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Photos © Konstanze Winkler
Grafische Gestaltung/Web Design: Konstanze Winkler
Als Mia Sha’uri im letzten Jahr beim
20. Orientalischen Festival Europas von
Leyla Jouvana und Roland auf die Bühne trat,
war sie für uns noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Das änderte sich aber binnen Sekunden. Soviel Lebensfreude, soviel Temperament und soviel Talent kannten wir vorher nur von Silvia Salamanca (und es ist gewiß kein Zufall, daß diese beiden sich gefunden haben und gemeinsam immer neue Sachen aushecken).In diesem Jahr kommt Mia wieder und tritt erneut beim Orientalischen Festival Europas von Leyla Jouvana und Roland auf.
Wir freuen uns schon drauf.

"ICH LASSE DIE MENSCHEN AN MEINEM GLÜCKSGEFÜHL TEILHABEN"

Interview mit Mia Sha’uri

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Graphik: Konstanze Winkler

Wenn man dich fragt, wie der Bauchtanz und du zusammengefunden habt, erzählst du eine hübsche Geschichte, wie du einmal ein orientalisches Restaurant besucht hast. Eine Bauchtänzerin ist dort aufgetreten und zu dir gekommen, um dich zu fragen, ob du nicht mit ihr tanzen möchtest. Aber was hat dich wirklich an diesem Tanz fasziniert, was hat dir den entscheidenden Anstoß gegeben? Und hält diese Faszination immer noch an, ist sie immer noch für dich spürbar?

Ganz ehrlich, ich nehme seit meinem vierten Lebensjahr Tanzunterricht. Alles, was mit Tanz zu tun hat, hat mich immer schon begeistert und fröhlich gestimmt.  Der Bauchtanz erschien mir damals wie eine geheimnisvolle Welt, die nur darauf wartete, von mir erkundet zu werden. Und als sich mir die Gelegenheit bot, in diese Tanz-Szene hineinzukommen, gab es für mich kein Halten mehr.

Nachdem ich die Grundausbildung abgeschlossen hatte, erkannte ich, wie dieser Tanz es mir ermöglicht, mich auf die vielfältigste und vielschichtigste Weise auszudrücken. Und ganz klar, da wollte ich dabeibleiben. Ich werde heute noch nervös und ganz aufgeregt, wenn ich neuen Tanzunterricht nehme. Dieses komische Gefühl hat im Lauf der Zeit kein bißchen nachgelassen, im Gegenteil! Und deswegen darf ich wohl mit Fug und Recht behaupten, daß der Bauchtanz mich immer faszinieren wird!

Du hast eine ganz besondere Art, mit dem Publikum zu kommunizieren, und deine Fröhlichkeit und Lebensfreude strahlen bis in die letzte Reihe aus. Könntest du uns einige deiner Geheimnisse verraten, wie du das zuwege bringst?

Vielleicht liegt das daran, daß ich so glücklich bin, wenn ich tanze. Ich glaube ganz fest daran, daß zur Kunst auch unbedingt Unterhaltung gehört. Und es ist unsere Pflicht,

unsere Gefühle mit dem Publikum zu teilen, um sie wenigstens für ein paar Minuten in eine andere Welt zu entführen. Wenn sie für fünf Minuten ihre Probleme vergessen und sich währenddessen einfach nur gut fühlen können, dann habe ich meine Arbeit gut getan. Mein Ziel heißt, das Publikum von den Füßen zu reißen und freudetrunken zurückzulassen. Und gibt es dafür etwas Besseres, als sie am eigenen Glücksgefühl teilhaben zu lassen?
Wenn du an einem neuen Stück arbeitest, wie gehst du dann vor? Was steht am Anfang? Ein bestimmtes Musikstück, eine bestimmte Bewegung oder vielleicht sogar ein Ausstattungsgegenstand?

Bei einem neuen Stück geht es in erster Linie darum, vor was für einem Publikum ich auftreten will. Meistens halte ich ein paar Nummern in Reserve, die nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, um zum Einsatz zu kommen. Darüber hinaus tanze ich die Stücke, von denen ich annehme, daß sie dem jeweiligen Publikum am besten gefallen. Wenn mir ein bestimmtes Accessoire oder eine ganz eigene Bewegung beständig durch den Kopf geht, suche ich nach einem dazu passenden Musiktitel. Wenn ich aber ein bestimmtes Stück bereits im Auge habe, arbeite ich am Eingang und am Abgang, packe ein paar überraschende Akzente um den Mittelteil und arbeite dann die Übergänge aus.

In  der Regel schreibe ich die Choreographie auf, damit ich weiß, wie viele Takte die jeweilige Nummer hat und wo die Übergänge und die Akzente sitzen. Das spart mit dann beim Einüben Zeit und bewahrt mich vor Fehlern in der Choreographie. Wenn ich spüre, daß das Publikum etwas anders braucht, kann ich auch kurzfristig kleinere Änderungen vornehmen. Was sich für sie und für mich gut anfühlt, ist
immer die beste Ausdrucksweise.

Deine Heimat Puerto Rico gehört zwar zu den USA (wenn auch mit Sonderstatus), aber wie sehen sich die Bauchtänzerinnen auf dieser Insel: als Bestandteil der US-Szene oder als etwas Eigenständiges, als puertoricanische Szene? Und wenn letzteres zutrifft, wie unterscheidet sich dann die Insel-Szene von der des Festlands, ist sie eher Latino- oder spanisch-orientiert?

Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, daß wir Puertoricaner uns als eigenständige Szene verstehen. Unsere Ausbildung ist viel mehr auf Accessoires ausgerichtet. In den meisten Ländern, die ich besucht habe, heißt es hingegen: erst der Körper, dann die Accessoires. Bei uns orientiert sich die Laufbahn auch viel mehr an den Restaurant-Auftritten, weil wir eher selten eigene Säle und Veranstaltungshallen buchen können. Das hat den einfachen Grund, daß unsere Gemeinde so winzig ist. Dafür kommt uns unsere warme Atmosphäre, die geradezu zum Partyfeiern einlädt, sehr entgegen, um mit dem Publikum zu kommunizieren. In allen unseren Bewegungen steckt eine Prise „Sabor“ (lateinamerikanische Gewürzmischung), und unser Leben auf der Insel beschwingt uns und stimmt uns froh, was sich in allem, was wir tun, ausdrückt. Wir haben zwar hier auf Puerto Rico keinen eigenen, einheitlichen Tanzstil, aber wann immer eine von uns auftritt und tanzt, gelingt es ihr rasch, solche Lebensfreude an jeden Tisch zu bringen, und das macht, glaube ich, unsere Eigenständigkeit aus.

Ich werde mit Stellar Advantage arbeiten (internationale Show-Veranstaltungen und Unterricht), und natürlich komme ich auch wieder nach Europa. Zum Beispiel nach Italien, und Ende November trete ich wieder auf der Gala bei Leyla Jouvana und Roland auf. Wer es ganz genau wissen will, der werfe doch bitte einen Blick auf meine Homepage.
Was hast du für Zukunftspläne, und werden wir dich wieder in Europa sehen?

Mein wichtigstes Vorhaben für die Zukunft: in dieser großen Bauchtanz-Gemeinschaft zu bleiben. Ich will mit ihr wachsen, mich fortbilden und mich mit so vielen Kollegen und Kolleginnen austauschen, wie das nur möglich ist. Bislang habe ich viel Glück gehabt, denn mir sind so viele Gelegenheiten geboten worden, das zu tun, was ich am liebsten tue. Ich hoffe, das geht noch eine ganze Weile so weiter.
Homepage Mia Sha'uri:
www.miashauri.com
Mia Sha'uri ist zu Gast bei
Leyla Jouvana und Rolands
21. Orientalischen Festival Europas

22. November bis 3. Dezember 2013
in Duisburg
www.leyla-jouvana.de
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