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Romy Mimus, 25 Jahre jung, ist die Tochter von Veranstalterin und Tänzerin Enussah, Nürnberg, und hat 2002 mit dem Tanzen begonnen, als ihre Mutter ihre eigene Tanzschule eröffnete und eine eigene Teenie-Tanzgruppe gegründet hat. Aus dieser Gruppe hat sich die heute sehr bekannte Showgruppe „Rakas“ entwickelt. Romys Schwester tanzt dort ebenfalls mit, und „Rakas“ hat bereits 2008 die Halima für die beste Newcomer Gruppe bekommen und im letzten Jahr beim Wettbewerb um den „Tribal Star“ den 1. Platz gemacht.
Romy kann auf eine umfassende Ausbildung im orientalischen Tanz zurückblicken und liebt all seine verschiedenen Facetten, vom klassischen Raks Sharki über Folklore bis hin zum Tribal-Fusion. Mit dem sogenannten „lyrical bellydance“ hat sie in den letzten Jahren jedoch ihre eigene Stilrichtung gefunden und lieben gelernt. Seit 2007 studiert sie Biologie und Chemie auf Lehramt. Die Bellydance Superstars hat sie auf deren Deutschland-Tournee 2006 zum ersten Mal gesehen, 2012 kam BDSS-Chef Miles Copeland zur Fachmesse "Total Oriental" von Enussah, entdeckte dabei Romy, und seit Frühling 2013 ist Romy das neueste Mitglied der Bellydance Superstars. Wir gratulieren von ganzem Herzen. Im folgenden Interview erzählt uns Romy, wie alles gekommen ist …
"O MEIN GOTT"
Interview mit dem allerneuesten BDSS-Mitglied, Romy Mimus

von Marcel Bieger und Konstanze Winkler

Wie war das damals, als Miles zu euch in die Show gekommen ist?

Ich habe immer schon alles von den BDSS gesammelt, T-Shirts, DVDs, ich war ein richtiger Fan. Und letztes Jahr bei unserer Show „Total Oriental“ hat mich in der Frühe meine Mama Enussah angerufen und gesagt: „Weißt du, wer heute abend kommt? Miles Copeland!“ Ich war so verwirrt, daß ich im ersten Moment gar nichts mit dem Namen anzufangen wußte. Als es mir dann klar wurde dachte ich nur “O mein Gott!” Denn ich hatte an dem Abend ein Solo. Da würde er mich ja sehen! Tagsüber war natürlich Messe auf der „Total Oriental“, und ich bin darüber geschlendert und auch am Stand von den BDSS vorbeigekommen. Ein Ring hat mir da besonders gut gefallen, und ich habe versucht zu handeln. Also habe ich auf arme Studentin gemacht und mich mit dem Mann am Stand eigentlich ganz gut verstanden. Er wollte auch wissen, ob ich tanze und vielleicht sogar am Abend aufträte. Erst später habe ich erfahren, daß ich da mit Miles Copeland persönlich „verhandelt“ habe, und ich bin ganz erschrocken. Mein Gott, was hast du dem denn für einen Unsinn erzählt? Ich habe den Ring dann auch günstiger bekommen, und er hat mir gesagt, er würde am Abend nach mir auf der Bühne Ausschau halten.

Das interessiert unsere Leser natürlich besonders, man kann also mit den BDSS-Verkäufern handeln.

(lacht) Na, soviel runtergegangen bin ich ja gar nicht, und der Ring war auch nicht wahnsinnig teuer. Ich habe ihm erzählt, daß ich eine arme Studentin sei, er wollte aber eigentlich nur wissen, ob ich auch am Abend tanze. Als ich dann später an einem anderen Stand in der Nähe war, kam er herübergelaufen und hat den dortigen Händler gewarnt: „Vorsicht, das ist eine arme Studentin, verkauf der nichts!“ (Alle lachen)

Erst nach zwei Stunden kam mir dann die Erkenntnis, mit wem ich mich da unterhalten habe. Ich wußte ja, Miles Copeland war in der Stadt, ich war am BDSS-Stand, und dann dauerte es nicht mehr lange, bis ich zum dritten Mal an diesem Tag „O mein Gott!“ gedacht habe. Ich bin sofort zu meiner Mama und habe sie gefragt „Sag mal, wie schaut der Miles denn aus, und wo ist er?“ Und damit wurde es zur Gewißheit, ich war ihm begegnet.
Abends auf der Show war ich dann furchtbar nervös und hatte Lampenfieber bis zum Geht-nicht-mehr. Ich hatte mehrere Auftritte, mal mit der Gruppe „Rakas“ und auch ein Solo, und ich habe ihn dann in der ersten Reihe gesehen und mir gedacht, er schaut dich jetzt bestimmt gerade an. Aber erstaunlicherweise ist dann alles gut gegangen, und nach der Show kam Miles hinter die Bühne und hat gefragt, ob er mal kurz mit mir reden könne. Ich war gerade aus der Umkleide gekommen, und er hat mich beiseite gezogen und mir gesagt, meine Darbietungen hätten ihm echt gut gefallen
und er hätte Interesse daran, mich mit auf Tournee zu nehmen. Ob ich dafür Zeit und Lust hätte. Er würde sich auf jeden Fall bei mir melden, und das hat er dann ja auch getan. Dann wollte er wissen, was für eine Ausbildung ich hätte und ob ich mir neue Tänze schnell und gut merken könne. Normalerweise muß man ja eine „Audition“ machen, muß man bei BDSS vortanzen, um in die engere Wahl zu kommen, aber meine Auftritte an dem Abend waren wohl schon gut genug für ihn gewesen. Damals stand für das Frühjahr 2013 noch eine Australien-Tournee an, die dann aber leider abgesagt worden ist. Dementsprechend hat sich dann mein erster Einsatz immer wieder verschoben, aber er hat sich mehrmals bei mir gemeldet und angefragt, ob ich denn noch immer guter Dinge sei. Es gab ja keine neuen Großprojekte, und die Besetzung für die neue Club-BDSS-Tournee durch Deutschland stand ja schon längst fest.
Im April dieses Jahres hat die Inka (deutsches BDSS-Mitglied) mich angeschrieben, ob ich Zeit und Lust hätte, für sie in Berlin einzuspringen, weil sie sich verletzt habe und nicht auftreten könne. Die ursprüngliche Deutschland-Tournee sollte ja in Berlin beginnen, aber dann ist ja alles ganz anders gekommen, und der Auftritt in Berlin war irgendwie außer der Reihe. Ich habe natürlich sofort zugesagt, bin nach Berlin gefahren, habe drei Tage mit Sabah, Stefanya und Moria geprobt und bin dann mit ihnen aufgetreten. (Die Club-Tournee-Truppe war für Berlin nochmals halbiert worden und bestand nur noch aus diesen drei Tänzerinnen; zur Verstärkung wurde dann Romy hinzugebeten, Anm. d. Red.) Somit hatte ich meinen ersten Kontakt mit den berühmten Kolleginnen und habe mich super mit ihnen verstanden. Wenn man mit diesen Künstlerinnen zu tun hat, merkt man gleich, daß man hier ein ganz anderes Kaliber vor sich hat. Ich wußte da schon, daß für den Herbst die nächste Tournee (Kalifornien und Florida) anstand und habe auch gleich angefragt, wie es ausschaue und ob ich da mitkommen könne. Ja, und vor einigen Tagen habe ich dann von Stevo (dem Tournee-Manager) die Zusage bekommen.
Bleiben wir noch etwas bei dem Berlin-Auftritt. Was hast du an dem Abend getanzt, wie war das überhaupt für dich, erstmals mit den BDSS aufzutreten?

Die Club-Shows sind so konzipiert, daß alle an Gruppentänzen teilnehmen, aber jede auch ihr Solo bekommt, so auch ich. Mein Solo war eine Ballade, ein „Lyrical Belly Dance“,
also ein romantischer orientalischer Tanz mit Gesang. Ich liebe einfach diese Musik. Und natürlich noch die Gruppentänze, mit denen die BDSS ja auch auf der restlichen Club-Tour zu sehen waren. Auf jeden Fall habe ich mich super gefreut, daß die Inka mich gefragt hat. Inka und ich kennen uns schon sehr lange (Anm: beide wohnten nicht weit auseinander, Romy in Nürnberg, Inka in Fürth), und unser beider Mütter haben schon zusammen getanzt. So kennen wir uns schon von Kindheit an.

Miles wußte auch, daß Inka und ich uns kennen, er hat mich jedenfalls auf sie angesprochen. Und die BDSS Mädels kannten mich wohl auch alle schon unter dem Namen „Inka’s friend“ (lacht). Eine Woche vor dem Auftritt habe ich die Videos zugeschickt bekommen und habe die Zeit dann genutzt, mir die Choreos anzueignen. Damit kann man ganz schön lange beschäftigt sein (lacht).

Am Donnerstag vor der Show bin ich dann nach Berlin. Am Donnerstag hatten wir sechs Stunden und am Freitag sieben Stunden Probe. Moria und Sabah kannten die neuen Choreographien schon, Stefanya mußte sie auch erst lernen. Das war aber nicht nur anstrengend, sondern auch supertoll, wir haben uns alle bestens verstanden.
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Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Photos ©: 1 Konstanze Winkler, 2 und 3 "lux light art", 4 Rainer Gutzmer, 5 Romy privat, 6 André Elbing
Romy
Romy (obere Reihe, 2. v. l.) und "Rakas"
Romy (untere Reihe, Mitte) nach der BDSS-Show in Berlin
Der Samstag war dann eine einzige Aufregung. Erst die Generalprobe und dann die Show. Eine Stunde vor Beginn war ich ein nervliches Wrack (lacht), und ich habe gefühlte Stunden gebraucht, mich fertig zu machen. Dann passieren einem natürlich auch die absonderlichsten Sachen. Wir sollten am Anfang der Show ein rotes Kostüm tragen, und zehn Minuten vor Beginn meinte Moria zu mir: „Was hast du denn da gemacht?“ An meinem Kostüm war hinten der Reißverschluß geplatzt. Moria hat mich dann in das Kostüm eingenäht, was natürlich fürs erste gut genug war, aber mir blieben dann nur anderthalb Minuten, das Kostüm zu wechseln (alle lachen). Ich mußte es mir buchstäblich herunterreißen. Als die Musik dann angefangen hat, habe ich nur noch gezittert. Aber es war schon ganz toll, mit diesen Künstlerinnen auf der Bühne zu stehen und zu tanzen.
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