Zurück zu Interviews
Startseite/Aktuelles

Du scheinst in diesem Jahr noch mehr zum Dark Fusion zu neigen als im letzten Jahr.

Das ist gut möglich, aber die dunkle Seite ist immer schon Bestandteil meiner natürlichen Tanz-Ausstrahlung gewesen. Wenn ich in meinen Solos mit mir allein arbeite, möchte ich gern die unterschiedlichen Ebenen der menschlichen Gefühlswelt darstellen. Und wenn ich mit meinem Tanz eine Geschichte erzählen oder eine Person darstellen will, möchte ich in die Tiefe gehen und nicht nur an der Oberfläche kratzen. Und so kommt es eben, daß manche Geschichten ziemlich düster ausfallen.

Das Zigeunertanz-Solo von mir im letzten Jahr auf den 1. Norddeutschen Tribal-Tagen in Hannover (nach („Uton“ von Beata Palya) stellte die getanzte Interpretation einer jungen Frau dar, die einem ihr unbekannten Mann zur Ehe versprochen worden ist. In meiner Bearbeitung dieses Themas drückte der Tanz zuerst Kummer aus, dann Trauer und schließlich wachsenden Zorn, der ihr die nötige Kraft zum Überleben verlieh. In gewisser Weise hat es also ein „happy end“ gegeben.

- 3 -

Bei meinem diesjährigen Solo in Hannover (nach „Ha’nadi“ von Shiva in Exile) habe ich eine Frau wiedergegeben, die alles verloren hat, sogar sich selbst. Nur noch eine kleine Stelle des Wahnsinns ist ihr geblieben, und der zwingt sie zum Weitermachen, zu kämpfen, um nach oben, nach draußen oder wohin auch immer zu kommen, um von sich selbst loszukommen und vielleicht jemanden zu finden, der ihr weiterhelfen kann.

Natürlich ist das eine viel dunklere Geschichte als die vom letzten Jahr. Für mich stellte sich bei diesem Stück aber eine spannende Herausforderung, nämlich wie verknüpfe ich den Zigeunertanz mit Dark Fusion? Über das Thema Wahnsinn habe ich früher schon gearbeitet.  Bei  „Orientalia 2000“ habe ich meine Version vom Tanz der Salome vorgeführt (nein, nicht mit sieben Schleiern): dort habe ich auch das Element des Wahnsinns eingefügt, um mehr Drama zu zeigen.

Du kannst mir glauben, es ist gar nicht so leicht, solche sehr düsteren, sehr depressiven dramatischen Tänze auf die Bühne zu bringen. Aber damit öffnet man sich als Künstlerin, und man erweitert sogar seinen eigenen Horizont, indem man besser erkennt, was man eigentlich tut.

You seem to tend more to the dark and fusion side of the dance in this year than last year.

Maybe so .. but the dark side has always been a part of my natural dance expression. When I work with myself in my solos I usually like to express many different levels of human feelings – and when I choose a “story” to tell or a person to interpret in my dance, I like to go deeper and not just “scratch the surface”. And this actually means that sometimes a story comes out very “black”.

My gypsy solo last year (“Uton” by Beata Palya) was the story/interpretation of a young woman who has been promised away to be married to a man she does not know. To me the feeling in the dance went from sorrow and sadness to a growing anger turning her strong to survive. A bit of a happy ending, you might say.

But the solo I did this year ““Ha’nadi” by Shiva in Exile) was a woman so much more lost, she has lost everything including herself, she only has this little insane spot inside her that is keeping her fighting to get out-up-away, maybe to escape from herself maybe to call upon someone to help her.

… and of course, this is a much darker story. But the challenge in this choreography was merging the gypsy style dance into the dark fusion. The theme of “insanity” I have worked with before, for the “Orientalia 2000” I did a dance interpretation of Salome (and no, it did not include seven veils) where I also used “insanity” as dramatized element. It is actually very hard to do these very dark, moody dramatization, but it also open you up as an artist and broadens your own horizons in what you are doing.

Erzähl uns bitte, wie es zu den beiden kämpfenden Frauen kam (in dem Stück, das GaiaGaia in diesem Jahr aufgeführt haben).

Ja, die beiden kämpfenden Frauen … ist das nicht ein klassisches Thema schlechthin? Linda und ich hatten große Lust, den 9/8-Zigeunertanz mit spanischem Flamenco zusammenzubringen und zu sehen, was dann passiert. Und dabei kam uns der Einfall, die Tänzerinnen als weibliche Toreros auftreten zu lassen, die sich während des Auftritts bekämpfen.

Und dann kam natürlich noch das komische Element hinzu. Ein Lächeln auf das Gesicht von Menschen zu zaubern, ist doch etwas sehr Schönes.  Sowohl die Gypsy Mystique Dancers wie auch GaiaGaia versuchen immer, unsere Auftritte mit einem Augenzwinkern zu versehen, das hält doch alles in der Balance.

Could you tell me more about the idea behind the two fighting girls (the performance of Gaia Gaia this year).

Well, well – the two fighting girls .. isn’t that a classical theme? With this 9/8-rhythm tribal music, Linda and I felt a very large urge to do a merger between our gypsy-style roman 9/8 and some Spanish Flamenco temper – and we thought it was logical to make the two women into two female toredors, fighting in dance

And also the element of humor, bringing a smile to peoples faces is a fantastic thing. Both in Gypsy Mystique Dancers + in GaiaGaia, we try to work in the little laughter-zone in most things we do, it gives everything a balance.

Welche Erfahrungen hast du in Deutschland gemacht?

Ich bin zum ersten Mal im Jahr 2002 auf einer deutschen Bühne auftreten. „Bazar Oriental“ in Berlin hat mich eingeladen, auf seinem Festival zu unterrichten und zu tanzen. Damals war ich gerade mit meinem zweiten Kind schwanger, aber ich muß wohl nicht schlecht gewesen sein, denn 2004 wurde ich wieder eingeladen , und zwar für eine ganze Matinee-Show zusammen mit meiner Gruppe „Gypsy Mystique Dancers“.

Danach kam dann Hannover und die World of Orient Festival-Reihe. Asmahan el Zein, die Veranstalterin, ist eine großartige Organisatorin und hat mich dabei unterstützt, mit den deutschen Tänzerinnen bekannt zu werden. Ich habe bei den WoO-Festivals und seit letztem Jahr auch auf den Tribal-Veranstaltungen Zigeunertanz unterrichtet.

Linda (Thorsager) tanzt seit vielen Jahren ebenfalls bei den Gypsy Mystique Dancers und hat auch eine starke Vorliebe für den Tribal Style Tanz. Wir beide sind schon mehrere Male nach Deutschland gereist und haben Workshops gegeben. Es gefällt uns wirklich, bei jedem neuen Mal von vielen Menschen begrüßt zu werden, die sich offenbar an uns erinnern können.

The Devil Flower - Auftritt in Berlin 2002
Gaia Gaia beim 2. Tribal-Festival in Hannover,
Foto: Günter Schultz

Please tell us about your experiences in Germany.

I was introduced to the German dance stage in 2002, where “Bazar Oriental” in Berlin invited me to come and teach and perform at their festival. I was actually pregnant with my second child at that time – but I must have done a good job, because I was invited back in 2004 to do a full Matinee show together with my troupe “Gypsy Mystique Dancer”.

Then I started to visit Hanover and the World-of-Orient and especially Asmahan has been a great organizer and a great help in introducing me to German dancers. I have taught Gypsy dance at both the World-of-Orient and now also the Tribal Treffen.

Linda who has been a troupe member of Gypsy Mystique Dancers for many years, also developed a keen interest on the tribal style dance and both she and I have visited Germany to do workshops a couple of times now – and it is nice to be greeted by so many people here who recognizes us when we come!

Foto: Günter Schultz