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SCHMELZTIEGEL IM NORDEN

Interview

mit der dänischen
Gypsy- und Fusion-Tänzerin

Dud Muurmand

- von Marcel Bieger

September 2009


Fotos: Nils Djervad, Jack Rank,
Johanna Parviainen, Günter Schultz

Wer das Glück hatte, beide Norddeutsche Tribal-Festivals in Hannover zu besuchen, der hat die vielfältigsten künstlerischen Darbietungen erlebt und genossen. Etliche interessante Tänzerinnen waren darunter, auch einige Perlen, die man unter normalen Umständen nur selten zu Gesicht bekommt.

Aus Dänemark stammt Dud Muurmand, mit der wir nach der Show in diesem Jahr ins Gespräch gekommen sind. Zugegeben, wir haben den Kontakt mit ihr auch gesucht, denn in diesem wie auch schon im letzten Jahr ist sie uns sehr positiv aufgefallen. Sowohl bei ihren Solo-Tänzen als auch bei ihren Tänzen im Duett mit Linda Thorsager.

Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Gespräch begegneten wir einem überaus freundlichen Energiebündel und gleichzeitig einer nachdenklichen Frau. Sie hat etwas zu sagen, und was sie sagt, tut sie mit Bedacht. Aber auch eine große Rastlosigkeit wohnt ihr inne, die sie ständig vorantreibt, Neues zu versuchen und bislang Undenkbares auszuprobieren.

Auch im nachfolgenden E-Mail-Verkehr erweis sie sich als kompetente Fachfrau, die ziemlich gut erklären kann, was ihr bei ihren Choreographien vorgeschwebt hat. Wir glauben, daß Dänemark wie überhaupt der ganze europäische Norden sich keine bessere Botschafterin seines modernen Orientalischen Tanzes wünschen kann.

Dud Muurmand wird uns weiterhin über die nordische Szene auf dem laufenden halten Ihren Wunsch und ihr Bestreben, deutsche Tänzerinnen in den Norden zu holen und dänische in Deutschland auftreten zu lassen, um den Austausch zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen beiden zu verstärken, halten wir für unbedingt empfehlens- und unterstützenswert. Tretet mit Dud in Verbindung, oder teilt uns Eure Ideen mit.

Das folgende Interview aus dem September diesen Jahres erscheint zweisprachig, um auch von den skandinavischen Kollegen gelesen werden zu können (Dud versteht deutsch).

Erzähl uns etwas darüber, wie bei dir alles angefangen hat.

 „Meine Karriere begann eigentlich im Theater. Schon in frühester Jugend hat es mich auf die Bühne gezogen. In der Oberstufe habe ich ein Jahr in Kanada als Austauschschülerin verbracht. Dort bin ich dem örtlichen Theater-Club beigetreten und hatte das große Glück, beim alljährlichen großen Theaterfestival in Victoria (Britisch Kolumbien) auf die Bühne zu dürfen.

Als ich wieder in Dänemark war, habe ich bei verschiedenen Schauspielern gelernt und habe bei semiprofessionellen Theatergruppen mitgemacht – wie gesagt, das Theater war mein großer Traum. Aber irgendwann bin ich vom Kurs abgekommen. Da war die Scheidung von meinem ersten Mann (ich habe seeehr jung geheiratet), und danach musste ich erst einmal über verschiedene Dinge sehr gründlich nachdenken. Ich war mir auch gar nicht mehr so sicher, ob meine Zukunft wirklich in der Schauspielerei liegen sollte. In dieser Phase habe ich mich dann auch in anderen Kunstformen versucht. Photographie, Modeschöpferin … und endlich Tanz.

Anfangs dachte ich noch nicht daran, aus dem Tanz einen Beruf zu machen, aber ich stellte sehr schnell fest, dass ich hier das gefunden hatte, was in meinem bisherigen Leben fehlte. Meinen ersten Unterricht nahm ich, und das ist wirklich reiner Zufall, im Orientalischen Tanz. Ich weiß heute, daß ich großes Glück hatte, an eine so begnadete und seriöse Tänzerin wie Susanne Potempa zu geraten. Sie hat mir die Augen für eine ganz neue künstlerische Perspektive geöffnet.

Und je tiefer ich in die Welt des Orientalischen Tanzes eindrang, desto deutlicher erkannte ich, welche Möglichkeiten im Tanztheater stecken.

How did your career start

My artistic career started out in the theater. Already back in my early youth I was drawn to the stage – one of my last years in highschool was spent in Canada as an exchange student. I worked with the local drama club and was lucky to also join in on stage at the big annual theater festival in Victoria, BC.

Back in Denmark I started out studies with different actors, working with semiprof theater groups – I was headed for the theater …But I got stuck in the process somewhere, had to deal with a divorce from my first husband (got married veeerry young) and had to rethink myself in many ways. I had a slight confusion as to what I could accomplish as an artist and in that process I started to experiment in different fields: art-photographing, costume-designing … and then came dancing!

I did not start out my first dancing to be a professional but it did not take long before I knew that it was the “missing link” in my life. My first dance classes was in fact all by chance … bellydance! I think my luck today is that my first teacher Susanne Potempa was (and still is) such a dedicated and serious dancer. She opened my eyes into a different perspective of artistic doing …

And as I dug more into the oriental dance, I also discovered the great potential in dance theater ...

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