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Photos © 1 + 3 Phillip C. Photography, 2, 4 und 5 Konstanze Winkler
Sarasvati ist zu Gast bei Leyla und Roland Jouvanas 23. Orientalischen TanzFestival Europas
28. - 29. November 2015 in Duisburg ... weitere Informationen www.leyla-jouvana.de
Ja, so geht es im Märchen zu: Da kommt jemand aus dem Land der Feen und Elfen (ja, genau, England) auf ein phantastisches Festival, fängt als vollkommen Unbekannte an zu tanzen und landet im nächsten Moment auf dem Siegertreppchen.

Warum wir euch eine solche Geschichte erzählen? Weil sie für Sarasvati aus England wahr geworden ist (und für einige andere Tänzer auch).

Aber lest ihre Geschichte selbst …
"JEDE BEGEGNUNG MACHT EINEN
SCHÖNER UND EINZIGARTIGER"

Interview mit Sarasvati (GB)

- von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Hast du dich in anderen Tanzstilen versucht, bevor du zum Orientalischen Tanz gefunden hast? Und warum bist du am OT hängengeblieben?

Ich stamme aus einem kleinen Dorf in den schlesischen Beskiden im Länderdreieck Polen, Tschechien und Slowakei. Seit meinem zwölften Lebensjahr bin ich auf Volksfesten aufgetreten, habe gesungen, getanzt, Geige gespielt und bei Theaterstücken mitgewirkt. Ich habe mich da wirklich engagiert und bin auch heute noch eine große Freundin der Balkan-Musik.

Das erste arabische Lied, das ich gehört habe, wurde von Natasha Atlas vorgetragen. Ich war damals fünfzehn und so von ihrer Musik begeistert, daß ich später in London Tanzstunden genommen und bei Natasha einen Workshop besucht habe. Bei einer privaten Feier durfte ich vor ihr auftreten – mein schönster Traum wurde wahr.
Du bist viel in der Welt herumgereist und hast bei vielen Lehrern gelernt. Wie würdest du heute deinen eigenen Tanzstil beschreiben?

Zur Zeit glaube ich, daß sich mein Tanzstil immer noch in der Entwicklung befindet. Denn ich muß noch soviel von anderen Lehrern lernen und über mich selbst herausfinden. Ich bin wirklich froh, auf meinem Weg so viele wunderbare Menschen kennengelernt zu haben, die alle etwas zu meinem persönlichen Werdegang beitragen konnten. Unterwegs habe ich die Erfahrung gemacht, daß man aus jeder Begegnung etwas lernen kann, das einen schöner und einzigartiger macht. So vielen Lehrern möchte ich dafür danken, was sie mir alles gegeben und aus mir herausgeholt haben.


Wie hat sich der Orientalische Tanz inzwischen in England entwickelt?

Die englische OT-Szene blüht und gedeiht, weil immer neue Talente und Lehrer nachwachsen. Aus der internationalen Szene kommen sehr viele zu uns, und das macht richtig Spaß. Wir können uns glücklich schätzen, durch die Kolonialgeschichte direkten Zugang zur arabischen Kultur und Gemeinschaft zu haben. In England kann man unmittelbar von Arabern lernen, und wir haben hier auch arabische Live-Shows, die einem sehr dabei helfen, etwas für die eigenen Schritte und Techniken zu tun.


Im letzten Jahr bis du nach Deutschland gekommen, um bei dem berühmten Wettbewerb „Bellydancer of the World“ anzutreten … und bist auf Anhieb Siegerin in der Kategorie „Klassisch Orientalisch“ geworden – nachträglich unseren Glückwunsch dafür. Wie hast du dich damals gefühlt, und wie fühlst du dich heute, wenn du auf der anderen Seite (in der Jury) sitzen darfst?

Zuerst einmal danke für eure freundlichen Worte. Ich konnte es damals gar nicht fassen, auf dem ersten Platz gelandet zu sein. Ich meine, ausgerechnet in der Disziplin „Klassisch Orientalisch“, wo doch so viele andere wunderschöne und ausgezeichnete Frauen aus der ganzen Welt angetreten sind. Vorher glaubte ich noch, der klassische OT sei nicht meine stärkste Seite, doch beim Wettbewerb stellte sich dann heraus, daß ich damit am besten, am natürlichsten zurechtkomme.

 

Ich erinnere mich noch wie heute, daß ich nach der Siegerehrung zu Leyla gegangen bin und sie gefragt habe, wie ich meinen Tanz verbessern könnte. Der Sieg vor einem Jahr hat mich mehr motiviert als alles andere. Vor allem, weil ich soviel Wichtiges von den Punktrichtern gehört habe, wie ich meine Technik und Präsentation verbessern könnte. Ich bin Leyla überaus dankbar, mich in diesem Jahr in die Wettbewerbs-Jury zu holen. Und natürlich auch dafür, meinen ersten Workshop beim „Orientalischen Festival Europas“ geben zu dürfen. Deswegen fühle ich mich natürlich glücklich und besonders geehrt, dieses Jahr „auf der anderen Seite“ zu sitzen. Und an dieser Stelle möchte ich allen Wettbewerbs-Teilnehmern alles Gute wünschen!


Was bekommen wir von dir auf der Bühne zu sehen, und was wirst du uns in deinem Workshop beibringen? 

Die Einzelheiten meines diesjährigen Auftritts möchte ich noch nicht verraten, weil sie eine Überraschung sein sollen – nur so viel: Es wird sehr dramatisch zugehen.

Aber über den Workshop will ich natürlich eine ganze Menge sagen. Es geht darin hauptsächlich um Schleier und Schritt-Kombinationen. Der Seidenschleier ist eines meiner Lieblings-Accessoires im OT. Ich sehe ihn auch als Verlängerung meines Körpers und weniger als Hilfsmittel an. Der Schleier verleiht dem Tanz zusätzliche Weichheit und Sinnlichkeit, und genau so etwas haben wir in meinem Kurs auch vor: Wir konzentrieren uns darauf, schöne und fließende Schleier-Übergänge zu erschaffen, die sich zu jedem orientalischen Lied einsetzen lassen. Außerdem erfahren wir so einiges darüber, wie man ganz natürlich mit dem Schleier umgeht. Alle Schritte und Schleier-Kombinationen sind auch Teil meiner neuen Choreographie, bei der es sehr dramatisch und emotional zugeht.

Welche Zukunftspläne hast du? 

Na, was wohl? Natürlich noch mehr zu internationalen Tanz-Festivals zu reisen; leider stand mir im zurückliegenden Jahr nicht soviel Zeit dafür zur Verfügung, wie ich es gern gehabt hätte. Ich gebe auch in London Unterricht, und deswegen will ich auch weiter daran arbeiten, mir meine eigene Tanzschule einzurichten. Hinzu kommen ab nächsten Januar neue Tanz-Kurse. Ich trete auch häufig bei Privatfeiern auf, und ich baue mir ein zweites Standbein als Kräuterärztin an Londoner Kliniken auf. Es gibt also 2016 eine ganze Menge zu tun, aber am allerliebsten möchte ich natürlich noch mehr wunderbare Menschen aus der Szene wie zum Beispiel Leyla Jouvana kennenlernen und sie bei ihrem wundervollen Festival unterstützen; immerhin habe ich ja miterlebt, wieviel Arbeit sie dort hineinsteckt. Und schließlich möchte ich mehr internationale Lehrer nach Großbritannien einladen, damit der Orientalische Tanz bei uns noch weiter wächst.

Danke für alles, und wir sehen uns in wenigen Tagen,
Sarasvati Dance

Homepage:
www.sarasvatidance.com

Die Gewinner der Solo-Kategorien 2014, v.l.n.r.: Payal Gupta (Indien) – Bollywood/Indian Fusion, Chloé Schwartz (F) – Fusion/Fantasy, Mor Geffen (IL) - Tribal Fusion und Folklore, Pauline Ata (F) – Tribal Fusion, Sarasvati (GB) - Klassisch Orientalischer Tanz
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler