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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
„Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kann man immer etwas an sich verbessern, verschönern, verändern“
Interview mit  LEYLA JOUVANA
von Marcel Bieger
Eine der ganz großen Veranstalterinnen in Deutschland, eine tolle Tänzerin, eine Choreographin von Rang und eine Förderin von in- und ausländischen Talenten – “Hagalla“ gibt es erst seit 15 Monaten, aber schon jetzt stellen wir uns die Frage, warum haben wir Leyla Jouvana noch nicht früher interviewt. Daß sie einiges zu sagen und viel an sich gearbeitet hat, das kann man auf den folgenden Seiten nachlesen.
Leyla, Ihr seid für viele Dinge bekannt und berühmt, als Tänzerin & Trommler, für Eure vielen internationalen Auftritte und Kontakte, aber ich glaube, als erstes fallen den Menschen bei Eurem Namen die Orientalischen Festivals ein, von denen es bereits 17 gibt, das 18. ist auch schon angekündigt.

Ja, wir organisieren seit 18 Jahren das Orient. Tanzfestival Europas in Duisburg, immer Ende November/Anfang Dezember. Anfänglich war es nur ein Wochenende und nun ist unser Festival auf 11 Tage gewachsen. Dazu gehören 7 Shows, 60 WS mit internationalen Gästen, die Messe sowie seit 4 Jahren der Contest Bellydancer of the World. Darüber hinaus organisieren wir auch zusätzlich Studio-Shows („Hagalla“ wird in Kürze ein Beitrag mit dem Titel „Jahreszeiten bei Leyla“ erscheinen.)

Das Festival haben wir ins Leben gerufen, um den Menschen in BRD den Orientalischen Tanz näher zu bringen und den Tanz mit seiner Kunst ins rechte Licht zu setzen. Zu Beginn gab es noch Vorurteile gegenüber dem Orient. Tanz aber wir haben unser Bestmöglichstes gegeben diese zu beseitigen und nun  zieht unser Festival ein weltweites Publikum an.

Leyla und Roland Jouvana, hier auf einer Ihrer eigenen Studio-Shows
Aber hatte nicht gerade die aufkommende Frauenbewegung vorher den Bauchtanz für sich entdeckt und vereinnahmt?

Ja, aber es gab auch unter den Emanzen die Fraktion, die Bauchtanz als  frauenfeindlich verstand, ohne sich mit dieser Tanzkunst und seiner positiven  Wirkung auf die weibliche Seele und Psyche auseinander gesetzt zu haben. Ich allerdings empfinde es als wahre Emanzipation, wenn Frau Frau sein darf und Ihre Weiblichkeit ausleben kann und nicht nur danach strebt, ein Abklatsch des Mannes zu sein. Die wahren Emanzen haben das mittlerweile auch verstanden, und der Orientalische Tanz ermöglicht einer Frau diese Freiheit, weiblich zu sein.

Wie ging es damals los?

Als wir unser 1. Festival organisiert haben, kamen über 1000 Menschen und wir mussten ganz viele von ihnen wieder nach Hause schicken. Dann haben wir beim 2. Mal schon einen Tag dazu genommen und es kamen jedes Jahr stetig  mehr und mehr Zuschauer und Teilnehmer, so dass das Festival nun auf 11 Tage herangewachsen ist. Anfang der 90er gab es noch wenige Bauchtanz-Veranstaltungen. Zu jener Zeit war das Internet auch noch sehr wenig verbreitet, da reichte eine Annonce in der „Halima“, und die Halle war voll.  Doch auch damals galt schon die Devise, die Leute kommen nur wieder, wenn es ihnen gefallen hat und die Qualität und Organisation stimmt. Wenn es nicht gefallen sollte, würden sie auch fort bleiben und nicht jedes Jahr immer wieder kommen. Somit waren wir stets bemüht, ein vielseitiges Programm auf die Beine zu stellen. Und in künstlerischer Hinsicht für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Leyla Jouvana beim Auftakt der Festival Gala-Show 2009
Irgendwas muß daran gestimmt haben (lacht), denn sonst wären es nicht so viele Festivals daraus geworden. Durch das Internet und die Globalisierung und auch dank unserer Tourneen ist unser Festival immer internationaler und größer geworden.
Die Internationalität Eurer Künstler-Auswahl fällt wirklich auf. Hast du sie alle unterwegs getroffen und kennengelernt?

Ja, fast alle haben wir mal auf Shows getroffen oder auf anderen internationalen Festivals. Wir engagieren dann die Künstler die herausragend und nett sind. Natürlich können wir nicht alle engagieren, oder die uns engagieren, denn wenn man beinahe jedes Wochenende unterwegs ist, kommt soviel zusammen, und um alle unterzubringen müssten wir ja dann auch jeden Monat Festivals organisieren. Also müssen wir immer eine Auswahl treffen und picken uns die heraus, bei denen wir uns sagen, die sind künstlerisch so toll und außergewöhnlich, und vor allem nette Menschen.Während der Tourneen rühren wir natürlich auf den Shows und WS auch die Werbetrommel für unser Festival. So erfahren immer mehr Menschen auf der ganzen Welt davon, und immer mehr aus der ganzen Welt kommen dann auch und bringen immer weitere Teilnehmer mit.

Tour Impressionen, hier aus Polen 2010
So rühren die begeisterten Teilnehmer, Zuschauer, Künstler, Händler und die Medien dann auch die Werbetrommel für uns. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch bei allen bedanken und auch bei denen, die zum Guten Gelingen jedes Jahr beitragen.
Leyla und Roland in China 2009
Leyla, wie bringt Ihr Organisation, Welt-Tournee und eigenes Tanzstudio unter einen Hut?

Wir versuchen die Tourneen immer auf das Wochenende zu legen um dann in der Woche im eigenen Studio selber Unterricht erteilen zu können. Da achte ich sehr drauf, damit unsere Kursteilnehmer nicht zu kurz kommen. Das ist natürlich anstrengend, aber das halten wir schon durch. Wenn wir merken sollten, dass dies schwierig wird, können wir immer noch etwas abgeben oder kürzer treten, aber diese Gedanken machen wir uns erst, wenn es soweit ist. Jetzt stecken wir noch voller Power. So lange man gesund ist und das Tanzen und Trommeln Freude macht, warum nicht …

Habt Ihr eine komplette Show, die Ihr im Ausland zeigt?

Das kommt drauf an. Wenn wir für einen kompletten Abend gebucht werden, treten wir auch mit dem Ensemble einen ganzen Abend lang mit eigenem Programm auf. Wenn wir aber innerhalb einer Show tanzen, gibt es entsprechend Ausschnitte aus dem Programm. Ich richte mich nach dem, was sich der Veranstalter von mir und uns wünscht.

Fotos: 1, 5, 6 © China Championdance 2009/2010, 2 © Konstanze WInkler, 3 © André Elbing, 4 © Adam Welnik
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Was ist das Geheimnis Eures großen Erfolges?

Wenn wir das verraten würden, dann wäre es kein Geheimnis mehr (lacht). Jetzt ernsthaft,wir konzentrieren uns auf das Positive und das Schöne in unserem Leben. Wir arbeiten hart und sehr viel, denn von nichts kommt nichts und es wird einem nichts geschenkt. Dazu ist nicht jeder bereit. Man wächst in den Erfolg hinein durch jahrelange Erfahrungen, Geduld und Fleiß. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wir arbeiten an uns und versuchen uns ständig weiter zu entwickeln durch eigene und neue Ideen und Konzepte. Wir glauben an die Gesetze des Lebens; an die Ursache und Wirkung und dass Positives nur Positives bewirkt. Daher schauen wir nach vorne, versuchen unser Bestes zu geben und allen Menschen positiv und fair zu begegnen.

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