Startseite/Aktuelles
zurück zu Interviews
Grafik und WebDesign: Konstanze Winkler - Photos © Konstanze Winkler
Sabrina Fox gilt als eine der ganz großen im internationalen Tribal Fusion. Doch statt eine reine Solo-Karriere einzuschlagen, hat sie sich schließlich dafür entschieden, bei den Bellydance Superstars mitzumachen und ihnen ihren Tribal Fusion-Stempel aufzudrücken; eines der Erfolgsgeheimnisse dieser Welt-Tanzsensation.
In der letzten Zeit machen sich die BDSS allerdings ein klein wenig rar. Leyla und Roland Jouvana ist es dennoch gelungen, für ihr 22. Orientalisches Festival Europas gleich drei dieser Ausnahme-Tänzerinnen zu gewinnen. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus in Duisburg entwickelt. Lest hier, wie bei Sabrina alles so kam, wie es gekommen ist …
"SIE SOLLEN MEINE KURSE MIT BRENNENDEM HERZEN VERLASSEN"

Interview mit BDSS Sabrina Fox

- von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Wie haben sich der Tribal Fusion und du kennengelernt? Wann hast du gerufen: „Wow! Das ist es aber!“ (oder etwas Ähnliches)?

Na, das ist eine ziemlich außergewöhnliche Geschichte. Seit meiner Kindheit habe ich in den unterschiedlichsten Tanzarten Unterricht genommen, habe auch viel getanzt und wäre am liebsten professionelle Tänzerin geworden. Eines Tages habe ich eine New Yorker Tanz-Kompanie angerufen und wollte dort vortanzen. Weil ich da aber schon 27 war, haben sie mir nur gesagt, ich sei bereits zu alt dafür, und schon allein aus diesem Grund käme ich für sie überhaupt nicht in Betracht. Ich war am Boden zerstört, hatte das Gefühl, mein Leben sei verpfuscht, und gab alle Hoffnungen auf eine Karriere als Tänzerin auf.

Aber etwas später bin ich dann mit ein paar Freunden in ein Café an der Ecke gegangen, und dort trat eine Bauchtänzerin auf. Sie war ganz in grelles Rosa gekleidet, hatte den Jahresbedarf einer Mittelstadt an Glitzer im Haar und war stolze 65 Jahre alt. In diesem Moment hat es bei mir Klick! gemacht, und ich habe erkannt, daß der Bauchtanz genau das Richtige für mich ist. Das war das, was ich brauchte, das wollte ich lernen, und das wollte ich bis ans Ende meiner Tage tanzen.

Ich neige schon immer dem Gothic zu und wollte mit meinem Tanz gern etwas Dementsprechendes ausprobieren. Aber der traditionelle OT und die dazugehörige Musik wollten nicht so recht zu dem Goth Girl in mir passen. Ich brauchte also mehr Freiraum, um mich voll und ganz im Tanz ausdrücken zu können.

Ein Jahr später sah ich einen Auftritt der Urban Tribal Dance Company, und damit zeichnete sich eine Lösung für all meine Probleme ab. Sie haben ziemlich schwer und düster getanzt, haben direkt meine Seele angesprochen und schienen in ihrer Musikauswahl keinerlei Einschränkungen unterworfen zu sein. Und sie haben sich ganz nach Belieben aus allen möglichen Tanz-Genres bedient. Mir wurde klar, daß ich damit alle Stile miteinander fusionieren konnte, so lange ich nur deren Grundschritte beherrschte. Ich habe sofort bei ihrer Leiterin, Heather (Stants), Unterricht genommen. Und als ich dann erkannt hatte, daß der Tribal Fusion über die Freiheit verfügt, sich absolut ungebunden auszudrücken, wußte ich, daß ich als Tänzerin endlich angekommen war.

Aus deinem Lebenslauf erfährt man, daß du dich mit Steptanz, Ballett, Jazz, Hip Hop, westafrikanischen Tänzen, Modern und vielen anderen mehr auskennst. Ja, du besitzt sogar ein ATS-GS-Zertifikat. Welche davon beeinflussen deine Choreos und Auftritte am stärksten, und planst du vorher, welche Genres du in einem nächsten Stück verwenden willst, oder nimmst du sie so, wie sie kommen?

Ich warte meist darauf, von einem Lied eine künstlerische Eingebung zu erhalten. Mein Leben lang habe ich mich in allen möglichen Stilen geübt und mir so ein inneres Bewegungs-Archiv geschaffen. Also mische ich aus diesem Archiv die Stile, die am besten zu der Eingebung passen. Tribal Fusion-Kostüme fallen ebenfalls sehr kreativ aus, und das mache ich mir zunutze. Wenn der Song mir „sexy“ eingibt, dann gibt es ein sexy Kostüm und eine sexy Choreographie. Wenn das Lied mir „düster“ eingibt, dann fallen Kostüm und Choreographie eben düster aus. Bei mir kommt immer zuerst die Musik, und daraus entwickelt sich dann der Tanz. Ich möchte, daß das Publikum meine Vision erst spürt, dann gebe ich ihm meine Interpretation derselben. Die Musik ist für mich immer der Schlüssel.
Du bist eine sehr bekannte Tribal Fusion-Tänzerin und hättest eine tolle Solo-Karriere haben können. Was hat dich dennoch bewogen, zu BDSS zu gehen?

Ich wollte eigentlich nie etwas anderes tun als tanzen und mein ganzes Leben darauf einzustellen. Und am Anfang meiner Laufbahn habe ich es auch so gehalten. Der Tanz ist meine große Liebe, und ich nehme jede Möglichkeit wahr, die sich mir bietet.

Was nun die Bellydance Superstars angeht, so war ich einfach neugierig und wollte herausfinden, wie es sich anfühlt, bei einer Revolution im Tribal mitzumachen. Wenn es BDSS nicht gäbe, dann würde der Tribal Fusion immer noch tief irgendwo im Untergrund stecken; so wie es damals war, bevor Miles Copeland (Gründer und Chef der BBSS) und Rachel (Brice) den Fusion nach London gebracht haben. Zehn Jahre zuvor hatte ich privat London besucht, und da bekam man Bauchtanz nur in kleinen Restaurants oder auf Geburtstagsfeiern zu sehen. Meine Mutter (eine Französin) hat mir erklärt, daß der Bauchtanz in Europa (damit meinte sie vor allem Frankreich) nicht besonders hoch angesehen sei. Sie hat mir auch geraten, die Finger davon zu lassen.

Das haben die Bellydance Superstars gründlich geändert. Seitdem sehen viele Menschen den Tribal Fusion als die Kunstform an, die er ist, und nicht mehr als Party-Gag oder Restaurant-Bespaßung. Ich glaube, BDSS hat bei diesem Prozeß eine enorm wichtige Rolle gespielt, und ich wollte mir damals die Gelegenheit nicht entgehen lassen und auf den Zug aufspringen, selbst wenn ich nur den Schlusswaggon erwischen sollte.

Mir macht es auch viel Spaß, mit anderen zu tanzen und etwas zu erschaffen. Das ist mir eigentlich noch lieber, als allein aufzutreten. Die Liebe und die tiefe Verbindung, die in einer Gruppe entstehen, geht noch tiefer als die zu Familienmitgliedern.

Als ich mit Tribal, mit ATS und Fusion, angefangen habe, haben die anderen Genres ziemlich auf uns herabgeschaut, und ich habe stets darum gerungen, daß wir endlich ernstgenommen wurden. Heute glaube ich, daß wir das erreicht haben, oder doch unserem Ziel zumindest sehr nahe sind.

gern zu, wenn ein geübter und begabter Tänzer seiner Vision mit seiner Kunst Ausdruck verleiht. Der Tribal Fusion ist immer noch sehr jung, und erfahrene Tänzer sind es vor allem, die diesem Genre den nötigen Respekt verschaffen. Sich zu üben und seine Kunst aus dem Eff-Eff zu beherrschen, sind unabdingbare Vorraussetzung dafür, sonst kommt am Ende nur albernes Gehampel dabei herum. Aber das gilt wohl für alle Kunstformen.
Wie würdest du deine Rolle bei den BDSS beschreiben, dir ist es doch wohl auch zu verdanken, daß die Shows sich mehr in Richtung Tribal und Tribal Fusion bewegt haben.

Die Menschen wollten etwas Neues sehen. Nun, Tribal Fusion ist etwas Neues, und seine Musik stellt eine Abwechslung vom Althergebrachten dar. Tribal Fusion hat dem Publikum eine neue Perspektive gegeben. In diesem Genre gibt es absolut keine Grenzen. Bei einer Tribal Fusion-Tänzerin weiß man vorher nie, was einen als nächstes erwartet (außer natürlich, man ist jedem Trend hautnah auf der Spur). Was sie anzubieten haben, stammt zum einen aus ihrem inneren Genre-Archiv, und zum anderen aus den ATS- oder OT-Schritten, die sie dazumischen. Mit anderen Worten, ich glaube gar nicht einmal so sehr, daß ich auf den Bühnen die BDSS-Grenzen verschoben habe. Vielmehr wollten die Menschen, die zu unseren Vorstellungen strömten, immer mehr Tribal Fusion sehen. Den Leuten hat das gefallen, und das Publikum wollte immer mehr davon, also hat Miles es ihnen auch gegeben.

        Wie ich weiter oben schon gesagt habe, war der Tribal in all seinen Spielarten anfangs nicht auf Rosen gebettet. Andere Tänzerinnen haben sich über uns lustig gemacht und uns keine Zukunft gegeben. Nur das Publikum hat uns von Anfang an geliebt, und so wurde aus dem hässlichen Entlein ein schöner Schwan.

Und dann geht mir noch ein Lied durch den Kopf, das ziemlich sexy ist, vielleicht wird also ein sexy Käfer daraus. Tut mir leid, aber ich weiß es wirklich erst kurz vorher; erst dann spüre ich, wonach mir im Moment am meisten ist. Dann werde ich nervös … aber vor Auftritten bin ich immer nervös.
Was wirst du in deinen Workshops in Deutschland unterrichten?

Ich zeige meinen Tanzschwestern, wie ich Bewegung entdeckt habe, und eröffne dann Abkürzungen. Meiner Meinung sollte ein Lehrer genau so etwas tun. Ich bringe den Leuten in kurzer Zeit das bei, woran ich jahrelang gelernt habe. In den letzten beiden Jahren hatte ich so viele Aha-Erlebnisse, daß ich es kaum erwarten kann, diese meinen Teilnehmern vorzuführen. Sobald sie die erst einmal in sich aufgenommen haben, können sie selbige zu etwas noch viel Besserem weiterentwickeln. Und das will ich dann unbedingt sehen.

Ich lehre auch Kombinationen, die Spaß machen. Einige sind in Musik eingebettet, andere kommen einfach nur in einem Achter-Takt mit Cues daher. Ich habe einige Spaß-Technik-Übungen und neue Fassungen von komplexeren Techniken entwickelt. Die Schritte und Bewegungen werden den meisten bekannt sein, aber ich zeige meinen Studenten dennoch, wie man sie zerlegt und voneinander trennt, um sie dann in ganz anderer Form wieder zusammenzufügen und sich dann trotzdem mit ihnen genauso gut wie vorher über die Bühne bewegen zu können.

Ich glaube, ich muß das unterrichten, was ich in meiner eigenen Laufbahn gelernt habe und wie sich aus einem das nächste ergeben hat. Mir geht es hauptsächlich darum, Tänzer dazu zu bringen, sich inspiriert zu fühlen. Sie sollen meine Kurse mit brennendem Herzen verlassen. Jeder Dozent hat etwas anderes anzubieten, kein Dozent kann anstelle seiner Studentin tanzen, und unter dem Strich kommt es darauf an, daß der Student den heißen Wunsch verspürt, Neues und mehr zu lernen und eine bestimmte Bewegung in neuem Gewand zu sehen. Wenn meinen Studenten gefällt, was ich tue, kann ich ihnen zeigen, wie man dahin gelangt. Alles weitere hängt dann von ihnen ab.
Wir würden dich gern öfter bei uns hier in Europa sehen, erzähle uns doch bitte von deinen weiteren Plänen?

Ich liebe Europa, und dank den
Bellydance Superstars konnte ich viele wunderbare Tänzer in halb Europa kennenlernen und mit ihnen in Kontakt bleiben. Ich war in Deutschland, Frankreich, Spanien, England und Italien und habe noch immer nicht genug davon, ich bin immer noch neugierig auf Europa. Leyla hat mich nach Deutschland eingeladen, und dafür bin ich ihr überaus dankbar. Und ich freue mich schon sehr auf ihr Festival. Leyla ist ein wunderbarer Mensch, ein Stern am Bauchtanz-Himmel. Als ich in Deutschland war, habe ich mich dort sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Deswegen kann ich es kaum abwarten, wieder zu euch zu kommen …
Ich mag alle Arten von Bauchtanz, denn ich sehe sehr
Was bekommen wir auf Leylas und Rolands Festival von dir zu sehen?

Das weiß ich noch gar nicht so genau, kommt ganz darauf an, wie ich mich dann gerade fühle. Es wird aber bestimmt etwas sonderbar, denn solo tanze ich gern sonderbar. Zurzeit denke ich viel an ein Lied über Käfer. Also krabbele ich vielleicht wie ein Käfer über die Bühne (lacht).
Homepage: www.sabrinatribalbellydance.com
Sabrina Fox ist zu Gast beim 22. Orientalischen Festival Europas in Duisburg
Sabrina Fox beim Tribal Fest 2014 (YouTube Video)
Die BDSS auf Club Tour 2012 - v.l.n.r.: Inka, Sabrina, Petit Jamila, Stefanya, Moria und Sabah
Sabrina und ihre Tribal-Tanzpartnerin Moria Chappell