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Photos © 3, 5 und 6 Stelian Sescu
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Leider stand die zweitplatzierte Gruppe,
„Mikado Dance Academy“, nach dem Festival nicht für ein Interview zur Verfügung. Wir haben uns daher an den 3. Platz gewandt, den Najah Tribe, den Hermina Mayer, eine der beiden Festival-Organisatoren, gegründet hat.
"IN UNSEREM INNERN WARTET
EIN GANZES UNIVERSUM"

Interview mit Hermina Mayer vom Najah Tribe

- Von Marcel Bieger;
Deutsch von Marcel Bieger

Hermina, stell dich bitte vor: 

Ich heiße Hermina Mayer und bin Tanzlehrerin, Choreographin, eine der Tribal- und Tribal Fusion-Pionierinnen Rumäniens und eine der Organisatorinnen des „Tribal Fest Bucharest“.
Für mich war bereits als Kind der Tanz so natürlich wie atmen, und es stand schon früh fest, daß ich Tänzerin werden würde. Aber statt dessen bin ich in einem Büro gelandet, habe dort acht Jahre gearbeitet und darunter all meine Hoffnungen und Träume begraben. Aber ich habe in einem Chor mitgesungen, und das hat mich zehn Jahre über alles hinweggetröstet. Was ich dort erlebt habe, möchte ich nicht missen, und die dortigen Erfahrungen haben sich später für mich als nützlich erwiesen. Mit 27 habe ich Tai Chi begonnen, weil die lange Sitzerei im Büro bei mir Rückenprobleme ausgelöst hat. Fünf Jahre lang habe ich diese chinesischen Übungen und Tänze betrieben und wußte nicht, was noch auf mich zukommen würde. Bis ich dann eines Tages einen Auftritt von Rachel Brice zusammen mit den „Bellydance Superstars“ gesehen habe, und von da an war es um mich geschehen.
Sommers 2010 wollte ich eigentlich nach China, habe den Urlaub aber nicht genehmigt bekommen. Da habe ich mir gedacht, bildest du dich eben in Sachen Tribal weiter. Der hat nämlich immer noch in meinen Gedanken herumgespukt.
So bin ich zum Tribal Umrah Festival geraten, kam mir dort wie im Märchenland vor und hatte Gelegenheit, bei so unglaublichen Lehrerinnen Unterricht zu nehmen wie Jill Parker, Sera Solstice, Sherry Wheatley, Colleena Shakti, Manca Pavli, Morgana und vielen anderen, denen allen ich bis auf den heutigen Tag dankbar sind. Diese beeindruckenden Frauen, diese Göttinnen, diese unglaublichen Künstlerinnen haben mir nicht nur Mut gemacht, sondern auch Flügel verliehen.
Nach einiger Zeit habe ich den Büro-Job gekündigt, mich zur Tribal-Lehrerin ausbilden lassen und meine ersten tastenden Schritte unternommen, Tribal Fusion in Rumänien populär zu machen. Doch niemand wollte mir eine Chance geben, nicht einmal ich mir selbst. Ich fürchtete schon, ich hätte mich zu spät fürs Tanzen entschieden und mit meinem Talent sei es auch nicht
mehr weit her.

Aber dann kommt ein magischer Moment, in dem die Zeit stillsteht und einen ein Hauch streift, der dich bis in den Kern deiner Zellen berührt: äußerlich eine einfache Handbewegung, ein Augenaufschlag, eine Hüftdrehung nur. Und man stellt fest, daß in unserem Innern ein ganzes Universum darauf wartet, entdeckt zu werden. Und dazu ist es nie zu spät.

Im Sommer 2012 bin ich zu einem Tanzabend eingeladen worden, um dort aufzutreten. Und so bin ich Andreea über den Weg gelaufen, die acht Jahre in den USA verbracht hat, ehe sie in ihre Heimat Rumänien zurückgekehrt ist. Wir haben dann selbst Tanzabende veranstaltet und dort Tribal- und Tribal Fusion-Nummern aufgeführt. Und wir sind zu anderen gegangen, um dort ebenfalls unseren Tanz zu propagieren.

Eines Tages hatte Andreea dann die kühne Idee, das Tribal Fest Bukarest ins Leben zu rufen. Zuerst bin ich davor zurückgeschreckt, aber ihr Mut und ihre Entschlossenheit haben auf mich abgefärbt, und plötzlich schien alles möglich zu sein.

Ein solches Festival erschien uns als ideale Möglichkeit, unsere Szene wachsen und gedeihen zu lassen und von ausländischen Lehrern zu lernen, die dann ja auch in Gestalt von Ashley Lopez, Manca Pavli und Tjarda van Straaten gekommen sind.
Erzähl uns doch bitte aus deiner Sicht von eurem Festival. 

Dieses Festival hat einen Traum wahr werden lassen. Seit ich ins Ausland gefahren bin und dort an Festivals teilgenommen habe, habe ich mir gewünscht, daß wir in Rumänien auch einmal so etwas hätten.

Ich hatte das große Glück, mit Andreea Bonea zusammen-arbeiten zu können. Sie hat volles Vertrauen in ihre Mitarbeiter, und deshalb hatten wir auch viele wunderbare Helfer, die das ganze Festival hindurch mit Feuereifer bei der Sache waren. Andreea ist eine ausgezeichnete Organisatorin mit einem sehr wachen Geist. Wenn eine von uns eine gute Idee hatte, hat Andreea sich sofort daran gemacht, die in die Tat umzusetzen, ohne sich in langen Bedenken zu verlieren.

Die drei Tage unseres ersten Festivals sind wie in einem Rausch an mir

vorübergezogen. Ich war wie verzaubert von den begeisterten Reaktionen unserer ausländischen Gäste, und es war wirklich interessant, Bukarest und die Veranstaltung selbst durch ihre Augen zu sehen. Das hat meine Batterien aufgeladen und mich für die zweite Ausgabe des Festivals motiviert, die langsam Gestalt annimmt.
Dein Stamm, der „Najah Tribe“, ist beim Wettbewerb auf dem dritten Platz gelandet.

Es macht mich glücklich, zusammen mit meinen Schülerinnen zu tanzen und sie dazu zu bewegen, vor Publikum aufzutreten und sich dort so zu zeigen, wie sie sind, trotz allem Lampenfiebers und trotz aller Befürchtungen, wie das Publikum wohl darauf reagieren mag. Für den „Najah Tribe“ ist der Tanz mehr als nur einfach Spaßhaben, für sie ist der Tanz Lebensart. Unsere Tanzleidenschaft erhöht unsere Lebensqualität und gibt uns so viel. Deswegen bin ich auch stolz und glücklich zugleich, daß unsere Arbeit anerkannt und belohnt worden ist. Der „Najah Tribe besteht aus Viviana Bravescu, Dina Andreea und mir. Vor drei Jahren habe ich das Projekt „Najah Tribe“ ins Leben gerufen, auch dies in meinem Bemühen, Tribal und Tribal Fusion in Rumänien zu verbreiten. Najah bedeutet im Arabischen Erfolg, aber man kennt das Wort auch im Griechischen und steht für die Najaden, die Wassernymphen. So könnte man uns auch als den Erfolgreichen Stamm der Wassernymphen bezeichnen.  

Der Stamm setzt sich zu jedem Auftritt aus anderen Mitgliedern zusammen. Das hängt davon ab, welche meiner Schülerinnen dann gerade Zeit haben und das neue Stück einstudieren können. Unsere Nummern sind alle choreographiert, selbst die ATS-Stücke, weil uns das die Möglichkeit gibt, unsere Technik zu verbessern, eine Geschichte zu erzählen, uns auf die jeweilige Bühne einzustellen und an unseren Bewegungen zu arbeiten.Ich choreographiere gern, weil ich dann voller Faszination verfolgen kann, wie unsere Erfahrungen, unsere Träume und unsere Gefühle in die Bewegungen einfließen. Und man kann so besser dem Publikum unsere Geschichte nahebringen und dafür sorgen, daß sie noch lange in ihrer Erinnerung und in ihrer Seele lebendig bleibt.
Eine letzte Bemerkung noch, da unsere Homepage
www.najahtribe.wordpress.com
in Rumänisch abgefaßt ist, werden ausländische Leser wahrscheinlich etwas Mühe mit ihr haben.

Denen sei unsere facebook Seite empfohlen:
www.facebook.com/NajahTribe
Najah-Tribe
Das Video der Drittplatzierten bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=3Vg2O-jJsv0
Hermina und Andreea Bonea
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