Startseite/Aktuelles
zurück zu Interviews
Interview mit Gabriella von Nea's Tribal
über ihr grundlegendes Tribal Projekt
"Neas Fundamentals"
von Marcel Bieger
- 2 -
weiter...

"WENN ICH KEINE SPANNUNG IM KÖRPER HABE, WIE KANN ICH DANN SPANNUNG BEIM ZUSCHAUER ERZEUGEN?"


Fortsetzung...
Und du bist angetreten, das zu verändern.

Weil überall und in Menge Tribal-Unterricht angeboten wird, hat Carolina von FCBD sich vor einiger Zeit gesagt, Tribal ist mein Baby, und das habe ich großgezogen, und nicht jede kann damit machen, was sie will. Deshalb bietet Carolina „General Skills“ an, also die Grundbewegungen, und „Teacher Training“, Lehrerinnen-Ausbildung, und das ist beides kein Zuckerschlecken. Und beides auch nicht billig. Aber danach hat man alles richtig drauf und ist auch in der Lage, nach dem FCBD-Format zu unterrichten. Und wenn man sich weiter ausbildet, darf man auch ein „Sister Studio“ aufmachen, das heißt, FCBD angeschlossen. Aber dann muß man auch streng nach den Richtlinien unterrichten, oder das, was man tut, ganz klar davon trennen.

Hast du eine abgeschlossene FCBD-Ausbildung?

Nein, noch nicht, ich bin noch am lernen. Martha Saunders wird in Deutschland die erste mit einer abgeschlossenen Ausbildung sein. Nach der Geburt ihres Babies wird sie jetzt die Lehrerinnen-Ausbildung machen. Ihre Kurse sind immer schnell ausgebucht, weil sie die auch nicht so oft im Jahr abhält. Wenn Martha 2010 zur World of Orient kommt, wird sie die erste in Deutschland mit einem entsprechenden Zertifikat sein. Und sie macht zusätzlich „Privat-Coachings“ mit Carolina, läßt sich also von ihr im Einzelunterricht fortbilden. Das kostet sie eine Menge Geld, es steckt also von ihrer Seite viel Herzblut darin. Deswegen verstehe ich es auch nicht, warum in Deutschland so viele Frauen ATS-Workshops nach FCBD, oder im Stile von FCBD oder inspiriert von FCBD anbieten, die keinen blauen Dunst davon haben, sondern nur zuhause mit einer DVD arbeiten. Von einer DVD kann man aber nicht lernen – man kann sie sich anschauen und die eine oder andere Idee davon bekommen. Aber bloß vom Anschauen einer DVD lernt man noch kein Tanzen. Da sind einfach viel zu viele Fehler möglich, die man einbauen kann und die dann einen riesengroßen Unterschied machen – vor allem in dem, wie es rüberkommt. Letztes Wochenende habe ich das auch wieder sehr schön feststellen können. Es geht halt einfach nichts über den direkten Unterricht.

Martha und Gabriella auf dem Tribal-Festival 2009 in Hannover
Wie lange machen Fat Chance Belly Dance das schon mit den Zertifikaten?

Seit drei oder vier Jahren, aber noch nicht länger. Carolina hat das auch erst gemacht, als ATS-Unterricht wie eben beschrieben überall aus dem Boden geschossen ist. Da hat sie gesagt, Moment mal, Leute, das ist meins, das ist mein Format, und darum werden wir das jetzt zertifizieren. Kajira von Black Sheep Belly Dance macht es und da haben wir jetzt in Deutschland die ersten neun Lehrerinnen mit Level1, ich bin eine davon (lächelt). Paulette Rees-Denis von Gypsy Caravan macht etwas Ähnliches, usw. Und im deutschsprachigen Raum schießen sie auch schon wie Pilze aus dem Boden. Überall gibt’s plötzlich Zertifikate und dergleichen, und mit all denen kann man die Wand tapezieren, denn sie sagen nichts darüber aus, wofür man sich eigentlich qualifiziert hat. Es fängt bei den Basisbewegungen an. Das habe ich bei Martha in den WS gesehen, wo ich assistieren durfte, und bei allen anderen auch. Und das sehe ich auch jedes Jahr bei mir in den Workshops. Wenn wir ausschreiben „Für Anfänger“, kommt kein Mensch, weil jede denkt, sie kann’s. Sie wissen, wie die Bewegungen aussehen, aber kaum eine  hat wirklich die Ahnung, wie die Bewegung richtig getanzt wird. Jedes Mal erlebt man das wieder. Die jeweilige Dozentin muß jedes Mal wieder ganz von vorn anfangen und findet nichts vor, worauf sie aufbauen kann. Sie kann keine schnellen Wechsel machen, wenn die Damen einfach ihren Hintern nicht schnell genug herum kriegen – weil sie die Statik nicht haben, weil sie die Haltung nicht haben. Das ist immer wieder das gleiche, und jedes Mal wieder bekommt man zu hören, „kenn ich doch schon alles“. Die Begriffe, und wie die Bewegungen aussehen, das kennt natürlich jede. Aber wenn ich etwas kenne, heißt das noch lange nicht, daß ich das auch kann.

Welchen Stellenwert hat denn Tanz-Deutschland in der Tanz-Welt?

Ich würde mal sagen, Deutschland ist noch ein ganz kleines Licht, also noch ziemlich unwichtig. Von den Nachbarländern ist auch nicht viel zu vermelden. Aus Holland kommt langsam etwas. Großbritannien braucht ziemlich lange, bis man dort etwas umgesetzt hat, und so richtig ehrgeizig sind sie dort auch nicht. Dänemark ist im Kommen, in Schweden tut sich auch ein bißchen was. Wenn man also den EU-Rahmen nimmt, steht Deutschland sicherlich am stärksten da. Nur gegen die USA sind wir noch ein verschwindend kleines Licht. Aber ich arbeite dran …

Genau, 2010!

(Lacht) 2010 werde ich im kalifornischen Sebastopol die Flagge Deutschlands hochhalten.

Kajira (Black Sheep Belly Dance)
und Gabriella
Paulette Rees-Denis (Gypsy Caravan) und Gabriella
zurück...
Foto (c) Arno Werner
Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet, (c) Gabriele Keiner