


Interview mit Princess Farhana
von Marcel Bieger
Seit Mitte der 90er Jahre gibt es in den USA eine blühende „Burlesque“-Szene, und die gedeiht immer noch. Ich gehöre zu den Mitgliedern der ersten Stunde und war eine der Haupttänzerinnen der ersten amerikanischen „neoburlesque“ Truppe – dem „Velvet Hammer Burlesque“-Ensemble. Michelle Carr hat es 1995 gegründet und damit die Wiedergeburt des „Burlesque“ eingeleitet (diese Stil- und Kunstform kam Ende des 19, Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA auf). Und heute kann man sagen, daß es überall in den Vereinigten Staaten „Burlesque“-Truppen gibt.
„Velvet Hammer“ ist dreizehn Jahre lang aufgetreten, und über diese Truppe sind drei Dokumentar-Filme gedreht worden. Dazu gab es einen Bildband über die Gruppe mit dem Titel derselben. Das Buch ist 2008 im deutschen Verlag „Die Gestalten“ erschienen.
Wie stehst du als „Crossover“-Künstlerin (in Ermangelung einer passenderen Bezeichnung) zum Tribal Fusion. Gibt es zwischen ihm und dir Schnittpunkte?
Ich weiß ja selbst nicht so genau, als was ich mich bezeichnen soll. Ich bin Bauchtänzerin und „Burlesque“-Tänzerin. Als erstere tanze ich neoklassisch Ägyptisch, American Cabaret, Gothic Belly Dance, verschiedene Folklore-Tänze aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika, Schwerttänze und die unterschiedlichsten Vintage- und Fusion-Stile. Als letztere führe ich klassisches amerikanisches „Burlesque“, Schleiertanz und „Burlesque“-Sketche auf, ich habe bereits zweimal als Assistentin bei einer Peitschenkunstnummer mitgewirkt, und ich beherrsche einige komische Tanznummern. Und kürzlich bin ich bei einer Veranstaltung in Las Vegas von einem Zauberer in zwei Teile zersägt worden. Hm … für gewöhnlich bezeichne ich mich einfach als „Tänzerin“.
Seit 2003 bringe ich Lehr- und Vorführ-DVDs auf den Markt. Ich selbst habe 11 Scheiben hergestellt und bin auch auf vielen anderen Tanz-DVDs aufgetreten, die von „Hollywood Music Center“ und „Cheeky Girls Productions“ veröffentlicht worden sind.
Meine Lehr-DVDs sollen ein möglichst breites Spektrum abdecken, und zwar gründlich. Ein Silberling beschäftigt sich nur mit Bauch-Muskel-Training, drei Scheiben befassen sich mit dem Schwerttanz, eine ist dem „Burlesque“ gewidmet, eine andere dem Schleiertanz. Man kann sie direkt auf meiner Seite erwerben www.princessfarhana.com oder von www.amazon.com bzw. www.hollywoodmusiccenter.com und nicht zu vergessen www.aladdinscave.com

Ich habe in Ägypten, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Portugal und Belgien getanzt, war bereits viermal durch ganz Großbritannien auf Tournee, und bin in Kanada, Mexiko und allen Bundesstaaten der USA aufgetreten, einschließlich Hawaiis und Alaskas. Wenn ich zu euch nach München komme, habe ich der Liste noch Finnland und Estland hinzugefügt. Ich war schon zweimal in Deutschland, bin dort aber noch nie auf der Bühne gestanden. Ich bin schon ganz aufgeregt und freue mich ganz besonders auf München, wo ich vor Jahren eine Menge Zeit verbracht habe. Was für eine tolle Stadt!
Für meinen Auftritt in München plane ich ein Vintage-Oriental-Fusion-Stück mit eigener Geschichte, die auf Tänzerinnen vom Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts fußt, wie zum Beispiel Mata Hari. Die Musik für dieses Stück wurde 1925 in Istantbul aufgenommen. Natürlich habe ich auch ein OT-Kostüm im Gepäck, und vielleicht … gibt es zwei Auftritte. Ich bin mir aber noch nicht so ganz sicher.
Welche unglaublichen Dinge werden die Schülerinnen bei deinen Workshops erleben? Und warum sollte man sich die auf keinen Fall entgehen lassen, weil man so etwas sonst nie wieder geboten bekommt?
Vor allem hoffe ich natürlich, daß die Lernwilligen bei mir Spaß haben werden. In meinen Kursen wird viel gelacht. Ich stehe auf Workshops, bei denen es nicht so knochentrocken zugeht. Apropos Knochen: Am nächsten Morgen werden mich ausnahmslos alle Kursanten wegen ihres Muskelkaters im Bauch verwünschen.
In der ersten Kollektion wird es handbestickte Hüfttücher geben, einige Trainingsklamotten, die ich ebenfalls entworfen habe und fünf Vintage-Kostüme: Letztere sind meinen eigenen selbstgemachten Retro-Kostümen entlehnt und vereinen in sich Elemente auf den Zwanziger. Dreißiger und Vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bei einigen Kostümen gibt es die Möglichkeit der Farbauswahl, manche sind mit Glitzersteinen besetzt, andere mit Assuit und Münzen. Also, einige Stücke sind für OT gedacht, insgesamt drei Modelle können sowohl von OT- wie auch von Fusion-Tänzerinnen getragen werden. Ich möchte die Kollektion von Anfang an so vielfältig wie möglich gestalten. Yaz war vor kurzem bei mir in Los Angeles, und wir haben letzte Hand an den Entwürfen angelegt. Einige Prototypen sind gerade fertiggeworden, und sie sehen umwerfend aus!

