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Photos : Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Do Thi Hong Hanh
Grafik und WebDesign: Konstanze Winkler
Was hast du getan, bevor du Tribal Fusion getanzt hast? Hast du andere Tanzstile gelernt, und hast du einen anderen Beruf, oder bist du professionelle Tänzerin?

Vor dem Tribal Fusion habe ich Hip Hop getanzt und auch Orientalischen Tanz gelernt. Und eigentlich habe ich zwei Berufe: Tagsüber bin ich in einer niederländisch-vietnamesischen Firma als Großkunden-Betreuerin tätig. Nach Dienstschluß laufe ich dann los, um mich um Tanzunterricht, Shows, Wettbewerbe, Wohltätigkeits- Veranstaltungen und, und, und zu kümmern. Beide Berufe halten mich ganz schön auf Trab. Ich habe gerade meinen Master als Betriebswirtin an der deutschen Universität zu Leipzig gemacht (zwei Jahre habe ich dafür von Vietnam aus studiert und mich mit Leipzig über Konferenzschaltungen in Verbindung gesetzt).

Wie hat der Tribal Fusion dich gefunden, und warum bist du nicht mehr von ihm losgekommen?

Ich liebe den Tribal wegen seiner starken Musik und seinen geheimnisvollen Themen. Und weil der Tribal mit ganz vielen anderen Stilen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammengehen kann, eben Tribal Fusion.

Er läßt sich mit allerlei kreativen Inhalten füllen, um dem Publikum eine Geschichte zu erzählen. Tribal und Tribal Fusion sind manchmal auch verrückt, lassen keinen im Publikum unberührt, versetzen den Menschen gelegentlich einen Schock oder lassen sie in Begeisterung ausbrechen. Die Technik unseres Tanzes hat viel mit Feinarbeit zu tun, und die Details sind klein, scharf und stark, manchmal glatt wie eine Schlange und andere Male stark wie ein Soldat. Der Tribal-Tanz verleiht uns Mädchen Stärke, und dann glauben wir, wir könnten die ganze Welt beherrschen (lacht).

Aber ich trainiere weiterhin Orientalischen Tanz, und ich würde auch gern neue Sachen kennenlernen, wie zum Beispiel Fusion-Samba, Trommelsolo oder Stocktanz. Bei meinem türkischen Lehrer Ali habe ich auch schon Darbuka-Spielen gelernt.


Als wir dich in Duisburg bei Leyla Jouvanas Wettbewerb „Bellydancer of the World“ gesehen haben, hast du dort eine sehr ungewöhnliche Choreographie vorgeführt, wie wir sie noch nie erlebt haben. Erzähle uns bitte, was wir dort gesehen haben. Hast du zum Beispiel Elemente der vietnamesischen Folklore darin eingewoben, und was war noch darin enthalten?

Mein Beitrag, den ich beim Wettbewerb in Duisburg vorgestellt habe, war der vietnamesische Tribal-Stil. Verbunden mit meinem eigenen Tanzstil. Und was mein Kostüm betrifft, so sind da die beiden kleinen spitzen Hüte sehr wichtig (die traditionelle vietnamesische Kopfbedeckung). Ich habe beim Entwurf mit den beiden spitzen Hütchen angefangen, und daraus ist dann der funkelnde Kopfschmuck geworden. Ich wollte damit das fernöstliche Mädchen beim Tribal-Tanz wiedergeben.

Zur Tanz-Technik und Choreographie: Ich habe ursprünglich eine andere Melodie für meinen Wettbewerbs-Tanz ausgesucht, mit langsamen Bewegungen, die in Europa viel beliebter sind. Aber dann, ungefähr eine Woche vorher, habe ich den ganzen Plan umgeworfen, mitsamt Musik, Choreographie, Kostüm, Inhalt und Technik. Dafür bin ich dann zu meinem persönlichen Stil zurückgekehrt, zu meinem bevorzugten Musik-Stil –teilweise langsam, teilweise schnell und kraftvoll -, und als ich auf den Einfall mit den beiden vietnamesischen Mini-Hüten im Haar gekommen bin, war es dann auch kein weiter Weg mehr zur Choreographie.
Wie gehst du überhaupt vor, wenn du eine neue Choreographie entwickelst? Was kommt zuerst, ein bestimmtes Musikstück, eine besondere Schrittfolge oder vielleicht ein Schmuckstück? Und sobald das gefunden ist, wie arbeitest du dann weiter?

Zuerst der Inhalt und die Musik, danach alles andere.

Und jetzt ist ja auch noch „Bellydancer of the World“ (Kategorie Tribal Fusion Solo) bei Leyla Jouvanas gleichnamigem Wettbewerb in Duisburg hinzugekommen. Ich bin auch die allererste (und bis heute einzige) vietnamesische Lehrerin, die mit einer eigenen Truppe an internationalen Wettbewerben teilnimmt. Wir haben sowohl im Tribal wie auch im OT schon Preise in Taiwan, Malaysien und Singapur gewonnen.
Ich bin gleichzeitig auch die erste vietnamesische Tänzerin, die in meiner Heimat einen internationalen Bauchtanz-Wettbewerb ins Leben gerufen hat – „Unlimited Bellydance Competition“ -, läuft regelmäßig seit 2012, zu der alle Tänzerinnen und Tänzer nicht nur aus Asien, sondern aus den ganzen Welt herzlich eingeladen sind. Unser Contest findet jährlich im Juli statt. In diesem Jahr am 16. Juli.

Der Tribal steht vor allem in Nord-Vietnam auf einer gesunden Basis. In unserer Hauptstadt Hanoi haben wir mehrere Tribal-Stämme, und aus den anderen Regionen des Landes kommen die Tribal-Tänzer nach Hanoi, um hier an unserem alljährlichen Wettbewerb „Unlimited Bellydance Competition“ teilzunehmen und mit uns zusammen zu tanzen. Insgesamt ist der Tribal aber in Südost-Asien nicht ganz so populär wie in Europa, aber in jedem Staat pflegen sie den einen oder anderen Tribal-Stil. Die einen stehen mehr auf ATS, die anderen auf langsamen Tanz und wieder anderen kann es nicht schnell genug gehen (meine Truppe und ich fallen eher in die letzte Gruppe).
Wann und wo hast du Leyla Jouvana kennengelernt, und wolltest du immer schon einmal nach Deutschland kommen, oder hat Leyla dich erst darauf gebracht?

Ich habe sie erst in Duisburg auf ihrem Festival kennengelernt, aber wir sind schon seit längerem über „facebook“ miteinander bekannt. Zu meinem Glück konnte ich Beruf und Reise nach Deutschland hervorragend miteinander verbinden. Ich habe an der Universität zu Leipzig meine Abschlußprüfungen gemacht, die waren am 26. November erledigt, dann bin ich mit dem Zug in sechs Stunden von Leipzig nach Duisburg gefahren und kam rechtzeitig, um am 27. November um 12 Uhr 30 einen Workshop zu besuchen.
Wie hat es dir hier gefallen, und würdest du gern wiederkommen?

Ich fand es ganz toll, hier so viele Tänzer und Tänzerinnen kennenzulernen, die aus der ganzen Welt angereist waren. Das war einfach phantastisch, und ich habe viel in den Workshops gelernt. Und die Teilnahme am Wettbewerb hat mich auch ein gutes Stück weitergebracht, vor allem in puncto Technik, Stil und einigem mehr. Vor allem hatte ich Gelegenheit, Tänzer aus den unterschiedlichsten Kulturen tanzen zu sehen. Das war so bunt und phantastisch. Ich muß Leyla wirklich dafür danken, so viele Anstrengungen auf sich genommen zu haben, und ich bewundere sie für die große Leidenschaft, mit der sie ans Werk geht. Ich habe als Siegerin in der Kategorie Tribal Fusion einige Einladungen erhalten und bin Ende des Jahres auch wieder in Deutschland. Ich komme gern dorthin und bringe dann meine neueste Choreographie mit, eine ganz zauberhafte Geschichte. Und wenn es irgendwie möglich ist, bringe ich auch ein paar von meinen Schülerinnen mit.
Was hast du denn überhaupt für Zukunftspläne?

Ich möchte die „Unlimited Bellydance Competition” in Vietnam ausbauen und die Veranstaltung größer, weiter und vielfältiger gestalten. Daneben würde ich gern eine einmalig tolle Tribal-Show auf die Beine stellen, mit ganz vielen internationalen Gästen.  Und abgesehen vom Tanz möchte ich gern mein eigenes Restaurant eröffnen. Ich stelle es mir ganz toll vor, meinen eigenen Laden zu haben. Ich liebe nämlich beides im Leben, zu tanzen und Geschäftsfrau zu sein. 

Liebe Grüße
Do Thi Hong Hanh, Vietnam 

Do Thi Hang Hanh bei facebook:
https://www.facebook.com/Vietnambellydance?fref=ts
Do Thi Hong Hanhs Gewinner-Performance (BDOTW 2015)
In deinem Heimatland bist du sehr bekannt, die Presse nennt dich sogar "Hong Hanh was the 1st Bellydancer who brought Viet Nam Bellydance culture to world stage". („Hong Hanh war die erste Bauchtänzerin, die die vietnamesische Bauchtanz-Kultur in die Welt hinausgetragen hat.“) Wie kommst du zu der Ehre, und wie steht es überhaupt mit dem Tribal in Vietnam? Gibt es bei euch größere Festivals mit Stars aus aller Welt?

Ich bin die erste Bauchtänzerin Vietnams, die bei einem internationalen Wettbewerb angetreten ist (seit 2009), und die erste Bauchtänzerin meines Landes, die bei einem Contest in Asien den ersten Platz in der Kategorie Tribal Fusion und den zweiten Platz in der Rubrik OT gewonnen hat.

Hanh und ihre Schülerinnen
"GLATT WIE EINE SCHLANGE
UND STARK WIE EIN SOLDAT"


Interview mit Do Thi Hong Hanh
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Do Thi Hong Hanh ist die erste
vietnamesische Tribal-Tänzerin, die wir in
einer Show (Orientalisches Festival Europas
2015, Leyla & Roland Jouvana, Duisburg)
gesehen haben. Und sie ist uns nicht nur wegen ihrer fremdartigen Aufmachung aufgefallen, sondern auch wegen ihres unglaublich exotischen Tanzstils.
Kein Wunder, daß sie beim weltberühmten Wettbewerb „Bellydancer of the World“
in ihrer Kategorie gleich auf dem
ersten Platz gelandet ist.
Die Redaktion von „Hagalla“ wollte
es ganz genau wissen und mehr
über Hanh (so ihr Vorname)
wissen, die ebenso talentiert
wie fleißig ist. Lest, was sie
uns zu erzählen hat …