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Fotos, wenn nicht anders vermerkt, (c) Neas Tribal

NEAS TRIBAL ZUM ZEHNTEN

Deutschlands ältester und bester
Tribal-Stamm hatte 2010 Geburtstag

von Marcel Bieger

Vor Jahren wurde er noch belächelt, der Tribal, heute bekommt er eigene Abende und Shows. Und während dabei so manches ins Kraut schoß und viele eine eigene Form des Tribal tanzten, findet seit einiger Zeit eine Rückbesinnung statt. Das war doch mal was, richtig, Tribal ATS war als Bewegung angetreten, weltweit allen Tribal-Tänzerinnen die Möglichkeit zu geben, ohne viel Worte gleich miteinander tanzen und so kommunizieren zu können. Dahin will frau wieder zurück, und das ist gut so. Immer dabei, gleich ob mittendrin oder vorneweg – Neas Tribal, die in diesem Sommer im kalifornischen Sebastopol beim „Tribal Fest“ auftreten, eine deutsche Tribal-Gruppe im Mutterland! Daß auch sie einen nicht immer leichten Weg zurückgelegt haben, lest ihr in diesem zweiteiligen Interview …
Wie lange seid Ihr alle schon dabei?
Basma: Ich bin zuletzt dazu gekommen, und zwar im Januar 2008. Man hat mich eingeladen, und so bin ich dazu gestoßen. Vorher war Neas Tribal für mich immer ein Stern am Himmel, und wenn man dann von dem eingeladen wird, ist das eine Riesenehre. Vorher habe ich ein bißchen Tribal und auch Bauchtanz gemacht. Ich gehöre noch einem anderen Stamm an, aber Neas Tribal ist mein Schwerpunkt was Auftritte angeht.
Loba: Ich glaube ich bin – nach Dienstjahren – das zweitjüngste Mitglied, bin 2006 dazugestoßen. Vorher habe ich nichts anderes gemacht. Januar 2005 bin ich hierher in den Kurs gekommen. Ich wußte damals nicht, was Tribal ist und hatte auch von Neas Tribal noch nie gehört. Eine Kursteilnehmerin hat mich zu einer Probestunde mitgeschleppt. Die ersten 50 Minuten habe ich nur gedacht, na ja … aber dann in den letzten zehn Minuten, als die anderen Mädels auch dabei waren und Chorus getanzt wurde ging es richtig derbe ab. Also die letzten zehn Minuten haben mich derart mitgerissen, daß ich nur noch Boah! denken konnte. Das hat mich dann völlig überzeugt.
Man kann also einfach zu Neas Tribal hingehen, sich das anschauen und dann mitmachen. Das hört sich doch sehr gut an.
Esmea: Nee, so einfach ist es nicht (lacht) Zum Kurs hingehen und gleich mitmachen, das geht. Aber bei Neas nicht. Ich bin seit 2003 dabei, und für mich war das auch was ganz Besonderes. Neas Tribal habe ich zum ersten Mal im Jahr 2000 oder sogar schon 1999 gesehen. Ich konnte ihnen bereits beim Training zusehen und fand das schon überwältigend, und dann erst der Auftritt. Da habe ich gedacht, das will ich auch können. Aber so einfach hingehen und mitmachen, das geht nicht, da muß man schon zu eingeladen werden. Dieser Moment kam bei mir
Shafiq`a: Dann bin ich jetzt wohl an der Reihe – ich bin seit 1999 dabei. Neas hatte im Mai angefangen, und ich bin dann im November dazu gestoßen. Ich habe zu jener Zeit in einem andern Ort getanzt und habe dort eine Frau kennen gelernt, die wiederum eine andere kannte, von der sie erfahren hatte, hier in Dillenburg säße eine Tänzerin, die sehr gut wäre und eine sehr gute Gruppe hätte. Dann habe ich erstmal Orientalischen Tanz gemacht, da kam ich im Mai 1999 hierher, und hier wurde schon getribalt.  Bis ich mir den dann abgeguckt hatte, war es auch schon wieder November.
2003, und das habe ich als große Ehre empfunden. Ich habe vorher OT getanzt, ich hatte und habe ja eine eigene Gruppe, die ich dann gezwungen habe, auch Tribal zu tanzen (lacht). Die hatten nämlich keine große Lust auf Tribal, aber ich fand den so toll, daß ihnen gar nichts anderes übrigblieb.
Wurde man damals auch schon eingeladen?

Nein, damals ist man einfach so hingegangen. Tribal wurde angeboten, wie die anderen Kurse auch, und da gab es noch kein Aufnahmeritual. Ich bin einfach so hingegangen.

Rahima: Ja, und bei mir hat es angefangen beim Bundesverband. Da gab es ein Treffen mit verschiedenen Workshops, und alle haben sich zum Tribal-WS angemeldet, nur ich nicht. Und später war ich dann ein bißchen traurig, weil alle Tribal supertoll fanden, und es gab auch ein Video, von Fat Chance Belly Dance, glaube ich. Unser Ensemble für orientalischen Tanz hat dann beschlossen, das wollen wir auch machen. Ich habe diesmal mitgemacht und es nicht bereut. Und so bin ich beim Tribal geblieben.  Ich bin also Gründungsmitglied, wenn man mal von dem WS absieht, bei dem ich nicht mitgemacht habe (lacht und
Gabriella: Ich bin ebenfalls seit zehn Jahren dabei, und bei mir gab es ebenfalls kein Aufnahme-Ritual. Es war ja nicht so, daß wir uns das von Anfang ausgedacht haben, sondern das hat sich im Lauf der Zeit so entwickelt. Gegründet wurde der Stamm von acht Frauen, das hat sich dann aber ganz schnell reduziert. Wir führen auch ein Stammbuch, in dem Auftritte, besondere Ereignisse und so weiter festgehalten werden. Und jede, die neu eintritt, beschreibt, was Neas Tribal für sie darstellt, was sie damit verbindet und was sie sich wünscht.
Ihr seid heute neun, und, wenn ich das eben richtig gehört habe, alle schon länger dabei, also eine recht stabile Gruppe.
Wir kriegen gerade Zuwachs! (anwesend sind nur acht, die neunte liegt im Krankenhaus und entbindet später am Abend), es wird ein Mädchen.
Shabana
Kirfa
Dharani
Recht so. Aber bleiben wir bei euch. Was ist das Besondere an Neas Tribal, daß ihr so lange dabei geblieben seid.
Wie soll man das jetzt so einfach erklären. Wir verstehen uns alle supergut, wir haben einen prima Zusammenhalt, wir verständigen uns auch ohne Worte, was vom Tanz herrührt, wo die Kommunikation ebenfalls ohne Wort vonstatten geht. Das ist hier nicht so wie in einem VHS-Kurs, wir sind alle miteinander verbunden. Wir haben eine Beziehung zueinander.

Unternehmt ihr auch jenseits vom Tanz etwas zusammen?

Wir träumen davon (alle lachen). Seit zwei Jahren sind wir schon dran. Das liegt aber auch an den Entfernungen. Wenn wir alle in Dillenburg säßen, ja, aber Nicole muß extra immer aus Bochum kommen. - Der besondere Zusammenhalt ist schon das Wichtigste bei uns. Aber der gestaltet sich nicht so, daß ständig nur Harmonie herrscht. In den letzten Jahren gab es einige Probleme, aber da sind wir gut durchgefahren. Wir haben versucht, aus den Problemen zu lernen und etwas zu verändern, und ich glaube, das ist uns gut gelungen. – Zickenterror gibt es bei uns auch, aber wir haben uns ganz gut zusammengerauft. – Wir zicken uns auch schon mal an, aber ein paar Tage später lachen wir uns darüber kaputt. Ein für mich ganz wichtiger Punkt ist aber auch, daß wir trotz des Anzickens – man ist ja auch mal mit den Nerven runter – grundsätzlich vom Positiven ausgehen. Wir setzen nicht voraus, daß wir hier jemandem mit negativen Gedanken begegnen oder mit etwas Falschem im Herzen oder im Sinn. Wir sehen uns grundsätzlich als positiv, und wenn wir uns dann mal anzicken, dann ist das nur auf der Oberfläche. Das ist das Besondere an Neas Tribal. Das macht es auch über einen langen Zeitraum schön. Für mich ist es einfach immer schön, mit euch zusammenzusein. Paris war ein ganz großes Beispiel dafür (Nea’s Tribal ist am 24./25. Januar 2009 auf dem Bellyfusions Festival in Paris aufgetreten – siehe Bericht in dieser Zeitung). Das war für mich alles nur genial, nicht nur der Auftritt, der war höchstens die Hälfte der ganzen Geschichte.  Wir hatten soviel Spaß miteinander, alles war so toll. Dieses Nebeneinander, miteinander tanzen und auch darüber hinaus gern miteinander zusammen sein, das macht die ganze Geschichte so rund. – Die Akzeptanz, das jede anders ist und doch zur Gruppe gehört. – Absolut! – Bedenken muß man auch den Altersunterschied. Rein von den Jahren her könnten einige hier meine Mutter sein.

Neas Tribal in Paris, unten beim Bellyfusions Festival 2009
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Foto: Eric Perney (c)
fügt hinzu) Bei mir gab es auch kein Aufnahme-Ritual.
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