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Interview mit
DJEYNEE BODSON
von Mareike Beiersdorf
Erzähl uns bitte wie du zum Tribal Fusion gekommen bist.

Das ist eine komische Geschichte! An meinen ersten Tribal Workshop habe ich eigentlich nur wegen eines Irrtums teilgenommen. Meine Bauchtanzlehrerin hatte 2 Workshops zur gleichen Zeit gebucht. Als sie das bemerkte, bot sie mir ihren Platz in Sharon Kiharas Kurs in Paris an. So bin ich das erste Mal mit Tribal in Berührung gekommen, im November 2005. Es war Liebe auf den ersten Blick!

Ich nahm damals Bauchtanzunterricht und war schon einige Male aufgetreten. Dabei hatte ich aber immer das Gefühl, daß sich meine westeuropäischen Wurzeln schlecht mit der Lebenseinstellung und den Gefühlen des Orientalischen Tanzes vereinbaren lassen. Ich hatte das Gefühl, daß ich nie eine Raks Sharki Tänzerin sein würde. Ich war auf der Suche nach meinem Weg, die Liebe für den Tanz,  orientalische Rhythmen und Bewegungen ausdrücken zu können.

Als Kind bin ich damit aufgewachsen viel zu reisen. Wir lebten für mehrere Jahre außerhalb Frankreichs. In dieser Zeit bin ich mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Die Menschen, die ich traf, waren mir Inspiration für mein ganzes Leben, und ich empfinde mich als Weltenbürgerin. Ich bin aus keinem bestimmten Land, würde keinen Ort mein Zuhause nennen. Mein Zuhause ist die Welt.Als ich mit dem Tribal in Berührung kam, war es deshalb für mich klar, dass ich meinen Weg gefunden hatte. Heute kann ich sagen „ Ich bin ganz und gar Tribal-Tänzerin!“.
Welche Tänzerinnen inspirieren dich und warum?

Am Anfang waren das Sharon Kihara und Rachel Brice. Bei ihnen sammelte ich meine ersten Erfahrungen im Tribal und von ihnen habe ich die zwei wichtigsten Dinge gelernt: Bescheidenheit und Großzügigkeit. Als Rachel mich nach den vierstündigen Workshop in den Arm genommen hat, war das nicht bloß aus Sympathie. Nein, sie lud mich ganz physisch in die Tribal-Tanzwelt ein: Willkommen in dieser Welt, sie ist phantastisch, und ich weiß daß du sie lieben wirst.

"UMRAH IST EIN "ZIGEUNER"- FESTIVAL"
„Umrah“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet Pilgerreise. Und so verhält es sich auch mit dem gleichnamigen Festival, es findet nie am selben Ort statt, sondern es reist innerhalb Europas umher. Die Gründerin und Veranstalterin von Tribal Umrah, Djeynee Bodson, erzählte Mareike Beiersdorf, wie ihre Tribal-Karriere begann und was es mit ihrem jährlich stattfindenden, einwöchigen Festival auf sich hat.
2007 traf ich Amy Sigil (von "Unmata"). Heute ist sie meine Hauptinspirationsquelle. Von ihr habe ich alles gelernt, was ich über Improvisierten Tribal weiß, und das bedeutet mir viel! Improvisierter Tribal ist der Ursprung von Tribal Bauchtanz. Es ist eine Tanztechnik, die von Carolena Nericcio kreiert wurde und die es den Tänzerinnen und Tänzern ermöglicht, als Gruppe zu improvisieren und synchron auf der Bühne zu tanzen. Es ist improvisierter Gruppentanz aber das Publikum glaubt eine Choreographie zu sehen, das ist auch der Spaß daran!
Djeynee und Ami Sigil
der erste Tribalworkshop bei Sharon Kihara 2006
In Wirklichkeit ist Improvisierter Tribal mehr als eine Technik, es ist eine Lebenseinstellung! Um in der Lage zu sein, mit deinen Tanzschwestern auf der Bühne zu kommunizieren, mußt du unbedingt selbstlos sein, denn die Führerin tanzt immer für ihre Mittänzerinnen, indem sie klare und richtige Kommandos gibt. Außerdem muß man intuitiv handeln können, weil du als Mittänzerin immer aufmerksam deine Vortänzerin im Auge behalten mußt, damit du auch ganz unauffällige Cues wahrnimmst. Man muß erkennen, was gerade in der Gruppe passiert. Aber natürlich bedeutet „Tribaln“ auch Spaß und miteinander zu „spielen“, denn es ist ja Tanz. Mit anderen Worten, die Eigenschaften, die man wünschenswerterweise für Improvisierten Tribal mitbringen sollte, sind - das steht fest – die besten menschlichen Eigenschaften. Für gewöhnlich verhalten sich Tribalschwestern im Alltag genau so wie auf der Bühne.
Was mir an Amy außerdem wichtig ist, sie kennt keine Grenzen. Sie ist eine unglaublich aufgeschlossene Person. Ich habe niemals erlebt, daß sie jemanden abgelehnt hat, auch wenn sie anderer Meinung ist, hat sie immer Verständnis für die Ansichten eines anderen. Ihre Meinung über Menschen ist so freundlich (verglichen mit meiner manchmal!).
Ami Sigil in ihrem Hot Pot Studio in Sacramento
Was Ihren Tanz betrifft, ist sie ganz sicher eine Tribaltänzerin, die ihre Inspiration aus sehr verschiedenen Quellen nimmt. Sie verbindet unterschiedliche Einflüsse, etwa traditionelle Bewegun- gen aus Indien, mit dem Orientalischen Tanz und anderen Tanzstilen, und kombiniert sie neu, und das ohne falsche Scham.
Seit 2008 lerne ich von ihr ITS (Improvisierter Tribal Stil). Ich nehme am UNMATA ITS Pilotprojekt teil, und das ermöglicht es mir, ITS zu unterrichten und so andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Mein Traum ist, daß Amy mit ihren Kolleginnen von Unmata eines Tages nach Europa kommt, auf die Bühne springt und mit hunderten europäischer Tänzerinnen und Tänzern gemeinsam tanzt!
Photos © Djeynee Bodson
Amy Sigil war diejenige, die mich dabei unterstützt hat, meinen eigenen Weg zu gehen. „Du hast deine Gefühle und Träume … lebe sie!“ So ist Amy Sigil.
die Interviewerin Mareike (Mitte) hier mit "Verbatim", TRIBAL UMRAH 2010