
DER TANZ HAT MICH AUS ALLEN SITUATIONEN HERAUSGEHOLT
INTERVIEW MIT ELIZA & FARAHNAZ

Nach ihrem Auftritt auf der Offenen Bühne beim Orient Festival Knechtsteden kommen wir mit dem Duo Eliza & Farahnaz zusammen. Wir haben sie bereits bei der Tanzshow des Studios Cahira – „Oriental Summernight 8“ (Düsseldorf) im Sommer gesehen und wollen sie kennenlernen. Da sie sich im Gespräch tatsächlich sehr ergänzen, haben wir darauf verzichtet, ihre Antworten namentlich zu kennzeichnen – lediglich in solchen Fällen, in denen das sinnvoll erschien.
Habt ihr beide eine Ausbildung in Modern Dance hinter euch?
Wir nehmen regelmäßigen Unterricht in Modern Dance, Ballett, Tanztheater sowie Yoga. Für uns ist es die Basis aller Tänze, unsere Körper durch verschiedene Formen und Bewegungsarten besser kennenzulernen. Wir wollen so mehr darüber erfahren, wie sich der Körper in den unterschiedlichen tänzerischen Rahmen anfühlt und vor allem, wie können wir unser orientalisches Tanzrepertoire und unsere Tanzsprache durch andere Tanz- und Bewegungstechniken erweitern.
(beide lachen) Wir kennen uns seit einem halben Jahr. Die Geschichte ist lustig, wir haben uns bei Raksan bei einem Workshop-Projekt kennengelernt. Während der vielen Improvisationen innerhalb der Gruppe, haben wir schnell entdeckt, daß wir beide gut harmonieren, uns mögen und auch auf der Bewegungsebene gut aufeinander abgestimmt sind. Nach diesem Projekt haben wir uns gedacht, na gut, laß uns doch einfach mal ein erstes Ziel aussuchen, zum Beispiel, mit einem Duo bei Nana auftreten (

Eliza: Ich habe 1994 mit Orientalischem Tanz im Tanzhaus NRW bei Gizella angefangen und schnell gemerkt, daß mir der (orientalische) Tanz die Möglichkeit gibt, einen Teil von mir zum Ausdruck zu bringen, der in anderen Lebensbereichen nicht so zum Vorschein kommt. Der Unterricht bei Gizella hat mich lange begleitet, und ich habe bei ihr Interpretationen des orientalischen Tanzes kennengelernt, die weit entfernt waren von dem „Klischee des Bauchtanzes“. So kam ich von Beginn an in Kontakt mit verschiedenen Stilen sowie Musikrichtungen aus dem großen Spektrum des orientalischen Tanzes. Dazu gehörten insbesondere persischer Tanz und Balkaninterpretationen. Durch Workshops bei anderen Dozenten habe ich meine Ausbildung stetig erweitert. Als sich die Möglichkeit ergab selbst zu unterrichten, habe ich am OFF-Theater in Neuss die Ausbildung zur Tanzpädagogin gemacht, um u.a. mein didaktisch-pädagogisches Fundament zu verbessern. Parallel dazu haben Gizella und ich als Partnerinnen einige gemeinsame Projekte getanzt, insbesondere im Tanzhaus NRW (Orientale, Orientlounge Silvester). Im Rahmen der Orientale 2007 haben wir (gemeinsam mit Amel Tafsout und Yasmena, künstlerische Leitung: Gizella) „baraka – moderner arabischer Tanz“ auf der kleinen Bühne gezeigt. Die Entwicklung dieses Stückes war eigentlich der Auslöser, meine tänzerischen Fühler weiter auszustrecken und kontinuierlich Unterricht im Modernen Tanz und Ballett zu nehmen sowie Workshops bei Lehrern, die den Orientalischen Tanz mit anderen Tanztechniken verbinden. Dazu gehört insbesondere Raksan, bei deren diesjährigem Projekt Farah und ich uns ja auch kennengelernt haben.
Aber erst in Deutschland habe ich angefangen, richtig Unterricht zu nehmen. Unter anderem bei der eingangs erwähnten Meisterinnen der Künste, Raksan und Shahrazad, und nicht zu vergessen, meine erste Lehrerin, Mithra Danesh. Sie und einige andere Lehrerinnen (Ballett, Modern Dance, Tanztheater und Yoga) haben mir immer neue Impulse gegeben, und ich wollte lernen und den Tanz leben.
Ich bin ihnen nachgereist, habe Intensivkurse genommen. Eines kam mir von Anfang an entgegen, ich habe das Herz für Tanz – alles andere mußte ich lernen. Aber auch meine jahrelange Tätigkeit als Tanzdozentin hat mich zum einen durch das ständige Wiederholen und Reflektieren der Grundlagen als auch durch die Dynamik, die sich in einer Gruppe mit anderen Tänzerinnen ergibt, stark beeinflusst.
Ich wohne in Mühlheim a.d. Ruhr (Eliza), unterrichte orientalischen Tanz in Mülheim und in Mönchengladbach – und ich (Farahnaz) wohne in Willich/Schiefbahn (bei Mönchengladbach). Wir sind es beide gewohnt, an unterschiedliche Orte zu fahren, um verschiedene Sachen zu machen. Uns steht sowohl in Mönchengladbach als auch in Mülheim ein Tanzraum zur Verfügung, wir haben also sehr luxuriöse Raumbedingungen, oder wir treffen uns bei uns zuhause. So wie es sich ergibt. Und, gerade so, wie wir es brauchen.


