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Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Viele Jahre schon ist Nürnberg eine der „Brutstätten“ des Orientalischen Tanzes in Deutschland und Bayern.

Was einmal mit Brigitte Baldinger und ihren „Halima“-Festen begann (
siehe Interview mit ihr in dieser Zeitung), hat seine Fortsetzung in Enussahs Festival-Reihe „Total Oriental“ gefunden, in dessen Rahmen heuer zum ersten Mal die „Halima“-Preisverleihung stattfindet. Enussah hat nicht nur viel Glück gehabt, sie besitzt auch ein gutes Auge für Talente und Entwicklungen.

Zur bevorstehenden fünften Ausgabe von
„Total Oriental“ erzählt sie uns von sich, von ihrem Studio und wie überhaupt alles so gekommen ist, wie es gekommen ist.
"GLÜCK UND TALENT"

Interview mit
Enussah

von Marcel Bieger
"Total Oriental" feiert 2014 Fünfjähriges, was hat Dich bewogen, eine solche Veranstaltung ins Leben zu rufen, wie hat die Festival-Reihe sich entwickelt?

Tja, das ist eine gute Frage! Ich selbst habe vorher schon sehr oft auf den verschiedensten Festivals im In- und Ausland getanzt und unterrichtet und tue das noch immer sehr gerne. Es macht so viel Spaß, mit netten Kollegen in einer tollen Show zu tanzen und den ganzen Tag über den Basar zu streifen, Workshops geben und auch an anderen Workshops teilnehmen. Man trifft „alte“ Bekannte und schließt neue Bekanntschaften und nicht selten entstehen innige Freundschaften, die trotz großer räumlicher Entfernungen erhalten bleiben, denn spätestens beim nächsten Festival trifft man sich ja wieder.

Besonders angenehm fand ich immer die Veranstaltungen, auf denen alles räumlich sehr kompakt angeboten wurde. Also wo alles - Show(s), Workshops, Basar - unter einem Dach stattfand. Am besten auch noch mit dem Hotel nebenan. Für mich unübertroffen war in dieser Hinsicht das Ahlan wa Sahlan Festival in Kairo mit Menahouse als Austragungsort.

In Nürnberg fand ich einen Veranstaltungsort, der ein ähnliches Konzept erlaubte: Schickes Hotel – Theater – Workshopräume – genug Platz für einen großzügigen Basar und einer ansprechenden Messebühne für das Rahmenprogramm. Da ich Talent für Organisation habe, gerne Bühnenshows veranstalte und ein tolles Team habe, auf das ich mich verlassen kann. entschloss ich mich vor 5 Jahren relativ spontan, mein eigenes Festival ins Leben zu rufen.
Inzwischen habe ich den Ort aber gewechselt, denn die technischen Gegebenheiten  in der Meistersingerhalle Nürnberg haben meinen Anspruch auf Dauer nicht erfüllt. Ich bin Perfektionistin und  möchte immer, dass alle zufrieden sind. Die Künstler sollen angenehme Arbeitsbedingungen haben, die Bühne soll perfekt sein, die Zuschauer sollen gute Sicht auf tolle Tänzer haben, die Wege sollen kurz sein …
Bisher waren alle Beteiligten immer sehr begeistert.
"Total Oriental" legt den Schwerpunkt auf klassischen Orientalischen Tanz, vornehmlich einheimische Stars treten dort auf, aber auch ausländische. Nach welchen Gesichtspunkten suchst du die Künstler und Dozenten aus?

Hauptgesichtspunkt ist die Qualität. Ich suche tolle Künstler, die auch gut unterrichten können. Natürlich berate ich mich immer mit meinem Team und auch meinen Künstlerkollegen. Außerdem ist es von Vorteil, wenn die eingeladenen Künstler eine große Fangemeinde haben und ebenfalls fleißig Werbung für die Veranstaltung machen können, denn wie schon gesagt, so ein Ereignis bringt in erster Linie sehr, sehr viele Rechnungen, die bezahlt werden müssen.

Neben den bewährten deutschen Tänzern lade ich in der Regel auch immer Künstler aus dem Ausland ein, um das Festival international zu gestalten. Dabei muss man allerdings die Reisekosten sehr genau im Auge behalten. Es ist sinnvoll, Künstler aus USA z.B. dann einzuladen, wenn sie ohnehin zu dieser Zeit auf Europa-Tournee sind.
Kontakte zu knüpfen und eine gut funktionierende Beziehungspflege helfen den Veranstaltern sehr, Kosten zu reduzieren und den Künstlern die Möglichkeit zu geben, auf mehreren Festivals zu wirken. Somit ist jedem gedient.
Soviel Perfektion hat natürlich ihren Preis. Die jetzige Veranstaltungshalle ist wunderschön, aber auch sehr teuer, und obwohl wir jedes Mal ausverkauft sind, ist die die Kalkulation sehr gewagt und für mich immer ein großes finanzielles Risiko. Das kostet mich schon viel Energie und Nerven.
Einer der Schwerpunkte in diesem Jahr sind die Bellydance Superstars, der Großraum Nürnberg ist ja mit immerhin zwei Tänzerinnen aus dieser bekanntesten Bauchtanz-Truppe der Welt gesegnet. Auf welche weiteren Höhepunkte dürfen wir uns freuen?

Ja, das ist wirklich toll, dass gleich zwei Fränkinnen bei den BDSS brillieren können.
Romy und Inka kennen sich von klein auf, da Inkas Mutter Yamuna und ich selbst viele Jahre in verschiedenster Weise zusammen getanzt und gearbeitet haben. Beide sind auf völlig unterschiedlichen Wegen zu den BDSS gekommen. Das ist wirklich unglaublich. Bei Romy war das Sprungbrett tatsächlich die „Total Oriental“ vor zwei Jahren.
Aus mir völlig unbekannten Gründen (auch wenn die Szene das nicht glauben kann) war Miles Copeland, der Gründer der BDSS, zu Gast. Ausgerechnet in dem Jahr, als Romy zum ersten Mal mit einem Solo auf der „Total Oriental“-Galashow zu sehen war, und sie hat ihn sowohl als Solistin wie auch als Gruppentänzerin bei „Rakas“ überzeugt.

Für mich ist das dieses Jahr ziemlich genial! Gleich drei fantastische Superstars mit geringen Reisekosten (Stefanya lebt jetzt zeitweise in der Schweiz, da sie mit einem Schweizer verheiratet ist).

Ich glaube, wir haben wieder einmal viele sehenswerte Höhepunkte: Anastasya Korobova wird da sein (auch ein Resultat von erfolgreicher Beziehungspflege, in diesem Fall durch Delanna). Rachid Alexander finde ich sehr faszinierend, Nicole McLaren ist dabei, Lorena Galeano, Sahra Saeeda, Eliana und Delanna beide mit ihren fantastischen Tanz Ensembles.

Aus meiner deutschen Tanz-Generation werden Sabuha Shahnaz, Mayyadah mit Ensemble sowie meine regionalen Kolleginnen Seetha und Yamuna ebenfalls mit Ensemble auftreten. Aus meinem Orga-Team sind Leylah Sadim und der neue Shootingstar Yela auch als Tänzerinnen vertreten. Nicht zuletzt auch zwei gecastete Ensembles: Jomdance Company und mein eigenes „Step On Project“. Ich selbst werde natürlich auch zu sehen sein.

Eine ganz neue Attraktion auf der Total Oriental ist natürlich die Verleihung der Halima 2014. Brigitte Baldinger, die Herausgeberin des  gleichnamigen Magazins, hat mit meiner Veranstaltung fusioniert. Und wir werden also am 31. Mai erfahren, wer diesmal mit der „Halima“ ausgezeichnet wird.

Erzähl uns bitte etwas über die Offene Bühne mit Namen "Talent Stage".

Die „Talent Stage“ habe ich so benannt, weil diese Bühne noch nicht so bekannten Künstlern die Gelegenheit geben soll, sich auf einer professionellen Bühne dem Publikum zu präsentieren. Ich versuche, den künstlerischen Standard hochzu- halten, und verlange im Vorfeld eine Bewerbung mit Video.
Es werden wirkliche Talente auf sehr professionellem Niveau zu sehen sein, aber auch Hobby-Solisten und Ensembles, die mit viel Liebe einen Bühnenauftritt erarbeitet haben.
Wir möchten auch etwas mehr über die Person Enussah erfahren, erzähle uns bitte ein paar Daten aus deinem Leben und deiner Karriere.

Für heutige Verhältnisse habe ich relativ spät zum orientalischen Tanz gefunden. Ich begann damit erst 1992, ein Jahr nach der Geburt meines dritten Kindes. Ich hatte immer viel getanzt, z.B. Standard, Jazz Dance, ein bisschen American Tap und auch ein wenig Flamenco. Während meines Sportstudiums für Lehramt Gymnasium entdeckte ich auch mein Talent zum Unterrichten. Von allen Sportarten während der Ausbildung lag mir das Tanzen am allerbesten, und ich stellte einigermaßen überrascht fest, dass die Menschen mir gerne beim Tanzen zusahen. Zu dieser Zeit unterrichtete ich auch Jazz-Tanz an der Uni.

Nach dem Studium und nach der Babypause - drei Kinder in vier Jahren – wollte ich wieder Jazz tanzen. Aber ich fand nichts, das mich erfüllte. In den Ballettschulen mit überwiegend sehr jungen Schülerinnen war ich mit Anfang 30 genauso fehl am Platz wie in den „Hausfrauen“-Hobby-Tanzgruppen, auf die ich stieß.

Da entdeckte ich durch Zufall den Orientalischen Tanz und war ziemlich interessiert. Ich lief damals noch nebenbei als Model auf Modenschauen und so lernte ich Seetha kennen, die in der gleichen Agentur arbeitete und mir die ersten Grundlagen des orientalischen Tanzes beibrachte. Zu dieser Zeit unterrichtete Momo Kadous einmal in der Woche in Nürnberg, und ich hatte 5 Jahre lang die beste Ausbildung, die man sich wünschen konnte ohne große Wege und Kosten, was mit drei kleinen Kindern anders auch nicht möglich gewesen wäre. Glück gehört zu jeder Karriere dazu, und ich hatte Glück! Momo schlug mir auch meinen Künstlernamen vor: Enussah, was soviel wie Weiblichkeit bedeutet.

Nach ca. 3 Jahren begann ich, unzählige Workshops zu besuchen Zum Glück hatte ich keine Babysitter-Probleme, wenn ich abends unterwegs war. Dann entdeckte ich die Festivals für mich, und als die Kinder nicht mehr so klein waren, konnte ich auch nach USA und Kairo zu den großen Veranstaltungen reisen.
Ich bin sehr froh, dass sich für mich die Frage Kinder oder Karriere nie gestellt hat. Denn alles hat sich schön nacheinander entwickelt. Nach einigen Jahren entstand in mir der Wunsch nach einem eigenen Studio, und mit 41 Jahren habe ich mir diesen Wunsch erfüllt. Zum Glück verdiente ich zu der Zeit mit Tanz bereits recht gut. Ich liebte es, in schönen orientalischen Restaurants zu tanzen, und hatte reichlich Auftritts-Nachfragen für private Feste. So konnte ich mein Studio fast schuldenfrei eröffnen.
Diese Bühne kann für den ein oder anderen ein Sprungbrett in die nächste Liga sein. Viele Künstler, die ich heute für meine Festivals buche, habe ich zum ersten Mal auf einer solchen „Talent Stage„ gesehen. Ein Auftritt auf einer Offenen Bühne lohnt sich für die Stars und Sternchen der Szene auf jeden Fall, denn es werden tolle Bilder und ein aussagekräftige Videomitschnitte durch Profi-Fotografen wie André Elbing und Karin Lux sowie dem Videokünstler Alf Zügner entstehen. Diesmal findet die „Talent Stage“ auf der Hauptbühne statt, so dass auch die technischen Gegebenheiten ausgezeichnet sein sollten. Da heute viele Veranstalter von Bewerbern Bild und Video Material anfordern, ist diese Bühne eine tolle Gelegenheit für aufstrebende Künstler.
Seit wann gibt es das Studio Scarabeo Palace, wie hat es sich entwickelt?

Mein Studio „Scarabeo Palace“ eröffnete ich im Herbst 2002. Ich fand einen schönen Raum in geeigneter Lage, den ich mit viel Liebe zum Detail in einen orientalischen Traum verwandelte. Ich machte fast alles selbst. Ich verlegte eigenhändig den Fußboden und erledigte auch alle Malerarbeiten. Da ich auch Floristmeisterin bin (vor dem Studium Ausbildung zur Floristin und nach dem Studium Meisterschule), habe ich viel Erfahrung mit Dekorationen und Inszenierungen.
Das Studio entwickelte sich schnell zum Erfolg. Bei der ersten Geburtstagsshow des Studios war Jillina Carlano unser Stargast, kaum zu glauben! Das war noch vor ihrer BDSS-Zeit, und ich hatte damals Mühe, den Workshop mit ihr zu füllen, da sie noch recht unbekannt war. (Als ich 10 Jahre später eine Show mit ihr machte, hatte ich dieses Problem natürlich nicht mehr).

Das Studio entwickelte sich gut. Die steigende Schülerzahl veranlasste mich, die angrenzenden Räume ebenfalls anzumieten, und das Studio wuchs auf stolze 500 m² an. Es umfasst mittlerweile 4 Tanzsäle.


Da ich nun auch mehr geeignete Lehrkräfte brauchte, entwickelte ich meine Ausbildung „Step On“ um sicher zu sein, dass der Unterricht im Studio Scarabeo durchgängig meinen Erwartungen entsprach. Natürlich ist das keine studiointerne Ausbildung, sondern sie steht jedem Tänzer offen. Aber Auslöser dafür war mein eigener Bedarf an guten Lehrkräften. Das Konzept hat sich bewährt und über die Jahre stetig noch verbessert.

Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte …
Der Raum war groß und deshalb nicht billig, aber durch meine Auftritte war die Miete gesichert, selbst wenn ich keine Schüler hätte. Denn, kaum zu glauben -  ich hatte bei der Eröffnung tatsächlich keinen einzigen Schüler in Nürnberg, da ich immer nur „on tour“ unterrichtet hatte. Wieder hatte ich Glück! Kurz zuvor hatte ein anderes Studio in Nürnberg seine Tore geschlossen (wegen Umzug) und so fanden sich relativ schnell genug Schüler für den ersten Kurs. Diesen Kurs gibt es heute noch.
Homepage Enussah:
www.enussah.de
Homepage Total Oriental:
www.total-oriental.de
rechts der Video-Trailer zur großen
"Total-Oriental"-Show am 31. Mai 2014
in der Stadthalle Nürnberg/Fürth.
Bitte auf das Bild klicken, und Du wirst zu YouTube weitergeleitet ...
Photos ©: 1 und 5 Rainer Gutzmer, 2 Birgit Hyna, 3 Konstanze Winkler, 4 Enussah, 6, 7 und 8 Petra Breuker, 9 André Elbing
Enussah (Mitte) mit Rakas, rechts Romy
Foto rechts: Rakas (Enussah, 3.v.l., rechts daneben Tochter Larissa, und rechts außen Tochter Romy
Der große Tanzsaal
Der grüne Saal mit Café-Bereich
Die Bar im roten Saal
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