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Interview mit Gabriella von Nea's Tribal
über ihr grundlegendes Tribal Projekt
"Neas Fundamentals"
von Marcel Bieger
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"WENN ICH KEINE SPANNUNG IM KÖRPER HABE, WIE KANN ICH DANN SPANNUNG BEIM ZUSCHAUER ERZEUGEN?"


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Was willst Du mit Deinem Projekt erreichen?

Ich bin vor einiger Zeit gefragt worden, genauer gesagt von Helena Lehmann, ob ich nicht auch Zertifikate ausstellen wolle. Zuerst habe ich gesagt, du bist bekloppt, ich bin nicht berechtigt, ein Zeugnis auszustellen. Darauf Helena, wenn du es nicht machst, machen es andere. Und da hat sie recht. Denn wenig später schossen sie nur so aus dem Boden, hier gab es Zeugnisse und dort gab es Briefe. Aber wenn man die sich mal genauer angesehen hat, so haben die eigentlich nichts ausgesagt. Letztes Jahr hat mich dann noch jemand gefragt, ob ich das nicht auch mal machen wollte. Und selbst da noch habe ich gesagt, nee, dazu fühle ich mich nicht zu befähigt. Einige Monate später habe ich dann Zertifikate gesehen, die von Tänzerinnen ausgestellt worden waren, von denen ich wußte, daß sie nicht die große Ahnung haben. Mir taten die Frauen nur leid, die dahin gegangen sind, die haben viel Geld dorthin getragen und dafür nichts erworben, womit sie etwas anfangen können. Und international zählt so ein Zettel schon mal gar nichts. Irgendwann habe ich mir dann gedacht: Mann, die Helena hatte ja irgendwie recht. Das solltest du wirklich mal anpacken. Dann war ich eine Woche bei Maja in Berlin, habe mit ihr darüber erzählt, und sie hat gesagt, wenn du das machen willst, dann machste das auch. Und dann habe ich, ohne lange nachzudenken, gesagt, gut, dann mache ich es. Obwohl ich schon vieles davon vorher im Kopf drin hatte, wie es aussehen sollte – nämlich genau das zu zeigen, wie Neas Tribal tanzt, und wie es oft abgekupfert worden ist, ohne daß die Betreffenden genau gewußt haben, was sie da tun oder was dahinter steckt. Was wir als Neas Tribal machen, ist zu einem großen Teil ATS FCBD. Wir tanzen also kein hundertprozentig reines FCBD, aber die Grundlagen stammen davon. Ein guter Schuß Gypsy Caravan ist auch noch drin, und dann haben wir uns natürlich das eine oder andere von den vielen Dozenten abgeguckt, die wir hier hatten. Und eigenes von mir ist da drin, weil ich mir das eine oder andere Mal gesagt habe, ich will das aber nicht nur auf der linken, sondern auch auf der rechten Seite machen. Ich will mit meinen Mittänzerinnen zusammentanzen und nicht nur nach vorne ausgerichtet fürs Publikum, wie das allzu viele andere Gruppen tun. Sondern zusammen mit der Gruppe. Ich möchte, daß das Publikum merkt, da passiert was innerhalb der Gruppe. Das habe ich alles in „Neas Fundamentals“ zusammengepackt. Bevor ich dieses Projekt dann ausgeschrieben habe, habe ich das mit Neas Tribal besprochen und diskutiert und sie gefragt, ob sie damit einverstanden sind. Denn da steckt unser Name mit drin, geht das für euch in Ordnung. Die Mädels fanden das gut und haben sich dafür ausgesprochen. Dann erst habe ich die  Ausschreibung aufgesetzt.

        Ein „Neas Fundamantals“-Kurs geht über sechs Wochenenden. Die ersten vier beinhalten verschiedene Bewegungen, Formation, Musik und Kostüme, und die beiden letzten sind speziell für Frauen gedacht, die dieses Format unterrichten wollen. Und da werde ich sehr genau hinsehen. Zum Beispiel bekommt die kein Zertifikat, bei der ich sehen muß, dass sie es nicht verstanden hat, daß sie es nicht umsetzen und deswegen auch nicht unterrichten kann. Im Gegensatz zu anderen Aus- oder Fortbildungen  bekommt bei mir nicht jeder automatisch ein Zertifikat, der sich einschreibt. Mir geht es nicht darum, bloß keine Kundinnen zu verprellen.

Das hast du auch nicht nötig.

Das klingt vielleicht arrogant, ist es aber nicht. „Neas Fundamentals“ ist mein Baby, und ich wünsche, daß damit richtig umgegangen wird. Ich möchte, daß die Leute das verstehen, was sie beigebracht bekommen. An den zwei Lehrerinnen-Wochenenden werde ich die Frauen bewußt mit Fehlern konfrontierten, um festzustellen, ob sie die erkennen, ob sie damit umgehen können. Wie sie eine Bewegung erklären, ob sie die begriffen haben, ob sie wissen, wo Fehler entstehen können, sowohl in der Bewegung als auch als Gefahr für die Gesundheit. Das ist der Anfang, und über die Jahre kann das ausgebaut werden. Aber das, was ich jetzt gerade erklärt habe, wird das Jahr 2010 bestimmen.

Wann geht es los?

Im Januar bei Maja in Berlin. Das erste halbe Jahr läuft das also in Berlin ab, dann im Sommer hier in Dillenburg, und noch etwas später bei Sylvia Sophia im österreichischen Linz.

Maja und Gabriella: "bald geht es los!"

Gabriellas Projekt "Neas Fundamentals" startet im Januar 2010 in Berlin in Majas Dance Academy

www.studio-maja.de

Wird es danach so etwas wie eine Show geben, damit die Leute sehen können, was man bei dir gelernt hat?

Nee, ich bin nicht Jom Dance. Nein, im Ernst, man kann das nicht vergleichen mit anderen Einrichtungen. Mir geht es einfach nur um das Tribal-Projekt und nicht um Profilierung und ähnliches. Wenn es mal eine Show ergeben sollte, meinetwegen, aber nicht von mir in die Wege geleitet oder gewünscht.

Du stellst aber ein Zeugnis, einen Brief aus, das was man auf Denglisch heute Zertifikat nennt.

Nach den vier Wochenenden bekommen die Mädels ein Teilnehmer-Zertifikat, was nur aussagt, daß sie teilgenommen haben. Die Lehrerinnen bekommen ein anderes Zeugnis, nämlich daß sie die Befähigung erworben haben, so zu unterrichten, wie es in meinen Augen richtig ist.

Aber auch eine Teilnahmebescheinigung an Deinem Projekt ist doch schon eine Auszeichnung, gegenüber anderen „Schulen“.  Doch lediglich zwei Wochenenden für zukünftige Lehrerinnen hört sich für mich als Laien ein bißchen wenig an.

Ich sehe ja, was sie können und wie sie sich anstellen. Außerdem erkläre ich von Anfang an, daß es sich dabei nur um ein Anfangs-Modul handelt. Daß man darauf aufbauen sollte. Natürlich können die Mädels nach zwei Wochenenden noch nicht alles, was ich kann. Es wäre ja auch schön blöd von mir, das zu versuchen – ich habe ja selbst zehn Jahre gebraucht, um so weit zu kommen.

Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet, (c) Gabriele Keiner