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Vor ein paar Jahren haben wir sie kennengelernt, Latifah Abdel, eine sehr neugierige und sehr neue Tänzerin, an der uns vor allem ihre fröhliche Art und ihr erfrischender Ehrgeiz gefallen haben. Latifah schafft es immer, uns angenehm zu überraschen. So setzt sie sich mit oft neuen Tanzstilen auseinander, tanzt hier ganz klassisch und ist dort auf einer Gothic-Veranstaltung zu finden.

Und jetzt macht sie auch noch Festivals. Noch ein Festival, fragt sich vielleicht die eine oder andere, und wir sagen: Ja, eine so quirlige und mit einem so kontinentübergreifenden kulturellen Hintergrund gesegnete Veranstalterin kann man nämlich lange suchen. Aber lest selbst, was Latifah Abdel über sich, ihren Werdegang und ihr Festival zu erzählen hat …
"TRIBAL FUSION MUSSTE EINFACH IRGENDWANN EINMAL ZU MIR KOMMEN …"
Interview mit Latifah Abdel

- von Marcel Bieger

Erzähle uns etwas zu deiner Person.

Ich bin in León (Nordwesten Spaniens) geboren und komme aus einem winzigen Dorf mit nur 30 Einwohnern. Meine Eltern haben einen kleinen Bauernhof, und wir haben sogar unsere eigenen Bienenstöcke. Ich bin vor über 9 Jahren nach Deutschland gekommen – der Liebe wegen, man muß immer seinem Herzen folgen.  Obwohl ich eine sehr gute Stelle in den USA hatte, habe ich mich entschieden, in Europa zu bleiben, und, nach einiger Zeit in Frankreich, wo ich Clownerie und Gesang erlernt habe, bin ich nach Karlsruhe gekommen.

Momentan widme ich mich vor allem dem Tanz, und ich mache die Jomdance-Ausbildung bei Said el Amir in Offenbach, studiere Barathanatyam bei Meera Mani in Karlsruhe und arbeite an einer neuen Fusion namens Bellynatyam.

Du bist mit verschiedenen Tanzkulturen in Berührung gekommen, keltisch, baskisch und maghrebinisch sowie Flamenco ... Was hat dich da bewogen, auch noch den arabischen orientalischen Tanz kennenzulernen?

Ja, dadurch daß meine Eltern kubanischer und marokkanischer Herkunft sind und ich aus der keltischen Region Nordspaniens stamme, hatte ich das Glück, immer ein buntes Gemisch (auch tänzerisches) zu bekommen. Flamenco habe ich 10 Jahre lang studiert und ich bin vom modernen Stil des Joaquín Cortés sehr beeinflußt worden.

Warum orientalischer Tanz? Ganz einfach … Nach einer siebenjährigen Tanz-Pause war es mir klar, daß ich wieder tanzen mußte.

Damals, vor 8 Jahren, hatte ich zwei spanische Freundinnen in Karlsruhe, und wir haben uns für einen VHS -Bauchtanzkurs“ entschieden. Und bei mir wurde schnell klar, das war meins.

Nach einem Jahr VHS bin ich zum Tanzstudio Lilo Fried gegangen, und später absolvierte ich die Raks Sharki-Ausbildung bei Djamila in Frankfurt/M. Außerdem habe ich viele Workshops bei vielen Lehrern besucht (und besuche solche Fortbildungen immer noch), und ich bleibe weiterhin absolut fasziniert von der Mischung aus Kraft und Gefühl des Raks Sharki.
Später ist auch noch der Tribal Fusion hinzugekommen, diesen Weg finden nicht allzuviele klassische orientalische Tänzerinnen. Was hat dich am Tribal Fusion gereizt, und was reizt dich immer noch am Gothic?

Ich glaube, Tribal Fusion mußte irgendwann einmal zu mir kommen, weil ich selber eine Fusion bin (lacht). Ich habe Tribal Fusion vor 6 Jahren für mich entdeckt, obwohl ich mich erst seit 4 Jahren ernsthaft damit beschäftige. Schuld daran ist „You Tube“, denn ich habe ein Video von Rachel Brice gesehen, und ich war wie verhext. Ich habe mir einfach alle ihre Videos angeschaut, und auch die von Zoe Jakes, Ariellah, Sharon Kihara … Ich war wie hypnotisiert von diesen fließenden Bewegungen, von der starken Präsenz der Tänzerinnen, von ihrer Ästhetik. Und dann gab’s kein Zurück mehr … wie gesagt, man muß seinem Herzen folgen.

Am Tribal Fusion finde ich die unendliche Freiheit einfach großartig. Ich habe das Gefühl, besonders im Tribal Fusion hat die Kreativität gar keine Grenzen, und besonders dort darf man alle seiner „Gesichter“ zeigen.

Ich finde es immer sehr lustig, daß viele Menschen mich als Gothic-Tänzerin bezeichnen. Ich sehe mich selber nur als einfache Tanz-Künstlerin, denn ich tanze, um die verschiedenen Gesichter des Menschen zu porträtieren, und  dazu gehören auch dunkle Stimmungen und düstere Gefühle. George Orwell sagte immer: „I write to push the world in a certain direction“, (ich schreibe, um die Welt in eine bestimmte Richtung zu bewegen.“) Man könnte sagen, ich beabsichtige das Gleiche mit dem Tanz. Ich versuche durch meine Arbeit, alle Dimensionen der menschlichen Seele zu zeigen: die Einsamkeit, die Lust, die Angst, die Freude - das alles sind wir Menschen, und durch diese Gefühle versuche ich, die Leute zu erreichen. Und, ja, ich bin sehr oft in der Gothic-Tanzszene unterwegs, weil diese Szene sich anscheinend von meiner Arbeit sehr angesprochen fühlt.

Mittlerweile bist du eine gefragte Tänzerin für Orientalischen Tanz und für Tribal Fusion, bist Dozentin und hast mehrere Preise eingeheimst. Spielen die baskischen und keltischen Volkstänze, bzw. der Flamenco noch eine Rolle in deiner Karriere. 

Ja, in der letzten Zeit hatte ich die Gelegenheit, bei verschiedenen Festivals sowohl als Tänzerin wie auch Dozentin mitzuwirken, und bin überaus dankbar dafür. Es stimmt, unter dem Strich bleiben meine früheren Tänze – und insbesondere der Flamenco - meine tänzerische und existenzielle Basis. Ich glaube, vor allem der Flamenco ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Lebensphilosophie. Und das sieht man in meinen Bewegungen sehr oft, in meiner Haltung. Das ist etwas, was mich begleitet und mich stark macht. Glaube mir, das funktioniert, denn das Leben ist nicht immer einfach.

Tribal Fusion Kurses im Tanzstudio Lilo Fried, die gerne auftreten und sich von neuen Sachen begeistern lassen. Vor allem macht es unendlich Spaß, sie zu trainieren und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Sie sind super offene, herzliche und wunderbare Frauen, die schon ein paar Erfolge  auf der Bühne erlebt haben. Momentan ist die Gruppe ein bißchen kleiner geworden, aber wir freuen uns auf zukünftige Verstärkung.
Du hast einen Tribe gegründet, "Les Fleurs Du Tribal", und ein Tribal Fusion-Stamm ist ebenfalls nicht alltäglich. Erzähle uns etwas über diese Gruppe.

„Les Fleurs du Tribal“ sind eine der besten Dinge, die mir in den letzten Jahren passiert sind. Diese kleine Gruppe besteht aus einigen der Schülerinnen meines

Schlußendlich machst du dir gerade auch als Veranstalterin einen Namen. Was hat dich dazu bewogen, welches Konzept steckt hinter "Oriental Varieté"?

„Oriental Varieté“ ist aus zwei Gründen entstanden: zuerst wollte ich immer eine große, professionelle Tanzshow in Karlsruhe organisieren, wo alle Richtungen der orientalischen Szene vertreten sein sollten. Daher die Bedeutung des Namens „orientalische Vielfalt“. Noch dazu haben wir das immense Glück, einen wunderschönen Varieté-Theatersaal im Jugendstil aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts als Veranstaltungsort zu haben. Also … „Oriental Varieté“ paßt dazu einfach perfekt!

Worauf dürfen wir uns in diesem Jahr bei "Oriental Varieté" freuen?

„Oriental Varieté“ findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt, und wir werden ein großartiges Tanzwochenende erleben. Das ist sicher. Zum einen haben wir zwei echte Koryphäen der Szene zu Besuch: Djamila aus Deutschland und Violet Scrap aus Italien kommen als Mega Stars und als Workshop-Dozentinnen nach Karlsruhe. Sie haben acht inputreiche Workshops im Gepäck. Außerdem reist Moderschöpferin Shalisari an, und Djamila bringt auch ihre schöne Trainingsbekleidung mit und bietet sie zum Verkauf an.

Der Höhepunkt des Wochenendes ist natürlich unsere extrem abwechslungsreiche Abend-Show am Samstag mit vielen Stars der deutschen Tanz-Szene und unseren beiden Mega-Stars, als da sind:

Samira Saabet (Augsburg), Mavie (Offenburg), Hüftgold (Pforzheim), Masha Shushera (Berlin), Jara Maya (Nürnberg), Feyuna (Heidelberg), Devadasi Caravan (Offenburg), Mara & Mascha (Karlsruhe), Melli Sarina (Augsburg), Les Fleurs du Tribal (Karlsruhe), Massa Dance (Darmstadt), Anja Madlener (Karlsruhe), Iman (Leverkusen), Cristina Zegarra (Krefeld), Ayana (Sulz), Tahira Hibah (CH), Una Shamaa (Dresden) ... und natürlich Djamila (Frankfurt) und Violet Scrap (Italien).

Und dieses Jahr haben wir sogar einen Online-Shop, damit der Erwerb unserer Show-Karten bequemer und schneller vonstatten gehen kann.

Also, alles im allem, dürfen wir uns auf ein wunderbares Wochenende in einer entspannten, humorvollen und den Tanz liebenden Atmosphäre freuen, und ich lade euch alle herzlich ein, nach Karlsruhe zu kommen.

Love & peace Latifah


Homepage Latfiah:
www.latifah-abdel.de

Infos zu Oriental Varieté:
http://latifah-abdel.de/node/85

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