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"ICH BIN SCHON GANZ AUFGEREGT!"

Interview mit Princess Farhana

von Marcel Bieger

"Kürzlich geruhte Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Farhana, uns aus Ihrem Leben zu schreiben. Wenige Wochen vor ihrem Auftritt in München wollten wir es dann aber noch etwas genauer wissen und haben sie gefragt, was wir dort zu sehen bekommen und wie es in ihren Workshops zugeht. Und seit wann Burlesque eigentlich wieder en vogue ist. Und was es mit ihrer Mode-Kollektion auf sich hat.Und, und, und ... Ach, lest es doch selbst ... "
Erzähle uns bitte etwas über die „Burlesque-Szene“ in den USA.

Seit Mitte der 90er Jahre gibt es in den USA eine blühende „Burlesque“-Szene, und die gedeiht immer noch. Ich gehöre zu den Mitgliedern der ersten Stunde und war eine der Haupttänzerinnen der ersten amerikanischen „neoburlesque“ Truppe – dem „Velvet Hammer Burlesque“-Ensemble. Michelle Carr hat es 1995 gegründet und damit die Wiedergeburt des „Burlesque“ eingeleitet (diese Stil- und Kunstform kam Ende des 19, Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA auf). Und heute kann man sagen, daß es überall in den Vereinigten Staaten „Burlesque“-Truppen gibt.

„Velvet Hammer“ ist dreizehn Jahre lang aufgetreten, und über diese Truppe sind drei Dokumentar-Filme gedreht worden. Dazu gab es einen Bildband über die Gruppe mit dem Titel derselben. Das Buch ist 2008 im deutschen Verlag „Die Gestalten“ erschienen.

Viele „Burlesque“-Künstler aus den USA, die mittlerweile internationale Stars geworden sind, haben bei „Velvet Hammer“ angefangen, wie Miss Dirty Martini, Kitten DeVille, World Famous Bob, The Poubelle Twins  (wunderbare eineiige Zwillinge, die auch „Lucha Libre“ vorführen, mexikanisches Wrestling mit Masken) Julie Atlas Muz, Kate Valentine,  and nicht zu vergessen, meine Wenigkeit. Der gerade angelaufene Film „Burlesque“ mit Cher und Christina Aguilera in den Hauptrollen wird diese Stilrichtung sicher noch populärer machen. Aber die echten „Burlesque“-Künstler und Fans sind von dem Streifen ziemlich enttäuscht, leider handelt es sich dabei um kein sorgfältiges Portrait der echten Szene.

Wie stehst du als „Crossover“-Künstlerin (in Ermangelung einer passenderen Bezeichnung) zum Tribal Fusion. Gibt es zwischen ihm und dir Schnittpunkte?

Ich weiß ja selbst nicht so genau, als was ich mich bezeichnen soll. Ich bin Bauchtänzerin und „Burlesque“-Tänzerin. Als erstere tanze ich neoklassisch Ägyptisch, American Cabaret, Gothic Belly Dance, verschiedene Folklore-Tänze aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika, Schwerttänze und die unterschiedlichsten Vintage- und Fusion-Stile. Als letztere führe ich klassisches amerikanisches „Burlesque“, Schleiertanz und „Burlesque“-Sketche auf, ich habe bereits zweimal als Assistentin bei einer Peitschenkunstnummer mitgewirkt, und ich beherrsche einige komische Tanznummern. Und kürzlich bin ich bei einer Veranstaltung in Las Vegas von einem Zauberer in zwei Teile zersägt worden. Hm … für gewöhnlich bezeichne ich mich einfach als „Tänzerin“.

Ich liebe Tribal und Tribal Fusion, und ich trete bei vielen Tribal und Tribal-Fusion-Veranstaltungen auf, vor allem auf dem Tribal Fest in Sebastopol, wo ich bereits im achten Jahr in Folge sowohl auf der Bühne stehe als auch Unterricht gebe. Obwohl ich über keine Fat Chance Belly Dance-Ausbildung verfüge und auch sonst nie so recht Tribal gelernt habe, verbinden mich doch einige Gemeinsamkeiten mit ausgemachten Tribal Fusion-Tänzern – vor allem die Liebe zum Kreativen, der Wunsch, ständig etwas Neues zu machen, und auch die Gabe, jenseits der Normen zu denken.
Was hat es mit deinen Lehr-DVDs auf sich (es gibt ja ungefähr ein Dutzend davon), was steckt hinter diesem Projekt – und wo kann eine europäische Tänzerin sie käuflich erwerben?

Seit 2003 bringe ich Lehr- und Vorführ-DVDs auf den Markt. Ich selbst habe 11 Scheiben hergestellt und bin auch auf vielen anderen Tanz-DVDs aufgetreten, die von „Hollywood Music Center“ und „Cheeky Girls Productions“ veröffentlicht worden sind.

        Meine Lehr-DVDs sollen ein möglichst breites Spektrum abdecken, und zwar gründlich. Ein Silberling beschäftigt sich nur mit Bauch-Muskel-Training, drei Scheiben befassen sich mit dem Schwerttanz, eine ist dem „Burlesque“ gewidmet, eine andere dem Schleiertanz. Man kann sie direkt auf meiner Seite erwerben www.princessfarhana.com  oder von www.amazon.com bzw. www.hollywoodmusiccenter.com und nicht zu vergessen www.aladdinscave.com

Ich habe in Ägypten, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Portugal und Belgien getanzt, war bereits viermal durch ganz Großbritannien auf Tournee, und bin in Kanada, Mexiko und allen Bundesstaaten der USA aufgetreten, einschließlich Hawaiis und Alaskas. Wenn ich zu euch nach München komme, habe ich der Liste noch Finnland und Estland hinzugefügt. Ich war schon zweimal in Deutschland, bin dort aber noch nie auf der Bühne gestanden. Ich bin schon ganz aufgeregt und freue mich ganz besonders auf München, wo ich vor Jahren eine Menge Zeit verbracht habe. Was für eine tolle Stadt!

Was dürfen wir erwarten, wenn Du in München bei Monika und Ludmilla auf der Bühne stehst?

Für meinen Auftritt in München plane ich ein Vintage-Oriental-Fusion-Stück mit eigener Geschichte, die auf Tänzerinnen vom Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts fußt, wie zum Beispiel Mata Hari. Die Musik für dieses Stück wurde 1925 in Istantbul aufgenommen. Natürlich habe ich auch ein OT-Kostüm im Gepäck, und vielleicht … gibt es zwei Auftritte. Ich bin mir aber noch nicht so ganz sicher.

Welche unglaublichen Dinge werden die Schülerinnen bei deinen Workshops erleben? Und warum sollte man sich die auf keinen Fall entgehen lassen, weil man so etwas sonst nie wieder geboten bekommt?

Vor allem hoffe ich natürlich, daß die Lernwilligen bei mir Spaß haben werden. In meinen Kursen wird viel gelacht. Ich stehe auf Workshops, bei denen es nicht so knochentrocken zugeht. Apropos Knochen: Am nächsten Morgen werden mich ausnahmslos alle Kursanten wegen ihres Muskelkaters im Bauch verwünschen.

Meine Kostüm-Kollektion wird im Spätsommer dieses Jahres das Licht der Welt erblicken. Sie trägt den Namen: „Princess Farhana For King Of The Nile“, und für sie habe ich mich mit dem ägyptischen Star-Kostümschneider Yaz Taleb von „King of the Nile“ zusammengetan. Ich war letztes Jahr in Ägypten, und da haben wir uns gleich an die Arbeit gemacht. Einige Zeit zuvor hatte Yaz mich gefragt, wo ich denn meine einzigartigen Kostüme herstellen ließe. Ich habe ihm geantwortet, daß ich die selbst anfertige, und da hat er mir gleich eine Partnerschaft als Designerin angeboten. Damit wurde für mich ein alter Traum wahr. Ich habe mir immer gewünscht, einmal über die Mittel zu verfügen, die einem in Ägypten zur Verfügung stehen – wo ganze Heerscharen Stoffe nach meinen Entwürfen zuschneiden und besticken! Als ich in Kairo war, habe ich eine Tanzreise mit siebzehn Frauen angeführt, bin beim Ahlan Wa Sahlan aufgetreten (und habe dort Workshops gegeben) und bin dann von da aus zu Yaz, um mit ihm die Prototypen meiner Kollektion zu besprechen. Es war verrückt!

In der ersten Kollektion wird es handbestickte Hüfttücher geben, einige Trainingsklamotten, die ich ebenfalls entworfen habe und fünf Vintage-Kostüme: Letztere sind meinen eigenen selbstgemachten Retro-Kostümen entlehnt und vereinen in sich Elemente auf den Zwanziger. Dreißiger und Vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bei einigen Kostümen gibt es die Möglichkeit der Farbauswahl, manche sind mit Glitzersteinen besetzt, andere mit Assuit und Münzen. Also, einige Stücke sind für OT gedacht, insgesamt drei Modelle können sowohl von OT- wie auch von Fusion-Tänzerinnen getragen werden. Ich möchte die Kollektion von Anfang an so vielfältig wie möglich gestalten. Yaz war vor kurzem bei mir in Los Angeles, und wir haben letzte Hand an den Entwürfen angelegt. Einige Prototypen sind gerade fertiggeworden, und sie sehen umwerfend aus!

PRINCESS FARHANA IN MÜNCHEN: 12.02. -13.02.2011
PRINCESS FARHANAS HOMEPAGE:
Können wir schon etwas Näheres über deine neue Modekollektion erfahren?
Anfang des Jahres bist du in China aufgetreten, in welchen Ländern warst du außerdem?
www.princessfarhana.com
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Photos ©: 1 "the Silvas", 2 Don Spiro, 3 Michael Baxter, 4 Maharet Bryant Graphic und Layout: Konstanze Winkler