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WIR ERFORSCHEN GERN BEWEGUNG
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Du hast es selbst schon angesprochen, euer einzigartiger Tanzstil setzt sich aus Tribal, Bauchtanz, Zeitgenössischem Tanz und Modernem Ballett zusammen. Ihr geht aber noch einen Schritt weiter und reduziert diese Tänze auf ihr Skelett, um daraus etwas ganz Neues, nämlich eine wahrhaftige Fusion aus mehreren Genres und Stilen zu erschaffen.

Das ist nicht leicht zu erklären. Ich sage gern, daß wir zwei Seelen in uns haben, nämlich die des Tribal und die des Zeitgenössischen Fusion. Wir lieben den traditionellen Tribal (den „Old School“), weil er so fröhlich und freudig ist und weil wir ohne das Gefühl der Gemeinsamkeit nicht miteinander tanzen können.

Auf der anderen Seite genügt uns ein Stil nicht, lassen wir uns nicht in eine Schublade sperren. Deswegen experimentieren wir gern, erkunden wir Bewegung und erschaffen wir neu. In TRIAnike haben wir ausprobiert, wie die Erfahrungen des Tribal (zusammen zu sein als eine Seele mit mehreren Körpern) sich mit den Bewegungen anderer Tänze (Zeitgenössisch und klassischer Bauchtanz) mischen lassen.
2009 haben wir uns auch daran gemacht, unser eigenes Tribal-Format zu entwickeln. Das nennen wir LST Signature Moves oder Tribal New School. Auf diese Weise können wir wir selbst sein und gleichzeitig Paulette Rees-Denis unseren Tribut zollen, weil unser Tanz ohne ihr Schaffen gar nicht existieren würde. Sie hat uns einmal gesagt: „Ich möchte nicht, daß ihr wie ich werdet, sondern ihr selbst bleibt.“ Im letzten Jahr hat sie uns eingeladen, mit ihr auf dem Tribal Fest 9 im Caravan Collective International zu tanzen. Dort haben wir von ihr sogar die Möglichkeit erhalten, unsere eigenen Stücke zu tanzen. Eine bessere Lehrerin als Paulette können wir uns gar nicht wünschen!
Eine weitere Tänzerin mit starkem Einfluß auf uns ist Heather Stants von Urban Tribal. Wir hatten die Möglichkeit, zusammen mit ihr zu trainieren, und sie ist uns immer eine Inspiration.
Seit November üben wir mit Danila Massara, einer italienischen Tänzerin, die Drama und Zeitgenössischen Tanz miteinander verknüpft. Im Juni hatten wir Gelegenheit, mit Donatello Iacobellis von der Momix Dance Company zu arbeiten, und das war uns ebenfalls eine wertvolle Inspiration.

Die Summe all dieser Erfahrungen stellt den Tanz dar, den wir auf der Bühne zeigen: Zeitgenössischer Fusion mit Tribal der Old und der New School.

Wer entwirft eure wunderschönen Kostüme, woraus sind sie gemacht, und wenn bei LST etwas Neues in Arbeit ist, was passiert dann zuerst: die Musik, die Choreographie oder die Kostüme?

Unsere Kostümbildnerin ist Grazia, die sich überhaupt um unser äußeres Auftreten kümmert. Sie hatte auch die Grundideen für unsere jüngsten Zeitgenössisch-Fusion-Choreographien. Ich kümmere mich mehr um die Tribal-Seite – im Mai habe ich meine „Collective Soul“-Prüfung für die Stufen 3 und 4 bei Paulette Rees-Denis bestanden.)
Das alles ergänzt sich ganz wunderbar, und wir kommen auch wunderbar mit Denise aus, die sch aber hauptsächlich auf den Tanz konzentriert. Für unsere Kostüme haben wir einen ausgezeichneten Schneider, und zusätzlich tragen wir Dinge und Accessoires, die wir in Läden gefunden haben. Was deine Frage betrifft, so steht am Anfang unserer Stücke meist die Musik, und dann kommen die Tanzschritte. Einige Male hat aber eine von uns einfach eine tolle Idee, und dann suchen wir gemeinsam nach der Musik, um sie umzu- setzen. Die Kleidung kommt immer zum Schluß, weil sie zum einen bequem sitzen und zum anderen mit dem Tanz konform gehen muß.
Ihr betrachtet euch als Bestandteil der italienischen Bauchtanz-Szene, und ihr veranstaltet euer eigenes Festival, „Etnosfera“. Findet das immer noch statt, erzählt doch etwas darüber.

Lange Zeit gab es (außer uns) keine Tribal-Stämme in Italien. Dann haben wir 2005 in Rom den Stamm „Carovana Tribale“ entdeckt und uns einige Male mit ihnen getroffen. Aber im Endeffekt waren unsere Stile zu unterschiedlich. „Carovana Tribale“ tanzt ATS nach Fat Chance Belly Dance und sitzt außerdem in Rom, also eine ganze Ecke weg von Mailand. Heute gibt es bei uns eine ganze Menge Tribal Fusion Tänzerinnen, vor allem seit das Format von Suhaila Salimpour soviel Verbreitung gefunden hat. Tiziana Tosoni, Olivia Mancino (Al-kimya) und Cristina Sagheera dürften zu den bekanntesten gehören.

Aber wir als Les Soeurs Tribales sind sicher immer noch die einzige professionelle Bauchtanzgruppe in Italien, die Tribal tanzt und lehrt, der auf Improvisation und Zeitgenössischem Fusion besteht.

Was nun unser Festival betrifft, so hat es in diesem Jahr deutlich an Größe gewonnen. Es wird Bestandteil einer großen Tanz-Zusammenkunft, der „MilanoDanza“, die im November stattfindet. „Les Soeurs Tribales“ leiten die Ethno-Abteilung dieses Großereignisses. In diesem Jahr steht Tribal Fusion im Mittelpunkt, mit Anasma als Stargast. Sie wird auf der „MilanoDanza“ auftreten und den ganzen Monat November in unserem Studio lehren.

Wie hat euch Deutschland gefallen, ihr seid in den vergangenen dreieinhalb Jahren dreimal bei uns aufgetreten – 2009 auf der „World of Orient“ in Hannover, 2010 auf der „Orientale“ in Düsseldorf und im selben Jahr auf dem 3. Tribal Festival in Hannover. Wann werden wir das Vergnügen haben, euch ein weiteres Mal zu sehen?
Unsere nächster wichtiger Auftritt in Europa fand vom 24.-26. September in London statt, bei der VI. London Tattoo Convention

(http://thelondontattooconvention.com/?section=events&event_item=110) Dort geben wir auch Workshops. Für nähere Informationen bitte E-Mail an lessoeurstribales@gmail.com.

Vom 6.-7. November sind wir dann in Amsterdam, übrigens zum ersten Mal. Tjarda von „The Uzumé“ hat uns eingeladen, an einer wirklich hübschen Tanzveranstaltung mit Lady Fred & Daniela teilzunehmen, Mehr dazu unter http://www.tjarda.nu/. Da freuen wir uns sehr drauf, weil wir Tjarda und ihre Tanzkunst sehr schätzen, seit wir sie 2007 kennengelernt haben. Tjarda ist unsere Lieblingstänzerin in Europa.

Les Soeurs Tribales' Homepage: http://lessoeurstribales.com/
Fotos: Titel © Konstanze Winkler, alle anderen © Pippo Failla
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Interview mit der italienischen Tanzgruppe
“Les Soeurs Tribales”
von Marcel Bieger