Startseite/Aktuelles
zurück zu Interviews
Jedes Jahr betreten in den USA neue Stars die Bühne, manche sind schon nach zwei Jahren wieder vergessen, andere setzen sich, auch international, durch. Wir sind auf Ashley Lopez neugierig geworden, die bei uns noch ein Geheim-Tipp ist, aber im November erstmals nach Europa kommt. Ashley arbeitet mit Rachel Brice und mit Zoe Jakes eng zusammen, tritt mit ihnen auf und hat auch sonst eine interessante künstlerische Entwicklung hinter sich.

Wir dürfen sehr gespannt sein, und möglicherweise kommt sie ja im nächsten Jahr wieder nach Europa und dann vielleicht auch zu uns … aber lest selbst.
Homepage: www.ashleylopezbellydance.com
Photos © 1, 2, 3 und 6 Brad Dosland, 4 Evan Miller, 5 Micheal White, 7 Jorge Dengo, 8 JINGGO,
"ICH LASSE MICH TREIBEN,
WOHIN DER WIND MICH WEHT"

Interview mit Ashley Lopez

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Erzähle uns bitte etwas über deine tänzerische Laufbahn: Wie hat sie begonnen, wie hat der Tribal Fusion dich gefunden und warum bist du bei ihm geblieben?

Ich glaube, daß der Tanz und ich zueinander gefunden haben, ist einem Zufall zu verdanken, wenngleich einem glücklichen. Seit dem zarten Alter von vier Jahren befasse ich mich mit Musik, und ich kann heute einen Abschluß in klassischem Gesang vorweisen. Mit dem Tanzen habe ich erst auf dem College angefangen, und eigentlich überrascht es mich noch heute, daß ich heute Tänzerin bin. Ich tue nichts auf der Welt lieber, aber es hätte auch ganz anders kommen können.

Zum Bauchtanz bin ich spaßeshalber gekommen. Während meines letzten Jahres auf dem College hat meine Zimmergenossin Unterricht bei Ishara Gamal genommen und mir dauernd vorgeschwärmt, wie toll das sei. Bis ich mir gedacht habe, das könntest du doch auch mal versuchen. Ich habe damals in derselben Einrichtung wie diese Tanzlehrerin Fitness und Joga unterrichtet, und von daher war es nicht schwierig, mir das mal aus der Nähe anzuschauen und zu fragen, ob ich mitmachen dürfte. Da ich nie zuvor Tanzen gelernt hatte, hatte es mich auch nie dazu gedrängt. Ich war davon überzeugt, das nie lernen zu können, aber ich habe Tänzern immer gern zugeschaut. Und dann hat es mich doch umgehauen, als ich feststellen durfte, daß Bauchtanz sich so anfühlte, als seien mein Körper und ich dafür wie geschaffen. Ich weiß, wovon ich rede, denn so etwas war mir noch bei keinem anderen Tanz widerfahren, weder beim Jazz-Tanz noch beim Swing, mit denen ich mich zumindest einmal auseinandergesetzt hatte. Die Bauchtanz-Lehrerin hat dann sogar gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihrer Auftritts-Truppe mitzumachen. Ich war ein paarmal bei den Proben dabei, aber dann mußte ich zurück in die Bay Area (in etwa der Großraum San Francisco).

Nachdem ich dann wieder eine Anstellung bei der Oper in San José gefunden hatte, habe ich mich in der Bay Area nach Bachtänzerinnen umgeschaut und bin dabei auf Namen wie Rachel Brice, Zoe Jakes, Mira Betz, die Bellydance Superstars, die Gruppe Indigo und andere gestoßen.
Die Technik dieser Künstlerinnen hat mich sofort fasziniert. Als ausgebildete klassische Sängerin stehe ich darauf, wenn jemand seine Technik beherrscht. Als ich mitverfolgen konnte, wie kraftvoll und exakt die Bewegungen dieser Frauen sind, war ich hin und weg. Die Schönheit und der Ausdruck ihrer Kunst haben mich zusätzlich begeistert, und ihre Kostüme erschienen mir ebenso elegant wie exotisch und folkloristisch.
Zum Unterrichten bin ich auch eher wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Meine Gruppenleiterin im Fitness-Studio hat mich darum gebeten, und ich hatte keine Ahnung, was da von mir verlangt werden würde. Also habe ich Workshops besucht – den ersten bei Rachel Brice, den zweiten bei Zoe Jakes – und mir DVDs angeschaut (die meisten von FCBD®). Irgendwann bin ich für einige Zeit in den Bundesstaat Illinois zurück, habe auch dort Kontakt zur Tribal-Szene gefunden und bekam eine handvoll Schülerinnen übertragen, weil deren Lehrerin wegziehen mußte. Dann meinte jemand, wir sollten doch mal öffentlich auftreten, und so habe ich aus den geeignetsten Schülerinnen eine Auftritts-Gruppe gebildet. Als ich dann wieder in der Bay Area wohnte, bekam ich ein Vorstellungsgespräch bei einer professionellen Südsee-Tanztruppe. Bei denen habe ich eine Menge darüber gelernt, Auftritte zu buchen und zu organisieren, Werbung und Anzeigen zu schalten und was es heißt, eine ganze Show mit jeder Menge Kostümwechsel auf die Beine zu stellen. Ich habe auch einmal für eine Bollywood-Tanztruppe gearbeitet, und dort habe ich Erfahrungen darin sammeln können, eine Schau mit Spektakel-Charakter auf den Weg zu bringen. Wenig später fragte mich meine Tanzlehrerin von der Südsee-Truppe, ob ich nicht eine Bauchtanztruppe zusammenstellen könnte.

Daraus entstand „Orchid Belly Dance“, und die habe ich fast drei Jahre lang angeleitet, bevor ich nach Portland, Oregon gezogen bin. Wir sind bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufgetreten, von Restaurants bis Festivals, und auf jeder Menge Privat-Feiern. Aus einer Laune heraus haben mein Partner und ich beschlossen, daß wir raus müßten aus Kalifornien, und während einer Tournee entlang der Pazifikküste im Nordwesten haben wir die Stadt Portland kennengelernt und sofort gewußt, daß wir angekommen waren.

Kaum war ich dort untergekommen, öffnete „Datura“ seine Pforten, und ich habe Wochenkurse unterrichtet. Ein Jahr später wurde „Datura online“ geboren. Ich lehre in allen möglichen Fitness-Klassen: Joga, Pilates, Muskel- und Ausdauer-Training, wozu man früher eben ‚Bauch, Beine, Po’ gesagt hat. In jüngster Zeit befasse ich mich ganz intensiv mit Therapie und arbeite viel mit Patienten, die an Verletzungen oder Krankheiten leiden. Und natürlich gibt es immer noch die klassische Musik. Während ich dies hier niederschreibe, sitze ich hinten in einem Kombi und bin mit der Gruppe „Vagabond Opera“ unterwegs, und da werde ich mehr singen als tanzen.

Warum ich nicht vom Tanzen loskomme? Jeder neue Tag ist ein Geschenk. Als Joga-Lehrerin habe ich gelernt, in der Gegenwart zu leben. Offen gesagt habe ich keine Ahnung, wohin mein Weg mich führt, aber ich arbeite beständig an mir, um in meiner Kunst noch besser zu werden. Tanzen, singen und trainieren, so sehen

Erzähl uns doch bitte etwas mehr über Datura und was du dort machst.

Datura ist eigentlich Rachel Brices Tanz-Studio in Portland, Oregon und gleichzeitig das Hauptquartier von „Little Scarab Productions“, „The Eight Elements“ und „Datura online“. Ich gehöre zu den Lehrkräften, die allwöchentlich „richtige“ Kurse abhalten, gebe aber auch Unterricht in virtuellen Klassen mittels der „Datura Online“-Seite. Datura heißt auch die aktuelle Gruppe von Rachel, genauer „Datura Belly Dance Project“ für das ich würdig genug befunden worden bin. Wir sind bei einigen Veranstaltungen hier in Portland aufgetreten, aber auch beim Tribal Fest in Sebastopol 2012 und 2013.

meine meisten Tage aus. Ich habe meinen Lehrern sehr viel zu verdanken, aber am wichtigsten war die Erkenntnis, daß man nie mit dem Lernen aufhören darf. Mein Gesangslehrer hat mir ziemlich am Anfang seines Unterrichts erklärt, je mehr Wissen man erlangt, umso deutlicher erkennt man, wie wenig man weiß. Deswegen höre ich nicht auf zu lernen. Und so lange es für mich neue Herausforderungen gibt, bin ich glücklich und zufrieden. Meine Lehrer haben mir immer neue Aufgaben gestellt, und die Menschen, welche so freundlich sind, mich zu einem Auftritt oder zu einem Workshop einzuladen, fordern mich damit weiter heraus, und das hält mich am Leben.
Wie arbeiten Rachel und du zusammen?

Wie ich vorhin schon erwähnt habe, war Rachel meine erste Tribal Fusion-Lehrerin, und seit 2005

spielt sie in meiner Laufbahn eine besondere Rolle. Ich möchte sie als eine meiner Säulen der Inspiration und der Tanztechnik beschreiben. Es ist mir eine große Ehre, in ihrer Tanz-Studio und in ihren virtuellen Klassen lehren zu dürfen, und es war mir eine echte Freude, in den letzten paar Jahren mit ihrer Tanzgruppe auftreten zu dürfen. Wie wertvoll es für mich war, an ihrem Unterricht, ihren Workshops und ihren Intensiv-Kursen teilzunehmen und überhaupt mit ihr zu tanzen, läßt sich mit Worten kaum beschreiben. Ihr Wissen um den Tanz, ihre Arbeitsmoral, ihr unglaubliches Auge für Ästhetik und ihre natürliche Begabung fürs Choreographieren suchen ihresgleichen. Kurzum, es ist einfach aufregend, in ihrer Nähe zu sein. Und auch spannend, weil man nie im voraus weiß, was sie bei „Little Scarab“ jetzt schon wieder ausgeheckt haben.
Und wie läuft deine Zusammenarbeit mit Zoe Jakes?

Sie war meine „zweite“ Tribal Fusion-Lehrerin, und ich lerne bei
ihr seit 2006, sei es in Workshops oder in Intensiv-Kursen. Zoe ist meine zweite Säule der Inspiration und Tanztechnik. Als sie mit „Beats Antique“ vor ein paar Jahren durch Portland kam, hat sie mich gebeten, ein paar Dinge für ihren Auftritt zu erledigen, zu denen sie noch nicht gekommen war. Und etwas später haben sie mich eingeladen, bei ihrem Auftritt in Oakland (Bay Area) mitzuwirken, und 2012 war ich mit Beats Antique und ihrem „Bhoomi Project“ auf dem Tribal Fest in Sebastopol. Seitdem bin ich auf einigen ihrer Auftritte dabeigewesen, als Gast-Sängerin oder Tänzerin oder bin für den Bühnen-Klamauk zuständig. Zoe arbeitet sehr viel und ist ein einzigartig schöpferisches Genie. Ich schätze mich wirklich glücklich, von ihr lernen und mit ihr auftreten zu dürfen.
Wir freuen uns alle sehr, daß du endlich nach Europa kommst. Deine Tournee verläuft über Rumänien, die Ukraine und Italien. Wie kommt es, daß Du in Bukarest startest?

Ich freue mich schon wahnsinnig, nach Europa zu kommen, und ja, ich werde zum erstenmal auf dem alten Kontinent Unterricht geben. Tja, die Tournee ist nach den Anfragen zustandegekommen, die mich erreicht haben. Einige Festivals wollten mich eben buchen. Deswegen trete ich auf beim “Tribal Fest Bucharest” (1.-3. November)
danach in Rom bei der Tänzerin
Sciahina (9.-11. November)
schließlich im französischen
Lyon (15.-17. November)
und endlich beim
„Tribal Weekend“ in Kiew (21.-24. November)
und gebe dort natürlich auch Workshops.  Ich freue mich schon sehr darauf, bei meinen Auftritten einige ganz besondere „Fusion“-Stücke zu zeigen und einige meiner Lieblings-Workshops zu geben.

Wirst du irgendwann auch einmal in Deutschland auftreten? Wie sehen überhaupt deine Zukunftspläne aus?

Also … ich freue mich, dir verraten zu können, daß es eine nicht nur theoretische Möglichkeit für Deutschland gibt, und die in gar nicht mal so ferner Zukunft. Da ist noch nichts endgültig entschieden, aber ich stehe in Kontakt mit einigen deutschen Veranstaltern. Ich war übrigens im letzten Jahr in Deutschland, aber nur im Urlaub, und vor allem die Landschaft in Bayern hat mir sehr gut gefallen. Auch höre ich eure Sprache gern, aber ihr müßt mir meinen bescheidenen Wortschatz vergeben, und erst recht meine unmögliche Grammatik.

Was meine Zukunfstpläne angeht, so lasse ich mich auch weiterhin dorthin treiben, wohin der Wind mich weht. Ich entwickle neue Unterrichtsinhalte für Datura Online, und ich freue mich auf meine neuen Workshops, die ich bald in den USA und international anbieten will. Außerdem liegen mir wunderbare Auftritts-Angebote vor, sowohl als Einzel- wie auch als Gruppentänzerin. Ich komme da mit ein paar großartigen Kolleginnen und Musikern zusammen. Darüber hinaus arbeite ich weiterhin an mir, um eine noch bessere Fitness-, Joga- und Pilates-Lehrerin zu werden. Zur Zeit setze ich meinen ganzen Ehrgeiz darin, noch profilierteren Fitness-Unterricht für Tänzerinnen, für Unfallopfer und für Menschen mit Behinderungen anzubieten.

Grafische Gestaltung/Web Design: Konstanze Winkler
Ashley (rechts) hier zusammen mit Zoe Jakes (links)