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Das erste, woran man sich nach einem Auftritt von Silvia Salamanca erinnert, ist die Frage, war das eben ein menschliches Wesen oder ein Wirbelwind? Silvia steckt so voller Energie, daß man in manchen Momenten befürchtet, sie könnte für unser Auge zu schnell sein. Aber wenn man sich nach einer Weile etwas auf ihr Tempo eingestellt hat, bekommt man auch einen Blick für ihre ausgezeichnete Tanzkunst. Sie beherrscht ihre Stile so meisterlich, daß sie förmlich strahlt. Und man bewundert, wieviel Spaß sie in genau in diesem Moment an ihrem Auftritt hat, und in dem Moment davor, und in dem folgenden Moment …

Gleich wird sie uns erzählen, wie es ihr in den wenigen Jahren vom Beginn ihrer Karriere bis heute ergangen ist (und sie ist noch längst nicht auf ihrem Gipfel angelangt).
Schaut mal rein ...
"DER SPASS KOMMT DIREKT
AUS MEINEM HERZEN"

Interview mit Silvia Salamanca

- von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Als wir dich kennengelernt haben (das muß so 2009 gewesen sein), hatten wir gerade eine junge, ehrgeizige und sehr talentierte Tänzerin auf der Bühne erlebt, die ganz nach oben wollte. Haben sich inzwischen alle deine Träume und Wünsche erfüllt, oder gibt es noch mehr, was du erreichen willst?

Ich bin noch immer völlig überwältigt davon, wie gut es mir in meinem Tanzleben ergangen ist. Meine Wünsche und Hoffnungen haben sich nicht nur erfüllt, sie sind sogar übertroffen worden (und zwar deutlich), und es sind auch noch Dinge eingetreten, die ich nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Ich liebe den Tanz so sehr (sowohl ihn vorzuführen, wie ihn zu unterrichten). Vor Jahren noch war mein oberstes Ziel, von meinem Traum-Beruf leben zu können. Bloß um den Ruhm ist es mir nie ergangen, und ich habe auch nicht abgehoben. Deswegen gebe ich es hier offen zu: Ich werde immer noch bis ins Innerste rot, wenn mir jemand ein Kompliment macht.

Ja, was will ich noch erreichen? Jeden Tag wünsche ich mir, eine noch bessere Künstlerin zu werden. Nicht etwa, weil ich mich für eine mittelmäßige Tänzerin halte, sondern weil ich als Persönlichkeit reife und mein Tanz da mithalten soll. Jedes Jahr sehe ich so viele unglaublich tolle Tänzerinnen, daß ich mir sage, du hast noch lange damit zu tun, dich weiterzuentwickeln.

In meinen neuesten Nummern werde ich auch wagemutiger und persönlicher, und das werdet ihr alle in den kommenden Monaten zu sehen bekommen.


In Europa bist du mittlerweile sehr populär, und viele Zuschauer kommen extra deinetwegen. Und dafür sind hauptsächlich deine großen Erfolge bei Leyla und Roland Jouvanas Orientalischen Festivals Europa in Duisburg verantwortlich. Wie wichtig waren (und sind noch) Leyla und Roland für deine internationale Karriere?

Ganz und gar wichtig!!! Leyla und Roland waren Jahr für Jahr ein Segen für mich, und es ist mir eine Ehre, dort immer wieder eingeladen zu werden. Ich schulde diesen beiden unglaublichen Menschen ungeheuer viel. Und mit Worten allein läßt sich nicht ausdrücken, wie dankbar ich ihnen bin.
Du führst immer noch deine sehr persönliche und besondere Stil-Mischung auf, die wir gern „Silvianesk“ nennen würden. Sie besteht aus Flamenco, Tribal, Schwerttanz, ein wenig hiervon und davon und vor allem viel Spaß und Unterhaltung. So etwas lernt man nicht in einem Sommer. Wie hast du es angestellt, alle diese Zutaten zusammenzubekommen und zu dieser wohlschmeckenden Mischung zu verrühren (wir hoffen wir haben keine der wichtigeren Beigaben vergessen).

Also gut, den Flamenco hatte ich natürlich schon im Blut (Silvia ist Spanierin), und den mit dem Tribal zu vermischen, lag doch auf der Hand. Wenn man bedenkt, daß die Armhaltung im Tribal ähnlich der beim Flamenco ist …

Der Schwerttanz entstammte meiner Faszination, wenn ich andere Tribal-Tänzerinnen gesehen hatte, wie sie einen Säbel auf dem Kopf balancieren.

Und der Spaß kommt direkt aus meinem Herzen. Oft genug muß ich bei meinen Darbietungen kichern, weil ich mich wie ein Mädchen bei seinem ersten Auftritt fühle.

Als wir dich vor einigen Jahren zum ersten Mal interviewt haben, hast du uns erzählt, du sähest es als deine Aufgabe an, den Flamenco in den USA bekannter und beliebter zu machen. Wie erfolgreich bist du dabei gewesen? 

Ganz ehrlich? Sehr erfolgreich. Im zurück liegenden Jahr sind meine „Spanischer Zigeunertanz“- Kurse auf den großen US-Festivals, zu denen man mich eingeladen hatte, ausverkauft gewesen. Und zwar oft schon kurz nach Bekanntgabe. Ich bin sehr froh darüber, daß Künstlerinnen mehr und mehr dazu bereit sind, sich über die Kultur der Zigeuner fortzubilden.


Du forschst auch immer noch über den Flamenco und seine nordafrikanische Herkunft. Zu welchen neuen Erkenntnissen bist du inzwischen gelangt?

Ich habe herausgefunden, daß wir für den Flamenco einen sehr starken indischen Kathak-Einfluß feststellen können. Und daß er eine große Rolle dabei gespielt hat, die Wunden an den Seelen der Zigeuner zu heilen, die auf ihrer langen Wanderschaft bis nach Spanien gelangt sind.
Du lebst immer noch in zwei Welten und reist zwischen Spanien und den USA hin und her. So etwas muß doch dein Leben, deine Persönlichkeitsentwicklung und natürlich deine Kunst beeinflussen

Ich reise wirklich sehr gern und habe das Glück, über geduldige Freunde und eine Familie zu verfügen, die mich unterstützt und mir den Raum für meine Seele läßt, überall in der Welt zu scheinen. Für mich ist es jedes Mal ein Gewinn, einen Ort besuchen zu dürfen, an dem ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich bekomme einfach nicht genug von den unterschiedlichen Kulturen auf unserer wunderbaren Welt. Aber ich freue mich auch immer darauf, die Menschen wiederzusehen, die ich auf früheren Reisen kennengelernt habe.

Was meine Kunst betrifft, so schenkt mir jede neue Reise neue Gelegenheiten, neue Tänzer zu erleben und mich von ihnen inspirieren zu lassen.

Wie geht es deiner Gruppe, „Shunyata“?

„Shunyata“ sind sehr glücklich darüber, jedes Jahr auf dem „Texas Renaissance Festival“ (Texas Mittelalter-Festival) zusammen mit unserer Band Solecism auftreten zu können. Ach, ich liebe jeden Einzelnen von unseren Tänzern und Musikern.

Du hast in diesem Jahr eine Welt-Tournee begonnen. Wo bist du schon gewesen, wo willst du noch hin, und bekommen wir dich auch zu sehen?

Ach du lieber Himmel … Also, ich war in Dallas (Texas), im mexikanischen Guadalajara, in Seattle (Washington), in Colorado, Kalifornien, Arizona, in El Paso (Texas), im französischen Lyon, auf meiner Heimatinsel Mallorca und in Florida … Und jetzt geht es noch wieder nach Dallas, dann in den Bundesstaat Washington, ins japanische Tokio, ins südafrikanische Kapstadt und endlich nach … Deutschland! Ich bin überglücklich, noch einmal die Gelegenheit zu bekommen, auf ein Festival von Leyla und Roland zu dürfen! Olé!

Ich sende euch Liebe und Licht, Silvia

Homepage: www.silviasalamanca.com

Silvia Salamanca ist zu Gast bei
Leyla und Roland Jouvanas
23. Orientalischen Tanzfestival Europas in Duisburg,
24. - 30. November 2015

Homepage:
www.leyla-jouvana.de
Silvia Salamanca im Duo mit ihrer Tanzkollegin Mia Sha'uri aus Puerto Rico
Silvia mit iher Gruppe Shunyata und Band Solecism (photo © RAW Art photography)
Photos © Konstanze Winkler (falls nicht anders vermerkt)
Dieses Interview erscheint im englischsprachigen Original zeitgleich in der Druckausgabe der amerikanischen "Zaghareet!"
Webseite:
http://zaghareet.freeservers.com/magazine.html