Startseite/Aktuelles
zurück zu Interviews
- 1 -
weiter...
Fotos: 1, 3, und 4 (c) Dagmar Schwarz www.comesee.de,
2 (c) Marcel Bieger

DER TANZ HAT MICH AUS ALLEN SITUATIONEN HERAUSGEHOLT

INTERVIEW MIT ELIZA & FARAHNAZ

von Marcel Bieger
und Konstanze Winkler

Nach ihrem Auftritt auf der Offenen Bühne beim Orient Festival Knechtsteden kommen wir mit dem Duo Eliza & Farahnaz zusammen. Wir haben sie bereits bei der Tanzshow des Studios Cahira – „Oriental Summernight 8“ (Düsseldorf) im Sommer gesehen und  wollen sie kennenlernen. Da sie sich im Gespräch tatsächlich sehr ergänzen, haben wir darauf verzichtet, ihre Antworten namentlich zu kennzeichnen – lediglich in solchen Fällen, in denen das sinnvoll erschien.

Was haben wir eben gesehen?
(Beide wie aus einem Mund: „Modern Oriental!“)  Also, Elemente aus dem Modern Dance mit orientalischen Elementen gemixt. Die Idee kam uns, weil wir ja doch vom Typ her sehr unterschiedlich sind – wir verkörpern Orient und Okzident -, und da dachten wir, das wäre doch mal nett, zwei Tanzkulturen, eben zwei solche Tanzformen miteinander in Verbindung zu bringen.

Habt ihr beide eine Ausbildung in Modern Dance hinter euch?

Wir nehmen regelmäßigen Unterricht in Modern Dance, Ballett, Tanztheater sowie Yoga. Für uns ist es die Basis aller Tänze, unsere Körper durch verschiedene Formen und Bewegungsarten besser kennenzulernen. Wir wollen so mehr darüber erfahren, wie sich der Körper in den unterschiedlichen tänzerischen Rahmen anfühlt und vor allem, wie können wir unser orientalisches Tanzrepertoire und unsere Tanzsprache durch andere Tanz- und Bewegungstechniken erweitern.

Farahnaz und Eliza
Wie lange seid ihr zusammen?

(beide lachen) Wir kennen uns seit einem halben Jahr. Die Geschichte ist lustig, wir haben uns bei Raksan bei einem Workshop-Projekt kennengelernt. Während der vielen Improvisationen innerhalb der Gruppe, haben wir schnell entdeckt, daß wir beide gut harmonieren, uns mögen und auch auf der Bewegungsebene gut aufeinander abgestimmt sind. Nach diesem Projekt haben wir uns gedacht, na gut, laß uns doch einfach mal ein erstes Ziel aussuchen, zum Beispiel, mit einem Duo bei Nana auftreten (Nana Kempkes, Tanzstudio Cahira in Düsseldorf), weil das Projekt auch in ihrem Studio stattgefunden hat. Laß uns da doch einfach mal was ausprobieren. Die Arbeit an unserem ersten gemeinsamen Stück verlief erstaunlich harmonisch und kollegial. Die Entwicklung der Choreographie ging Hand in Hand. Wir haben uns prima ergänzt, und nie hatte eine von uns das Gefühl, grrr, ich will das jetzt aber durchsetzen. – Wir hatten ja auch nicht viel Zeit, nur anderthalb Monate, oder so. Da wir noch nie zusammen getanzt hatten, mußten wir uns von Grund auf alles erarbeiten: Tanzstil, Musik, Choreographie und Kostüm.     

mit Eliza und Farahnaz beim Interview in Knechtsteden
An dieser Stelle wollen wir uns bei Raksan für ihr intensives Projekt und die zahlreichen Impulse bedanken. Durch sie konnten wir uns entdecken.
Was habt ihr vorher gemacht, bevor ihr euch kennengelernt habt?

Eliza: Ich habe 1994 mit Orientalischem Tanz im Tanzhaus NRW bei Gizella angefangen und schnell gemerkt, daß mir der (orientalische) Tanz die Möglichkeit gibt, einen Teil von mir zum Ausdruck zu bringen, der in anderen Lebensbereichen nicht so zum Vorschein kommt. Der Unterricht bei Gizella hat mich lange begleitet, und ich habe bei ihr Interpretationen des orientalischen Tanzes kennengelernt, die weit entfernt waren von dem „Klischee des Bauchtanzes“. So kam ich von Beginn an in Kontakt mit verschiedenen Stilen sowie Musikrichtungen aus dem großen Spektrum des orientalischen Tanzes. Dazu gehörten insbesondere persischer Tanz und Balkaninterpretationen. Durch Workshops bei anderen Dozenten habe ich meine Ausbildung stetig erweitert. Als sich die Möglichkeit ergab selbst zu unterrichten, habe ich am OFF-Theater in Neuss die Ausbildung zur Tanzpädagogin gemacht, um u.a. mein didaktisch-pädagogisches Fundament zu verbessern. Parallel dazu haben Gizella und ich als Partnerinnen einige gemeinsame Projekte getanzt, insbesondere im Tanzhaus NRW (Orientale, Orientlounge Silvester). Im Rahmen der Orientale 2007 haben wir (gemeinsam mit Amel Tafsout und Yasmena, künstlerische Leitung: Gizella) „baraka – moderner arabischer Tanz“ auf der kleinen Bühne gezeigt. Die Entwicklung dieses Stückes war eigentlich der Auslöser, meine tänzerischen Fühler weiter auszustrecken und kontinuierlich Unterricht im Modernen Tanz und Ballett zu nehmen sowie Workshops bei Lehrern, die den Orientalischen Tanz mit anderen Tanztechniken verbinden. Dazu gehört insbesondere Raksan, bei deren diesjährigem Projekt Farah und ich uns ja auch kennengelernt haben.

Farahnaz: Meine Geschichte fängt mit dem Alter von zwei Jahren an. Ich bin gebürtige Perserin und bis zum Alter von 15 Jahren im Iran aufgewachsen. Tanz gehört dort zum Leben, zum Alltag, zum gesellschaftlichen Leben. Alle haben getanzt, mein Oma, meine Tante. Tanz war für mich von Anfang an etwas Selbstverständliches. Wo immer ich als Kind Menschen tanzen gesehen habe, bin ich stehengeblieben und habe gestaunt und mir gesagt, das möchte ich auch können. Orientalischen, Persischen und indischen Tanz habe ich also von klein auf miterlebt. Ich habe mir Videos angeschaut und nachgetanzt. Dazu kamen Orientalischer Tanz und Arabischer Tanz. Auch mein Vater spielt eine große Rolle, was den ägyptischen Tanzstill anbelangt, indem er zu Hause immer große Interpreten u.a. Abdel Halim Hafez und Om Kolthoum hörte. Dabei wollte er eigentlich vermeiden, daß ich auch bauchtanze. (lacht). Er hat sich sehr gern Bauchtänzerinnen in den alten arabischen Filmen angeschaut, und so bin ich dann doch dahin gelangt. Mit 13 habe ich eine berühmte Tänzerin, Shahrazad aus Köln, auf der Bühne gesehen und war hin und weg. Sie hat alles bewegt, sie hatte einen unglaublichen Ausdruck, sie war die vollkommene Tänzerin. So etwas auch einmal zu erreichen, wurde dann sehr schnell mein Traum.

Aber erst in Deutschland habe ich angefangen, richtig Unterricht zu nehmen. Unter anderem bei der eingangs erwähnten Meisterinnen der Künste, Raksan und Shahrazad, und nicht zu vergessen, meine erste Lehrerin, Mithra Danesh. Sie und einige andere Lehrerinnen (Ballett, Modern Dance, Tanztheater und Yoga) haben mir immer neue Impulse gegeben, und ich wollte lernen und den Tanz leben.

Ich bin ihnen nachgereist, habe Intensivkurse genommen. Eines kam mir von Anfang an entgegen, ich habe das Herz für Tanz – alles andere mußte ich lernen. Aber auch meine jahrelange Tätigkeit als Tanzdozentin hat mich zum einen durch das ständige Wiederholen und Reflektieren der Grundlagen als auch durch die Dynamik, die sich in einer Gruppe mit anderen Tänzerinnen ergibt, stark beeinflusst.

Wohnt ihr nahe beieinander?

Ich wohne in Mühlheim a.d. Ruhr (Eliza), unterrichte orientalischen Tanz in Mülheim und in Mönchengladbach – und ich (Farahnaz) wohne in Willich/Schiefbahn (bei Mönchengladbach). Wir sind es beide gewohnt, an unterschiedliche Orte zu fahren, um verschiedene Sachen zu machen. Uns steht sowohl in Mönchengladbach als auch in Mülheim ein Tanzraum zur Verfügung, wir haben also sehr luxuriöse Raumbedingungen, oder wir treffen uns bei uns zuhause. So wie es sich ergibt. Und, gerade so, wie wir es brauchen.

Tanzen ist mein Leben, mein Lebensinhalt. Seit ich von zuhause weg bin – wir mußten fliehen -, war Tanz immer mein bester Begleiter, als Freund, in der Trauer, in der Wut, im Glück, er hat mich aus allen Situationen herausgeholt. Mit Tanz verbinde ich Freude, und er ist immer da. Hier in Deutschland habe ich dann endlich die Möglichkeit für mich gesehen, auch andere Tanzformen kennenzulernen und auszuprobieren. Und auf andere Kulturen zu stoßen. Das ist für mich sehr wichtig, und ich hoffe, daß das noch viele Jahre so weitergeht, daß ich noch viele neue Dinge entdecken und kennenlernen darf. Am liebsten würde ich alle Länder bereisen.
Deshalb werden Eliza und ich im Mai 2010 eine Tanzreise nach Ägypten unternehmen. Wir werden anderen Tanzbegeisterten die Möglichkeit geben, mit uns und den unterschiedlichen Tanzformen ihre Körper und ihrer Tanzseele näher zu kommen. Eine Mischung aus Meer, Tanz, Abenteuer und zugleich Entspannung. Übrigens laden wir gerne weitere Tänzerinnen dazu ein.
1
2
4
3
Eliza
Farahnaz