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Artemis und Dieter Dewald betreiben seit Jahren das überaus erfolgreiche und prägende Orientalische Tanz Festival (OTF) das seinen Schwerpunkt auf den klassischen OT setzt. Im Juni dieses Jahres veranstalten sie zum ersten Mal das Tri(bal) Fo(lklore) Bo(llywood), nicht als Kontrast, sondern als Ergänzung zu ihrem OTF. Hier erzählen sie beide über ihre Liebe zum Orientalischen Tanz:

WO BLEIBT DAS AUTHENTISCH ARABISCHE?

Interview mit Artemis und Dieter Dewald

von Marcel Bieger

Im Juni steht aus Ihrem Hause eine neue Veranstaltungsform an, die "Tri Fo Bo". Was haben wir uns darunter vorzustellen, worauf dürfen wir uns freuen?

Dieses Festival steht unter dem Motto: Tribal, Tribal-Fusion, internationale Folklore, Bollywood, „Fantasydance“, „Gypsystyles! Es handelt sich um eine eintägige Veranstaltung mit Workshops, Open Stage, Basar und Abend-Gala mit nationalen und internationalen Stars.

Sie sind neben vielem anderen als Veranstalter von Festivals mit Schwerpunkt Orientalischer Tanz bekannt, was hat Sie dazu verleitet und was haben Sie in dieser Zeit erlebt, an Negativem wie auch an Positivem?

Seit vielen Jahren unterrichte und performe ich, Artemis, den klassisch Orientalischen Tanz als Schwerpunkt. Bevorzugt Auftritte mit arabischer Live-Band. Das OTF Stuttgart Global entstand dadurch, weil wir der Meinung waren und sind, dass vor allem der klassisch orientalische Tanz auf Stuttgarts Bühnen eine untergeordnete Rolle spielte und eine

internationale Plattform sowie intensive Förderung verdient hatte. Negativ erlebten wir z.B. Neider, vor allem im näheren Umfeld, weil wir mit unserem Festival und den von uns persönlich engagierten Künstlern die Messlatte höher gelegt haben. Negativ erlebten wir auch, dass in der Bevölkerung der Orientalische Tanz oft sehr gering geschätzt wird. Dem möchten wir mit unserem Konzept entgegenwirken. U.a. durch persönliches Engagement und gezielte Werbung gelingt es uns zunehmend, auch Menschen außerhalb der OT-Szene für den Orientalischen Show-Tanz zu interessieren. Positiv erlebt haben wir die Reaktion gerader dieser Art Zuschauer, die nach den Galas begeistert und voller Hochachtung das Niveau des Orientalischen Bauchtanzes anerkennen. Nicht zuletzt wird dieses Erscheinungsbild durch die hochkarätige arabische Live-Band untermauert.
Anerkennung und Begeisterung erhalten wir besonders von den jungen und internationalen Tänzerinnen, die sich in den Nachmittags-Galas auf derselben Bühne wie die Abend-Gala Stars präsentieren können.
In den Nachmittags–Galas haben wir so manches Tanztalent entdeckt und in die Abend-Gala engagiert. Die Nachmittags-Galas sind ein Forum für jede Art von Tänzerin, von der namhaften Szene-Performerin bis zur Hobbytänzerin.

Besondere Förderung erhalten von uns vor allem junge, ambitionierte Tänzerinnen, indem wir sie gegen Gage neben den arrivierten Stars der Szene auf die Abend-Gala Bühne holen und z.T. als Workshop-Dozentinnen vorstellen.
Sie arbeiten sehr viel mit authentischen Tänzern aus dem Nahen Osten zusammen und gelten geradezu als Förderer nicht nur des klassischen Stils, sondern auch von dessen Vertretern. Wie ist die Zusammenarbeit dabei verlaufen.

Im Allgemeinen sind unsere Erfahrungen in Bezug auf Zusammenarbeit mit den orientalischen Tänzer-(innen) recht positiv, während die Zusammenarbeit mit den Musikern zuweilen recht kompliziert ist, da nicht jeder der arabischen Musiker sich auf eine Tänzerin einstellen kann oder möchte. In Folge dessen hatten wir in der Vergangenheit so manche Umbesetzung bei den Musikern. Die Tänzerinnen müssen sich auf die Musiker verlassen können. Bei der diesjährigen OTF-Abend-Gala war die Bandbesetzung optimal, diese Tatsache wurde vom Publikum wohlwollend aufgenommen.

Wie sehen Sie die europäische Szene im Vergleich zu der im Orient, und wie paßt die US-amerikanische in dieses Bild?

In der europäischen Szene, vor allem auch in Osteuropa herrscht eine Vorliebe für den

Klassisch Orientalischen Tanz, begründet durch die meist jahrelange Ballettausbildung der Tänzerinnen. Im Orient, speziell in Ägypten, findet durch die jüngste politische Situation, die noch lange nicht geklärt ist, keine wirkliche Entwicklung in Sachen Ägyptischem Bauchtanz mehr statt.

Die Entwicklung des sogenannten American Show-Bellydance nimmt inzwischen erheblichen Einfluss auf unsere hiesige Bauchtanzszene. Siehe Auftritte der Bellydance Superstars und unter demselben Namen produzierte Musik. Viele Vertreter des klassischen Ägyptischen Bauchtanzes, Europäer wie Orientalen, erkennen die Tanzkunst der American Bellydancer sehr wohl an, vermissen jedoch die arabische Authentizität. Der amerikanische Einfluss auf die hiesige Tanzszene ist in den letzten Jahren sehr viel stärker geworden, während der ursprünglich orientalische in den Hintergrund gerät. Siehe u.a. die Akrobatikeinlagen der Tänzerinnen, die mehr an Kunstturnen erinnern als an Bauchtanz.

In den USA wird der Bauchtanz schon länger gepflegt als in Europa und schon immer anders interpretiert.

Der OT scheint im Moment vor zwei großen Schwierigkeiten zu stehen, zum einen bleibt im Westen der Nachwuchs aus, zum anderen verschwindet der Orientalische Tanz in seinen Ursprungsländern aus dem öffentlichen Leben und der Tradition/Kultur. Würden Sie eine Prognose wagen, wo der OT in einigen Jahren stehen wird.

Der Klassisch Orientalische Tanz wird  weiter bestehen, noch nie gab es so viele

Ausbildungen zur Klassischen Raks Sharki- oder Baladitänzerin z.t. mit Live-Musik oder zur Lehrerin für Klassisch Orientalischen Tanz. Aber er wird mit den Fusion und Fantasy–Tänzen in Konkurrenz bleiben. Leider werden auf den internationalen Festivals in Deutschland die Vertreterinnen des klassischen Raks Sharkis zu wenig engagiert. Hier versuchen wir mit unserem Konzept entgegen zu steuern.

Warum also in diesem Gesamtbild eine Veranstaltung wie Tri Fo Bo?

Das TriFoBo veranstalten wir, weil es zu unserem herkömmlichen Konzept keinen Widerspruch darstellt, sondern eine Erweiterung. Als die Idee zu unserem TriFoBo entstand, war im Großraum Stuttgart im Bereich Tribal-Fusion und Fantasy sehr wenig Angebot vorhanden, wir waren die ersten, die namhafte Fusion-Dozentinnen erfolgreich nach Stuttgart geholt haben. Viele der Workshop Teilnehmerinnen fragten uns, ob wir nicht auch den Fusion-Bereich im Ländle fördern könnten.

In jüngster Zeit sind jedoch in ganz Deutschland Tribal- und Tribal Fusion Events organisiert worden.

Wir haben allerdings den Eindruck gewinnen müssen, dass auf Grund der zahlenmäßigen Begrenztheit der Szene Angebot und Nachfrage nicht mehr übereinstimmen. Sollte sich dieser Trend weiter fortführen, werden wir unser TriFoBo auf den Prüfstand stellen müssen.

Homepage: www.artemis-events.de
Dieter Dewald und Artemis Dewald-Eberhardt
Artemis
Artemis tanzt zur Live-Musik von Dr. Nayf Taha, Ali Baba und anderen ...
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Photos ©: 1, 2 und 4 Dieter Dewald, 3 und 5 R. Gutzmer