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"Heute spaziere ich ganz einfach hindurch..."
Interview mit
Frédérique/
The Lady Fred

von Marcel Bieger
Grafik & Layout:
Konstanze Winkler
Seite 3
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In welchen Stilrichtungen fühlst du dich heute wohl, und wie würdest du deinen ganz speziellen eigenen Tribal Fusion beschreiben?
Ich liebe allen Tanz, ganz gleich welche Stilrichtung, vom Standardtanz bis zum Breakdance. Ich kann sogar dem irischen River Dance etwas abgewinnen, auch wenn ich das nicht erlernen will. Alle Dinge, die mit dem Körper und mit Bewegung zu tun haben, gefallen mir.
Ich war noch nie gut darin, meinen Stil zu beschreiben. Wenn ich tanze, bin ich so in mich selbst versunken, daß ich nicht aus mir selbst steigen und mich betrachten kann. Außer, es geht an einer Stelle nicht recht weiter und ich muß nachkontrollieren. Ich beurteile meine Darbietungen danach, wie gut ich dem Publikum meine Geschichte habe vermitteln können. Oft bekomme ich auch zu hören, daß mein Stil jedes Mal anders ausfällt. Meine Bewegungen seien zart und technisch präzise, dazu elegant und voller Emotionalität, und ich beherrschte eine gute Mimik. Seltsam, ich habe mir nur selbst beigebracht, technisch präzise und elegant zu tanzen, die anderen Eigenschaften sind von selbst hinzugekommen, denn ich hatte sie nie eingeplant.

Anfangs hat es mich auch überrascht, wenn mir jemand so etwas bescheinigt hat, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Man hat mir auch schon einige Male gesagt, auf der Bühne würde ich wie ein Stummfilm-Star wirken oder wie eine Marionette oder gar eine Porzellanpuppe. Ich mag solche Vergleiche, zeigen sie mir doch, wo meine Stärken und Schwächen liegen, und mit diesem Wissen kann ich an mir arbeiten und meinen Vortrag weiter verbessern.
Du hast jetzt ein ganz neues und noch nie dagewesenes Projekt in Angriff genommen, nämlich die Bearbeitung eines alten Stummfilm-Klassikers als Tanz- und Theaterstück. Es geht um Murnaus Meisterwerk „Nosferatu“, in dem er den Dracula-Roman verfilmte, dieses aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht „Dracula“ nennen durfte. Wie ist die „Nosferatu“-Show entstanden?
Zum ersten Mal hatte ich 2006
den Einfall, eine Show nach einem Stummfilm zu schreiben. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, was sie davon hielten, aber nur Ariellah und Tempest hatten die gleiche Wellenlänge wie ich. Das war noch ganz am Anfang, ich hatte noch nichts daran getan, die Zeit ging ins Land, und das Projekt blieb erst einmal liegen.
So ist die Geschichte dann ins Rollen gekommen, und heute bin ich wirklich stolz darauf, denn „Nosferatu“ ist das Beste, was ich je gemacht habe, und das verdanke ich hauptsächlich Ariellah.

Leider ist Tempest in jener Zeit von der West- an die Ostküste gezogen, und so mußte ich einen Ersatz für sie finden. Das war dann Christina von “Black Lotus Clothing”. Für Nosferatu habe ich mich erst 2009 entschieden. Die Erleuchtung kam mir, als mein Mann durch unsere Netfilx-Horror-Abteilung stöberte und wir auf diesen Film stießen. Nosferatu hatte früher zu meinen Lieblingsfilmen gehört, und jetzt traf es mich wie ein Hammerschlag: Nosferatu – Ariellah! Das wäre perfekt. Ich habe mich dann gleich hingesetzt und mit dem Drehbuch für unsere Show begonnen.
Dann hat Ariellah eines Tages nachgefragt, ob ich immer noch an dieser Geschichte interessiert sei. Ich habe sofort ja gesagt, und von da an hat sie mir dann Feuer unter dem Hintern gemacht, wofür ich ihr auch wirklich dankbar bin.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Ariellah und den anderen entwickelt?
Ich würde für Ariellah mein Leben geben, genau so wie sie für mich. Sollte unser „Nosferatu“-Projekt wider Erwarten scheitern, so wäre mein Bedauern darüber zu verschmerzen, denn ich hätte ja immer noch die Freundschaft zu diesen beiden Frauen gewonnen. Was da im „Silent Sirens Theater“ zwischen uns gewachsen ist, findet man nicht alle Tage, so etwas hält ein Leben lang.

Wie oben schon gesagt, als ich „Nosferatu“ wiederentdeckte, war mir sofort klar, daß für diese Rolle nur eine in Frage käme – Ariellah. Und sie hat meine Erwartungen nicht nur bestätigt, sondern noch übertroffen. Wir können auch gut zusammenarbeiten, sie nimmt Ratschläge an und richtet nicht gleich die Stacheln auf, wenn man ihr etwas sagt.
Das Projekt hat von Anfang an unter einem guten Stern gestanden. Wesentlich dazu beigetragen hat meine enge Freundschaft mit Ariellah und Christina. So nahe wie mit ihnen habe ich Tänzerinnen seit meiner Zeit mit „Romani“ nie wieder gestanden. Ariellah und Christina sind für mich wie Schwestern geworden, das hat vorher nur Mishell Burt, Mitbegründerin von den „Romani“ geschafft. Mein Vertrauen zu ihnen ist absolut.
Was habt ihr mit dieser Produktion vor, vielleicht sogar nach Europa kommen?

Und wird es Fortsetzungen geben?

Unser “Silent Sirens Theater” fängt gerade erst an. Ariellah hat sich mit all ihrer Profi-Erfahrung an dem Projekt beteiligt und mit Herz und Seele eingebracht. Besser hätte es gar nicht kommen können. Zwischen uns stimmt die Chemie, und wir können miteinander aus dem Vollen schöpfen. Ich habe zwei weitere Geschichten im Kopf, aber mit „Nosferatu“ sind wir noch lange nicht fertig. Ich habe einen Veranstalter gefunden, der unsere Tour organisieren wird, und wenn wir von einer Stadt zur anderen ziehen, wird das der Show den entscheidenden Schub geben.

Ariellah hat bereits für 2012 Auftritte in Deutschland und England angeleiert. Wenn wir dann tatsächlich mit der Show nach Europa kämen, würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen, ich bin nämlich noch nie in Deutschland gewesen. Ich würde in Europa gern zeigen, was der Bauchtanz-Underground von San Francisco zu bieten hat. Und wenn schon nichts anderes, so kann ich euch in Europa versichern, daß ihr etwas noch nie Dagewesenes zu sehen bekommt!

Photos © Dave Lee