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Photos ©: 1 Josh McQueen, 2 Pleasant Gehman, 3 Evi Numen, 4 Eric Sueyoshi & Dikenga Films,
5 Dusti Cunningham, 6 Zaghareet!, 7 Austin Young & Dikenga Films, 8 Maharet Bryant
Grafik und Layout: Konstanze Winkler
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Ich experimentierte mit meinem Tanzstil übertrieb gewaltig, wurde immer dramatischer und habe weitere Theaterstücke produziert. 1995 wurde „The Velvet Hammer Burlesque“ gegründet. Die erste Truppe dieser Art im ganzen Land, die wieder „Burlesque“ geboten hat (*), und sie fragte mich, ob ich nicht als Bauchtänzerin bei ihnen mitmachen wolle; denn Anfang des 20. Jahrhunderts, in der guten alten Zeit des „Burlesque“, habe jede Truppe ihre eigene Bauchtänzerin gehabt. Wir sind dann zusammen aufgetreten. Unsere Show im „El Rey Theater“ war stets ausverkauft, dabei gehen dort 800 Leute rein. Da hatten wir eine Live-Kapelle dabei, und es war einfach unbeschreiblich.
Wenig später bin ich als „Burlesque“-Tänzerin aufgetreten, weil mir das so großen Spaß gemacht hat. Aber das habe ich lieber vor der Bauchtanz-Gemeinde geheimgehalten, über zehn Jahre lang. „Burlesque“ galt als etwas Vulgäres, immerhin hatte man in diesem Genre den Striptease erfunden, und die Bauchtänzerinnen hatten ja immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, ihre Kunstform sie anrüchig. Ich selbst wandte mich ja auch gegen solche Vorurteile. Ich bin dreizehn Jahre bei der „Velvet Hammer“-Truppe geblieben. Man sieht mich in drei Dokumentarfilmen über das Genre und in einem Buch über die „Velvet Hammer“-Truppe. „Burlesque war inzwischen als Kunstform anerkannt. Aber ich hielt meine Karriere auf diesem Gebiet weiterhin geheim und gab daneben brav in den USA und im Ausland meine Bauchtanz-Workshops.
2003 habe ich mit der Filmregisseurin Augusta begonnen, meine Bauchtanz-Lehr-DVDs zu produzieren. 2005 kam die erste „Burlesque“-Lehr-CD hinzu, die jemals auf den Markt gebracht worden ist: “Boom Boom: Hot Burlesque Moves For Cool Chicks”. Sie hat sich viel zu gut verkauft, denn plötzlich wußte jeder über mein geheimes Treiben auf dem „Burlesque“-Sektor Bescheid. Auf den diversen Bauchtanz-Foren wurde ich zum Teil übel beschimpfte und mußte mir Ausdrücke wie „Nutte“ oder „dreckige Stangen-Tänzerin“ gefallen lassen. Aber eine ganze Reihe Bauchtanz-Veranstalter hat bei mir angefragt, ob ich bei ihnen Workshops in „Burlesque“ geben könne.
Meinen ersten Workshop in dieser Richtung habe ich dann ausgerechnet auf einer Orienttanz-Veranstaltung im konservativen Mittelwesen gegeben, nämlich 2005 auf dem „Shimmyfest“ in Fayetteivlle, Arkansas. Ich war begreiflicher-weise etwas nervös und fragte mich, ob sich zu dem Kurs überhaupt jemand melden würde. Aber zwei Tage, nachdem sie ihre Prospekte verschickt hatte, rief die Veranstalterin, Lena Regina, bei mir an und fragte, ob ich noch einen zweiten Workshop geben könnte, weil der erste bereits ausgebucht sei. 2006 meldete sich dann auch meine alte Freundin Kajira Djoumahna bei mir und fragte an, ob ich auch bei ihr auf dem Tribal Fest „Burlesque“ tanzen und unterrichten könne. Und auch dieser Kurs war bald ausgebucht. Damit nahmen die Dinge ihren Lauf. „Burlesque“ wurde weltweit ein Hit, nur die Welt des Bauchtanzes war dafür offenbar noch nicht so recht bereit.
Prinzessin Farhana auf der Tribal Fest Bühne in Sebastopol
Ich habe die beiden Stile nie vermengt und auch immer darauf bestanden, daß ich auf Plakaten und in Programmen als Bauchtanz- oder als „Burlesque“-Künstlerin aufgeführt wurde, je nachdem, als was ich dort gerade auftrat. Dennoch hat man in der Bauchtanz-Szene ständig hinter meinem Rücken über mich gelästert oder mich auch offen beleidigt. Die Bauchtänzerinnen haben meine Arbeit einfach nicht verstanden. Das war keine angenehme Zeit für mich. Dabei liebe ich beide Genres und glaube fest daran, daß sie beide ihre Existenzberechtigung haben. Doch man hat mich hart kritisiert, und vieles von dem, was man mir vorgeworfen hat, war aus der Luft gegriffen. Das stammte meist von solchen Leuten, die mich nie tanzen gesehen hatten, sich aber dennoch ein Urteil über mich erlaubten. Zeitweise mußte ich befürchten, daß es zwischen meiner großen Liebe, dem Bauchtanz, und mir ebenso zu Ende ging wie mit meiner Bauchtanz-Karriere. Und das nur, weil ich auch noch „Burlesque“ tanzte, den ich natürlich ebenfalls liebte und ausübte. Deswegen konnte es nicht ausbleiben, daß meine Oriental-Fusion-Nummern ebenfalls sehr kritisch gesehen wurden. Dabei bin ich dabei weder nackt aufgetreten, noch habe ich einen Striptease eingebaut..
Die Tribal und Tribal-Fusion-Gemeinde haben mich hingegen mit offenen Armen bei sich aufgenommen. Dabei war ich doch eigentlich OT-Tänzerin. Kajira Djoumahna hat mich sogar eine “Bauchtanz-Crossover-Künstlerin” genannt. Und seit nunmehr gut fünf Jahren trete ich die Hälfte meiner Zeit auf Tribal-Veranstaltungen auf, obwohl ich doch noch nie ATS getanzt habe, nicht im entferntesten.

 Der bekannte Regisseur Steve Balderson hat einen Dokomentarfilm über meine Tanz-Laufbahn gedreht: „Underbelly: A Year In the Life of Dancer Princess Farhana.“ Er ist mir das ganze Jahr 2007 von einem Auftritt zum nächsten gefolgt, und der Film kam 2008 in die Kinos und als DVD heraus.

In den letzten Jahren kommt es mir so vor, als würde der Kreis sich endlich schließen. Alles, was ich in meinem Leben getan habe, hat nun einen Sinn und fügt sich ins Ganze. Seit einigen Jahren widerfährt mir die große Ehre – und damit verbunden auch eine besondere Wertschätzung meiner beruflichen Arbeit -, auf dem Raqia Hassan’s Ahlan Wa Sahlan Festival in Kairo aufzutreten und dort auch zu unterrichten. Im Sommer 2011 bin ich wieder dabei. Im letzten Jahr habe ich mit meiner Partnerin Zahra Zuhair die Bauchtanz-Tour durch Kairo angeführt, und das wollen wir 2011 wiederholen. Kommt also alle dorthin, und tanzt mit uns!

Mit Steve Balderson habe ich auch den Film “Stuck” gedreht, eine Hommage an den “film noir” der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in dem eine junge Frau unschuldig ins Gefängnis und sich dort gegen allerlei Anfechtungen behaupten muß. Der Streifen ist im November auf DVD herausgekommen und über Amazon erhältlich. www.stucknoir.com
Im November habe ich einen anderen Film zu Ende gedreht, “The Casserole Club”, ein düsteres Drama, das 1969 spielt. Darin spiele ich mit einer Menge großartiger Schauspieler und muß Kevin Richardson von den “Backstreet Boys” küssen.

„Burlesque“ ist heutzutage weitgehend von der Bauchtanz-Szene akzeptiert, wie auch von der Kulturwelt allgemein. Jedesmal, wenn ich auf der Bühne eine Bauchtänzerin mit Federfächern sehe, weiß ich, daß ich dafür verantwortlich bin, zumindest ein Stück weit.

Ich arbeite an einem Buch über Bauchtanz und bin fast damit fertig. Es soll im Sommer 2011 erscheinen. Ich habe auch eine neue Lehr-DVD in Arbeit – über Bühnen-Make up -, und ich arbeite an einem Mode-Projekt.

Zu meinem 50. Geburtstag im letzten Jahr haben alle meine Welten zusammen-gefunden, und zu meiner Riesen-Party sind sie von überall her gekommen: Punk-Rocker, Schriftsteller, Schauspieler, Bauchtänzer und „Burlesque“-Künstler.

Und an diesem Punkt angekommen ist mir klar geworden, daß alle meine Träume und sogar welche, an die ich vorher nie gedacht habe, wahr geworden sind. Außer vielleicht der, Primadonna im Ballett zu werden.

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen des Filmdrehs "The Casserole Club" vom September 2010, Steve Baldersons düsteres Drama über die lockere Gesellschaft der 1960er. Ein großartiges Photo von Dusti Cunningham, v.l.n.r: ich, Daniela Sea & Jane Weidlin
(Dieser Artikel erschien bereits in englischer Sprache in der amerikanischen Fachzeitschrift „Zaghareet“, Ausgabe November/Dezember 2009; Ihre Hoheit war so freundlich, ihn für uns zu aktualisieren.)
www.zaghareet.freeservers.com
STUCK! Eine Hommage an den "Film Noir" der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts
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(*) „Burlesque“ eine ureigene amerikanische Unterhaltungs-
(theater)form, am ehesten definierbar als eine Mischung aus den bei uns bekannteren Formen Varieté und Travestie-Show; keinesfalls aber als „Burleske“ anzusehen, denn hierunter versteht man vielmehr außerhalb der USA das „Bauerntheater“, und das, was beim „Burlesque“ getan und gesprochen wird, ist kaum mit zum Beispiel „Peter Steiners Theaterstadl“ zu vergleichen. Für dieses Interview wollen wir uns damit behelfen, den amerikanischen Begriff zu übernehmen. (Anm. d. Red.)
Princess Farhana ist am 12./13. Februar 2011 zu Gast bei Ludmilla und Monika im „Zentrum für Orientalischen Tanz“ in München (www.tanz-zentrum.de)! Ihre Hoheit gibt dort Workshops, und es findet eine Studioshow mit ihr statt:
Sa., 12. Februar, 20 Uhr,
ORIENTAL-BURLESQUE-SHOW
Studioshow mit Princess Farhana und Tänzerinnen des Zentrums für Orientalischen Tanz. Nur Abendkasse!
Princess Farhana ist eine sehr vielseitige Tänzerin, die sich ausgehend vom Orient Tanz auch als Burlesque-Dancer einen Namen gemacht hat. Vor allem ist sie bekannt für ihre innovativen Fusionen. Sie tanzt und unterrichtet regelmäßig beim Tribal Fest (Sebastopol, California), dem weltweit größten Tribal-Festival. Als Burlesque-Tänzerin unterrichtet sie beim Tease-O-Rama (Burlesque Convention) und bei internationalen Burlesque Wettbewerben wirkt sie als Jurorin mit.

Princess Farhana ist bekannt für ihre exakt Tanztechnik, ihre dramatischen Fusionen und ihre unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit ihrem Enthusiasmus, ihren gewagten Ideen und ihrer persönlichen Herzlichkeit beeindruckt sie Zuschauer und Schüler gleichermaßen.

Übersicht der Kurse

Sa 12. Februar 11-13 Uhr
THE NAUGHTY SIDE OF LITTLE EGYPT

Sa 12. Februar 14-17 Uhr
ORIENT NOIR: JAZZY VINTAGE FUSION

So 13. Februar 11-13 Uhr
"ABS-OLUTELY FABULOUS!" LAYERING-TECHNIQUE

So 13. Februar 14-17 Uhr
NEO-VINTAGE FUSION CHOREOGRAPHIE MIT REQUISITEN

Für nähere Informationen bitte auf das Banner klicken:
Besucht den königlichen Palast online:  www.princessfarhana.com www.facebook.com/princessfarhana www.twitter.com/princessfarhana www.princessraqs.blogspot.com
PRINCESS FARHANA - So bin ich!
Ihre Majestät schreibt... über sich
übersetzt von Marcel Bieger