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"ICH BIN MEIN EIGENER
"BIG BROTHER"


Interview mit Anasma
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Was konnte dich als weltbekannte Tänzerin verlocken, mit dem Singen anzufangen und auch noch eine eigene CD herauszubringen? Willst du eine neue Karriere starten, oder gehen bei dir in Zukunft Tanz und Gesang Hand in Hand?
Eine gute Frage. Schon als Kind habe ich immer gern gesungen. Aber ich kann mich auch noch daran erinnern, wie ich mit zwölf vor meinen Klassenkameraden gesessen habe und singen mußte. Da bin ich so nervös geworden und habe die ganze Zeit Angst gehabt, außer Atem zu kommen oder die Stimme zu verlieren. Danach habe ich mir schließlich eingeredet, die Singerei ist doch nichts für dich.

Seitdem habe ich mich auf Tanz und Theater konzentriert (und so nebenbei auch noch auf Betriebswirtschaft). Dieser Moment vor der Klasse ist mir immer im Gedächtnis geblieben. Er war der Wendepunkt in meiner künstlerischen Entwicklung. Aber die Sängerin in mir ist nie gestorben, sie hat nur darauf gewartet, daß die Stimme zurückkehrt.

Mehrere Faktoren haben mich zu der Entscheidung verleitet, den Gesang wieder aufzunehmen und sogar ein Album mit selbstkomponierter Musik zu verlegen. Du hast den richtigen Ausdruck gewählt, denn ich bin wirklich dazu „verlockt“ worden, mehr oder weniger. Meine Liebe zu Musik und Gesang hat natürlich großen Einfluß darauf gehabt, aber ich wollte auch meine eigene Musik komponieren, um bei zukünftigen Produktionen, DVDs oder Auftritten darauf zurückgreifen zu können. Anfangs nahm ich mir vor, eine Gruppe Musiker ins Studio zu bitten und mir von ihnen World Fusion Musik einspielen zu lassen. Aber ehe ich mich versah, habe ich schon mein Lied geschrieben und aufgenommen, und zwar mit der tatkräftigen Unterstützung des unglaublich begabten Produzenten, Komponisten, Tontechnikers und Sängers Omar Blastermind. Ich habe ihn durch meinen Ehemann kennengelernt, der mir eine ewige Stütze ist. Ich bin so glücklich, einen Künstler gefunden zu haben, der wirklich begriffen hat, was für eine Art Musik ich wollte und wie sie sich anfühlen mußte. So, wie wir dann das Album aufgenommen haben, hätte ich mir das in meinen wildesten Träumen nie vorgestellt. Wir haben so gut zusammengearbeitet und die 13 Lieder in nur 15 Tagen aufgenommen. Ich habe zuerst die Song-Texte verfaßt, so ähnlich, als ob man ein Gedicht schreibt. Die Inhalte sind beeinflußt von den Persönlichkeiten und Archetypen, denen ich im Laufe meines jahrelangen Tanzlebens begegnet bin, oder sagen wir, meine Lebenserfahrung steckt darin. Ich höre die Stimme meines Vaters sehr deutlich aus meinen Liedern heraus. Omar hat dann mit mir zusammen die dazu passende Musik entwickelt, und ich habe danach meine Texte dem Takt angepaßt. Wir haben also wirklich zusammen etwas erschaffen. Zeitweise hatte ich richtigen Bammel davor, aber insgesamt war es eine aufregende neue Erfahrung für mich.
Ich sehe mich natürlich immer noch als Anfängerin, die erst am Beginn ihres Weges steht. Na gut, jetzt da ich mein erstes Album veröffentlicht habe, das sind jetzt zwei Jahre her, bin ich ja schon ein kleines Stück vorangekommen. Seitdem habe ich an Selbstvertrauen gewonnen und weiß jetzt besser, was ich mir zutrauen kann; und auf stimmlichem Gebiet habe ich mich auch deutlich weiterentwickelt. Aber als Sängerin habe ich immer noch ziemliches Lampenfieber. Vor ein paar Tagen bin ich in einem Konzert aufgetreten, das mein Lehrer veranstaltet hat und zu dem ein Publikum eigens deswegen gekommen ist. Und kurz vor dem Auftritt wäre ich beinahe zusammengebrochen, ich habe geheult wie das zwölfjährige Mädchen von damals. Aber dann konnte ich meine Ängste mit Hilfe von mindestens zwei Schutzengeln überwinden. Schließlich hatte ich mich wieder beruhigt, und als ich am Mikrophon stand, war ich ruhig und gefaßt. Der Abend wurde dann noch ein großer Erfolg, und ich habe mich beim Singen richtig gut gefühlt. – Wenn ich tanze, habe ich nie solche Probleme. Tanz ist mir zur zweiten Natur geworden, ich gehe einfach auf die Bühne und lege los.
Wie den Tanz und das Schauspiel betrachte ich auch das Singen als ein Fach, das ständiges Üben und Fortbilden erfordert. Vergangene Woche habe ich für meinen Gesang zwei sehr nette Komplimente bekommen. Meine erste Gesangslehrerin hat gesagt, als sie vor zwei Jahren angefangen habe, mit mir zu arbeiten, sei ich eine Tänzerin gewesen, die auch singen wollte. Aber heute sei ich nicht nur Tänzerin, sondern auch Sängerin. Mir sind die Tränen gekommen, und ihr auch. Daß ich so weit gekommen bin! Aber ich weiß natürlich auch, daß ich noch viel zu lernen habe.
Mein zweiter Gesangslehrer hat gesagt, ich würde schnell lernen und rasch begreifen, aber es sei immer noch Platz für Verbesserungen. Ich neige dazu, mir zu wenig Schlaf und Ruhe zu gönnen. Als Tänzerin, Produzentin und Regisseurin kann man damit leben, als Sängerin aber nicht. Die Stimme braucht Erholung. Ich bin jetzt Anfang dreißig, und da brauche ich etwas mehr Ruhe und Schlaf, und ich will ja auch einmal Mutter werden (irgendwann), und dafür brauche ich erst recht Ruhe. Also, machen wir uns nichts vor, Ruhe ist der Schlüssel zu allem. Ich brauche vor allem Ruhe, um die Sängerin in mir stärker hervorzubringen; denn ganz tief in mir drin bin ich immer noch das Schulmädchen, das sich vor dem Singen fürchtet.

Mir gefällt es auch, die verschiedenen Kunstformen – Tanz, Gesang und Schauspiel – miteinander zu vermengen, um bei meinen Auftritten Geschichten zu erzählen, die das Publikum berühren. Und was deine Frage angeht, ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich eine zweite Karriere als Sängerin ansteuere. Ich glaube vielmehr, daß die Sängerin die nächste Stufe auf meiner Entwicklung zur darstellenden Künstlerin ist. Sozusagen eine Erweiterung meiner Ausdrucksmöglichkeiten. Und es macht mich froh, den Gesang in meine Auftritte einzubauen.

Aber wer weiß, vielleicht ist der Tag gar nicht mehr fern, an dem ich einige Jahre älter geworden bin und meinen Körper nicht mehr so einsetzen kann wie früher, dann singe ich vielleicht nur noch. Genauso gut kann es natürlich sein, daß meine Stimme dann ebenso müde geworden ist wie meine Knochen. Im Moment weiß ich nur, daß eine ganze Welt von neuen Möglichkeiten vor mir liegt. In meiner Vision gehen Tanz und Gesang Hand in Hand, in der Wirklichkeit muß ich immer noch sehr daran arbeiten, daß die beiden überhaupt zueinander finden, und ist eine Wahnsinns-Aufgabe!

Was hast du in Zukunft vor?
Mich A-U-S-R-U-H-E-N! Ich muß wirklich mehr schlafen, und mir einen anderen Lebensrhythmus angewöhnen. Wenn man seine eigenen Träume verwirklichen will, kostet das viel Arbeit und Liebe. Ich muß dringend meine Batterien wieder aufladen und will auch dringend Zeit mit meinem Ehemann verbringen.

Natürlich möchte ich auch, daß meine CD ein Erfolg wird, deswegen bleibt mir auch nichts anderes übrig, als sie weiterhin zu bewerben. Und sonst? Wer weiß? Gut möglich, daß es ein neues Musik-Video zu einer weiteren Single-Auskopplung gibt. „Ocean Elevation“ war die erste Auskopplung aus meinem Album, und die Arbeit am Video-Dreh hat mir viel Spaß gemacht. Schaut es euch doch auf You Tube oder auf meiner Homepage an. Ich glaube, ein zweiter Video-Clip würde mich wirklich reizen.

Ich spüre, ich bin auch fast so weit, mich bei anderen Produktionen als Sängerin und Tänzerin zu bewerben, mit anderen Truppen aufzutreten und auf Festivals mein „1984 … 2014 aufzuführen.

Ich will weiterhin Tanz unterrichten und weiter an meinem großen Schulprojekt arbeiten. Die “Anasma World Citizen Dance School” und die “Linda Faoro’s Traveling Dance School” laufen sehr gut, sowohl in Paris wie auch international. Wir arbeiten daran, aber auf diesem Gebiet wollen wir nichts überstürzen.

Natürlich mache ich mir auch Gedanken darüber, wie ich weiterhin der Bauchtanz-Gemeinde verbunden bleiben kann; denn schließlich treibe ich mich ja häufig in anderen Gefilden herum und treffe Menschen, die mit dem Bauchtanz wenig gemein haben.

Davon abgesehen trachte ich danach, Herz und Geist nicht zu verschließen, in mich selbst zu vertrauen und gleichzeitig die Balance zwischen meinem Privatleben und meinen beruflichen Zielen zu finden. Das hört sich alles nach einem spannenden Abenteuer an, und irgendwie habe ich so das Gefühl, ganz am Anfang desselben zu stehen.


WORKSHOPS
 mit Anasma bei der Orientale in Düsseldorf:

World Dance Fans: Technique and combos from each continent
Sa., 01.03., 13:00 – 16:00 h (3 Std.)
Stufe: M (Mittelstufe)'

Introduction to Hip Hop Bellydance - Liquid Fusion
Sa., 01.03., 16:30 – 18:30 h (2 Std.)
Stufe: alle Stufen

Salsa Bellydance Fusion "Drills, Drills, Drills"
So., 02.03., 10:30 – 12:30 h (2 Std.)
Stufe: M/F

Fan Veil Choreography – „The End Again“
So., 02.03., 13:00 – 16:00 h (3 Std.)
Stufe: M/F
„Bitte eigenen Fächerschleier mitbringen.“


Zur Anmeldung ...

Homepage: www.anasmadance.com
Anasma bei: facebook
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Das Video zur Single -Auskopplung "Ocean Elevation", bitte auf das Bild klicken,
es erfolgt die Weiterleitung zu YouTube ...
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Photos ©: 1 Margaux Rodrigues, 2 und 3 The Smoking Camera.com
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Anasma während des Video-Drehs zu "Ocean Elevation" auf Hawaii
Die neue CD von Anasma - "Chance is back"