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Nicht nur die EU treibt den Europagedanken voran, der Tribal kann das mindestens genauso gut. Jüngstes Beispiel ist Rumänien, wo Tribal und Tribal Fusion bislang sehr klein geschrieben waren. Das hat sich spätestens seit Andreea Bonea geändert, die sich erst ein paar Jahre lang alles gründlich in den USA angeschaut hat, dann 2013 mehr oder weniger heimlich auf den Tribal Festival in Hannover war und im November das erste rumänische Tribal-Festival durchführen wird, das „TribalFestBucharest“.

Wir drücken ganz feste die Daumen und freuen uns, daß die „Neue Junge Wilde“ Sway aus Deutschland dorthin reisen und für uns Augen und Ohren offenhalten wird. Hier lest ihr, was Andreea zu sagen hat:
DAS ERSTE SEINER ART - "TribalFestBucharest"
1. - 3. November 2013
Interview mit Andreea Bonea
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Wie und warum hat der Tribal dein Herz gewonnen und bis heute nicht mehr losgelassen?

Meine Tanzreise hat vor sechs Jahren (2007) in der kalifornischen Bay Area und dort vor allem in San Francisco begonnen. Am Anfang war das klassischer ägyptischer Bauchtanz, aber schon bald habe ich mich moderneren Formen wie der Fusion verschiedener Stile zugewandt. Meine erste Lehrerin und Förderin war Sandra, die mich gelehrt hat, immer weiter vorwärts zu gehen. Neben der Einführung in den Tanz hat sie mir eine überaus wichtige Erkenntnis mit auf den Weg gegeben: Deine Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Die Bay Area ist das Mekka des modernen Bauchtanzes, und ich hatte das große Glück, bei ungezählten Lehrerinnen zu lernen, bei Ashley Lopez, Miriam Peretz, Jill Parker, Nanna Candelaria, Auberon Shull, Kami Liddle und Zoe Jakes, um nur einige zu nennen. Sie alle haben mich vorangebracht und inspiriert.

Ich würde mich heute weder als Tribal- noch als Tribal Fusion-Tänzerin bezeichnen, sondern vielleicht so: Ich strebe danach, Fusions-Künstlerin zu werden. Zu diesem Zweck nehme ich in den verschiedensten Stilen Unterricht, wie persischem Tanz, Zigeunertanz-Fusion, Salsa, Flamenco und Tribal Fusion. Und meinem Tanz gebe ich eine Prise hiervon und eine Messerspitze davon hinzu.

Wie sieht die Lage des Bauchtanzes heute in Rumänien aus, und hat sich daran etwas geändert, seit du angefangen hast?

Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich einige Jahre in den USA gelebt und bin erst vor kurzem in meine Heimat Rumänien zurückgekehrt. Zu meiner Verblüffung mußte ich hier feststellen, daß so gut wie keine Tribal- und Tribal-Fusion-Szene vorhanden war. Meine Tanzpartnerin (und Mit-Ausrichterin des Festivals), Hermina del Najah, war weit und breit die einzige Tribal-Lehrerin in Rumänien. Sie hat diesen Tanz auf „You Tube“ kennengelernt und dann in Westeuropa verschiedene Workshops besucht, weil die Möglichkeiten dafür in Rumänien zu begrenzt waren.

Ganz anders die klassische Bauchtanz-Fraktion, wo ich sehr freundlich aufgenommen worden bin und viele gute Tänzerinnen erlebt habe. Aber hier tanzt man eben orientalisch.

Kamilla, eine rumänische Künstlerin, die sich mit Raks Sharki auskennt, hat das bei uns in Gang gebracht und die Grundlage für die heutige OT-Szene in Rumänien geschaffen. Sie hat mich wie eine alte Freundin bei sich aufgenommen und mich all ihren Kolleginnen und Schülerinnen vorgestellt. Die meisten von ihnen schienen mehr über Tribal Fusion wissen zu wollen, um Einblick in diese Kunstform zu gewinnen. Da habe ich erkannt, daß der Tribal und der Tribal Fusion in Rumänien eine große Zukunft haben könnten. Und ich habe mir überlegt, daß es die verschiedensten Möglichkeiten gibt, beide in mein Heimatland zu bringen. Das alles bewog mich dazu, über ein Tribal Festival in Rumänien nachzudenken. Und am Ende ist daraus das „TribalFestBucharest“ geworden.
Wie ist dann aus dem Nachdenken das „Tribal Festival in Bukarest“ entstanden?
 Das „TribalFestBucharest” wird für Tänzer und Tanzliebhaber stattfinden, und es wird von Tänzerinnen vorbereitet. Dieses Festival geht auf meine Initiative zurück, und meine Partnerin Hermina und ich tragen das finanzielle Risiko. Uns beiden liegt es nämlich am Herzen, der modernen rumänischen Tanz-Szene voranzuhelfen. Wir möchten damit nicht mehr und nicht weniger als unsere Liebe und Hingabe für dieses Genre zu beweisen und anderen Künstlerinnen dazu zu verhelfen, diesen Zauber ebenfalls zu erleben.

Du hast einige Jahre in den USA gelebt, wie ist es dir dort ergangen?

Ich habe dort acht Jahre als Projekt-Leiterin für „Google“ und „Yahoo“ gearbeitet. In meiner Freizeit habe ich Bauchtanz gelernt und bin mit meinen Freundinnen zu allerlei Tanz-Festivals gegangen. Ich fühle mich in Europa genauso zuhause wie in den USA und möchte am liebsten zwischen beiden Welten hin und her treiben, wobei der Tanz die Verbindungsschnur sein soll.

Ist dein Festival das erste seiner Art in Rumänien, oder gibt oder gab es noch andere Bauchtanz- beziehungsweise Tribal-Veranstaltungen?

Mein Festival ist das erste Tribal-Festival in Rumänien. Natürlich kann einem schon bei der bloßen Vorstellung schwindlig werden, so etwas zu organisieren, aber gleichzeitig

finde ich es ganz schön aufregend, die Vielfältigkeit der Unterschiede zwischen Tribal und Orientalischem Tanz vorzuführen, so daß die Menschen mehr darüber erfahren wollen. Zur Vorbereitung für ein solches Festival haben Hermina und ich verschiedene Tanzabende oder Haflas ins Leben gerufen, auf denen wir Tribal- und Tribal Fusion-Tänze aufgeführt haben. Wir haben sogar an einigen rumänischen Folklore-Veranstaltungen teilgenommen, um dort unseren Stil bekanntzumachen. In fast allen Fällen sind wir freundlich und mit viel Applaus empfangen worden.
Was macht euer Festival anders als die anderen? Was habt ihr da überhaupt alles vor?

Na, es ist allein deshalb schon etwas Besonderes, weil es sich bei unserem Festival um das erste seiner Art in Rumänien handelt. Auch wenn man Tribal und Tribal Fusion in San Francisco und der Bay Area sowie in Westeuropa für populären Tanz hält, hier bei uns sind das noch ungewöhnliche und exotische Dinge. Alle Künstler, die in Bukarest auftreten, sind Pioniere, die ihren Beitrag dazu leisten, diesen Tanzstil in Rumänien fassbar und zugänglich machen – gleich mit welchen phantastischen Folgen.

Wir führen auch einen Fusion-Wettbewerb durch, und so etwas hat es ebenfalls in dieser Form nie zuvor in Rumänien gegeben. Professionelle und halbprofessionelle Tänzerinnen sind dort ebenso wie Amateurinnen herzlich eingeladen und sollen ihre kreativen Säfte fließen lassen. Darüber hinaus bieten wir neun Workshops von international bekannten Künstlerinnen an. Unter ihnen befindet sich Ashley Lopez aus den USA, die zum ersten Mal nach Europa kommt. – Gar nicht erst zu reden von der Gala, die ebenso den Rahmen sprengt. Neben den drei Dozentinnen – Ashley Lopez, Manca Pavli und Tjarda van Straaten – treten dort die Britin Alexis Southall und aus Deutschland Sway auf; ganz abgesehen von Hermina und meiner Wenigkeit und einigen weiteren rumänischen Tänzerinnen. Damit nicht genug haben wir auch einige DJs aus der rumänischen Hauptstadt engagiert.

Die Zuschauer werden also genug Unterhaltung bekommen, gar nicht erst zu reden von den vielen weiteren Überraschungen. Wir finden uns an einem sehr geschmackvollen und eleganten Ort ein und können mit einem sehr professionellen Tanzprogramm aufwarten. Unser Künstler erhalten hier die einmalige Möglichkeit, sich und ihre Tänze einem größeren Publikum vorzustellen, das davon noch völlig unbeleckt ist.

Natürlich findet man bei uns auch einen gut ausgestatteten Tribal-Basar, ein Teehaus und ein paar weitere Leckereien, damit unsere verehrten Gäste nicht vom Fleisch fallen oder verdursten. Am allerbesten gefällt mir aber unsere Web-Seite, wo wir uns nach Herzenslust austoben konnten und wo wir einen sehr einfachen Weg für Künstler gefunden haben, sich bei uns anzumelden und sich über alles zu informieren, was man über dieses Festival wissen muß. Das gilt natürlich auch für alle anderen.

Also, nachsehen:
www.tribalfestbucharest.com (mein ganz persönliches Lieblingskind).
Wie sehen deine weiteren Pläne aus, werden wir dich auch einmal in Deutschland erleben können oder wohin reist du sonst?

Meine Familie und ich pendeln über dem Atlantik hin und her, deswegen läßt sich das im Moment auch schwer vorhersagen, wann ich in dieser oder jener Ecke auftauche.

Einfach mal auf meine Seite gehen:
www.andreeabellydance.com

Photos: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Andreea Bonea
Grafik/Web Design: Konstanze Winkler
Andreea Bonea
Hermina und Andreea, die Veranstalterinnen des "TribalFestBucharest"