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"Heute spaziere ich ganz einfach hindurch..."
Interview mit
Frédérique/
The Lady Fred

von Marcel Bieger
Grafik & Layout:
Konstanze Winkler
Seite 4
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Fotos: Frédérique m. Augenklappe © Sequoia Emmanuelle
alle anderen © Carly Reynolds
Im Sommer 2010 war Frédérique in Moskau auf Tour, und etliche Tänzerinnen dort, die ihre Kurse besucht und sie tanzen gesehen haben, haben eine ganze Menge Fragen an sie. Wir haben diese Fragen gesammelt und Lady Fred vorgelegt, ergänzen sie unser Interview doch auf ganz wunderbare Weise. Hier sind die Antworten:
Bei deinen Workshops in Moskau hast du gesagt, daß du im Unterricht ATS lehrst und den Tribal Fusion für die Workshops aufhebst. Was für eine Art ATS unterrichtest du denn? Nach dem, was du in den Workshops vorgeführt hast, ist das „Old School“ ATS, wie man ihn nicht mehr allzu oft zu sehen bekommt.
Mein ATS ist der der ersten FCBD-Generation. Jill Parker, meine Lehrerin von 1997-99 hat der Urbesetzung von FCBD einige Jahre lang angehört. Aber die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch alles andere. Mein ATS ist daher heute nicht nur „Old School“, sondern geradezu altmodisch, wenn man ihn mit dem vergleicht, was FCBD mittlerweile zeigen. Jill hatte aber damals schon, wie auch heute noch, eine etwas andere Herangehensweise. Wenn ich mir damals die Videos anschaute, unterschied sie sich immer schon von den anderen, und was ich von ihr gelernt habe, war ein wenig anders als Carolenas Stil.
Hinzu kommt, daß ich den ATS auch noch etwas verändert habe, um ihn für mich gebrauchsfreundlicher zu gestalten.
Du sollst über eine Sammlung von Vintage-Gegenständen verfügen. Was sammelst du alles, und wie bist du an die Stücke gekommen?

Solche Stücke sammle ich seit meinem zwanzigsten Lebensjahr, eigentlich seit noch früher. Mit 17 bin ich von zuhause ausgezogen und habe erstmal in Armut gelebt. Und weil ich als Punkrocker und Deathrocker herumgelaufen bin, konnte ich nur in Gebrauchtläden einkaufen. Heutzutage gilt es als chic, dort zu kaufen.

Eigentlich waren solche Läden immer für die eine oder andere Szene Kult, aber heute laufen so viele Leute dorthin, daß diese Geschäfte Bestandteile der Pop-Kultur geworden und teurer als die normalen Läden sind. Ich kenne aber noch ein paar Geschäfte, die etwas abseits liegen und wo man noch günstig einkaufen kann. Ich sammle alles, was ich kriegen kann – Tanz-Utensilien, normale Bekleidung, Schmuck und Mobiliar für mein Haus.
Wenn du nach neuer interessanter Musik suchst, wie gehst du dann vor? Hörst du dich im Internet durch oder fragst du Freunde und Musiker?

Die Musik ist meine erste große Liebe, sie kommt bei mir noch vor dem Tanz. Seit ich denken kann, habe ich schon Musik gekauft. Ich habe eine große Sammlung von altem Jazz, Rap aus den 80ern, Punk und Deathrock. Heute beziehe ich die meisten Stücke online, und bei meiner Tanzmusik sowieso. Musiksuche ist mein Hobby, so spannend wie eine Schatzjagd. Ich halte vor allem nach Musik Ausschau, die zu mir spricht und die noch kein anderer benutzt. Die Grundregel für den Erwerb von Musik lautet: Du brauchst ein gutes Ohr, das macht 75 % des Erfolgs aus.
Hast du jemals Schauspielunterricht genommen?
Sollten Tänzer Schauspielunterricht nehmen?

In der siebten Klasse war ich an unserer Schule in der Theater-AG. Wir haben zwei Stücke einstudiert, und ich bekam in beiden die Hauptrolle. Die erste habe ich auch gespielt, zur zweiten kam es nicht mehr, weil man mich vorher von der Schule warf. – Ich glaube, Schauspielunterricht gibt dem Tänzer eine ganze Menge, aber er kann auch ohne leben.

Was hast du mit dem Silent Sirens Theater vor? Wirst du dort nur ab und an ein Stück aufführen oder mit einem Stück durch die Lande ziehen, wie das The Indigo oder The Serpent Rouge tun?
Erst einmal zur Klarstellung, das Silent Sirens Theater ist keine Wander-Tanz-Show, sondern ein Pantomimen-Theater, in dem eine Geschichte erzählt wird. Nein, es ist eigentlich mehr als Pantomime, weil es darin auch Geräusche gibt. Ariellah bringt sich voll und ganz in das Projekt ein, und das allein schon macht mich glücklich. Wir beide verstehen uns prächtig.
Du warst jetzt zum zweiten Mal in Rußland. Hat sich seit dem ersten Mal einiges am Land und an den Schülerinnen geändert? Und würdest du auch noch ein drittes Mal kommen, nicht nur nach Moskau, sondern auch in andere Städte?

Mir hat jeder Besuch in Rußland sehr gut gefallen, und ich liebe meine Veranstalterin Sveta. Die Schülerinnen sind immer wieder eine angenehme Herausforderung für mich, weil sie so kluge Fragen nach meinen Tänzen, meinen Konzepten und meiner künstlerischen Gestaltung stellen. Solche Fragen bekomme ich woanders nicht gestellt, jedenfalls nicht in so intensiver Form. Auch ist mir aufgefallen, daß russische Tänzerinnen meine Kunst sehr gut verstehen. Sie diskutieren mit mir darüber und bekommen eine ganze Menge Dinge mit. Jedenfalls ist mir das in dieser Form nirgendwo sonst begegnet, und dafür möchte ich mich bei meinen russischen Schülerinnen bedanken; denn es ist schon etwas anderes, mit Menschen zu sprechen, die mehr als nur das Offensichtliche in meiner Kunst erkennen können.

Ich habe zwei weitere Stücke im Hinterkopf, aber erst einmal geht es natürlich mit „Nosferatu“ weiter. Wir haben einen Veranstalter gefunden, mit dessen Hilfe wir auf Tournee gehen und die Show bekannt machen können.
Was hat sich seit meinem letzten Besuch verändert? Viel mehr Tänzer haben meine Workshops besucht, es gibt mehr und vielfältigere Tanzstile, und die „Oldtimer“ weisen eine bessere Technik auf. Natürlich möchte ich gern wiederkommen und dann auch weitere Städte kennenlernen.
Homepage Frédérique:
www.theladyfred.com