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Grafik & Layout: Konstanze Winkler
Nabila Sabha bietet ein weltweit einzigartiges zertifiziertes Ausbildungsformat an: "Frau" erlernt die Basis und Regeln der orientalischen Musik, deren tänzerische Umsetzung mit Livemusik sowie das Geheinmis der Kommunikation mit den Musikern. Tänzerische Freiheit, ob mit CD- oder Livemusik, ist das Ergebnis. Lest hier, was die gebürtige Jordanierin, die in Berlin lebt, zu erzählen hat:

"RAKSlife" – MEIN LEBENSTRAUM

Interview mit Nabila Sabha
Konzept & künstlerische Leitung
der Livemusik Tanzausbildung


- von Konstanze Winkler
Erzähle uns bitte von deiner eigenen Tanzkarriere und wie du auf die Idee zu „RAKSlife“ gekommen bist.

Im bin den klassischen Weg aller tanzbegeisterten Mädchen gegangen. Im Alter von 6 Jahren startete ich eine Kinderballettausbildung und blieb dem Ballett bis zu meinem 14 Lebensjahr treu. Mit 15 Jahren gewann ich in einem Radiogewinnspiel Karten zu der Show des damals ganz neuen Traumtheaters "Salome" von Harry Owens.  Dort sah ich meine persönliche, orientalische Tanzgöttin: die amerikanische Tänzerin Feyrouz!. Von da an war es für mich klar: So tanzen, das will ich auch!

Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis ich meinen Jugendtraum in die Tat umsetzten konnte. Über Zufälle, Irrungen und Wirrungen begann ich dann 1988 professionell in Berlin orientalisch zu tanzen. Meine Shows entwickelten sich weiter und brachten mir alsbald weltweite Auftritte und Unterricht. Dank meiner jordanischen Herkunft fühlte es sich für mich nur natürlich an, die ersten Auftritts-Tanzschritte mit arabischer Livemusik zu machen. Dies bescherte mir in Folge Auftritte im Programm namhafter libanesischer Sänger wie z.B. Assi Helani und anderen. Zu jener Zeit wurde in Berlin viel Livemusik gespielt - alle Kulturkreise hatten ihre Musiker. So ergab es sich, dass ich für alle Gesellschaften fast immer mit Livemusik tanzte, angefangen von der arabischen, türkischen, griechischen bis hin zu persischen Musik. 1996  und 1997 wurde ich für mehrmonatige Engagements im Ausland engagiert.  Die Zeit in London war dann für mich persönlich die interessanteste im Bereich Livemusik. Dort leben und lebten die besten ägyptischen Musiker außerhalb Ägyptens. Seit 2000 reise ich nun weltweit zu Festivals der Orientszene, um den orientalischen Tanz in seiner
Ursprünglichkeit darzubieten und zu unterrichten. Von meinen arabischen Zuschauern hatte ich vor Jahren den Titel "Queen of Baladi" verliehen bekommen, da ich den typisch ägyptischen Tanzstil "Baladi" in ihren Augen nicht nur perfekt beherrsche, sondern tänzerisch lebe. Diese "Auszeichnung" bedeutet mir sehr viel, denn der Baladi ist für eine Tänzerin mit dem Anspruch hat, ägyptisch zu tanzen, die größte Herausforderung. Dazu gehören eine bestimmte Körper- und Seelenhaltung und viel Erfahrung. Baladi heißt übersetzt "Heimat", und wer die Heimat, also die Seele Ägyptens, tänzerisch darstellen will, muss Ägypten lieben. Ich liebe Ägypten!
1989 reiste ich mit ein paar Freundinnen das erste Mal nach Kairo und nahm dort Unterricht bei der berühmten Tänzerin Nadia Hamdi. Seither besuchte ich über 14 Jahre regelmäßig mindestens 4 x jährlich Ägypten zu Studienzwecken,  um das Land, die Leute, die Gerüche, das Lebensgefühl in mich aufzusaugen. Ohne diese Reisen konnte ich nicht mehr leben - Ägypten war und ist meine zweite Heimat!

Ich schaute mir alle Tanzshows in den 5-Sterne Hotels an, sah Nagua Fuad, die lebende Tanzlegende live auf der Bühne, auch  Lucy und die großartige Mona Said. Später selbstverständlich die Stars von Heute z.B. Dina und Randa Kamel. Natürlich entgingen mir damals die in Kairo tanzenden ausländischen Tänzerinnen nicht. Von der ersten Stunde an verfolgte ich ihre Auftritte. Sahra Saeeda, Jasmina of Cairo, Diana Tarkan, Jalilah, Samasim und all die vielen anderen.

2006 war ich die erste aus Deutschland kommende Lehrerin auf dem berühmten "Ahlan wa Sahlan" Festival von Raqia Hassan in Kairo. Dort unterrichtete ich regelmäßig bis 2010. Seit 2011 unterrichte ich beim "Nile Group" Festival in Kario. Geprägt durch meinen tänzerischen Start zu Livemusik ziehe ich immer einen Auftritt mit Livemusik vor, statt zu einer CD zu tanzen - egal, ob geprobt oder nicht. Eher lieber ungeprobt und fast ohne jegliche Absprachen mit den Musikern. Das erhört meine Reaktionsfähigkeit, öffnet meine Ohren und mein Herz, läßt mich spontane Ideen tänzerisch umsetzen und somit das Publikum mitreißen. Letztendlich bin ich deshalb dazu in der Lage, weil ich eine sehr große tänzerische Bewegungsvielfalt habe, mich auf jeden arabischen Rhythmus aus dem "eff-eff" bewegen kann. Ich erfinde spontan auf der Bühne meine Performance, da ich viele, viele Jahre Auftrittserfahrung mit Livemusik habe und die Regeln der Livemusik, deren Zeichen und Merkmale kenne und beherrsche. Dieses Wissen gebe ich auf hohem Niveau im Rahmen meiner „Rakslife“-Ausbildung weiter. 2013 geht´s wieder los!
Teacher Show "Nile Group" Festival in Kairo
Wie ist „RAKSlife“ entstanden?

Da ich zu meiner Anfangszeit keinen Lehrer hatte der mir sagte wie das mit der Livemusik funktioniert, mußte ich eben alles ausprobieren und aus den Fehlern lernen. Genügend Gelegenheiten hatte ich dazu. Zu dieser Zeit trat ich fast täglich mit Livemusik auf. Ob arabischen oder türkischen Hochzeiten, bei Konzerten oder, Feierlichkeiten, in besseren Restaurants, auf griechischen Festen oder auf dem persischen Neujahrs-Fest. Berlin war zu jener Zeit ein "El Dorado" in Sachen Livemusik.

Doch schon zu jener Zeit gab es kaum Tänzerinnen, die mit Livemusik Erfahrung hatten. Ich ahnte wohl instinktiv, daß es wahrscheinlich gewisse Regeln gibt, die man bei Livemusik beachten muß, konnte sie aber nicht benennen.

Aus diesem "Bauchgefühl" und dem Umgang mit den Musikern resultierten meine Erfolge, die dann vielen Buchungen mit Livemusik führten. Dass eine orientalische Band keinen Dirigenten kennt, bemerkte ich recht schnell. Aber mir stellten sich auch solche Fragen: Wie  kommunizieren dann die Musiker untereinander?

Warum  spielen die Musiker für Sänger ganz anders als für Tänzerinnen?

Wie  funktioniert die non-verbale Kommunikation zwischen Tänzerin und Musikern auf der Bühne?

Alle Tanzvideos aus Ägypten, derer ich habhaft werden konnte,  wurden von mir verschlungen, um herauszubekommen, was das Geheimnis hinter dem Tanzen mit Livemusik war. Dazu zählten die Musikfilme 30er Jahren, bis hin zu den Show-Videos der Neuzeit, etwa mit Mona Said oder Dina.
Ich stellte fest, dass sich die Instrumente in den Orchestern über die Jahre veränderten und moderner wurden, somit auch der Tanzstil der Tänzerinnen. Warum?

Aber immer war ein Solo-Drummer dabei.

Warum?  Fragen über Fragen deren Antworten ich unbedingt erhalten wollte. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde für mich er berühmte Auftritt von Mona Said, bei dem sie "Lissa Fakir" tanzt. Was tat sie da mit der Hand hinter ihrem Rücken? Warum kann man das Fernsehgerät nicht drehen und dahinter entdecken, was sie da tut und was daraufhin passiert? Aber ich erkannte dann doch, daß der Solo Drummer wie von "Zauberhand"  plötzlich ein schnelles Prasseln produzierte, passend zu ihren Hüftbewegungen und Shimmies.

Was  war passiert? Woher  wußte er, was sie wollte? Gab es etwa körperliche Zeichen als Kommunikationsmittel? Oder Zeichen in der Musik, die Änderungen anzeigen? Wer gab diese Zeichen? Durfte ich sie auch der Band geben? Oder nur Musiker an Musiker???? Fragen über Fragen, auf die ich über viele Jahre intensivster, kostspieligster und zeitaufwendigster Recherche Antworten gefunden habe. Dazu gehörten u.a. auch viele, viele Reisen nach Ägypten, Gespräche mit Musikern und noch viel mehr "Selbstversuche".

Existieren diese Regeln und Zeichen bei Livemusik, so muss es sie generell bei orientalischer Musik geben? Ebenso bei aufgenommener Musik, sprich CD-Produktionen? Demzufolge ist es wichtig und sinnvoll, diese Regeln und Zeichen zu kennen. Eine ideale Vorrausetzung für das Choreografieren oder improvisierte Tanzen zu CD-Musik! Es wurde zu meinem Lebenstraum, all diese Erfahrungen und mein Wissen in Form einer Livemusik-Tanzausbildung weiterzuvermitteln. Seit sehr vielen Jahren arbeite ich an dem Konzept dafür, eben an „RAKSlife“.
Endlich war es im vergangenen Jahr soweit: Das erste Ausbildungsjahr „RAKSlife“ startete im Januar 2012 mit phantastischen Teilnehmerinnen!  Die Abschluß-Show wurde über alle Maßen vom Fachpublikum gefeiert und unter anderem als "Juwel am Veranstaltungshimmel" bezeichnet! Das macht mich sehr stolz auf meine Arbeit und auf meine Teilnehmerinnen! Im Januar 2013 geht es wieder los mit den nächsten Teilnehmerinnen und ich freue mich schon riesig darauf!
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Das Finale mit feierlicher Zertifikat-Übergabe an die Absolventinnen des ersten Ausbildungs-Durchganges von RAKSlive
Nabila und Live Drummer Guy Schalom
Nabila beim "Ahlan wa Sahlan" Festival in Kairo
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Photos ©: 1, 5 und 6 André Elbing (www.andre-elbing.de), 2 Rainer Gutzmer, 4 Sergey Kapkan, 7 Uemit Bedri Hoser, 3 mit freundlicher Genehmigung von Nabila
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