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In Stuttgart etabliert sich ein Orient Festival, das auf seine Weise zu den großen gezählt werden darf. Die Tänzerin Artemis und ihr Ehemann Dieter Dewald rufen in diesem Jahr zum 5. ORIENTALISCHEN TANZFESTIVAL STUTTGART GLOBAL im Kultur- und Kongreßzentrum Sängerhalle, Lindenschulstraße 29, 70327 Stuttgart,
und dort ist alles vertreten und alles erlaubt.
US-Stars werden nicht bloß wegen ihrer Herkunft ins Rampenlicht gestellt,
Tribal Fusion und ähnliches werden
nicht nur geduldet.
OHNE KÜNSTLER KEINE SHOW

Interview mit Artemis und Dieter Dewald

von Marcel Bieger

Ihr feiert 2013 ein kleines Jubiläum, zum fünften Mal OTF.

Alljährlich seit 2009 hat unser Festival stattgefunden, und so werden wir es auch in Zukunft handhaben.

Gibt es in Stuttgart eine ausgeprägte Tanzszene?

Artemis: Wir haben dort schon sehr viele Tänzerinnen und eine ganze Reihe Studios, auch renommierte. Um den Nachwuchs ist es auch recht gut bestellt. Aber Stuttgart hat doch auch im Bauchtanz den Ruf gehabt, etwas verschlafen zu sein. Unsere Tänzerinnen haben sich gar nicht groß außerhalb ihrer Stadt bewegt.

Da ich sehr viel herumgekommen bin und die unterschiedlichsten Workshops genossen habe, ist mir natürlich nicht verborgen geblieben, daß es außer der Stuttgarter Tanzszene auch noch etwas anderes gibt.

Infolgedessen habe ich mich eben eines Tages entschlossen, das Orientalische Tanzfestival (OTF) ins Leben zu rufen. Mit den von uns engagierten internationalen Tänzern und Dozenten haben wir frischen Wind ins Ländle gezaubert. Ich selbst bin ja auch eine versierte Raks Sharki-Tänzerin, die gern zu arabischer Live-Musik tanzt, und wir haben Auftritte zu Live-Musik mit dem Festival wieder publik gemacht.

Du hast gerade die Live-Musik erwähnt, wo liegen die weiteren Schwerpunkte?

Na, das ist eindeutig der anspruchsvolle Tanz, vom Orientalischen Tanz bis hin zum Tribal Fusion. Der Schwerpunkt liegt aber ganz eindeutig auf dem klassischen Tanz, sonst hätte die Live-Musik ja wenig Sinn. Wie das Ganze im einzelnen aussieht, hängt natürlich auch von der Auswahl unserer Stars und Dozenten ab. Bei der Jubiläums-Veranstaltung 2013 steht ganz eindeutig der klassische orientalische Tanz im Vordergrund.

Wer spielt denn in der arabischen Live-Band mit?

Der musikalische Leiter ist Ali Baba aus Berlin, dann Mohamad Ali und Dr. Nayef Taha, die drei sind der Kern der Truppe, dazu kommen noch einige Musiker zur Ergänzung. Darunter Adel, ein Violinist aus Marokko, des weiteren ein Nai-Spieler, den wir aber noch nicht kennen, und ein marokkanischer Baß-Trommler.

Zu Live-Musik zu tanzen bedarf es ja einiger Erfahrung, proben die Künstlerinnen vorher mit den Musikern?

Am 16. März sind ab Mittag Räumlichkeiten in der Sängerhalle bereitgestellt, in denen die Tänzerinnen mit den Musikern proben können. Natürlich ist es so, daß man als Tänzerin schon einige Erfahrung mit Live-Musik haben muß, ehe man auf einer Abend-Gala damit auftritt. Wer so etwas noch nie gemacht hat, der kann das bei unserer Generalprobe nicht erlernen. Das ist nur etwas für erfahrene Live-Tänzer mit einem sehr guten Musikverständnis.

Gibt es noch weitere Schwerpunkte?

Wir pflegen beim 5. OTF wieder verstärkt die Folklore. Mit Saleh Nagah, einem  ägyptischen Tänzer, bringen wir ägyptischen Volkstanz auf die Bühne. Aber auch Tribal Fusion und Fantasy kommen bei uns nicht zu kurz, weil diese Genres sich anhaltender und wachsender Beliebtheit erfreuen. Eine unserer Künstlerinnen auf diesem Gebiet ist Aepril Schaile aus den USA, die ich auf einem Tribalfestival kennengelernt habe. Ich habe bei ihr Workshops belegt und im Zuschauerraum ihre Auftritte gesehen. Sie hat mich rundum begeistert, und ich halte sie für eine Ausnahme-Tänzerin.

Darüber hinaus ist es uns natürlich auch wichtig, Tänzer aus unterschiedlichen Nationen dabeizuhaben. Zum Beispiel Assale Ibrahim aus dem Irak, die mittlerweile in der Schweiz lebt, von ihr werden wir einen typischen irakischen Zigeunertanz zu sehen bekommen. Diesen wird Sie auch in einen Workshop unterrichten. Sie ist eine authentische Vermittlerin dieser Tänze, es springt bei ihr sofort der Funke zum Publikum über. Aus der Türkei kommt Özgen, der inzwischen in England lebt und auf dem OTF den  türkischen Buchtanz darbietet und in einem Workshop unterrichtet.  Ergänzend zu Assale Ibrahims irakischen Gypsy-Tanz wird er den türkischen Roma-Zigeunertanz präsentieren.

Du tanzt doch sicher auch, oder?

Natürlich, liebend gern sogar, und erst recht zu Live-Musik. Das ist geradezu eine Passion von mir. Zusätzlich gibt es noch von mir einen Tanz aus dem Fantasy-Bereich zu sehen. Generell trete ich mit meinem Tanzensemble  „Oriental Amazones“ auf. Das Ensemble besteht aus sehr versierten Tänzerinnen, die auch als Solo-Tänzerinnen in der Szene auftreten.

Wer von den Künstlern tanzt denn noch zu Live-Musik?

Einer unserer Schwerpunkte sind Tänzerinnen, die den Orientalischen Tanz in Deutschland publik gemacht haben. Regelmäßig präsentieren wir eine der  renommierten Künstlerinnen auf unserem OTF. 2013 wird das Reyhan aus Frankfurt/M. sein, die zu Live-Musik tanzt. Aus Ägypten kommt Yasmina of Cairo, die jahrelang in Kairos 5-Sterne-Hotels mit einem großen Orchester aufgetreten ist. Zudem haben wir Nyla Reiter engagiert, die ursprünglich aus Sibirien stammt, jedoch seit Jahren in Deutschland lebt. Aus der Stuttgarter Gegend präsentiert sich Shalima, eine liebe Kollegin aus Filderstadt, zur Live-Musik. Des weiteren werden Assale Ibrahim, Dahab Sahar vom BVOT und Chefredakteurin der Vereinszeitschrift „Chorika“ sowie meine Ensemble-Tänzerin Yasirah zur Live-Musik tanzen.

Das hört sich nach einem großen Programm an.

Das kann man wohl sagen (lacht)! Auf eines möchte ich noch hinweisen: Bei unserem Jubiläums-Festival wird die von Azad Kaan und mir ins Leben gerufene Projektgruppe „Bouquet d’Orientale“ auf der Gala-Bühne stehen.

Welche renommierten deutschen Tänzerinnen und Tänzer hattet ihr denn schon bei euch?

In diesem Jahr sind das die bereits erwähnten Künstlerinnen Reyhan und Shalima; bei früheren Gelegenheiten waren Samara el Said aus Stuttgart und Beata und Horacio Cifuentes sowie Nabila Sabha aus Berlin bei uns. Natürlich hatten wir auch schon Leyla Jouvana und Roland engagiert. Fantasy Spezialistin Shirin Yasar vervollständigt das Abendprogramm.

Wichtig ist uns auch, jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Chance zu geben, wie z.B. Lia Verra aus Griechenland sowie Sora aus Heidelberg.

Wie siehst Du die Zusammenarbeit mit Deinem Ensemble?

Die Tänzerinnen meines Ensembles Oriental Amazones werden von mir sehr gefördert in Bezug auf Tanztechnik und Auftritte. Vom Können her kann man sie in die Master Class einstufen. Die Jungen Tänzerinnen sehe ich als Ergänzung zu den reiferen und erfahrenen Künstlerinnen, nicht als deren Konkurrenz. Nachwuchs zu fördern, fordert und hält jung! Ich kann mich daran erfreuen, Tanz-Talenten den Weg zu ebnen. Ich sehe meine Tänzerinnen wie Kinder, die sollen ja einmal aus dem Haus, und man erfreut sich daran, wenn sie selbstbewusst ihren Weg machen und sich zurechtfinden.

Aber zum OTF gehört ja noch einiges mehr …

Dieter: Man kennt das OTF nicht nur wegen der hochkarätigen Abend-Gala, sondern auch wegen der beliebten Nachmittags-Galas. Wir bieten an beiden Tagen, Samstag wie Sonntag, ein sehr umfangreiches Programm. Zusammen ergibt das in diesem Jahr achzig Auftritte,

nicht eingerechnet die Abend Gala. Jeweils beginnt das Programm um 11 Uhr vormittags und endet zwischen 16 Uhr 30 und 17 Uhr. Geboten werden so ziemlich alle Tanzstile, die das Genre hergibt, von klassischem OT bis Modern und Tribal Fusion. (Fast) alles ist erlaubt, es ist eine wahrlich „offene“ Bühne. Da findet man natürlich die Anfängerinnen, die sich zum ersten Mal an die Öffentlichkeit wagen, Hobbytänzerinnen, berufstätige Frauen, die nebenbei gern aus Spaß an der Freud’ tanzen. Es präsentieren  sich hochkarätige Solo-Tänzerinnen aus aller Welt. Gelegentlich treten erfolgreiche Nachmittags-Tänzerinnen im Folgejahr in der Abend-Gala auf. Die Moderation der Nachmittags-Galen erfolgt von Selena, die auch in der Abendgala auftritt.
Wer es versteht, seine Chancen zu nutzen, ist bei uns in der Nachmittags-Gala gut aufgehoben. Wir betrachten die Nachmittags-Galas als eines der Kernstücke unseres Festivals. Deswegen auch die Philosophie unserer Veranstaltungen: Bei uns stehen die Künstler, die Tänzer wie die Musiker, im absoluten Mittelpunkt des Geschehens. Der Basar rundet das Festival optimal ab.   

Anfangs waren die Nachmittags-Galen noch stärker regional ausgerichtet. Das hat sich inzwischen aber grundlegend geändert. Mittlerweile sieht man tagsüber auf der Bühne Franzosen, Schweizer, Italiener und sogar Norddeutsche. Die Abend-Gala Künstler werden von uns gegen Gage engagiert. Wir nennen das Benefiz für die Künstler. Ohne Künstler gäbe es kein Festival.

Artemis: Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten können nicht alle Künstler Workshops geben. Wir wählen dann diejenigen aus, bei denen gute Aussichten bestehen, daß sie ihren Kurs auch voll bekommen.

Dieter: Wir haben eine Halle gefunden, die für alle künstlerischen Belange außerordentlich gut geeignet ist, nämlich die Sängerhalle in Stuttgart.

Artemis: Optimal ist, daß wir alle Festivalaktivitäten einschließlich der Workshops, in einem Gebäude unterbringen können.  

Dieter: In der Sängerhalle gibt es eine Bankett-Bestuhlung einschließlich Service- personal. Im Restaurantbetrieb in der Sängerhalle erhält man Speisen und Getränke zu erschwinglichen Preisen. Beim OTF Stuttgart Global am 16. und 17. März 2013 werden wir uns hoffentlich wieder über viele Teilnehmer und Besucher freuen.

Lia Verra (Griechenland)
Sora
Artemis mit der Live Band
Dahab Sahar
Nyla Reiter (D/Sibirien)
Yasmina of Cairo (Ägypten)
Shalima
Artemis' Ensemble, die "Oriental Amazones"
Artemis
Reyhan
Aepril Schaile (USA)
Özgen (Türkei/England)
Saleh Nagah (Ägypten)
Dr. Nayef Taha
Ali Baba
Veranstalter-Ehepaar: Dieter Dewald und Artemis
Assale Ibrahim (Irak)
Homepage: www.artemis-events.net
Photos: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Artemis und Dieter Dewald
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Artemis und Dieter sind für alles offen, denn für sie stehen die Künstler eindeutig im Vordergrund, und denen wollen sie keine Vorschriften machen. Gleich erzählen sie, was man sonst noch auf ihrem Festival erwarten darf:
Wir verzichten bewußt auf Contests, weil es unserer Meinung nach davon schon mehr als genug gibt. Unsere Nachmittags-Galen sollen vielmehr Nachwuchs-Künstlerinnen als Sprungbrett dienen.
Tänzerin und Moderatorin Selena
Shirin Yasar