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Photos © 1, 2, 8, 10 und 11 Konstanze Winkler, 3, 4, 5, 6, 7 und 9 André Elbing
Grafische Gestaltung/Web Design: Konstanze Winkler
Wer sich mit Manis unterhält, und es ist wirklich nicht schwer, mit ihr ins Gespräch zu kommen, lernt rasch, lieber selbst still zu sein, um nichts von dem zu verpassen, was sie zu erzählen hat. Sie ist witzig, gescheit, charmant und immer unterhaltsam. Obwohl in Indonesien geboren, „schwadt“ sie breites Kölsch, denn in der Domstadt ist die aufgewachsen und groß geworden, bis es sie dann später nach Düsseldorf verschlagen hat. Jeder kennt Manis von den „Orientale“, vom „tanzhaus“ und als eine der hervorragendsten Choreographinnen Deutschlands. Aber ihr eigentliches Markenzeichen sind die Projektgruppen, von denen die erste 1994 zu Ende ging. Sie laufen bis heute, und was es damit genau auf sich hat, erzählt sie uns jetzt. Wir haben dieses Interview nicht wie ein x-beliebiges geführt, sondern Manis einfach erzählen lassen und hin und wieder ein Stichwort einwerfen können …
… ja 1992 hatte ich meine erste Projektgruppe … Oh Gott, 20 Jahre ist das schon her?! Das war wirklich eine tolle Geschichte, denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es nichts Vergleichbares, keine so komplette und kompakte „Ausbildung“ spezielle für eine Bühnenshow, damals schon mit Live-Musik und Trommelunterricht mit Bruno Assenmacher. Wir haben alle getrommelt, und dann gab es Frauen, die getrommelt und eine Gruppe, die dazu getanzt hat. Wir hatten 21 Teilnehmerinnen.

Schon damals habe ich meiner Phantasie freien Lauf gelassen und meine kreativen Choreografien erstellt, und für die Frauen war es nicht immer so einfach, diese innerhalb der Gruppe umzusetzen; denn ich hatte von Anfang an meinen Schwerpunkt auf die Gruppenarbeit, auf den Gruppen-Tanz gelegt, denn Solistinnen gab es zu jener Zeit mehr als genug, wie heute.

Damals waren die Tänze begrenzt auf: Klassischen OT mit Trommelsolo, verschiedene Schleiertänze, z.B. Doppelschleier, Tamburin-Tanz, Säbeltanz, Leuchtertanz, Stocktanz, Livetrommeln mit Tanz, Parodien und Pop-Oriental.

Geholfen, hat mir natürlich auch, meine pädagogische und TZI-Ausbil- dung (Themen Zentrierte Interaktion nach Ruth Cohn, eine spezielle Ausbildung, für den Umgang mit Gruppen, ich war ja 21 Jahre lang Heimerzieherin, für verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche) und meine 10-jährige Tanzerfahrung und -Ausbildung in der Werkstatt e.V.(die Vorläuferin des „tanzhaus nrw“), in Modern, Jazz, Afro und Samba, und ich nahm selber an 2 Projekten teil, einmal Modern-Projekt und Afro-Brasilian.

Da alle Frauen aus dem ersten Projekt weitermachen wollten, entstand bald das zweite Projekt, was ich aber auf 1 Jahr verkürzte, wie heute noch üblich, 11 Wochenenden innerhalb eines Jahres. Da nach der Aufführung noch mehr Anmeldungen kamen, bot ich dann zwei Projekte an, eines mit den „Alten“ und eines für Neuanfänger, und da hatte ich insgesamt vierzig Frauen beisammen …

1995 erfolgte dann meine zweite Projektaufführung (wieder mit einer Geschichte), und dem folgte jedes Jahr eine neue, bis zum heutigen Tag, mal mit und ohne Geschichte. 2 Jahre lang bot ich dann immer 2 Projekte in Düsseldorf an, was ich danach auf ein Projekt verkürzte, weil dann auch Anfragen aus den verschiedensten Städten im In- und Ausland kamen.

Eine schöne Begegnung, hatte ich mit der Firma „Sakkara GmbH“, die bei einem Basar in Koblenz mitmachte, wo ich mein erstes Projekt außerhalb von Düsseldorf hatte. Nach der Projekt-Abschluß-Show, gab es noch eine  einstündige Show mit meiner damals neugegründeten Showgruppe SINAM. Die Inhaber von Sakkara waren davon so begeistert, dass Sie mich direkt ansprachen, ob sie mit uns Karlsruhe in der Durlachhalle ein professionelles Video drehen könnten, weil Sie so etwas noch nie gesehen hätten, mit diesen tollen ausgefeilten Choreografien. Ich war natürlich gerührt und „stolz“ zugleich und habe gleich zugesagt  Das Video wurde mit 3 Kameras und direkt aufgenommen, es war sehr aufregend, auch für 4 meiner damaligen SINAM-Frauen, die ein Solo getanzt haben.

Das Video, kann man heute noch auf DVD bei Sakkara kaufen, und es war damals der absolute Renner, weil es in dieser Richtung, also so viele Gruppentänze, noch nichts gab. An dieser Stelle noch mal Dankeschön an die „Sakkara GmbH“.

Zum Konzept: Mein Konzept ist seit 20 Jahre gleichgeblieben, und ich habe damit  bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Das was sich geändert hat, sind die Tanzstile, dazu aber später mehr. Mein Konzept sieht folgendermaßen aus: In der ersten, der Vorstellungs-Runde erzähle ich von meinem Konzept, damit die Teilnehmerinnen direkt wissen, was auf Sie zukommt.

Ich will dann auch direkt sehen, ob Sie schon so weit sind, an einem Jahresprojekt teilzunehmen. Es kommt und kam auch schon vor, daß ich einigen sagen musste, daß es im Moment noch nichts für Sie ist, weil Ihnen viele Grundlagen noch fehlten und ich Ihnen rate, erst einen guten Kurs zu besuchen um die richtigen Grundkenntnisse zu erlernen. Ich fände es gemein, diese Teilnehmerinnen das Geld aus der Tasche zu ziehen und Sie Ihren Frust auszusetzen oder schlecht auf der Bühne aussehen zu lassen.

Danach geht es daran, ein gutes komplettes Bühnenprogramm mit den Teilnehmerinnen zu erarbeiten. Die Teilnehmerinnen bestimmen, welche Tänze Sie gerne erlernen möchten. Klassischer OT mit Trommelsolo ist fester Bestandteil, und alles weitere wird auf dem sogenannten Info-WS besprochen. Ich richte mich da ganz nach den Wünschen der Teilnehmerinnen. Es wird dann demokratisch abgestimmt, was in dem Jahr gelernt wird.
So, nun wisst ihr warum ich bis heute noch so gerne Projektarbeit mache, es macht einfach einen Riesen- spaß zu unterrichten und alles umzusetzen, was einem im Kopf herumschwirrt.

Nun werde am
01. März 2014 um 20:00 Uhr meine 20. Projektshow präsentieren, und es sind einige Teilnehmerinnen dabei, die seit 10 Jahren dabei mitmachen.
Zweiter wichtiger Bestandteil ist etwas, was „Neulinge“ zu Anfang sehr irritiert, weil sie das noch nicht kennen und was mir sehr wichtig ist: Die Teilnehmerinnen haben alle die Möglichkeit, ein Solo, Duo, Trio usw. für das Projekt zu erarbeiten, sich selber dafür eine Musik auszusuchen und bis zu einem von mir festgelegten Termin zu choreografieren. Am festgelegten Wochenende tanzen sie es den anderen Teilnehmerinnen und mir vor, und wir sind dann die Zuschauer und geben danach unsere Meinung dazu kund, d.h. wie wurde der Tanz gesehen und empfunden, war er mit der Musik eins, wurde die Musik mit den Tanzbewegungen sichtbar gemacht, war die Länge richtig, Raum-Wege, wurden die richtige Tanzbewegungen zu der  Musik genommen z.B. zu Saidi  Musik auch Saidi Tanzbewegungen getanzt usw. Haltung, sehr wichtig z.B. der Arme und Hände sowie vom Oberkörper, Ausdruck, Kostüme etc.
Feedback oder Kritik ist für mich, wenn Sie sachlich und kompetent gegeben, sehr positiv, denn wir möchten gemeinsam eine gute Show auf dir Bühne zeigen und auch, daß alle das Beste aus sich herausholen. Nach 22 Jahren kann ich nur feststellen, daß es unglaublich ist, wie sehr wir „Zuschauer“ uns in der Regel einig sind, wie ein Tanz empfunden wird, 95% Übereinstimmung kommen da zusammen … faszinierend. Ich sage immer „man muss kein Gourmet-Koch sein, um beurteilen zu können, ob die Suppe versalzen ist oder nicht“.
Vor kurzen ist folgendes in meinem 1. Projekt in Bad Friedrichshall passiert - also noch ganz frisch. Wir hatten das Vortanzen wie eben beschrieben, und es gab 2 Tänze, die nicht dem entsprachen, was einige und ich erwartet hatten. Also wurde Feedback dazu gegeben, und ich als letzte habe noch ein paar Tipps gegeben, was Sie daran ändern sollen, und ihnen auch noch vorgetanzt, was ich meinte. Vier Wochen später wurden die Tänze noch einmal vorgestellt. Es war soooo schön. Die meisten Teilnehmerinnen glaubten, die beiden hätten eine ganz neue Musik genommen, aber es war die gleiche wie vorher. Sie hatten sich nur die Feedbacks so zu Herzen genommen und umgesetzt, daß 2 „neue“ tolle Tänze herauskamen und das finde ich so toll und alle haben dadurch mein Konzept total verstanden und waren begeistert. Es war ein wunderbares Erlebnis - für alle, aber vor allem für mich.

Da wir ja auf einer großen Bühne tanzen sind die Bühnenwege und eine abwechslungsreiche Gruppen-Choreografie ein wichtiger Bestandteil, auch wenn man eine „Um Kalthoum“-Interpretation tanzt, also kurze Wege zurücklegt und sich mehr in und auf der Bühnenmitte bewegt oder sogar mit einem Säbel zu tanzen, oder nur auf einen Zaar Rhythmus ein Trommelsolo hinlegt und so weiter, ist ja alles möglich. 


Beim ersten Info-WS beginne ich auch immer direkt mit dem Klassischen OT, um da gleich an einer Gruppen-Choreografie zu arbeiten, damit die „Neulinge“ wissen, was der Hauptbestandteil des Projektes ist, nämlich Technik und Gruppen Choreografie. Am Sonntag, nach dem WS, können die Teilnehmerinnen in einer Abschluß-Gesprächsrunde erklären, ob sie weiter mitmachen möchten oder nicht, was Ihnen gefallen hat und was nicht, bevor Sie den Vertrag für ein Projektjahr unterschreiben.

Meine Abschlußworte zu meiner über 20-jährigen Projektarbeit: Es macht mir immer noch Riesenspaß, meine Kreativität ist Gott sei Dank noch nicht versiegt, und der Erfolg der Abschluß-Shows gibt mir die Kraft  zum Weitermachen
(bin ja nicht mehr die jüngste …)

Es ist für die Teilnehmerinnen immer sehr aufregend, aber Sie lernen sehr schnell, wie positiv das für Sie ist und daß das „überhaupt nicht weh tut“, im Gegenteil. Das Ritual ist immer gleich: Es wird vorgetanzt, die Tänzerinnen setzen sich vor uns hin, und jeder, der mag, sagt Ihnen seine ehrliche Meinung,  wie der Tanz bei Ihnen ankam, und am Ende gebe ich meinen Senf dazu. Es ist so toll, was dabei herauskommt und wie schnell gelernt und angenommen wird. Danach wird der nächste Termin angesetzt, bis zu dem die Betreffenden dann ausreichend Zeit haben, das umzusetzen, was kritisch angemerkt worden ist, ob z.B. Musik zu lang oder zu kurz war, „falsche“ Bewegungen, zuviel Bewegungen, zu eintönig, Musik und Bewegungen sind nicht aufeinander abgestimmt, Haltung & Ausdruck, Bühnenwege usw.
Das erste Projekt dauerte von 1992-1994 und schon bei der ersten Aufführung hatte ich eine Geschichten Erzählerin dabei und schrieb mit einer damaligen Schülerin die erste Geschichte. Dieser Abend wurde ein voller Erfolg! Danach gründete ich dann die meine Showgruppe SINAM aus Frauen, die sowohl in meinem Unterricht waren, als auch am Jahres-Projekt teilnahmen. SINAM ist ja Manis rückwärts gelesen, und die Idee dazu stammte von einer ehemaligen Schülerin von mir.

Über diese Projektshow wurde damals sogar in einem der ersten Tanz-Magazine, „Die Karawane“ (die gibt es schon lange nicht mehr, aber ich habe diese Ausgabe noch) berichtet, weil es so etwas bislang noch nicht gegeben hatte. Die Resonanz, auf das Projekt war so überwältigend, sowohl von den Teilnehmerinnen wie auch von den Zuschauern, daß ich selbst erst im nachhinein begriffen habe, dass ich für solche Unternehmungen geeignet bin.

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Werkschau
„Die Reise der Karawane“
mit der Projektgruppe Orientalischer Tanz/
Ltg. Manis Sjahroeddin (DE)
im Rahmen der "Orientale"

Sa., 01. März 2014
um 20:00h
tanzhaus nrw
Düsseldorf
Die erste Projektgruppe 1992 - hier beim Trommeln mit Bruno Assenmacher
Projektshow der Gruppe 1992-94 - Folklore mit Tambourin
Ein Khaleegy der frühen "SINAM"
Säbeltanz der Projektgruppe aus der Werkstatt e.V., 1994
Glückliche Gesichter - Das Abschlußphoto des ersten Projektes 1992 - 1994
Manis und ihre SINAM heute
Manis mit SINAM, Auftritt bei der Orientale 2013
Manis' Solo bei der Show "COLORS", Orientale 2012
Manis liebt den Tanz mit Schleiern
Manis - Fächerschleier-Solo
„ICH BIN HALT
EH KÖLSCH MÄDCHE“

Interview mit Manis

von Marcel Bieger