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Interview mit Gabriella von Nea's Tribal
über ihr grundlegendes Tribal Projekt
"Neas Fundamentals"
von Marcel Bieger
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"WENN ICH KEINE SPANNUNG IM KÖRPER HABE, WIE KANN ICH DANN SPANNUNG BEIM ZUSCHAUER ERZEUGEN?"


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Wie geht es danach weiter?

Dann werde ich erst einmal ein Resumee ziehen, ob meine Absolventinnen das Programm so angenommen haben, wie ich mir das vorstelle, und wo noch etwas verbessert werden könnte. Während des Unterrichts sehe ich ja, wie das von den Frauen umgesetzt und aufgenommen wird, und wie sie damit arbeiten. Ich würde wirklich gern sehen, wie die angehenden Lehrerinnen in einer Klasse unterrichten. Ich will sie ja nicht halbfertig auf die Menschheit loslassen. Deswegen werden sie von mir vor Aufgaben gestellt, vor Situationen, mit denen sie im Unterricht konfrontiert werden. Denn später ist keine Gabriella mehr da, die im Notfall mal schnell einspringen kann. Und wenn sie grobe Fehler machen, stehen sie damit dann allein da.

Was ist das Ziel dieses Projekts, was soll Ende dabei herauskommen?

Wir haben als Neas Tribal nie reines ATS getanzt, und dennoch hat man sich das bei uns abgeschaut und nachgemacht – schlecht nachgemacht. Ganz viele Kopien von uns liefen und laufen auf Mittelaltermärkten herum. Ich möchte einfach, daß Frauen die Gelegenheit erhalten – genau wie in den USA -, den allgemein gültigen Tanz zu erlernen. Wenn man ATS nach FCBD gelernt hat, kann man überall auf der Welt ATS tanzen – insofern man sich an die Cues von FCBD hält, insofern man sich an die Regeln hält. Wenn man das nicht macht und sich nur an seinen eigenen Dialekt, an seine eigenen Cues hält, wo ist denn dann der Sinn von Tribal geblieben? Deswegen wäre es schön, wenn es so etwas in Deutschland auch gäbe. Ja, in dieser Richtung möchte ich tätig werden. Man darf das alles ja etwas miteinander verschmelzen, so wie das Neas Tribal tut.

Aber es sollte Hand und Fuß haben und auf einer soliden Basis stehen. Wir sind nicht ganz unbekannt und nicht ganz ohne Grund nicht unbekannt. Bei meinem Projekt sind die Cues von FCBD drin, da finden sich die Sachen von Gypsy Caravan, und viele von unseren eigenen. In meinem Projekt lernt man auch, wie man das sinnvoll auf Mittelaltermärkten umsetzen kann – FCBD ist mittlerweile fast nur auf die Bühne ausgerichtet. Deutsche Tänzerinnen gehen viel mehr auf Mittelaltermärkte, doch viele FCBD-Bewegungen greifen dort nicht, die kann man nicht als Tanzmädchen auf der Straße tanzen. Mein Wunsch ist, daß Frauen sich in irgendeiner Stadt auf irgendeinem Mittelaltermarkt oder sonstwo treffen und sofort miteinander tanzen können, weil sie alle dieselben Cues und so weiter gelernt haben. Wie soll das funktionieren, wenn jede nur ihren eigenen Dialekt spricht. Wenn mein Wunsch in 15 oder 20 Jahren in Erfüllung gegangen ist, dann kann ich mich beruhigt zurücklehnen und sagen, ja, es hat geklappt.

Neas Tribal mit Dozentinnen
Wie hoch schätzt du das Potential hier in Deutschland ein?

Bei Frauen, die mitmachen und es schaffen wollen, schätze ich das Potential ziemlich hoch ein. Das natürlich in Relation zu der Zahl derer, die sich anmelden. Denn da glaube ich erstmal nicht an eine hohe Prozentzahl. Im Gegensatz zu amerikanischen Frauen kriegen die deutschen nämlich nicht gleich ihren Hintern hoch, wenn es darum geht, etwas zu lernen. Die deutschen Frauen sind etwas faul  und nicht so sehr kritikfähig …

Andere Nationalitäten auch …

Die Engländerinnen sind noch fauler (beide lachen). Die Amerikaner sind es eben gewohnt zu arbeiten. Dort in einem WS wird sich nicht erst hingesetzt und geguckt, etwas mitgeschrieben und vor allem mitgefilmt, sondern da wird gleich gearbeitet.  Bei uns Deutschen hingegen, da steckt oft Schlendrian drin.

"...nur kein Schlendrian... - die Amerikanerinnen sind es gewohnt zu arbeiten..."
Gabriella und ihre US-Gaststars Tempest und Sashi
Gabi und Geneva Bybee
Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet, (c) Gabriele Keiner