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"NATÜRLICH BRINGE ICH EUCH IN DEUTSCHLAND
 DIE NEUN SCHRITTE BEI!"
Interview mit
Devi Mamak
von Marcel Bieger


Devi Mamak lebt im fernen Australien und ist doch schon eine lebende Legende. Sie hat es nicht nur auf der Skala des American Tribal Style bis ganz nach oben gebracht, sie hat auch das Repertoire von Fat Chance Belly Dance um neun Schritte erweitert, und ihr Tanzstudio steht als „Sister Studio“ gleichrangig mit der Urzelle, dem gleichnamigen Studio des FCBD in San Francisco.

Jetzt kommt Devi zum ersten Mal nach Deutschland, um hier ihre „neun Schritte“ zu lehren. Eine einmalige Chance für alle, die weltweit von Anfang an dabei sein wollen. Wie das alles gekommen ist, erzählt Devi im folgenden Interview.

Wie ist es dir gelungen, das Intensive Teacher Training Certificate zu erlangen, was auf der ganzen Welt nur sehr wenige Menschen von sich sagen können?

Ich habe meine Lehrerinnen-Ausbildung 2004 bei Carolena aufgenommen, nachdem ich sie zum zweiten Mal besucht hatte. Damals erteilte sie noch keinen GS & TT-Unterricht (GS = General skills – Grundschritte, TT = Teacher Training – Lehrerinnenausbildung). Also habe ich mich selbst beim Lehren und beim Tanzen gefilmt und ihr das Material geschickt, woraufhin sie dann mit einem „das ist schon sehr gut“ oder „das war noch nicht ganz richtig“ reagierte. Im letzteren Fall mußte ich es dann nochmal angehen. Es war ziemlich anstrengend, auf diese Weise etwas zu lernen, aber ich weiß auch, daß Carolena nichts unversucht gelassen und sich große Mühe gegeben hat. Ich schätze mich jedenfalls glücklich, das mit ihr zusammen durchgezogen zu haben. 2006 habe ich mein Teacher Training dann abgeschlossen.
Wie sind Carolena und du privat und geschäftlich miteinander ausgekommen, wie habt ihr zusammengearbeitet?

Carolena liebt Australien, und im Lauf der Jahre sind wir nicht nur Freundinnen geworden, wir schätzen uns auch als Kolleginnen. Ich lade sie ein, um GS, TT und Workshops zu geben. Ihre Freizeit verbringt sie dann gern zum Abhängen bei mir und meiner Familie – vor allem Großmutter hat sie ins Herz geschlossen. Carolena hat mich auch gebeten, sie als Co-Lehrerin beim GS-Zertifikats-Unterricht in Taiwan und Australien zu unterstützen. Ende des Jahres begleite ich sie dann wieder beim GS-Unterricht in Australien und Taiwan.
Was muß man tun, um wie du ein „Schwester-Studio“ von FCBD zu werden, auch dessen können sich nicht allzu viele auf der Welt rühmen.

Wenn ich so zurückdenke, musste ich dafür eine Menge harter Arbeit und Geduld aufbringen. Ich habe mir allerdings nie zu viele Gedanken darum gemacht, wie lange es denn noch dauern mag, bis ich es geschafft hätte. Mir hat ganz einfach das Lernen Spaß gemacht, es war wie eine Reise. Ich habe den allergrößten Respekt vor meinen beiden Lehrerinnen, Kaiya (Seaton) und Carolena. Aufgrund dieses Respekts und meinem Spaß am Lernen vertraut Carolena meinem Urteil in Bezug auf Tanzbewegungen (glaube ich jedenfalls). Ich meine damit, sie weiß, daß ich bei allen neu entwickelten Schritten stets die ATS-Positur und Körperhaltung im Hinterkopf habe.
Devi und Carolena
Carolena und Devi
"Die deutschen Tänzerinnen sollen zu den ersten in der Welt gehören,
die diese Schritte beigebracht bekommen"
Erzähle uns bitte über die von dir entwickelten neun Bewegungen, die ins offizielle FCBD-Format aufgenommen worden sind? Wie schafft man denn so etwas?

Da es neun verschiedene Bewegungen sind, sind sie auch auf unterschiedliche Weise zustande gekommen. Ich habe Fat Chance über Jahre tanzen sehen und festgestellt, daß einige Schritte und Bewegungen mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind.Die habe ich wieder belebt, modernisiert und anderweitig weiterentwickelt. Andere von den neun Bewegungen haben sich aus unseren Choreographien ergeben. „Ghawazi Caravan“ schätzt Choreographien ebenso sehr wie Improvisation. Da haben wir zum Beispiel etwas für eine bestimmte Musik entwickelt, und dann hat uns das so sehr gefallen, oder es passt auch zu anderen Dingen so gut, daß wir uns dann dafür eigene Cues ausdenken, um sie auch bei anderen Gelegenheiten einsetzen zu können. Meine Haupteinflüsse – mal abgesehen von FCBD – dürften klassisch Indisch (Odissi) und Flamenco sein. Wenn man mal genau darauf achtet, erkennt man sicher das eine oder andere davon.
Erzähl uns doch bitte, was Du uns in Deutschland beibringen willst.

Na, vor allem natürlich die Neun Schritte! Daneben bleibt aber auch ausreichend Zeit für harten Drill und Fragen. Deutsche Tänzerinnen sollten die Gelegenheit wahrnehmen, zu den ersten in der Welt zu gehören, die diese Schritte beigebracht bekommen haben, BEVOR die neue FCBD-DVD Ende des Jahres auf den Markt kommt. Wir schauen uns aber auch andere neue und von mir entwickelte Kombinationen für Tribal und Fusion an. Also, Leute, es gibt jede Menge Neues aus „Down Under“!

Ich bin aber auch eine strenge Verfechterin der Technik. So gibt es dann „langsam und verführerisch“ und Formationen, für die man Ghawazi Caravan kennt. Und wer noch mehr lernen möchte, ich bin eine Woche später in Belgien und gebe dort andere Kurse.

Wie sieht die Zukunft des ATS aus?

Das würde mich auch interessieren. Letztes Jahr hat Carolena ihre Erklärung gehalten, und darin heißt es, daß jeder die Freiheit hat, seine eigenen ATS-Schritte zu erschaffen. Im Juni stelle ich zusammen mit ihr Megha und Jennifer eine DVD zusammen, die den Titel „Anatomie eines Schritts“ heißen wird. Ich gehe davon aus, daß Carolena damit jedermann Gelegenheit geben will, seine eigenen Schritte zu entwickeln. Und dazu wird sie uns Richtlinien und Leitlinien an die Hand geben, wie man dabei die Integrität der ATS-Haltung nicht verliert.

Und ich glaube, daß FCBD/ATS das bleiben wird, was wir seit jeher an ihnen mögen – der kraftvolle, elegante und stilvolle Tanz der Gruppe.