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Homepage: www.mahasti.hu
Photos © Edit Kozár (wenn nicht anders vermerkt)
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Mahasti („Töchter des Mondlichts“) tanzt von Kleinkindesbeinen an, und sie leitet heute eine der führenden Tanzschulen Ungarns. Sie ist Tänzerin und vor allem Choreographin, und sie hat den „Töchter des Mondlichts“-Wettbewerb ins Leben gerufen, der in diesem Jahr zum 7. Mal stattfindet. Zwei ihrer Schülerinnen haben an mehreren Wettbewerben von Leyla Jouvanas OFE-Festival teilgenommen und dort regelmäßig die vordersten Plätze belegt. Im folgenden Interview erzählt Mahasti, wie alles gekommen ist und ob wir sie demnächst auch persönlich bei uns bewundern dürfen.
"MIR BEDEUTET ES SEHR VIEL, GLÜCKLICHE GESICHTER
ZU SEHEN"

Interview mit der ungarischen Künstlerin Mahasti

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Wie hat der Tanz dich gefunden, und warum bist du ihm treu geblieben? Welche Ausbildung hast du, und welche Tanzstile sind dir die liebsten?
Wie sieht die Tanz-Situation im heutigen Ungarn aus?

 Ich glaube, der ungarische Orienttanz hat ein sehr hohes Niveau erreicht. Unsere Künstler feiern auf großen Festivals und bei internationalen Wettbewerben phantastische Erfolge (zum Beispiel in Ägypten, aber auch in ganz Europa). Bei uns können die Tanzschülerinnen also aussuchen bei welchem einheimischen Star sie lernen wollen, aber auch bei einem ausländischen Star in den Workshop gehen.

In Ungarn gibt es einige Festivals, was macht das deine zu etwas Besonderem?

In Ungarn kennen wir eine Menge Wettbewerbe für Solokünstler oder für Gruppen, solche für verschiedene Tanzstile und die großen Festivals mit Wettbewerb und Workshops mit Dozenten aus Ägypten, anderen europäischen Ländern und den USA. Und wir haben natürlich auch Gala-Shows, die unter einem bestimmten Thema stehen, wie Tribal, Gothic, Raks Sharki und so weiter.

Aber bei meinem „Töchter des Mondlichts“-Wettbewerbs (genau das heißt „Mahasti“ nämlich) gibt es keine Workshops, da konzentrieren wir uns allein auf den Wettstreit. Na gut, vielleicht versuchen wir es im nächsten Jahr doch einmal mit Workshops, weil von den Tänzerinnen immer wieder danach gefragt wird.

Unser Wettbewerb steht allen offen, man kann sich also aus der ganzen Welt dazu anmelden. Natürlich stellen die einheimischen Tänzerinnen und die aus unserem Nachbarland Slowakei den Großteil der Bewerber, das ist schließlich überall so oder so ähnlich. In unserer Jury sitzen sehr viele Punktrichter, um ein möglichst breites Urteil zu gewähren (in der Regel 16 Juroren, manchmal auch mehr), und für die gibt es keine
individuellen Pausen oder ein Rotations-System. Jeder Punktrichter „arbeitet“ genauso lange wie seine Kollegen. Bei ihnen handelt es sich um bekannte ungarische Tänzer aus ver- schiedenen Städten, und ich bin sehr glücklich darüber, daß sie jedes Jahr wiederkommen und wir so gut zusammenarbeiten.
Wirst du irgendwann auch selbst nach Deutschland kommen, vielleicht sogar bald?
Deine Schülerin Eszter ist 2010 und 2012 bei Leyla Jouvanas und Rolands OFE Erstplatzierte im Wettbewerb „Bellydancer of the World“ geworden. Deine Schülerin Gyongyi landete 2012 in ihrer Wettbewerbskategorie auf dem 2. Platz (ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen). Das sind großartige Erfolge für dich und dein Tanzstudio … warum sehen wir dich eigentlich nie selbst bei einem Auftritt?

Erstens sehe ich mich eigentlich nicht so sehr als Auftritts- oder Wettbewerbskünstlerin; denn ich unterrichte lieber, als daß ich auf der Bühne stehe. Und wenn ich doch einmal selbst auftrete, dann eher auf Firmenfesten oder kleineren Veranstaltungen. Ich mag es sehr gern, Menschen zu verzaubern und das Lächeln auf ihren Gesichtern zu sehen, wenn ich tanze. Und bei kleineren Veranstaltungen sind wir uns nahe genug, daß wir uns alle sehen können.

Wenn das Leben mich eines gelehrt hat, dann dies: Als Diva aufzutreten und auf der Bühne zu glänzen zu müssen, das ist nicht das Richtige für mich. Ich strebe eher danach, Menschen im kleinen, im etwas intimeren Rahmen glücklich zu machen; Frauen dabei zu helfen, ein glücklicheres Leben zu führen. Mir bedeutet es sehr viel, glückliche Gesichter um mich herum zu sehen. Ich sehe dieses Lächeln im Unterricht, wenn meine Schülerinnen tanzen oder über ihr Leben erzählen, und auf den Firmenfeiern oder Privat-Gesellschaften, wenn ich dort tanze. Jedes einzelne dieser Gesichter macht mich glücklich.

Im Moment ist es für mich etwas schwierig zu reisen (ich habe Ende Februar ihr drittes Kind bekommen), und solange ich noch stille, schon gar nicht. Alles hängt also von meinem Nachwuchs ab. Dann muß ich sehen, daß ich wieder in Form komme, daß ich wieder regelmäßig tanzen kann und daß mir ein paar neue Choreographien einfallen. Aber ich hoffe sehr, daß ich Ende 2014 die Gelegenheit endlich wahrnehmen kann.
Hier ein paar ausgesuchte Video-Clips:

Drum solo
http://www.youtube.com/watch?...

Dancing with Angels
http://www.youtube.com/watch?...

Habibi Ya Eini
http://www.youtube.com/watch?...

Feminine Games (Raks sharki)
http://www.youtube.com/watch?...

Zweitens sitze ich bei den meisten größeren Veranstaltungen und Wettbewerben in Ungarn meist in der Jury, und dann darf ich ja nicht mittanzen. Das gilt natürlich nicht für meine Schülerinnen. Und wenn dann eine von ihnen da unten oder da vorne steht, bekomme ich das große Flattern und sage mir, daß das alles zuviel ist für meine Nerven, meine Seele und überhaupt mein ganzes Ich.

Aber ansonsten macht es mir überhaupt keine Mühe, am Punktrichter-Tisch zu sitzen. Ich könnte tagelang Bauchtanz und wunderhübschen Frauen bei selbigem zuschauen. Am besten gefällt mir an dieser Tätigkeit, daß ich das Gefühl erhalte, Tänzerinnen dabei zu helfen, ihre Kunst zu vervollkommnen, noch mehr aus sich herauszugehen und noch mehr aus ihrem Tanz zu machen. In Ungarn können Wettbewerbs-Teilnehmer nach dem Wettstreit (manchmal sogar während desselben) die Juroren fragen, wie sie ihren Beitrag gefunden haben. Und wenn ich ihnen dann meine Meinung und meine Empfindungen mitteile, spüre ich, daß ich ihnen helfen kann, sich nicht nur technisch zu verbessern, sondern auch ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln und ihre eigene Identität mehr in den Tanz einzubringen. Dann macht es mich natürlich glücklich, wenn ich sehe, wie die Betreffende auf der Bühne sich selbst gibt. Denn was sonst hat eine Künstlerin ihrem Publikum zu geben?

Und drittens? Man sieht mich auch deshalb kaum auf der Bühne, weil ich in den letzten Jahren fast ununterbrochen schwanger war oder mich um meine Babies gekümmert habe. Mein Jüngstes, eine Tochter, erblickte am 23. Februar 2013 das Licht der Welt, und so hat es ganz den Anschein, als würde ich noch eine Weile länger der Bühne fernbleiben. Meine ganzen Energien fließen nun in meine Kinder und in meine Mutterschaft. Ich hoffe aber wirklich sehr, daß ich in absehbarer Zeit wieder zurückkehren kann zu meiner Kunst, meinem Tanz. Daß ich dann wieder mehr tanzen und choreographieren kann …

Ich tanze seit meinem vierten Lebensjahr, und seitdem habe ich mich in sehr vielen Tanz-Genres umgetan (Ballett, Jazz-Ballett, Break Dance und vieles mehr), aber auch im Sport (Joga, Thai-Chi und Leicht-Athletik). Volkstänzen und anderen Darbietungen habe ich immer gern zugesehen, vor allem wenn sie exotisch waren oder etwas nicht Alltägliches zu bieten hatten. Heute bevorzuge ich Pilates und erotischen Tanz (aber nur für mich, nicht um ihn auf der Bühne zu zeigen).

Meinen Tanzstil könnte man am ehesten als Mischung nach Mahasti bezeichnen. Mir ist es wichtig, etwas ganz Besonderes zu bieten, das mich von anderen Tänzern unterscheidet und mir etwas Unverwechselbares verleiht. Ich mische gern verschiedene Stile, kopiere aber nie andere, und bin wirklich ungern gerade „in“ oder „angesagt“. Aber es erfüllt mich mit Stolz, wenn andere mich nachahmen. Mir persönlich gefallen Trommel-Soli und Orientalisches Tanztheater mit spirituellen Inhalten am besten.

Wenn es um Choreographien geht, entwickle ich vorzugsweise solche für Gruppen. Ich schreibe nur selten ein Stück für eine Solistin. Das hat zum einen damit zu tun, daß ich viel zu wenig Zeit habe, zum anderen aber mir Gruppen-Choreographien einfach mehr geben. Sie verlangen mir mehr ab, und es gibt mir viel, etwas zustandezubringen, das auf die einzelnen Tänzerpersönlichkeiten zugeschnitten ist und diese Teile dann zu einem Ganzen zusammenzufügen. Und genau das versuche ich auch, meinen Schülerinnen beizubringen: Sie sollen sich nicht verbiegen lassen (auch nicht im Tanz) und sich niemals damit begnügen, kleine Ebenbilder von mir oder einer anderen Tänzerin oder überhaupt irgendwem zu sein.

Der Mahasti-Wettbewerb, und das ist das eigentlich Besondere
an ihm, richtet sich nur an Duos und Gruppen, und das in den vier Kategorien: Junior, Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene. Alle diese Kategorien sind für alle Stilrichtungen offen, Duos und Gruppen können sich also in ihrer mit Folklore, ATS, Tribal Fusion usw. bewerben. Indem die Kategorien somit keinen stilistischen Beschränkungen unterliegen, werden sie interes- santer, farbiger und abwechslungsreicher. In diesem Jahr bekom- men wir zum Beispiel in der Abteilung „Kinder und Jugendliche“ Fantasy-Fusion, Tribal Fusion, klassischen Raks Sharki, Folklore (z. B. Nubisch), Belly-Rock und vieles mehr geboten.
Ja, aber natürlich. Ich möchte gern so bald wie möglich auf Leyla Jouvanas Orientalisches Festival Europa. Sie ist bereits auf meine Einladung hin in Ungarn aufgetreten und konnte dort große Erfolge feiern (sowohl mit ihren Auftritten wie auch mit ihren Workshops). Da möchte ich mir natürlich gern auch mal ansehen, wie es auf ihren Festivals zugeht (lacht). Als ich sie und ihren Mann Roland letztens eingeladen habe, habe ich für sie eine große Show namens „Hungarian All Stars Super Gala“ organisiert, auf der sie auch ihre Workshops geben konnte. Die besten ungarischen Tänzerinnen aus den wichtigsten Schulen des Landes sind erschienen, und Leyla und Roland waren unsere Haupt-Attraktion. Die beiden waren gleich bei allen beliebt, weil sie so unvergleichliche Künstler sind, soviel Humor haben und so liebenswerte und freundliche Menschen sind.
Ich bin eher ein zurückhaltender Mensch und überhaupt nicht extrovertiert. Am liebsten bin ich mit meiner Familie zusammen oder folge meinem spirituellen Pfad (und dafür muß ich ganz allein sein und Ruhe um mich herum haben). Natürlich bedeutet das nicht, ich würde es verabscheuen, auf der Bühne zu stehen, aber mein Leben setzt sich nun einmal aus solch widersprüchlichen Bestandteilen zusammen.
Mahasti (Photo © Péter Tóth)
(Photo © Károly Tihanyi)
Mahasti und ihre Schülerinnen
Mahasti (Photo © Péter Tóth)
Mahastis Show-Gruppe