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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: BDSS kommen wieder nach Europa, und auch nach Deutschland, zur Club Bellydance Tour (weil halt nicht alle dabei sind, deswegen diese Verkleinerungsform, obwohl sich das doch auch gut anhört). BDSS, die neue Generation, schicken sechs ihrer besten nach Nürnberg, Ulm und Köln (s. Tourneeplan in dieser Zeitung), und unter ihnen befindet sich auch eine Deutsche, Inka Strobl aus Nürnberg, Tochter von Yamuna, ebenfalls Tänzerin.
Inka erzählt uns ihre ganze Geschichte, von der wir hier einen Auszug bringen (das vollständige Interview erscheint voraussichtlich in der kommenden Ausgabe von „Halima“, Juli 2012, und lasst euch gesagt sein, es lohnt sich!) Inka berichtet unten, wie sie zu den BDSS gelangt ist, was sie mit ihnen erlebt und warum es so unbeschreiblich toll ist, mit ihnen auf Tournee zu gehen und dazuzugehören. Wenn ihr sie seht, sprecht sie an, Inka ist nicht nur sehr klug, sondern auch sehr freundlich, und sie hat Humor.

        Zur Vorgeschichte. Wir haben vorher erfahren, daß Inka der Liebe wegen nach Kanada gegangen ist und sich dort eine Existenz als Tänzerin aufbaut. Und von dort ist es dann nur noch ein kleiner Schritt …

MILES RUFT AN: WIR HÄTTEN DA NE SHOW, HASTE ZEIT?

Interview mit Inka,
dem einzigen deutschen Mitglied bei den BDSS

von Marcel Bieger

Jetzt warst du also schon in Kanada, aber wie bist du von dort zu BDSS gekommen?

Oh, das lässt sich kurz und knapp erzählen: Ich bin nach Kalifornien zu einer „Audition“ geflogen, habe dort vorgetanzt und bin angenommen worden. Zwei Monate später kam dann die Anfrage, ob ich nach Japan mitfahren wolle. Und da habe ich natürlich zugesagt. Aber du willst es sicher etwas ausführlicher haben (lacht). Also, ich habe die Bellydance Superstars schon immer mit  verfolgen können, da wir bei uns im Studio in Erlangen sofort viele Fans hatten, als sie 2007 bekannt wurden. Als ich dann in Kanada war, habe ich mir immer wieder gedacht, Mensch, jetzt bist du schon auf der anderen Seite des großen Teichs, da könntest du doch auch mal dein Glück bei einer Audition versuchen. Im schlimmsten Fall wäre es ein kurzer Kalifornien-Urlaub geworden - warum nicht? Und dann hat sich alles auf ganz wunderbare Weise ergeben.

Inka Strobl
Ich hatte das Geld für die Reise, bin meiner inneren Stimme gefolgt und habe beim Vortanzen mitgemacht. Natürlich war bei mir auch viel Aufregung und Ungewissheit dabei, aber letztendlich ist alles wie im Flug und sehr positiv abgelaufen. Das war im März 2011, und im Mai kam dann die Japan-Tournee. Ich glaube, dass alles zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen ist.
Wie geht es bei den Auditions zu?

Zuerst werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt: „Cabaret“ (so nennt man in den USA klassischen OT) und Tribal. Es werden kurze Schrittfolgen gezeigt, die dann zuerst mit, anschließend ohne Lehrerin in kleinen Gruppen gezeigt werden. Miles Copeland, Sabah und andere BDSS- Tänzerinnen sind in der Jury, um sich ihr eigenes Bild zu machen. Es kommt darauf an, etwas schnell aufzunehmen und gleichzeitig Souveränität und Qualität an den Tag zu legen. Technik kommt natürlich auch mit ins Spiel. Besonders Drehungen durch den Raum sind wichtig. Wenn man es dann unter die drei Ersten geschafft hat, darf man dann ein kleines Solo aufführen. Ich kann mich erinnern, dass tolle Talente mit dabei waren.

da eher selten. Ich wohne in Kanada, viele der Tänzerinnen leben in Kalifornien oder sonstwo in den Staaten. Sabah zum Beispiel wohnt in Chicago.

Wenn Miles etwas Neues ausgeheckt hat, ruft er rund, ruft auch in Kanada an, und fragt: Wir hätten da ne Show, haste Zeit? (lacht). Manchmal kommt das sehr spontan, manchmal kann es aber auch schon ein halbes Jahr im voraus geplant sein. Wenn dann alles fix ist, ist Aktion angesagt. Umdisponieren, trainieren und dann ab nach wohin auch immer. Es schwingt immer ein schönes Gefühl mit: Ich bin dabei! Wenn wir dann touren, sind wir permanent zusammen, man muss sich schon aktiv isolieren, wenn man mal seine Zeit für sich haben möchte. Aber auch das ist möglich. Ich finde es toll, es entwickelt sich nämlich ein Familiengefühl. Man ist nie allein, tiefe Freundschaften entwickeln sich, interessante Gespräche mit „Gleichartigen“.

Und jetzt bist du bei den Bellydance Superstars, da möchte man doch gern wissen, was macht ihr da, außer ständig auf Tournee zu sein? Seid ihr auch sonst ständig zusammen?

Während der Tournee, ja. Was die Zeit zwischen den Tourneen angeht,
Wie oft gibt es denn ein neues Programm, oder wird für jede Tournee ein neues geschrieben?

Die Bombay Bollywood-Tour, die wir gerade in Spanien aufführen, enthält das gleiche zweieinhalbstündige Programm wie bei unserer Japan-Tournee im letzten Jahr. Die Club Bellydance Tour, mit der die BDSS auch schon in den USA unterwegs waren, beinhaltet ein ganz anderes Konzept. Der erste Teil wird von lokalen Tänzerinnen gezeigt, den zweiten Teil übernehmen sechs Tänzerinnen der Bellydance Superstars. Zwei Wochen Spanien mit Bombay Bollywood stehen an und dann 4 Wochen mit der Club Bellydance durch Europa. Für die Spanien-Tournee kommen wir einen Tag zum Proben im marokkanischen Casablanca zusammen. Bevor es im letzten Jahr nach Japan ging, hatten wir eine Woche zum Proben und Einstudieren, da war die Show aber auch ganz neu für mich. Der eine Tag in Casablanca ist nur zum Auffrischen gedacht. In der Regel bekommen wir zwei bis drei Trainingstage zum wieder Reinkommen und zum Umdisponieren. Bei der USA-Club-Bellydance-Tour war ich noch nicht dabei, und deswegen bekomme ich drei Tage, um mich darin einzufinden. Ich muss nur bei drei Gruppenstücken mittanzen, und ich hatte ausreichend Gelegenheit mir das alles vorher mittels DVD anzueignen. Um mich drauf einzuschwingen. Wir müssen also auch Hausaufgaben machen (lacht).

Hausaufgaben wird man nie los, was? (beide lachen)

Nee, aber die bei BDSS mache ich das gerne. Das ist schließlich meine Welt – tanzen, tanzen, tanzen! Ich empfinde das gar nicht als Hausaufgabe wie in der Schule, sondern eher als Möglichkeit, weiter zu lernen, neue Stile kennenzulernen, Fortschritte zu machen und zu wachsen.
Erzähle uns etwas über die Atmosphäre, die unter euch herrscht, zum Beispiel, wenn ihr im Tournee-Bus sitzt.

In Japan waren wir zuerst in Osaka, und sind dann mit dem Zug nach Tokio gefahren. Im Abteil haben wir fast nur Autogramme geschrieben, wie am Fließband, da blieb fast keine Zeit zum Tratschen, eher nur zum Lachen. Die Unterschriften haben sich nach dem 200. Mal zu irgendwelchen Kringeln verformt, bis selbst davon nur noch ein langgezogenes Häkchen übriggeblieben ist. Das war wirklich der Wahnsinn, zack-zack-zack. Anders in Dubai, wo ich einen Monat lang war und aufgetreten bin. Da hatten wir täglich einen Auftritt, und danach gab es immer das „Photo Shooting“, da wollten sich alle mit uns zusammen fotografieren lassen.

Ich zentriere mich am besten mit Joga. Es tut mir gut, mich auf mich selbst zu besinnen, bevor ich auf der Bühne voll aus mir hinausgehe. Ein paar Minuten ganz für mich allein ist das Beste, um mich auf die nächste Show vorzubereiten.

Und dann ganz wichtig – unser Ritual. Wir bilden entweder hinter oder auf der Bühne einen Kreis, und Meera, unsere Inderin im Bunde, sagt ein indisches Mantra auf. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, der Zuschauerraum füllt sich, der Zauber kommt näher, gleich ist es soweit. Die Verbindung der Gruppe untereinander finde ich sehr wichtig. Wir tauschen unsere Energie aus und bringen sie auf dieselbe Tonlage. Dann sind wir eine wirkliche Gruppe, eine tanzende Einheit.
Aber du wolltest wissen, wie es ist, wenn wir zusammen sind. Es ist wunderbar neben und zwischen so tollen Tänzerinnen zu sitzen. Man ist endlich unter seinesgleichen. Im alltäglichen Leben kommt öfters mal die Frage „Was? Du tanzt? Kann man denn davon leben?“ Es ist daher sehr angenehm, mit Menschen zusammenzusein, in denen das gleiche Blut fließt, die das gleiche Leben führen wie man selbst und denen man nicht stundenlang erklären muss, warum man so tickt wie man tickt. Die einen sofort und genau verstehen. Natürlich sind wir bei BDSS alle unterschiedliche Menschen und Künstlerinnen, aber es ist dieses angenehme Gefühl von Gemeinsamkeit da. Verständnis.
Vor einer Show haben wir meist anderthalb bis zwei Stunden Zeit, uns herzurichten und zu stylen. Haare und Make-up, und wenn das alles sitzt, kommt das Aufwärmen dran. Joga, Dehnen, Joggen, Musik hören – jede, wie sie es braucht.
Die Einheit zwischen euch besteht aber auch darüber hinaus, oder?

Da wir auf Tournee fast permanent auf engem Raum zusammen sind, müssen wir einfach gut miteinander auskommen. Das, was sich entwickelt, ist ein Zusammen- gehörigkeitsgefühl. Eine Familie, ich kann es nicht besser beschreiben. Wir sind wie Schwestern untereinander, unsere Eltern sind auch mit dabei, wenn man das so sagen kann (lacht), Stevo unsere Mama, Miles der Vater und Sabah die große Schwester (lacht).

Tourneedaten
CLUB BELLYDANCE (für Deutschland)

mit den BDSS: 
Moria Chappell, Sabah, Stefanya, Petite Jamilla, Sabrina Fox und Inka!

10.5. Nürnberg, Tanzschule Yamuna, www.yamuna-tanz.de
15.5. Ulm, Tanzoase Ulm,
www.havva.de
16.5. Köln, Pfarrsaal St. Konrad,
www.shahrazad.de

weitere Infos zu den Shows und deren lokalen Stars
unter den oben aufgeführten Homepages.


Homepage CLUB BELLYDANCE: www.bellydancesuperstars.com
Homepage: www.inka-dance.com
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Photos: 1 und 4 © Sandra Löhe, 2, 3, 5 und 7 © Rainer Gutzmer, 6 © Pierre Filteau