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Philippa Moirai, einer der bekanntesten ATS®-Tänzerinnen wird Ende August als eine der Stargäste das “Caravanseray Vienna”-Festival zieren. Wie ihr tänzerischer Werdegang verlaufen ist, was sie schon alles unternommen hat und was sie für Wien plant, das lest ihr in diesem Interview …
Photos ©: 1 und 4 Kristine Adams, 2, 3, 5 und 6 Maani Vadgama
Grafik und WebDesign: Konstanze Winkler
"DAS WAR DER
SCHLÜSSELMOMENT
IN MEINER TANZLAUFBAHN"

Interview mit PHILIPPA MOIRAI

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Du hast im Kleinkindalter mit Ballett angefangen, und heute gehörst du zu den weltweit bekanntesten ATS®-Stars. Wie ist es von Ballett zum ATS® gekommen, oder einfacher ausgedrückt: Wiwe bist du dem Bauchtanz begegnet, und warum bis du an ihm hängengeblieben?

Ich habe zwölf Jahre lang Ballett gelernt und dabei immer mal wieder meine Nase auch in andere Genres gesteckt und an der High School in der Schauspiel-AG mitgemacht. Dann bin ich nach London gezogen und habe dort die wunderbare Welt der Zirkuskünste kennengelernt. Ich bin als Zirkuskünstlerin auf Festivals und in Clubs aufgetreten und dabei dem Bauchtanz begegnet. Danach wollte ich Bauchtanz lernen und bin nach einigen anderen Tanzschulen 2004 bei Josefine Wise gelandet, die original ägyptischen OT unterrichtet hat. Bei ihr hat es unglaublich viel Spaß gemacht, ich habe eine Menge gelernt, und angesichts der Atmosphäre, bei der man sich sehr wohlgefühlt hat, wollte ich nie wieder fort. Dann ist es mir aber so ergangen wie vielen späteren Tribal-Tänzerinnen, ich habe Rachel Brice und ihre Gruppe “The Indigo” gesehen, als sie im Rahmen einer “BellyDanceSuperStars”-Show aufgetreten sind. Mir gefiel ihre Bühnen-Ausstrahlung, ihre Musik und ihre langsamen, schlangenförmigen Bewegungen. Davon wollte ich mehr! Aber zu der Zeit hat in ganz London und Umgebung niemand Tribal-Tanz gelehrt.

Also bin ich zu Workshops in ganz Großbritannien gereist, um so viel über Tribal zu lernen, wie ich nur konnte. Ich habe mir auch DVDs gekauft, um von denen zu lernen, und mich mit anderen Tribal-Verrückten über “Tribe.net” in Verbindung gesetzt. Kurzum, ich war totaler Fan! Josefine Wise hat alle zwei Jahre ein Festival veranstaltet, und dort habe ich verschiedene Fusion-Formate kennengelernt. Unter anderem hatte ich dort meinen ersten Tribal-Improvisations-Workshop bei Deirdre Macdonald von “Gypsy Caravan”. Daraufhin bin ich der “Tribal Study Group” beigetreten, aus der sich dann schließlich meine erste Gruppe entwickelt hat: “Luma”. Ich hatte zu jener Zeit auch das große Glück, mit einigen Mitgliedern von FatChanceBellyDance® in Europa wie auch in den VSA arbeiten zu können. 2006 haben Hannah Mi Anis und Lily Tsai als erste in London Tribal Fusion-Unterricht angeboten, und da war ich natürlich sofort dabei. Sie haben uns Tänzerinnen ermuntert, uns mit der Herkunft des Tribal zu beschäftigen, und dadurch ist meine tiefe Verbundenheit mit dem ATS® entstanden. In diesem Unterricht habe ich auch Jesse Stanbridge und Laura kennengelernt, und später haben wir ja “Morrai-Tribal” gegründet.
Wie hast du Carolena (Nericcio) kennengelernt, was hat dich am ATS® so angezogen, und wie ist es dir bei FCBD ergangen?

Ich bin Carolena und Megha (Gavin) zum ersten Mal bei einer Veranstaltung in Finnland begegnet. Ich hatte mit wahrer Inbrunst die DVDs von FCBD® in mich aufgesogen und Kurse bei Wendy Marlatt genommen, die damals in Irland gelebt hat. Mich haben ganz besonders die Haltung, die Ausstrahlung und der künstlerische Ausdruck des ATS® bewegt, ebenso die besondere Verbindung zwischen den Tänzerinnen und überhaupt die Kunstform dieses Tanzes. ATS® war und ist für mich das Nonplusultra! Das finnische Festival war ziemlich klein und hatte bei seiner Show nur wenige Zuschauer. Aber ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, wie es mir erging, als Carolena und Megha direkt vor mir getanzt haben. Ich wollte gar nicht mehr fort von diesem Ort. Das war der Schlüsselmoment in meiner Tanz-Laufbahn. Ich habe mit Carolena Kontakt aufgenommen und wurde 2007 von ihr eingeladen, am ersten “General Skills Intensive” (die erste Stufe der ATS®-Ausbildung) in Großbritannien teilzunehmen. Das war ein unglaubliches Erlebnis, den wir waren nur zu dritt mit Carolena. Ein Jahr später habe ich die zweite Stufe geschafft, das “Teacher Training”, und dann bin ich diplomierte ATS®-Lehrerin und “FCBD® Sister Studio” (die offizielle Erlaubnis, ATS® unterrichten zu dürfen) geworden.

Hat dir die Ballett-Ausbildung irgendwann bei deinem ATS®-Tanz genutzt, und welche anderen Stile kannst du einbringen?

Ich habe ganz ehrlich große Freude daran, andere Stile auszuprobieren, und ich bin der festen Überzeugung, daß man nichts umsonst macht. Mir bringt es auch etwas, Dinge von beiden Seiten zu sehen, von der der Tänzerin und von der der Lehrerin. Ganz gleich, bei wem ich in den Workshop gehe, ich nehme immer etwas mit Gewinn mit nach Hause. In den vergangenen Jahren habe ich mich nicht nur mit Tribal Fusion befaßt, sondern auch mit Feuertanz und Aktionskunst. Seit etwa einem Jahrzehnt stehe ich als Aktionskünstlerin auf der Bühne, und obwohl ich das und ATS® sorgfältig voneinander trenne, hat mir die Aktionskunst doch ziemlich bei meinen Auftritten weitergeholfen, und ich kann auch gut bei Shows oder Choreographien mit verschiedenen Gruppen umgehen. Vor kurzem habe ich wieder mit dem Ballett angefangen, und es ist einfach wunderbar. Ballett legt sehr viel Wert auf Disziplin, und dank dessen habe ich schon in sehr jungen Jahren gelernt, wie wichtig regelmäßiges Üben ist. Dem Ballett von früher verdanke ich sicher auch meine Freude an Auftritten, meine gute Haltung und mein Wissen um die Wichtigkeit von Eleganz und Grazie. Wenn ich die Lehrerinnen aufzählen müßte, die außer den bisher genannten für meine Karriere besonders wichtig gewesen sind, so müßte ich folgende nennen: Colleena Shakti, Olivia Kissel, Jill Parker, Mira Betz und Devi Mamak.

ATS® erlebt gerade wieder ein Hoch und ist wahrhaftig zu einer weltweiten Bewegung geworden. Siehst du ein neues Goldenes Zeitalter des ATS® kommen?

Na, das will ich doch hoffen! Es ist sehr spannend für mich, Teil dieser Bewegung zu sein. Sie breitet sich über die ganze Welt aus, und dennoch erhält man immer noch die Gelegenheit, bei Carolena persönlich zu lernen. Das macht sie zu etwas ganz Besonderem!

Erzähl uns doch etwas über das "FireWater Collective"?

Das “FireWater Collective” ist aus dem Wunsch entstanden, in London Tribal zu zeigen, der Tribal-Szene Halt zu geben und unserer Vision vom Tanz ausreichend Raum zu gönnen. Hannah Mi Anis, Jesse Standbridge und ich haben das Projekt 2006 aus der Taufe gehoben, und seitdem sind immer wieder neue Leute zu uns gestoßen. Wir geben in London Workshops und Veranstaltungen, zeigen professionelle Shows und halten unsere “Tribal Tea Parties” ab – das sind unsere Schülerinnen-Feste,

auf denen wir Geld für die wohltätigen Zwecke sammeln, die uns besonders am Herzen liegen. Natürlich kann man uns dort auch oft tanzen sehen. Wir arbeiten sehr gern mit anderen Künstlern und Musikern zusammen und haben bislang nur die besten Erfahrungen gemacht. Mehr darüber findet ihr hier: www.firewatercollective.com

Unseres Wissens nach kommst du zum ersten Mal zu einer großen Veranstaltung nach Österreich. Was erwartest du dir, und warum bist du nicht schon früher gekommen?

Ich bin schon ganz aufgeregt, in diesem Jahr bei der “Caravanseray Vienna” dabeisein zu können! Doro und Michaela, die beiden Veranstalterinnen, kenne ich ja schon, und wenn man sieht, wer da noch als Dozentin kommt, erwarte ich mir ein ganz, ganz tolles Festival mit phantastischen Workshops, erstklassigen Shows, vielen magischen Momenten und überhaupt jeder Menge Spaß! Und warum ich noch nicht früher gekommen bin? Es hat mir bislang immer an der Zeit gefehlt.

Was zeigst du uns in Wien auf der Bühne?

Ich zeige zusammen mit zwei weiteren “Sister Studio”-Tänzerinnen eine improvisierte Choreographie ganz im Stil des ATS®. Freut euch also auf fliegende Röcke, erhobene Arme und Zimbeln, und wer nicht kommt, hat wirklich etwas verpaßt!

Was hast du in deinen Workshops vor?

Ich gebe auf der “Caravanseray” drei Workshops. Der erste befaßt sich mit Basis- und Fortgeschrittenen-Formationen. Da gibt es genügend Zeit zum Einüben und nützliche Informationen für alle Entwicklungsstufen. –

Den zweiten Kurs gebe ich zusammen mit Samantha Emmanuel. Wir haben diesen Workshop ursprünglich für das “TribalArt Festival” 2015 in Barcelona entwickelt, und wir freuen uns schon darauf, ihn noch einmal zu veranstalten. Darin bringen wir euch eine ATS®- und eine Tribal Fusion Kombination bei, spielen mit euch und geben euch Tipps und Tricks, wie ihr ihre eigenen Gruppen-Kombinationen entwickeln könnt.

Beim dritten Workshop stehen die langsamen Bewegungen aus dem FCBD®-Repertoire im Vordergrund. Wir konzentrieren uns darauf, übergangslos von einer Bewegung in die nächste überzugehen, und zeigen auf, wie man seinen langsamen Tanz veredelt.

Ich freue mich schon sehr auf das Festival und darauf, mit allen zusammenzuarbeiten, die an meinen Kursen teilnehmen wollen. Wenn dich etwas davon interessieren sollte, komm doch einfach vorbei, ich glaube, es sich noch ein paar Plätze frei. Es wird bestimmt ein einmaliges Festival!

WORKSHOPS MIT PHILIPPA MOIRAI

Fabulous Formations
Do 25.8., 16:45 – 18:45 Level: M

A Radicle Dance Lab
Samantha Emanuel & Philippa Moirai
Sa 27.8. 11:00- 13:00 Level: Offen
Links:

fcbd.com/philippa-moirai/
Philippa on facebook ...

www.caravanseray-vienna.info/
Moirai Tribal - Jesse & Philippa
Moirai Tribal
FireWater Collective
FireWater Collective