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Grafische Gestaltung: Konstanze Winkler
Tribal ist ein weltweites Phänomen, und es empfiehlt sich immer wieder der Blick über unseren Tellerrand – und das nicht nur in Richtung USA. In der österreichischen Hauptstadt Wien ist ein Tribal-Duo zuhause, das uns bei unseren (viel zu seltenen) Begegnungen regelmäßig in Erstaunen versetzt. „Nakari“ nennen sich diese beiden quirligen, phantasievollen, witzigen und gescheiten jungen Frauen, Dorothea und Michaela. Sie können nicht nur prima tanzen, sie sind auch überaus rührig, und es wird höchste Zeit, mit diesem Duo ein Gespräch zu führen. Ende August, genauer gesagt vom 27.-31.8., findet ihre Veranstaltung „Caravanseray Vienna“ statt, deren Besuch sich immer lohnt. Was Doro und Michaela sonst noch alles so treiben, und das ist wirklich eine Menge, lest ihr am besten jetzt:
Wie habt ihr euch zum Duo gefunden, was habt ihr vorher gemacht und wie seid ihr an den Tribal Fusion geraten.

Eigentlich sind wir beide unabhängig voneinander zur gleichen Zeit zum Tribal Fusion geraten, als wir noch Orientalisch getanzt haben. Ein Video von Rachel Brice war schuld an unserer Besessenheit, wie sollte es anders sein?

Wir haben uns als Tänzerinnen des Wiener Improvisational Tribal Stammes „Wüstenrosen“ getroffen. Die Wüstenrosen tanzen klassische Tribal Impro mit Bewegungen von Fat Chance Bellydance, Blacksheep Bellydance, Gypsy Caravan und anderen Tribes, beeinflußt durch Shahrazad und unsere eigenen Variationen und Kreationen. Wir sind ganz stolz darauf, daß sich unser sogenannter Wüstenrosen- oder Austrian Tribal Style mittlerweile auch schon in andere (österreichische) Bundesländer verbreitet hat. Es hat sich sehr schnell herausgestellt, daß unsere verrückten Ideen und Fusion-Tendenzen den Rahmen der Wüstenrosen gesprengt hätten. Deswegen haben wir uns noch einen anderen Spielplatz zugelegt und das Nakari Duo gegründet!

Wir sind beide weiterhin stolze Wüstenrosen und beschäftigen uns sehr viel mit den Sprachen des Improvisierten Tribal - Michaela bildet sich gerade im American Tribal Style fort und Doro ist Österreichs erste Unmata ITS-Lehrerin. Wir widmen uns leidenschaftlich der Verbreitung des Tribal-Virus und arbeiten unermüdlich daran, alle Leute die mit uns in Berührung kommen, auch anzustecken!
Neben euren anderen Aktivitäten tretet ihr auch noch auf Festivals als Duo auf, wie teilt ihr eure Zeit ein - oder ist das Privatleben ganz gestrichen?

Tribal ist für uns schon zum Lebensstil geworden, und unsere Privatleben sind eng mit den Tanzleben verwickelt. Wir lieben es, zu Festivals zu fahren, unsere Tribal-Familie zu treffen, unsere Leidenschaft für Tribal mit anderen Gleichgesinnten zu teilen, und gleichzeitig neue Länder und Städte zu sehen, wo wir vielleicht sonst nicht hinkommen würden.

Unsere Partner wissen Bescheid über die Tribal Szene, kennen viele Tänzer und Tänzerinnen und fahren auch immer wieder mit zu Festivals. Manchmal helfen sie sogar fast freiwillig beim Nähen der Kostüme! Flo, Doros Partner ist Mit-Organisator von unserem Festival Caravanseray Vienna und zuständig für alle Grafikdesigns und Webseiten.
Unser Improstamm Wüstenrosen ist auch wirklich zu einem Stamm zusammengewachsen, wir tanzen nicht nur zusammen, sondern feiern auch alle wichtigen Ereignisse, helfen uns gegenseitig bei anderen Projekten, inspirieren uns gegenseitig mit unseren vielfältigen Interessen, und sind in guten wie in schlechten Zeiten ein Unterstützungsnetz füreinander.
Doro studiert Pädagogik für Zeitgenössischen Tanz am Konservatorium Wien. Michaela studiert Kultur- und Sozialanthropologie und Politikwissenschaft an der Uni Wien. Wir beide unterrichten unsere wöchentlichen Tanzkurse und einmal wöchentlich ist fixes Wüstenrosen-Training. Unsere Nakari-Proben nutzen wir zum Trainieren und Choreographieren, administrative und organisatorische Arbeit teilen wir uns auf und treffen uns zusätzlich zu Besprechungen. Immer wieder treffen wir uns aber auch wirklich in unserer Freizeit und gehen mal ins Theater, Kino, zu Ausstellungen, an die Donau, in die Innenstadt oder zu anderen Veranstaltungen. Wir sehen oder hören uns eigentlich jeden Tag, immer wieder kommt auch Michaelas Post bei Doros Adresse an, wir fühlen uns also schon ein bißchen miteinander verheiratet.
Wie unterscheiden sich eure Erfahrungen als Duo von denen einer Solistin?

Das Gefühl auf der Bühne ist deutlich anders, wenn Frau alleine oder mit anderen auftritt. Die Verantwortung für den Auftritt teilt sich in der Gruppe natürlich auf mehrere Personen auf, dafür kann eine Solo-Tänzerin sich die Freiheit nehmen, spontan etwas zu ändern.

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß es uns mehr Spaß macht, gemeinsam zu choreographieren und Stücke vorzubereiten als alleine, motiviert durch gegenseitige Inspiration. Wir sind schon in verschiedensten Formationen auf der Bühne gestanden, ob mit Wüstenrosen und Improvisiertem Tribal, Nakari oder Solo mit Fusion-Stücken, in Kollaborationen mit anderen Tänzern und Tänzerinnen - Zeitgenössisch, Tribal und andere Stile, immer wieder auch mit Musikern, Schauspielern oder anderen Künstlern. Wir schätzen alle Konstellationen und lieben die Möglichkeit sich in der Vielfalt zu entfalten.
Man verbindet mit euch das Festival "Caravanseray Vienna". Wie seid ihr darauf gekommen, ein solches Festival ins Leben zu rufen, und wie hat es sich im Lauf der Jahre entwickelt.

Die Caravanseray Vienna ist aus unserem Wunsch erwachsen, von unseren Lieblingstänzerinnen zu lernen und diese Möglichkeit auch weiteren Tänzern in Österreich anzubieten. Unsere erste Caravanseray-Lehrerin war 2010 Olivia Kissel, die uns mit ihren Workshops in Brünn so begeistert hat, daß wir sie nach Wien holen wollten. Als so viele Tänzer und Tänzerinnen aus verschiedenen Ländern zu uns nach Wien gereist sind, um sich weiterzubilden und zu lernen, und um anderen Tribalbesessenen zu begegnen, haben uns die tolle Atmosphäre und das Potenzial inspiriert weiterzumachen.

Das Festival ist mit jedem Jahr gewachsen, und wir laden weiterhin Tänzer und Tänzerinnen ein, von denen wir selbst begeistert sind, und entdecken strahlende Talente bei uns in Europa, die wir unterstützen möchten. Der Name 'Caravanseray' ist ein Hinweis auf einen Ort, wo sich Reisende aus allen Himmelsrichtungen treffen und austauschen können, so wie bei den tatsächlichen Treffpunkten auf den Karawanenstrecken - kleine Festungen, die ein Ort der Sicherheit und Entspannung sind und wo sich die nomadischen Verkäufer, aber auch Künstler und freie Geister treffen; dort gibt es immer Tanz, Musik und einen regen Austausch von Waren, Geschichten und Kulturen. Dieses Bild hat uns so angesprochen, daß wir jedes Jahr in Wien diese Atmosphäre erschaffen möchten.

Das Festival hat mit einer Lehrerin und zwei Tagen angefangen, mittlerweile sind wir bei fünf Tagen und acht Lehrerinnen angelangt, und haben treue Besucher, die jedes Jahr wiederkommen. Die Caravanseray wird immer weiter über die Ländergrenzen hinweg bekannt und lockt auch Tänzer und Tänzerinnen aus der Ferne zu uns!
Was ist für dieses Jahr vorgesehen?

Ihr dürft euch bei Caravanseray Vienna 2015 auf unsere bewährte Rezeptur von Tanz, Gemeinschaft und Inspiration freuen, mit noch mehr von unseren Lieblingszutaten, die das Festival so besonders machen. Die gemütliche Atmosphäre lädt ein, andere Tänzerinnen besser kennenzulernen und gibt Raum für Gespräche und Diskussionen über Tribal-Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Wir haben uns jedes Jahr zu vielen gemeinsamen Aktivitäten getroffen - dieses Jahr sind sie auch offiziell im Rahmenprogramm zu finden, damit auch die Schüchternen zum Zug kommen. Was unser Festival sonst noch besonders macht: es gibt hausgemachte Kekse von Doros Mama und Oma, die den Workshop-Teilnehmern Energie schenken, liebevoll gestaltete Festival-Pässe, die jeden Festival-Besucher zum Aufenthalt in der Magischen Tribalwelt berechtigen, handbedruckte und bestickte Festival-Kleidung und Taschen und ein Showfinale, das den Tribalgedanken verwirklicht und alle Tänzer und Tänzerinnen über die Stammesgrenzen hinweg miteinander Improvisierten Tribal tanzen läßt.
Ihr könnt gespannt sein auf ein wunderschönes Tanzstudio, wo alle Workshops stattfinden und unsere Händler ihre Schätze ausbreiten. Bei der atemberaubenden Show am Freitag treten Größen der internationalen Tribal-Szene auf einer Rockstar-Bühne auf. Am Samstag treten auch neue Talente bei der Party auf, die in einem modernen Restaurant mit einer sehr leckeren orientalisch-kurdisch-mediterranen Küche stattfindet. Unsere Afterparty am Sonntag führt uns zum picknicken auf Wiens berühmte Donauinsel, mit Feuershow der Wüstenrosen bei Sonnenuntergang und dieses Jahr neu dabei - eine Musiker Jam Session, wo orientalische Trommeln auf mittelalterliche Zister, hawaiianische Ukulele, Körperperkussion und natürlich Tribal Zimbeln treffen.

In insgesamt elf Workshops findet sich etwas für jede Tribalrichtung, ob ATS oder Unmata-ITS, Technik oder Choreographie, alles von Tänzer und Tämzerinnen, die wir mit voller Begeisterung empfehlen! Fusionen mit Indischem Tanz, „burlesque“ und Reggaeton sind auch dabei.
Neu in diesem Jahr ist das Rahmenprogramm: Um Wien besser kennenzulernen, nimmt uns eine leidenschaftliche Touristenführerin und Tribaltänzerin am Donnerstag auf einen Innenstadtspaziergang mit. Am Montag lassen wir das Festival ausklingen mit einem gemütlichen Frühstück am berühmten Naschmarkt und anschließendem Ausflug zum naheliegenden Schönbrunner Schloßpark. So können alle Tribal-Verrückten noch mehr Zeit miteinander verbringen, an den schönsten Orten Wiens!
Wie ist die österreichische Tribal-Szene aufgestellt, und welchen Platz nimmt die "Caravanseray Vienna" darin ein?

Die Caravanseray Vienna ist Österreichs einziges internationales Festival, es gibt aber auch vereinzelt Workshops mit internationalen Dozenten und Dozentinnen in Wien und den (österreichischen) Bundesländern. Am Herzen liegt uns auch sehr die Österreichische Tribal Convention, die jedes Jahr das größte Zusammentreffen aller österreichischen
Stämme ist und vor fünf Jahren von uns mit den Wüstenrosen ins Leben gerufen wurde. Durch unseren Einsatz für die Vernetzung der österreichischen Tribal Szene kennen wir eigentlich alle aktiven Stämme und Tänzer. In Wien gibt es eine recht hohe Konzentration an Tribal-Tänzerinnen und ein großes Angebot an Kursen, Workshops und Veranstaltungen. Ein Versuch etwas anzubieten, das es sonst nicht gibt, ist unsere neue Veranstaltungsreihe "Tribal Wohnzimmer", wo wir über tribalrelevante Themen Vorträge halten und diskutieren, die in Kursen und Workshops immer zu kurz kommen. Die Inspiration für dieses Konzept kamen von Afsanas Tribal Abenden in Brno (Brünn).
Wie kommt frau dazu, einen Veranstaltungskalender herauszugeben, der nicht nur zuverlässig erscheint, sondern auch noch ansprechend aufgemacht ist?

In unseren Tribal-Anfängen, als wir noch unerfahren, aber schon besessen waren, haben uns Nachrichten von interessanten Tribal-Veranstaltungen nur durch Mundpro- paganda erreicht und das leider auch oft erst nach der Veranstaltung. Damals hat es in Österreich noch fast nichts gegeben und wir sind oft zu unserer ersten Tribal-Lehrerin Bri Hurley nach Bratislava (Pressburg) oder Brünn gepilgert. Vergeblich haben wir nach einem Veranstaltungskalender für Tribal gesucht, und es hat uns sehr erstaunt, daß es in dieser Hinsicht nichts gegeben hat. Also haben wir den Kalender gebastelt, den wir uns gewünscht hätten - am 17.Juli 2015 haben die "Tribal News" fünf Jahre Jubiläum!
Haben die "Tribal News" Form, Inhalt und Charakter, wie euch das immer vorgeschwebt hat, oder plant ihr Änderungen, Ergänzungen, Erweiterungen?

Unsere Absicht ist, alle Tribal Veranstaltungen in Europa so kurz wie möglich, übersichtlich und zuverlässig zu sammeln, so daß man auf einen Blick sehen kann, was in den nächsten Monaten in der europäischen Tribal Welt passiert. In unserem Kalender sind alle Tribal Workshops, Shows und größere Veranstaltungen enthalten, und wir verweisen für nähere Informationen auf die Webseiten der Organisatoren. Wir durchforsten regelmäßig das Internet und suchen stundenlang nach Veranstaltungen und Daten. Unsere Lieblingsorganisatoren sind die, die uns schon im richtigen Format für den Kalender per E-Mail ihre Veranstaltungen senden, was uns sehr glücklich macht! Leider passiert es immer noch, daß wir von kleineren Veranstaltungen zu spät erfahren, aber auch dann treten wir mit den Veranstaltern in Verbindung, damit sie nächstes Mal den Tribal News Kalender nutzen können und die breite Europäische Tribal Szene von ihrer Veranstaltung erfährt.
Am Anfang jedes Monats senden wir an alle Abonnenten und Abonnentinnen den Tribal Newsletter auf Deutsch und Englisch mit aktuellen Terminen für den jeweiligen Monat. Der gesamte Tribal News Kalender ist immer auf unserer Webseite zu finden. Ende 2013 sind wir von einfachen Textmails auf einen professionellen Newsletter mit ansprechender visueller Gestaltung umgestiegen, mit dem wir und alle Tribal News Fans sehr zufrieden sind. Ganz neu ist die Reihe an Mini-Interviews mit bekannten Künstlern, die ihre persönlichen Einblicke über das Tribal-Dasein mit uns teilen. Wir wünschen uns eine eng vernetzte Tribalgemeinschaft und hoffen, Tribal News trägt dazu bei, daß sie auch gut informiert ist und sich auf den Festivals trifft. Es hilft uns allen, wenn möglichst alle Tribal-Interessierten von den Tribal News wissen und wir alle Veranstaltungen bewerben können. Der Weg zu den besten Tribal Festivals Europas beginnt mit Tribal News!

Ganz liebe Grüße, wir hoffen wir sehen uns bald wieder einmal,

Doro & Michaela

Links:

www.nakari.info
www.caravanseray-vienna.info
www.tribal-news.info

www.facebook.com/NakariTribal
www.youtube.com/user/NakariTribal

Die Wiener "Wüstenrosen" (Photo © Birgit Mühleder)
links, das Plakat zur diesjährigen Caravanseray Vienna. Mit dabei sind: Karolina Lux, Lamia Barbara, Alexis Southall, Mareike, Cristina Zegarra, Inga Petermann, natürlich Duo Nakari und viele mehr ...
auch Unmata-ITS wird in den Workshops unterrichtet (Photo © Birgit Mühleder)
... für jeden etwas dabei, hier wird ATS gelehrt (Photo © Birgit Mühleder)
der liebevoll gestaltete Festival-Pass (Photo © Florian Hölbling)
Duo Nakari - Doro und Michaela (Photo © Sebastian Buchner)
Photo © Sebastian Buchner
Photo:
© Tony Gigov
Photo © Birgit Mühleder
Photo © Peter Klerr
Photo © Birgit Mühleder
"WIR WIDMEN UNS LEIDENSCHAFTLICH
DER VERBREITUNG DES TRIBAL-VIRUS …"

Interview mit dem
Duo Nakari

von Marcel Bieger