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Fotos: 1, 5 © China Championdance 2009/2010; 2 © Konstanze Winkler; 3, 4 © Andrè Elbing
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Interview mit dem chinesischen Bauchtanz-Superstar
Guo Wei

von Marcel Bieger

Dolmetscherin: Yingchun Ding

Wer in Sachen Bauchtanz in China unterwegs war, kennt seitdem den Namen Guo Wei. Der in seiner Heimat als Superstar geltende Tänzer verknüpft auf faszinierende Weise traditionelle chinesische mit Orientalischen Tänzen und erschafft damit eine Kunstform, bei der die Zuschauer in andächtiges Schweigen fallen. Er hat zwei Tanzschulen (Peking und Shanghai) mit je 1000  eingeschriebenen Schülern.
In diesem Jahr tritt er zum dritten Mal in Folge bei Leyla und Roland Jouvans Orientalischem Festival auf, sitzt zum wiederholten Male beim Contest in der Jury und gibt wie gewohnt seine Workshops mit neuen Feinheiten aus dem Land der Mitte. Diesmal können wir sogar seine Tribal-Fusion-Künste bewundern. Man darf wirklich gespannt sein …

Im Chinesischen steht der Nachname am Anfang, und es entspricht der chinesischen Höflichkeit, einen Namen stets mit Anrede zu gebrauchen. Deswegen sagt die Dolmetscherin „Herr Guo“. Übrigens ist Herr Yao nicht nur sein Manager, sondern auch sein Vetter.

 An dieser Stelle noch einmal mein tiefer Dank an Yingchun Ding für ihre tollen Dolmetscher-Dienste.

Interview in der Garderobe: Marcel Bieger, Guo Wei und Yingchun Ding
Wir haben dich in der Show in mehreren Auftritten gesehen, mit Bändern, mit Tüchern, allein und mit Tänzerinnen, und wir haben viel Ungewöhnliches gesehen. Wo kommen diese Tänze her?

Die langen Seidenbänder stammen aus China, und der dazugehörige Tanz ist sehr alt und hat eine lange Tradition. Er reicht über 2000 Jahre zurück. Genauer gesagt ein Tanz aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) und der späteren Tang-Dynastie (618-907 n. Chr,), den man bei Hof dem Kaiser vorgeführt hat.  Es gab damals eigens ausgebildete Tänzerinnen, die nur für den Kaiser aufgetreten sind.  In jenen Zeiten waren auch männliche Tänzer im Einsatz, die haben aber anders getanzt als die Frauen. Sie hatten zum Beispiel längere Ärmel. Die länglichen Tücher, die wir gesehen haben, waren hingegen nur für Frauen vorgesehen. Bei der Aufführung wollte Herr Guo zeigen, wie schön die Seidentücher-Tänze sind.
Guo Wei und sein Ensemble mit einem Seidentücher-Tanz
Warum nur aus der Han- und der Tang-Dynastie, es gibt doch noch andere Dynastien in China?

Die verschiedenen Dynastien hatten meist eigene Hauptstädte. China ist groß, und wenn ein Haus aus dem Norden die Herrschaft übernahm, wurde eine Hauptstadt im Norden erwählt, wenn eines aus dem Süden an die Macht kam, gab es eine Hauptstadt im Süden. Han und Tang saßen aber in derselben Region, in Hunan. Und bei Hof wurden dann gern die vorherrschenden Tänze der jeweiligen Region aufgeführt und dem Kaiser zur Zerstreuung getanzt.

Wenn China über eine so reiche und alte Tanzkultur verfügt, warum hat Herr Guo sich dann dem Bauchtanz zugewendet?

In ganz Ostasien sind Bauchtanz und überhaupt Orientalische Tänze zur Zeit sehr angesagt. Herr Guo interessiert sich aber auch für andere Tänze und ist immer bestrebt, diese mit Elementen von alten chinesischen Tänzen zu vermischen und zusammenzubringen. Seine Art des Fusion. So waren in seinen Tänzen auf dem Orient. Festival Europas auch ganz viele chinesische Elemente enthalten. Sino Style, nennt sich der von Guo entwickelte Fusion Stil, welchen er bereits in  USA, Mexico, Ägypten, Korea, China und in Deutschland mit großem Erfolg gezeigt hat.

Wie ist Herr Guo zum  Bauchtanz gekommen?

Eher durch Zufall. Ein französischer Freund von ihm hat in Peking eine Party veranstaltet. Dazu waren auch türkische Tänzerinnen eingeladen, und die haben Bauchtänze aufgeführt. Die fremdartigen Bewegungen haben Herrn Guo sofort fasziniert. Bauchtanz gab es nämlich zu jenem Zeitpunkt noch nicht in China. Das wollte er dann lernen und hat sich überlegt, so etwas in seiner Heimat einzuführen und den Chinesen Bauchtanz zu zeigen. Die türkischen Tänzerinnen waren aber keine Lehrerinnen, und deswegen hat er sich viel selbst beigebracht und ist nach Ägypten und USA gereist, um dort zu lernen. Er lernt immer noch und besucht WS, denn Tanzkunst bleibt niemals stehen, sondern entwickelt sich immer weiter.  Auch lässt er sich gern von anderen Künstlern und Shows inspirieren. Das ist ihm sehr wichtig, denn man kann nie sagen, daß man fertig ist oder alles kann.

Guo Wei beim letztjährigen Orient. Festival Europas in Duisburg
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ZERSTREUUNG FÜR DEN KAISER