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"WENN MAN SICH BEI EINER SACHE WOHLFÜHLT, STIMMT AUCH DAS KREATIVE"
Interview mit der deutsch-russischen Tänzerin Eliana

von Marcel Bieger

Du heißt Eliana, wo kommt dieser schöne Name her?

(lacht) Aus dem Internet ... Das ist mein Künstlername. Ich fand den Namen sehr schön und passend zu mir, abgesehen von der Bedeutung. Eine Quelle sagt z.B, daß die griechische Bedeutung von Eliana "Die Sonne" oder auch "Tochter der Sonne" ist. Ich kann mit beidem gut leben. (lacht)

Ich bin in Russland geboren, in Kirowgrad bei Jekaterinenburg im Ural, also an der
Grenze zwischen Europa und Asien, und mit 25 Jahren nach Deutschland gekommen. In Rußland habe ich ein Pädagogik-Studium abgeschlossen, getanzt habe ich auch, aber als Hobby. Ich habe Deutsch studiert und als Lehrerin an einer Schule gearbeitet. Eines Tages wollte ich etwas Neues erleben und bin nach Deutschland gegangen, weil ich die Sprache kannte. Ich habe hier mein Studium fortgesetzt, und dann kam natürlich der Moment, an dem ich mir gedacht habe, fährst du wieder nach Hause, oder was fängst du jetzt an?
Aber da habe ich meinen  Mann kennengelernt, und es war mir klar, jetzt bleibst du hier. Parallel zu meinem Studium hier und zu meiner Arbeit mit Kindern habe ich mit Orientalischem Tanz angefangen und mich so fortgebildet, daß ich den Tanz zu meinem Beruf gemacht habe. Mein Mann ist auch Künstler, nämlich Pianist, er spielt Jazz, unterrichtet, hat Auftritte, und er hilft mir bei meiner Musik. Wenn ich sage, ich brauche einen Mix, eine Fusion aus diesem und jenem, dann macht er mir das und legt auch noch was drunter. Wir wollen in naher Zukunft einmal gemeinsam auftreten – auf meiner Tribal Party.
Wie bist du denn an den Orientalischen Tanz gekommen?

Ich war auf einer Party von einem iranischen Freund, und da kamen viele von seinen Freunden. Eine Marokkanerin hat getanzt, und ich habe das gesehen und gedacht, das ist ja toll. Ich habe versucht, das nachzumachen, und mußte feststellen, daß ich das nicht so gut konnte wie sie: Sie hat Shimmies gemacht, und die habe ich einfach nicht hinbe-kommen, das hat mich richtig geärgert! (lacht) Das gibt es doch wohl gar nicht, habe ich mir gesagt, und mir vorgenommen, das zu lernen (lacht). Ich habe in der Tanzschule „Arabeska“ in Frankfurt a.M. bei Farasha und Asmahan angefangen, bis ich zu Djamila und ihrem Studio gelangt bin, wo es dann für mich so richtig mit dem Orientalischen Tanz losgegangen ist. Zuerst habe ich natürlich nur klassischen Bauchtanz gelernt.

Eines Tages hat Djamila mich gefragt, wie ich mir das weiter vorstellen würde, und damals war mir schon klar, daß ich das beruflich machen wollte. Sie hat gesagt, daß sie mich unterstützen wolle, und so konnte ich in ihrem Studio als Lehrerin anfangen. Für ihr Vertrauen und ihre Hilfe - besonders am Anfang - bin ich ihr sehr dankbar.
Wie bist du mit Gabriella zusammengekommen?

Während der allgemeinen Aufregung nach der BDSS-Show haben wir uns in Djamilas Studio überlegt, wen könnten wir einladen? Gabriella war damals schon eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet des ATS, und so waren wir uns schnell einig, sie als Dozentin zu uns zu holen. Die „Basics“ habe ich bei ihr gelernt, und dazu kamen noch einige Kurse bei anderen Größen. Ich war bei einer ganzen Reihe amerikanischer Tänzerinnen, aber am stärksten ist mir Sharon Kihara im Gedächtnis geblieben.

Im Februar dieses Jahres habe ich an der Intensiv-Masterclass mit Sharon und Samantha teilgenommen. Sharon hat acht Leute zu sich nach Hause eingeladen (in Berlin), und ich war eine der Glücklichen. Es war einfach toll zu erleben, wie sie arbeitet. Sie hat eine klassische Ballett-Ausbildung russischer Schule, und sie hat die nötige Strenge und Disziplin. Sie ist auch als Lehrerin sehr ehrlich, kurzum ich finde den Unterricht bei ihr richtig super. Samantha Emanuel hat mich auch total fasziniert und begeistert. Ich fand z.B. sehr spannend, als sie darüber erzählt hat, wie sie an sich selber arbeitet, über ihr Tanzalltag zu Hause. Sie führt ein Tanz-Tagebuch (das ich auch sehen durfte), in dem sie täglich einträgt, was sie den ganzen Tag über gemacht hat.  Dort führt sie alles auf, was sie gelernt, wo sie an sich gearbeitet oder nicht gearbeitet hat. So eins habe ich jetzt auch. (lacht). Das hat mir sehr geholfen, meinen Alltag zu strukturieren.
Man sollte zum Beispiel nicht zu lange vor dem Computer sitzen, aber mindestens 3 bis 4 Stunden am Tag sein Tanztraining absolvieren: in der Hinsicht stimme ich Samantha hundertprozentig zu, nur muß ich gestehen, es klappt bei mir leider nicht jeden Tag, dies in der Praxis umzusetzen. Wenn man solche Dinge beherzigt, wird einem rasch klar, warum diese Tänzerinnen so wahnsinnig gut sind. Ich trainiere auch viel, es könnte aber noch ein kleines bißchen mehr sein. Zur Zeit bin ich wahnsinnig in Joga vernarrt. Wenn ich nicht morgens nach dem Aufstehen
1 Stunde Joga betreiben kann, bin ich schlecht gelaunt.
Die Asmana Dancers (links im Bild, Nashyra, Eliana und Djamila) hier mit Jillina, Said El Amir, Shalymar El Amar und Delanna
Es war nicht einfach. Ich mußte mich manchmal durchbeißen, aber es hat sich gelohnt. Ich habe sehr viel für meinen weiteren Tänzerinnenweg mitnehmen können. Said el Amir ist ein exzellenter Lehrer, der mich immer wieder dazu inspiriert, über meine Grenzen zu gehen. Und weil ich gerade so schön im Schwung war, habe ich auch noch eine Estoda-Ausbildung bei Yasmina Said drangehängt, dafür habe ich vor kurzem meine Abschlußarbeit geschrieben. Und dann fange ich demnächst hier bei uns im Studio etwas ganz Neues an, da muß ich dann auch nicht so weit fahren (lacht). Nämlich eine tanzmedizinische Ausbildung. Das finde ich sehr faszinierend, auch, weil es dabei um ganz andere Sachen geht. Körper, Körperbau, Knochenbau und so weiter.

Wo nimmst du die ganze Zeit her?

Ich habe meinen Job gekündigt! (lacht). Ich habe aber vorher mit meinem Mann gesprochen, ob wir auch ohne das Einkommen auskommen. Da er selbst ebenfalls Künstler ist, hat er mir zugeraten, den Tänzerinnenweg zu gehen.
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Fotos: Nr 1 © Polina Baymakova
Nr. 2 © Stefan B Pappenberger, www.hochglanzhochzeit.de
Nr. 3 © Brigitte Pfeiffer
Nr. 4 und 6 © Reiner Gutzmer
Nr 5 © Matthias Kotsch www.mako-foto.de
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Du hast dann aber irgendwann angefangen, auch Tribal und Tribal Fusion zu tanzen.

Vor ein paar Jahren waren die Bellydance Superstars in Offenbach. Die Show habe ich mir natürlich angeschaut und war so fasziniert wie alle anderen auch. Ich habe mir sofort sämtliche DVDs, CDs und so weiter von ihnen besorgt, mir das angehört und angeschaut und versucht, das nachzumachen. Die Breaks und Snakes waren irgendwie in mir drin, das war ganz klar meine Sache, und so habe ich angefangen, mich auf diesem Gebiet fortzubilden. Ich habe Workshops besucht, bin zu Gabriella nach Dillenburg gegangen, und heute ist der Tribal Fusion meine Spezialität und meine Leidenschaft.
Du bist eine ausgebildete jomdance®-Bühnentänzerin. Wie bist Du auf jomdance@ gekommen?

Bei Djamila bin ich auf „jomdance®“ aufmerksam gewor-
den, und ich habe dort die „jomdance®“ - Ausbildung bei
Said el Amir gemacht. Beim ersten Ausbildungs-Lehrgang
in Offenbach, wo ich viele tolle Tänzerinnen kennengelernt habe!  In der Ausbildung bin ich auf Sachen in mir gestoßen, von denen ich vorher gar nicht wußte, daß sie in mir stecken.