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"WIR ALLE SIND EINANDER LEHRER"

Interview mit Kelsey Suedmeyer

- von Freddie Kaz
(Übersetzung Marcel Bieger)

Eine Idee mit Pfiff und ein neues Konzept:
Claudia Dufner, Veranstalterin des legendären „Oberrheinischen Tribal-Festivals“ (Black Forest Festival) ruft zwischen den Festivals die Tanzbegeisterten zu „Zwischendurch“-Veranstaltungen zusammen, den sogenannten
„In Betweens“. Da gibt es dann, wie jetzt beim ersten Mal, Intensiv-Wochenenden, eine Hafla und überhaupt fröhliches Beisammensein. Wir beobachten diese Entwicklung mit großem Interesse. Den Anfang macht die ATS®-Lehrerin Kelsey Suedmeyer, und mit der hat Deutschlands ATS®-Spezialistin Freddie Kaz sich unterhalten. Aber lest selbst …

Willkommen in Deutschland, Kelsey. Wir freuen uns, daß Du beim „Black Forest Tribal Festvial In Between“ (BFTFIB) Anfang Oktober einige ATS®-Workshops gibst. Kommst du zum ersten Mal nach Deutschland, und was erwartest du von deinem Aufenthalt hier?

Danke sehr. Ja, ich reise zum ersten Mal nach Deutschland. Aber Hand aufs Herz, ich habe gar keine Erwartungen. Da ich noch nie dort gewesen bin, hoffe ich auf viele tolle Erfahrungen und freue mich darauf, viele Menschen kennenzulernen. Und ich fühle mich bei euch sehr willkommen.
Mir kommt es beim Unterrichten vor allem darauf an, Spaß zu haben und die Schülerinnen auf ihrer Reise durch den Tanz zu geleiten. Ich bin eigentlich immer darauf vorbereitet, das einer Gruppe von Anfängern, Teilnehmerinnen mit mittleren Kenntnissen oder einer Mischung aus beiden beizubringen. Weil ich mich selbst gern weiterbilde, halte ich jede Station auf der Reise einer Tänzerin für wertvoll und für wichtig genug, genauer betrachtet zu werden. Und ich bemühe mich, anderen Tänzern das weiterzugeben, was ich selbst von Carolena (Nericcio-Bohlman), Gründerin von FCBD® und Erfinderin des ATS®) gelernt habe; denn ich weiß, daß ich damit niemals falsch liegen kann.
Welche Workshops unterrichtest du in Offenburg, und worauf kommt es dir im Unterricht besonders an?

Ich gebe zwei von den Kursen, die Claudia Dufner (die Veranstalterin) aus meiner Vorschlagsliste ausgesucht hat: "Refine Your Technique, The FCBD® Way!" („Verfeinere deine Technik nach Art des FCBD®”) und "Dancing as One: Transitions & Flock of Birds." (“Gemeinsam wie einer tanzen: Übergänge und Vogelschwärme”)  Über diese Workshops kann man mehr auf folgender Seite erfahren: https://www.facebook.com/events

Meine Mutter ist eine der seltenen gebürtigen San Francisco-Bewohner, also innerhalb der Stadtgrenzen geboren und aufgewachsen. Mein Vater hingegen stammt von den Philippinen (die Familie meiner Mutter stammt übrigens auch von dorther). Er kam mit vier Jahren in die Vereinigten Staaten und ist hier in der Gegend aufgewachsen, hauptsächlich in Daly City, dem Vorort, in dem auch Carolena lebt.

Ich habe zwei Brüder. Der ältere lebt auf Hawaii und arbeitet dort als Radio-Moderator. Seit zwanzig Jahren ist er nun schon dort, und deswegen könnte man sagen, daß Hawaii sein Zuhause ist. Man kennt ihn dort dank seiner täglichen Morgensendung, die er zusammen mit seiner Mitarbeiterin und Freundin, Ka’ea, ausstrahlt. Mein jüngerer Bruder arbeitet außerhalb von San Mateo (SF Bay Area) als Friseur in Shane’s Barbershop. Mit seiner Familie wohnt er im selben Stadtteil wie meine Eltern.

Ich war auf dem College, habe Tontechniker gelernt und mich auf Tonaufnahmen und Cutten spezialisiert. Damals wollte ich etwas mit Digitalen Medien machen. Die Arbeit hätte mir auch großen Spaß bereitet, aber nach dem College war es sehr schwer, eine passende Stelle zu finden. Seitdem ist die Tontechnik für mich immer mehr zum reinen Hobby geworden, während ich hauptsächlich tanze und nebenher für eine Organisation namens „Celebration of Being“ tätig bin. Die hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen dabei zu helfen, mit ihren Schwierigkeiten fertigzuwerden, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen und sie daran hindern, das Beste aus sich herauszuholen.

Ich habe immer gern Tennis gespielt. Auf der High School war ich in der Schulauswahl, und auch während meiner ganzen College-Zeit habe ich Tennis gespielt. Heute bin ich immer noch aktiv, um in Form zu bleiben und auch, weil es mir immer noch Spaß macht und mich fordert. Als mein Mann Aaron und ich in Brasilien waren, haben wir dort eine Sportart namens „Frescobol“ kennengelernt, das ist so ähnlich wie unser Strand-Tennis. Das hat uns so gut gefallen, daß wir während unseres Aufenthalts fast jeden Tag „Frescobol“ gespielt haben.

Erzähl uns doch etwas aus deinem Leben.

Ich bin in der San Franciso Bay Area (Großraum San Francisco) geboren worden und dort auch aufgewachsen. Genauer gesagt, im kalifornischen Hayward, einem der Vororte von SF; von dort fährt man etwa eine halbe Stunde bis in die Innenstadt. Meine Eltern leben immer noch in dem Haus, in dem ich großgeworden bin.

ATS® ist eigentlich der erste und einzige Tanz-Stil, den ich richtig gelernt habe. Als ich jünger war, habe ich natürlich gern auf Parties, Schulfesten oder mit meiner Clique in Diskotheken getanzt, aber nie eine Tanzschule oder etwas Ähnliches besucht. Ich fürchte, das hat mit einem Erlebnis in meiner frühen Jugend zu tun. Ich war damals so um die sechs Jahr alt, als im Fernsehen eine junge Frau gezeigt wurde, die Hip Hop getanzt hat. Ich war damals hin und weg. Sie war phantastisch, konnte so tolle Bewegungen, und sie war schön, und sie war unglaublich fit. Ich glaube, sie war sogar blond. Aber irgendwann habe ich mir in meinem sechsjährigen Kopf gesagt, „du siehst ja gar nicht aus wie sie, da kannst du auch keine Tänzerin werden.“ Eigenartig, nicht wahr, was ein Gehirn sich alles so zusammenreimt. Jedenfalls kam Tanz für mich erst einmal nicht in Frage.

Viele Jahre später, ich war schon auf dem College, habe ich mich aus reiner Neugierde in einen Bauchtanz-Kurs eingeschrieben. Ich habe Schlangenarme und noch einige mehr gelernt, und das war auch alles prima, aber da kam wieder dieser Gedanke hoch: “Du siehst nicht aus wie sie, deswegen ist das hier auch nichts für dich.” Und seitdem hatte ich mich in dem Kurs nicht mehr wohl gefühlt.

Hat diese merkwürdige Abneigung denn etwas damit zu tun gehabt, daß du es schließlich mit ATS® versucht hast?

Unbedingt! Als ich Anfang 2009 zum ersten Mal ins FCBD®-Studio gekommen bin, um dort meine erste ATS®-Stunde zu nehmen, hat dort gerade Anita Unterricht gegeben. Und als sie vor mir stand – mit dem langen Rock, dem Choli, dem ganzen Schmuck und den Tätowierungen – da wurde mir sofort klar, daß das hier ganz anders als alles war, was ich je mit Tanz erlebt hatte. Nach der Stunde war es dann um mich geschehen, und seitdem bin ich immer wieder hingegangen. Ich hatte meinen Tanz und meine künstlerische Heimat gefunden. Bis heute zählt für mich die Vielfältigkeit unter den ATS®-Tänzern zu den absoluten Pluspunkten. Die Frauen unterscheiden sich ebenso sehr von ihrer Figur her wie von ihrem Charakter.

Was genau hat dich denn dazu bewogen, ATS® nicht nur zu suchen, sondern ihn auch zu mögen und ihn richtig erlernen zu wollen?
 
Ich bin zu einem Zeitpunkt über das FCBD®-Studio gestolpert, als ich mehr über ein gesünderes Leben erfahren wollte, wie ich mich mehr um die Ausbildung meines Körpers, meines Geistes und meiner Seele kümmern könnte. Ich wollte aktiver werden, weil ich mich damals nicht viel bewegt habe. Die meiste Zeit fühlte ich mich schlapp, und das mußte dringend anders werden. Ich hatte irgendwo gelesen, daß der beste Weg, sich mehr zu bewegen, darin bestünde, eine Bewegungsart zu finden, die mir Spaß macht und auf die ich mich schon im vornherein freue. Außerdem führe man immer besser mit einer Bewegungsart, die zu einem paßt und die ich prima in meinen Tagesablauf integrieren kann. Der Bauchtanz spukte mir noch durch den Kopf, und ich beschloß, ihm noch eine Chance zu geben. Also habe ich bei Google nach Tanz-Schulen in meiner Nähe gesucht und dabei das FCBD®-Studio entdeckt, das nur ein paar Straßen weiter stand. Da hatte ich natürlich noch keine Ahnung, was für einen Glückstreffer ich gelandet hatte.

Was bedeutet dir persönlich ATS® und warum ist er für dich so anziehend und verlockend?

Für mich geht es beim ATS® vor allem um Verbindung. Um die Verbindung mit meinem inneren Selbst (und mich damit selbst wahrzunehmen), denn erst so stehe ich für die Verbindung mit anderen zur Verfügung. Das Gefühl, mit sich selbst im Einklang und gleichzeitig mit anderen

in Verbindung zu stehen, hat etwas Unwiderstehliches an sich. Wenn das passiert, glaubt man an Magie oder das Eingreifen einer höheren Macht.  Aber das ist keineswegs ein Privileg von wenigen Auserwählten, sondern steht jedem Erdenmenschen zu. So und nicht anders möchte ich alle Aspekte meines Lebens leben, und deswegen ist ATS® für mich ein wichtiger Schlüssel dazu … der auch noch Spaß macht (lacht).
Aus diesen Gründen tanze ich weiter und möchte ich all meine Erfahrungen und all mein Wissen weitergeben. Die Improvisation befähigt mich, meinem Geist Ruhe zu gönnen und auf meinen Körper zu hören, und der Tribal hält mich mit der Gemeinschaft in Verbindung.

Wann und wo hast du angefangen, ATS® zu unterrichten?

Mein Teacher Training-Diplom und die Sister Studio-Urkunde (beides Voraussetzungen für die ATS®-Lehrtätigkeit) habe ich im August 2014 in den Vereinigten Staaten erworben. Anfang 2015 habe ich mit meinem Ehemann eine einjährige Hochzeitsreise angetreten und in Brasilien, der ersten Station unserer Reise, mit dem Unterrichten begonnen. Ich habe in vier verschiedenen brasilianischen Städten Kurse, Klassenunterricht und Privatstunden gegeben. Seitdem ist Dublin in Irland hinzugekommen, und weiter geht es nach Bordeaux, Offenburg und Budapest.
Aber wenn man selbst unterrichtet, heißt das doch nicht, selbst nicht mehr
lernen zu müssen?
 
Ich glaube, darüber sind wir uns wohl alle einig, selber zu unterrichten, heißt ganz gewiß nicht, ausgelernt zu haben. Ich übe mich wöchentlich im ATS®, ob ich nun in einer Klasse physisch anwesend bin und Unterricht nehme, oder ob ich virtuell über eine Online-Klasse mit Carolena oder dem FCBD®-Studio verbunden bin. Auf Reisen besuche ich gern den Unterricht der Sister Studios in der Region, in der ich mich gerade aufhalte. Ganz gleich, ob sie Stufe 1 oder mehr haben, ich bin dabei. Bloß weil ich unterwegs bin, um woanders selbst zu unterrichten, heißt das doch noch lange nicht, daß ich mir das Lernen sparen kann. Wir alle sind einander Lehrer, und wir alle können voneinander lernen. Davon abgesehen hilft es mir doch, meinen eigenen Stil zu verfeinern und zu verbessern, wenn ich mit anderen Unterrichtsmethoden in Kontakt komme.
Wir sind hier weit fort vom „Mutterschiff“ (Carolena und das FCBD®-Studio in San Francisco). Welchen Wert hat es deiner Erfahrung nach, direkt an der Quelle zu lernen, und welchen Rat kannst du Tänzern geben, die es sich nicht leisten können, in San Francisco Unterricht zu nehmen.

Mein bester Rat besteht darin, mit Carolena in Verbindung zu bleiben. Sie freut sich über jeden einzelnen, von dem sie hört. Nehmt doch über Skype Unterricht bei ihr oder anderen Lehrern, um euch fortzubilden und fortzuentwickeln. Und wenn euch das auch noch zu teuer ist, empfehle ich, euch in die PowHow Online Class Library einzuschreiben. Dort erhaltet ihr Level 1- und Level 2-Videos für lediglich 36 $ Dollar im Monat. Carolena hat die ganze Serie gestaltet, und deswegen ist es pures Gold wert, Anweisungen und Lehrstoff direkt aus ihrem Mund zu hören. Wie ich gehört habe, soll auch bald schon Level 3 herauskommen.

Ich fühle mich vom Glück begünstigt, direkt von Carolena und anderen FCBD®-Lehrerinnen unterrichtet zu werden. Die wichtigsten Lehrerinnen neben Carolena, die meinen tänzerischen Wuchs geformt haben, waren: Anita, Kae, Kristine, Wendy, Sandi, Marsha und Suzanne. Ich habe ihnen allen so viel zu verdanken und werde wohl ewig in ihrer Schuld stehen. Als Carolena dann aufgehört hat, so viel zu reisen und mehr und mehr im Studio in San Francisco unterrichtet hat, brach für mich eine neue Zeit an: Mein Verständnis für diesen Tanz vertiefte sich, und ganz vieles hat sich als einfach und klar herausgestellt. Direkt von ihr lernen zu können, hat sich für mich als Segen erwiesen.

Erzähl uns zum Schluß doch etwas über deine weiteren Pläne. Was hast du vor, nachdem du wieder zuhause bist?

Aaron und ich haben die halbe Hochzeitsreise hinter uns. Wir wollen so März/April 2016 wieder in der Bay Area sein und uns dann niederlassen. Im Grunde haben wir zur Zeit gar keine feste Adresse, weil wir ja von einem Ort zum anderen ziehen. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als ein eigenes Heim und Nest zu haben. Also möchten wir nach unserer Rückkehr so rasch wie möglich ein Haus kaufen und Kinder in die Welt setzen. Deswegen unternehmen wir ja auch diese lange Hochzeitsreise: Ich wollte so gern nochmal richtig herumreisen, ehe wir Kinder bekommen. Es war bislang ganz wunderbar, soviel Zeit mit meinem Mann verbringen zu können, verheiratet zu sein und die Zweisamkeit genießen zu können.

Was meine ATS®-Zukunft angeht, so freue ich mich schon darauf, wieder im FCBD®-Studio in die Tanzklasse gehen zu können. Das vermisse ich nämlich wirklich, denn ich werde wohl immer den Wunsch in mir verspüren, als ATS®-Tänzerin weiter zu lernen und mich weiter zu entwickeln. Und für mich würde ein großer Traum in Erfüllung gehen, wenn ich einmal zu Carolenas Studio-Lehrerinnen gehören dürfte. Vielleicht wäre es mir dann auch möglich, wieder zu reisen und anderswo zu unterrichten. Das kann ich aber nicht selbst bestimmen, denn dazu muß man von Carolena persönlich eingeladen und aufgefordert werden. Wann das so weit sein wird, vermag allein die Zeit zu sagen.

Kelsey S Suedmeyer
ist Anfang Oktober zu Gast beim
"InBetween" des
"Black Forest Tribal Fest"

Infos hier:
http://tribal-festival.jimdo.com/
Homepage: Kelsey S. Suedmeyer bei facebook ...
Kelsey beim Unterrichten in Rio de Janeiro
Kelsey (rechts) und FCBD
gemeinsames Tanzen bei einer Hafla
Workshop mit Carolena Nericcio-Bohlman und Kelsey
www.tribal-festival.jimdo.com