von „Bellydancer of the World“! Man kann sich gar nicht vorstellen, was das für eine Ehre ist. Ich sehe das als neue Stufe auf meiner Karriereleiter nach oben! Ich freue mich auch riesig darauf, so viele neue Talente auf der Bühne zu sehen.

Ich selbst werde auch etwas auf der Bühne darbieten, ein modernes orientalisches Stück mit einer ganz neuen Choreographie. Und in meinem Workshop unterrichte ich modernen Schleiertanz. Wir wollen dort gemeinsam erkunden, wie man einen fesselnden Schleiertanz vorführt. Es gibt ein neues Intro, neue Schritte und Kombinationen mit flotten Drehungen und hohem Bein zu lernen. Das eröffnet der Tänzerin ganz neue Horizonte und verhilft ihr zu eigenen Möglichkeiten, ihre Tänze zu entwickeln. – In einem weiteren Kurs zeige ich die Möglichkeiten der Bühnenpräsenz und der Star-Ausstrahlung auf. Ich habe die Eckpunkte der Bühnenpräsenz analysiert und mich dabei von der Frage leiten lassen: Was macht das Charisma eines Tänzers auf der Bühne aus, und wann wird er zum Star? Ich habe Antworten darauf gefunden, und die vermitteln dem Studenten neue Möglichkeiten, einen eigenen Tanz zu entwickeln und sich möglichst vorteilhaft auf der Bühne zu präsentieren. Die Kurs-Teilnehmer erhalten zusätzlich ein neues Raumverständnis der Bühne und ein eigenes Takt- und Rhythmusgefühl.
Homepage: www.aisalafour.com
Aisa Lafour ist zu Gast bei Leyla und Roland Jouvanas
19. Orientalischen Festival Europas
18. - 28. November 2011 in Duisburg
Photos © 1 + 4 Aisa Lafour , 2 + 3 Carl F. Sermon
Aisa Lafour